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Klappe (Blasinstrument)


Klappen (engl. key, frz. clef, ital. chiave) dienen bei Holzblasinstrumenten (selten auch bei manchen frühen Blechblasinstrumenten) dazu, Tonlöcher zu erreichen, die aufgrund der Größe oder Bauart des Instruments der normalen Handhaltung nicht zugänglich sind oder die zum Verschließen mit der Fingerkuppe zu groß sind.

Entstehung

Die ersten, einfachen Holzblasinstrumente waren Flöten, bei denen die Tonlöcher für die Finger gut erreichbar waren. Bei den kleineren (höheren) Blockflöten ist dieses System bis heute zu sehen.

Mit der Weiterentwicklung der Instrumente und der Musik im Allgemeinen suchte man nach Möglichkeiten, den Tonumfang zu vergrößern und alle chromatischen Töne der Skala ausführen zu können. Je komplexer die Anforderungen wurden, desto schwieriger war es, diese Töne durch Griffkombinationen mit den bis dahin gewohnten Löchern zu erzeugen. Auch wurden zusätzliche Löcher eingeführt, die das Überblasen erleichterten oder die Intonation verbesserten, indem – unabhängig von der Ergonomie der Hand – die Tonlöcher an den akustisch richtigen Stellen des Rohres gebohrt wurden. Diese Löcher wurden mit Klappen versehen, einem Mechanismus, der quasi die Finger des Spielers verlängert (und/oder die Fingerkuppe vergrößert). Durch Klappen(kombinationen) konnte auch die Applikatur (Fingersatz) erleichtert werden und so wurden Zusatzklappen für bestimmte Triller, Doppelgriffe oder auch für das Legato-Spiel angebracht.

Klappen sind seit dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts nachweisbar; die geschlossenen Klappen scheinen erst im 17. Jahrhundert aufgekommen zu sein. Klappen an Blechblasinstrumenten zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnten sich gegenüber den Vorteilen der etwa gleichzeitig erfundenen Ventile nicht durchsetzen. Bei Holzblasinstrumenten wie Querflöte und Klarinette ist die von Theobald Böhm Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Klappenmechanik mit verlängerten Hebelarmen bis heute technischer Standard.

Funktion

Eine Klappe besteht einerseits aus dem Polster (Kissen), das, an einer runden Metallscheibe angebracht, das Tonloch abdeckt. Mit verschiedenen mechanischen Konstruktionen aus Metallstangen wird sie mit der Fingerklappe verbunden, die durch Drücken das Loch öffnen oder schließen kann.

Auf der Detailabbildung eines Fagotts sind rechts unten zwei Tonlöcher mit Deckeln, von denen das rechte gut sichtbar zur Klappe in der Mitte des Bildes führt. Es handelt sich um die Klappe für das große Fis. Sie wird, wie die anderen drei Klappen links vom rechten Daumen des Spielers betätigt, wobei die runde Taste in der Mitte (das große E) der eigentliche Klappendeckel mit dem Polster selbst ist: dieses Tonloch ist am modernen Fagott zu groß, um vom Daumen allein abgedeckt werden zu können. (Am Barockfagott ist an dieser Stelle ein kleineres Loch ohne Klappe)

Terminologie

Man unterscheidet:

