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Kirchhain


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kirchhain (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-BiedenkopfVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 208 m ü. NHN
Fläche: 90,92 km²
Einwohner: 16.255 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 179 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35274
Vorwahl: 06422
Kfz-Kennzeichen: MR, BID
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 011
Stadtgliederung: 13 Stadtbezirke
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 6/8
35274 Kirchhain
Webpräsenz: www.kirchhain.de
Bürgermeister: Jochen Kirchner (parteilos)
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Kirchhain ist eine Stadt im Landkreis Marburg-Biedenkopf in Hessen. Sie liegt an den Flüssen Ohm und Wohra.

Geografie

Geografische Lage

Kirchhain liegt in Mittelhessen am Nord(ost)rand des Amöneburger Beckens. Die Kernstadt liegt etwa 12 km östlich von Marburg, nordöstlich der Einmündung der Wohra in die Ohm, an der sich west- und südlich Kirchhains zum Schutz der am Fluss gelegenen Ortschaften das Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm ausbreitet.

Die höchste Erhebung des Stadtgebietes ist der 380 m ü. NN hohe, mit einem Aussichtsturm versehene Burgholz im Norden, an dessen Gipfel sich auch der gleichnamige Ortsteil befindet. Der Burgholz ist der südwestlichste Ausläufer der Gilserberger Höhen, die den Norden der Oberhessischen Schwelle bilden und entlang der Rhein-Weser-Wasserscheide den Kellerwald nach Süden abdachen. Auch der nordöstlichste Ortsteil Emsdorf liegt, auf etwa 300 m Höhe, innerhalb dieses Höhenzuges, an dessen Südhängen sich auch noch von Talhöhe aus der nordöstliche Ortsteil Langenstein (bis 270 m ) und der äußerste Norden von Kirchhain-Stadt (bis etwa 280 m ) in Richtung Kirchhainer Stadtwald ziehen.

Nordwestlich der Kernstadt, jenseits der Wohra und an den Flanken des Südlichen Burgwalds liegen die Ortsteile Himmelsberg und Sindersfeld in Höhen von je um 280 m . Hier befindet sich auch der Staatsforst Rauschenberg, zu dem auch der nördliche Großteil des Waldes bei Burgholz (nördlich des Stadtwaldes) gehört.

Östlich der Kernstadt führt die Bundesstraße 454 in Richtung Stadtallendorf unmittelbar über den zur Oberhessischen Schwelle zählenden Neustädter Sattel, der vergleichsweise sanft ansteigt.

Die Gebiete westlich und südlich der Stadt sind durch die Ackerflächen und Auenlandschaften des Amöneburger Beckens geprägt, die nur durch den Basaltkegel der Amöneburg, 3 km südlich der Kirchhainer Kernstadt, unterbrochen werden. Hier liegen – neben Großteilen der Kernstadt – alle bisher nicht aufgeführten Ortsteile auf Höhen von etwa 190 bis 220 m , wobei sich die westlichen Ortsteile bereits in unmittelbarer Nähe der Lahnberge befinden, während die nördlichen Ortsteile Betziesdorf, Anzefahr und Stausebach mit dem (südlichen) Burgwald benachbart sind.

Nachbargemeinden

Cölbe Rauschenberg
Marburg Stadtallendorf
Ebsdorfergrund Amöneburg

Alle Nachbargemeinden gehören zum Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Stadtgliederung

Neben der Kernstadt Kirchhain mit ca. 8300 Einwohnern verteilen sich weitere 8900 Einwohner auf die zwölf Stadtteile:

Geschichte

Bereits zu prähistorischer Zeit durchliefen das heutige Stadtgebiet Kirchhains viele Fern- und Verbindungswege. Schon seit der frühen Jungsteinzeit lassen sich dort fast kontinuierlich verschiedene Siedlungsepochen nachweisen. Der eponyme Menhir von Langenstein ist das herausragende Zeugnis dieser Epoche. Der Höhepunkt des Siedlungsausbaues lag in der jüngeren Eisenzeit (5. Jahrhundert v. Chr.).

Erste territoriale Bildungen entstanden jedoch erst im 12. Jahrhundert n. Chr. Im Jahr 1146 wird die Siedlung erstmals urkundlich unter dem Namen „Werphloh“ erwähnt. Die Region gehörte seinerzeit zur Landgrafschaft Thüringen bzw. ab 1247 Hessen, während die benachbarte Amöneburg und weite Teile des Umlandes im Besitz der Erzbischöfe von Mainz waren. Immer wieder kam es seit dieser Zeit zu Auseinandersetzungen zwischen den Mainzern und Hessen um die Landeshoheit. Ab dem 13. Jahrhundert förderten daraufhin die Landgrafen von Hessen den Ausbau Kirchhains als hessisches Bollwerk gegen das mainzische Amöneburg, um die Region kontrollieren zu können. Kirchhain entwickelte sich fortan zum wirtschaftlichen Zentrum des Amöneburger Beckens. Die Stadtrechte erhielt Kirchhain vermutlich vor 1348, als offizielles Stadtgründungsjahr wird jedoch mangels früherer urkundlicher Nachweise erst das Jahr 1352 angesehen.

