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Klaus Gysi


Klaus Gysi (* 3. März 1912 in Neukölln; † 6. März 1999 in Berlin) war im kommunistischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv, von 1966 bis 1973 Minister für Kultur und von 1979 bis 1988 Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR.

Leben

Gysi wurde als Sohn eines Arztes und einer Buchhalterin geboren. Er stammte aus einer Berliner Familie, deren Stammvater, der Seidenfärber Samuel Gysin (* 1681) aus Läufelfingen (Schweiz), nach längerem Aufenthalt in Basel 1731/32 mit seiner Familie zugewandert war.[1] Seine Mutter war jüdischer Herkunft.[2] Klaus Gysi besuchte die Volksschule im Berliner Bezirk Neukölln und das Realgymnasium. 1931 legte er nach dem Besuch der Odenwaldschule das Abitur in Darmstadt ab. Er war seit 1928 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands, der Internationalen Arbeiterhilfe und des Sozialistischen Schülerbundes und trat 1931 der KPD bei. Zeitweise wirkte er als Jugendfunktionär der KP in Hessen. Er studierte von 1931 bis 1935 Volkswirtschaftslehre in Frankfurt am Main, an der Sorbonne in Paris und in Berlin.

Seit 1931 war er in der Roten Studentenbewegung aktiv. 1935 wurde er von der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin verwiesen, ging 1936 nach Cambridge und wurde 1939 Mitglied der Studentenleitung der KPD in Paris. Von 1939 bis 1940 war er in Frankreich interniert. Beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht konnte er untertauchen. Mitten im Krieg kehrte er 1940 auf KPD-Beschluss mit seiner Frau Irene Gysi[3] (geb. Lessing, Schwester von Gottfried Lessing) nach Deutschland zurück, was zu diesem Zeitpunkt für den Halbjuden und Kommunisten Klaus Gysi einem Himmelfahrtskommando glich. Mit Glück und Geschick überlebten die Gysis die fünf Jahre bis Kriegsende in der Illegalität Berlins. Gysi war in dieser Zeit für den Verlag Hoppenstedt & Co. und auch weiterhin politisch tätig.[4]

1946 trat Gysi der SED bei. Er war von 1945 bis 1948 Chefredakteur der Zeitschrift Aufbau: Kulturpolitische Monatsschrift, von 1945 bis 1977 Mitglied des Präsidialrates, Bundessekretär und schließlich Mitglied des Präsidiums des Kulturbundes und von 1949 bis 1954 Abgeordneter der Volkskammer. Von 1952 bis 1957 arbeitete er beim Verlag Volk und Wissen und war danach bis 1966 als Nachfolger von Walter Janka Leiter des Aufbau-Verlages.

Seit 1963 war Gysi Mitglied der Westkommission des Politbüros des ZK der SED. Von 1966 (ab 12. Januar 1966) bis 1973 war er Minister für Kultur, Mitglied des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik und der Kulturkommission des Politbüros des ZK der SED. Von 1967 bis März 1990 war er wieder Abgeordneter der Volkskammer.

Von 1973 bis 1978 war Gysi Botschafter in Italien, im Vatikan und auf Malta.[5] Er war von Dezember 1978 bis 1979 Generalsekretär des offiziösen DDR-Komitees für Europäische Sicherheit und Zusammenarbeit, das der Vorbereitung der KSZE diente. Von November 1979 bis zum Ruhestand 1988 war Gysi Staatssekretär für Kirchenfragen.[6] 1990 wurde er Mitglied der PDS.

Gysi wurde 1969 mit dem Banner der Arbeit, 1970 der Erinnerungsmedaille des Ministeriums für Staatssicherheit und der Lenin-Erinnerungsmedaille, 1962 und 1972 dem Vaterländischen Verdienstorden, 1977 dem Karl-Marx-Orden, 1982 mit der Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden und 1987 mit dem Großen Stern der Völkerfreundschaft ausgezeichnet. Ihm wurde 1987 der Ehrendoktor der Friedrich-Schiller-Universität Jena verliehen.

Er ist auf dem Dahlemer Waldfriedhof in Berlin-Zehlendorf bestattet.

Seine Tochter, die Schauspielerin Gabriele Gysi, reiste 1985 aus der DDR aus. Sein Sohn, der Rechtsanwalt Gregor Gysi, war von 1990 bis 1993 Vorsitzender der PDS und ist bis heute einer der prominentesten Politiker der Partei Die Linke.

Von 1956 bis 1964 arbeitete Gysi als inoffizieller Mitarbeiter unter dem Decknamen »Kurt« für das Ministerium für Staatssicherheit.[7][8]

Literatur

Weblinks

 Commons: Klaus Gysi  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Stefan Hess: Gysin , in: Historisches Lexikon der Schweiz
  2. Michael Wolffsohn: Die Deutschland-Akte. Juden und Deutsche in Ost und West. Tatsachen und Legenden. Edition Ferenczy bei Bruckmann München, München 1995. Vgl. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik/rezension-sachbuch-die-ddr-und-die-juden-11305335.html
  3. Dem Heldenkind gehört die Zukunft. In: taz. 5. August 2005.
  4. Jens König: Gregor Gysi. Eine Biographie. 1. Auflage. Rowohlt, Berlin 2005, ISBN 3-87134-453-2, S. 56 ff.
  5. Ein Fanatiker, mit dem sich reden lässt. 3. März 2012, archiviert vom Original am 17. Oktober 2013, abgerufen am 7. Dezember 2014.
  6. [1]
  7. Clemens Vollnhals: Die Kirchenpolitik von SED und Staatssicherheit: eine Zwischenbilanz. Ch. Links Verlag, Berlin 1996, ISBN 3-86153-122-4, S. 96. (online) (Band 7 von Analysen und Dokumente)
  8. Gerhard Besier: Die Ost-CDU, ihre Religionspolitik und das MfS. S. 5, archiviert vom Original am 16. Oktober 2013, abgerufen am 7. Dezember 2014 (pdf).


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus Gysi (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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