  • nach der Spielfunktion:
    • Bindeklappe: dient der Erleichterung von „tenuto“-Bindungen bestimmter Töne (engl. slur, frz. ligature, ital. legatura).
    • Doppelgriffklappe: (nur Saxophon) zwei Klappen werden mit einem Finger betätigt (engl. double-plate key, frz. double clef; ital. raddoppia, chiave di comodita); nicht mit den „Doppelgriffen“ der Streicher zu verwechseln.
    • Trillerklappe: dient der Erleichterung von bestimmten Trillern (engl. trill/shake key, frz. clef du/pour trille, ital. chiave del trillo).
    • Oktavklappe (auch Überblas- oder Schleifklappe): dient zur Erleichterung des Überblasens; ist auf der Unterseite des Rohres angebracht (engl. speaker key, frz. clef d'octave, ital. portavoce).
      • bei Klarinetten: Duodezklappe (auch Registerklappe), Klappe zum Überblasen (Klarinetten überblasen in die Duodezime, nicht in die Oktave); circa 1690 von Joh. Christoph Denner erfunden. Bassklarinetten hatten zwei Duodezklappen (Doppelklappe), die heutigentags durch mechanische Lösungen auf eine reduziert ist.
  • nach der Bauart:
    • offene Klappe: hält in ihrer Normalstellung durch Federdruck ein Loch offen (engl. open key, frz. clef ouverte, ital. chiave aperta).
    • geschlossene Klappe: schließt in ihrer Normalstellung durch Federdruck ein Loch (engl. closed key, frz. clef fermée, ital. chiave chiusa).
    • Kippklappe: Einfache Klappe, bei der ein Hebel über ein Lager das Polster auf das Loch senkt. Sie wird durch „Blattfedern“ zurückgestellt.
    • Drehklappe: die Bewegung des Hebels wird durch eine am Rohr entlangführende Welle auf die Klappe übertragen. Sie wird durch "Nadelfedern" zurückgestellt (engl. key on rod; frz. clef à tringle; ital. cannetta con perno, profilato contropunte).
    • Plateauklappe: eine ungelochte Klappe.
    • Ringklappe: ein ringförmiger Betätigungshebel, der über einem offenen Griffloch liegt und beim Greifen die Klappe über einem anderen Tonloch mitbewegt oder ein Loch schließt, das zu groß ist um von einem Finger geschlossen werden zu können. 1808 von Fr. Nolan erfunden. 1839 von Hyacinthe Klosé im Zusammenhang mit dem Boehm-System populär geworden. (engl. ring key, brille; frz. anneau mobile; ital. chiave ad anello).
    • Löffelklappe: Mechanismus zum Schließen auch größerer („versenkter“) Löcher. 1813 von Iwan Müller erfunden.
    • Daumenklappe: durch den Daumen betätigte Klappe zum Überblasen (engl. thumb-key, frz. clef du pouce, ital. chiave del pollice).
    • Brillenklappe: die Kombination einer Ringklappe mit einer Plateauklappe, von Adolf Sax erfunden.
    • Wasserklappe: bei Blechblasinstrumenten Klappe, zum ausfließenlassen des Kondenswassers (vom Spieleratem) aus dem Instrument (engl. water key, frz. clef d'eau, ital. chiave dell'acqua/di scala).
  • Klappenmechanik (engl. keywork, frz. mecanisme des clefs, ital. meccanismo delle chiavi)
    • Klappenanordnung (engl. key-arrangement, frz. disposition des clefs, ital. disposizione delle chiavi).
    • Klappenloch: ist entweder „einfach“ oder „versenkt“ (bei Klarinetten); hat einen Rand oder ist „flach“. (engl. key hole, frz. trou de clef, ital. foro della chiave).
    • Klappenpolster: der gepolsterte Verschlußdeckel für das Tonloch; anfangs aus Filz, später aus weichem Leder (meist Ziegenleder). (engl. key cushion/pad, frz. tampon de clef, ital. tampone cuscinetto).
    • Klappenlöffel: löffelförmiger Teil der Mechanik, auf dem das Polster sitzt (engl. key cap, frz. plateau/plaque de clef, ital. piattello della chiave).
    • Klappenstengel: das den Klappenlöffel und -stiel verbindende Teil (engl. shank, pipe; frz. rouleau; ital. coda della chiave).
    • Klappenhebel: Der Teil des Klappenmechanismus, auf dem der Finger aufliegt (engl. key lever; frz. levier/languette de clef; ital. leva della chiave, tasto).

Literatur

Weblinks


Kategorien: Bauteil (Musikinstrument) | Holzblasinstrumentenbau

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