Seit dem 15. Jahrhundert bildeten die wichtigen Handelsstraßen „Lange Hessen“ und Köln-Leipziger-Handelsstraße in Kirchhain einen Straßenknoten und begünstigten damit die weitere wirtschaftliche Erschließung der Stadt. Die gute Verkehrsanbindung führte jedoch im Dreißigjährigen Krieg dazu, dass Kirchhain einige Male besetzt wurde, zeitweilig Hauptquartier verschiedener Armeen war, und damit unter der häufigen Einquartierung von Truppen zu leiden hatte. 1636 waren in und um die Stadt etwa 12.000–14.000 Soldaten untergebracht. Für die damalige Stadtbevölkerung von ca. 1.000 Einwohnern war dies eine enorme Belastung. Über den Krieg in und um Kirchhain berichtet auch Caspar Preis in seiner Stausebacher Ortschronik.

Ebenfalls unter den Kriegswirren zu leiden hatte Kirchhain im Siebenjährigen Krieg, auch hier führte die gute Verkehrslage die Truppen immer wieder in die Stadt.

Von 1806 bis 1813 war Kirchhain Verwaltungssitz des Kantons Kirchhain im Königreich Westphalen. Von 1821 an war Kirchhain Kreisstadt des neu geschaffenen Verwaltungskreises Kirchhain, bis dieser 1932 mit dem Kreis Marburg zusammengelegt wurde.

Von der jüdischen Bevölkerung Kirchhains, welche vom Ende des 16. Jahrhunderts in Kirchhain ansässig war, ist Elchanan Henle Kirchhain, der bekannteste. Sein Grabstein ist auf dem jüdischen Friedhof Kirchhains erhalten.

Stolpersteine

Ab dem Jahr 2015/16 sollen die ersten Stolpersteine im Stadtgebiet als Erinnerung an die jüdische Bevölkerung bzw. die Opfer des Holocaust gesetzt werden. Dies ist vor allem dem Engagement einiger Schüler und Lehrer der Alfred-Wegener Schule aus Kirchhain zu verdanken.

Eingemeindungen

Am 1. Februar 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Anzefahr, Betziesdorf, Burgholz, Himmelsberg, Kleinseelheim, Niederwald und Schönbach eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Langenstein, Sindersfeld und Stausebach hinzu. Emsdorf und Großseelheim folgten am 1. Juli 1974.[2]

Politik

Stadtverordnetenversammlung

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[3] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[4][5]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
     
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 36,2 13 39,9 15 40,6 15 39,3 15
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 46,1 17 38,8 14 40,3 15 47,1 17
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 7,7 3 14,6 5 9,6 4 7,4 3
FDP Freie Demokratische Partei 5,1 2 3,8 2 5,7 2
DIE LINKE Die Linke 4,9 2 2,8 1
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 3,9 1 6,2 2
Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 57,7 50,5 53,6 60,5

Wappen

Am 11. November 1986 erteilte das Hessische Ministerium des Innern der Stadt die Genehmigung, das nachstehend beschriebene Wappen zu führen.

Blasonierung: „In Rot ein silberner Spangenhelm mit goldenen Helmdecken und zwei silbernen Büffelhörnern als Helmzier, die außen mit je sechs silbernen Lindenzweigen besteckt sind, zwischen den Büffelhörnern ein goldenes ‚K‘.“

Das Stadtwappen wurde vom Heraldiker Heinz Ritt aus Bad Nauheim entworfen.

Städtepartnerschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Im Kirchhainer Ortsteil Himmelsberg befindet sich eine einst als Tanzlinde fungierende alte Sommerlinde. Sie wird als 1000-jährige Linde bezeichnet und ist seit 1971 Naturdenkmal. 2001 erschien ihr Motiv auf einer Sondermarke der Deutschen Post.

Am nördlichen Rand der Kirchhainer Altstadt befindet sich der Annapark, ein ehemaliger (1828 bis 1899) Friedhof, der vom Marburger Brauereibesitzer Bopp als Park hergerichtet und nach seiner Frau benannt wurde. Neben der Skulptur der Anna befindet sich dort seit Juni 2015 die Bronzeskulptur Lesendes Mädchen des Münsterländer Bildhauers Bernhard Kleinhans. Dessen Witwe, eine gebürtige Kirchhainerin, hatte sie der Stadt gestiftet.[6]

Bauwerke

  • Das Rathaus, Wahrzeichen der Stadt, wurde um 1450 in Fachwerk erbaut.
  • Das Haus „Zum blauen Löwen“, erbaut 1612, ist das Geburtshaus des Dichters Eberhard Werner Happel.
  • Die Evangelische Stadtkirche St. Michael stammt aus dem 15. Jahrhundert.
  • Der Torso der ehemaligen Synagoge

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Von links nach rechts sind die Ortsteile Kleinseelheim, Bauerbach (zu Marburg), Großseelheim, Schönbach, Niederwald, Anzefahr, Betziesdorf (im Hintergrund), Stausebach und Kirchhain sowie Himmelsberg (links dahinter) zu erkennen

Stadtbild

Stadtaufbau

Im Zentrum der Stadt Kirchhain befindet sich der Bahnhof Kirchhain. Vom Bahnhofsvorplatz aus verläuft, in Richtung Süden bis zum Marktplatz, die Kirchhainer Fußgängerzone, eine Einkaufsstraße, die über zahlreiche Einzelhandelsläden verfügt, darunter Warenhäuser, Boutiquen, Elektronikgeschäfte und Gastronomiebetriebe. Richtung Emsdorf gibt es ein großes Neubaugebiet, welches in den letzten Jahren ständig erweitert worden ist. Dort befindet außer einer großen Anzahl neu gebauter Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser auch ein Neubau des Altenhilfezentrums und die Heilpädagogische Gemeinschaft.

Bildung

Die Alfred-Wegener-Schule ist mit über 1000 Schülern die größte Schule im Stadtgebiet und liegt nordwestlich des Stadtzentrums. Zu ihr gehören zwei Schulsporthallen und ein Stadion. Direkt angrenzend befinden sich die beruflichen Schulen sowie eine Großsporthalle (Heinrich-Weber-Halle), die vom Landkreis Marburg-Biedenkopf betrieben wird. Darüber hinaus gibt es eine Grundschule in der Kernstadt sowie in den meisten Stadtteilen.

Wirtschaft

Die Gebiete am östlichen und westlichen Ende des Stadtgebietes sind als Industriegebiete ausgewiesen, wobei der Industriepark Kirchhain das größere von beiden ist. Die beiden größten herstellenden Betriebe sind die Marburger Tapetenfabrik und der Solaranlagenhersteller Wagner & Co, der im Jahr 2008 in Kirchhain die erste energieneutrale Fabrik zur weitgehend automatisierten Produktion von Solarkollektoren eröffnete.

Verkehr

Straße

Kirchhain ist über die Anschlussstellen Kirchhain-West, Kirchhain-Mitte und Kirchhain-Ost an die Schnellstraße B 62 und an die B 454 angebunden und somit ans Bundesfernstraßennetz.

Bahnhof

Eisenbahnverbindungen bestehen ab dem Bahnhof Kirchhain über die Main-Weser-Bahn Richtung Frankfurt und Kassel. In Kirchhain halten der Main-Weser-Express, Main-Sieg-Express und der Mittelhessen-Express.

Busverkehr

Ab dem Busbahnhof am Bahnhof Kirchhain gibt es zahlreiche Busverbindungen innerhalb Kirchhains, in alle Stadtteile, sowie zu vielen umliegenden Städten, wie zum Beispiel Marburg.

Weiteres

Öffentliche Einrichtungen

Das Amtsgericht Kirchhain hat seinen Sitz in der Stadt.

Märkte

Begünstigt durch die Lage an den alten Handelsrouten ist Kirchhain eine traditionelle Marktstadt. Bis heute werden viele Märkte in Kirchhain gehalten. Die größten Märkte mit mehreren zehntausend Besuchern sind der Ostermarkt am Wochenende vor Ostern und der Martinsmarkt, der am letzten Oktoberwochenende abgehalten wird. Am ersten Adventswochenende findet gemeinsam mit dem Weihnachtsmarkt der Kirchhainer Kunstmarkt statt; der Neujahrsmarkt wird am letzten Werktag vor Silvester veranstaltet.[7]

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Hermann Dippel, Paul Koch: Kirchhain einst und jetzt. Marburg 2001, ISBN 3-89445-282-X.
  • Heinrich Grün: Chronik der Stadt Kirchhain. Kirchhain 1952.
  • W.G. Soldan, H. Heppe: Geschichte der Hexenprozesse. Band 2, hg. von Max Bauer, Hanau/Main, Nachdruck der 3. Auflage von 1911, S. 96–98.

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402 und 404.
  3. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  4. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  6. Zur Anna im Anna-Park gesellt sich die Anneliese (Memento vom 6. Juli 2015 im Internet Archive)
  7. Märkte in Kirchhain auf kirchhain.de, abgerufen am 23. September 2013

Weblinks

 Commons: Kirchhain  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kirchhain – Reiseführer
 Wikisource: Kirchhain in Merians Topographia Hassiae – Quellen und Volltexte

Kategorien: Ehemalige Kreisstadt in Hessen | Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf | Kirchhain | Gemeinde in Hessen

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