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Kilikien


Kilikien (griechisch Κιλικία, lateinisch Cilicia, dt. auch Zilizien) ist eine antike Landschaft im Südosten Kleinasiens. Sie entspricht in etwa den heutigen türkischen Provinzen Adana und Mersin.

Grenzen

Im Westen lag die Grenze zum benachbarten Pamphylien bei Korakesion (heute Alanya), im Norden begrenzte etwa das Taurusgebirge die Landschaft;[1] durch das Gebirge führten Pässe nach Isaurien, Lykaonien und Kappadokien, darunter die berühmte Kilikische Pforte (Pylae Ciliciae) zwischen Tyana und Tarsos, durch welche Alexander der Große von Kappadokien kommend in Kilikien eindrang. Im Osten wird es nur durch das niedrige Amanosgebirge vom antiken Syrien getrennt, mit dem es stets kulturell zusammenhing (und das damals als Kulturraum erheblich größer war als der heutige Staat Syrien).

Untergliederung

Die wichtigsten Ebenen sind die von Issos, Silifke (Seleukia am Kalykadnos) und die Çukurova, die wichtigsten Flüsse der Lamas (Lamos), Ceyhan (Pyramus), Seyhan (Saros) und der Göksu (Kalykadnos).

Strabon (Geographie XIV 5,1.4) teilte Kilikien der Natur des Bodens nach in das ebene Kilikien (Kilikia Pedias, lateinisch Cilicia Campestris), die damals dicht bevölkerte und äußerst fruchtbare Küstenlandschaft, „die von Soloi und Tarsos bis Issos reichte, sowie das Gebiet, über dem auf der nördlichen Flanke des Tauros die Kappadokier wohnen“ und das gebirgige oder raue Kilikien (Kilikia Tracheia, Tracheiotis, lateinisch Cilicia Trachea) im Westen ein. Letzteres, von vielen Zweigen des Taurus durchzogen, bot namentlich für die berühmten kilikischen Ziegen gute Weideplätze und war später wegen seines vortrefflichen Schiffbauholzes lange ein Zankapfel zwischen den Seleukiden und Ptolemäern, bis es von Antiochos dem Großen erobert wurde. Als Grenze zwischen den beiden Teilen wird etwa der Fluss Lamos (heute Limonlu) angesehen, gelegentlich wird auch Soloi noch zum Rauen Kilikien gerechnet.

Ab dem 7. Jh ist Eisenherstellung belegt. Bergwerke im Taurus lieferten Silber.

Geschichte

Bereits der Hethiterkönig Ḫattušili I. (ca. 1565–1540 v. Chr.) scheint die kilikische Pforte kontrolliert zu haben, das Tiefland war als Adaniya ein unabhängiges Fürstentum. Teilweise stand es, wie auch das nördlich angrenzende Kizzuwatna, unter der Kontrolle von Hanigalbat. Nachdem Šuppiluliuma I. Verträge mit Kizzuwatna geschlossen hatte, konnte Muršili II. (1318–1290 v. Chr.) Adanyia dem hethitischen Reich angliedern. Kilikien war dann als Ḫilakku eine assyrische Provinz (erster schriftlicher Beleg 858 v. Chr.). Unter Salmanasser III. erfolgten die ersten Vorstöße der Assyrer um 830. Kate von Que unterwarf sich, zahlte Tribut und verheiratete seine Tochter mit dem assyrischen Herrscher, fiel aber dann wieder ab. Er wurde durch seinen Bruder Kirri ersetzt. Der assyrische Herrscher Assarhaddon rühmt sich der Unterwerfung der Ḫilakku, eines Gebirgsvolkes, das die unzugänglichen Berge in der Nähe von Tabal bewohnt, „boshafte Hethiter, die sich auf ihre Berge verließen und sich seit Menschengedenken keinem Joch unterworfen hatten“.

Ab 607 v. Chr. war Kilikien unter der Dynastie des Syennesis selbständig. Dessen Nachfolger wurden schließlich nach dem Tod Kyros des Jüngeren Vasallen der Perser. Beide Kilikien waren unter einem Satrapen vereint, der aus der Dynastie des Syennesis stammte (Herodot, Xenophon). Unter Pharnabazos wurden ab 380 v. Chr. in Tarsus und Nagidos Münzen geprägt. 333 v. Chr. eroberte Alexander der Große die Gegend. In hellenistischer Zeit wechselte Kilikien zwischen den Seleukiden und Lagiden, es kam wieder zu einer Teilung. Neu gegründet wurden Seleukia am Kalykadnos, Aigeai und Arsinoe als autonome Städte, wohl auch Olba. Nach mannigfachem Wechsel der Herrschaft zwischen einheimischen, makedonischen, syrischen und ägyptischen Königen und zuletzt Mithridates VI. und Tigranes II. wurde Kilikien durch Pompeius, der die kilikischen Seeräuber besiegte, in seinem östlichen Teil eine römische Provinz, während die Bewohner des Hochlandes noch lange Zeit ihre Unabhängigkeit behaupteten. 51/50 v. Chr. war Cicero Statthalter der Provinz. Nach dem Tode Caesars 44 v. Chr. wurde die Provinz jedoch aufgelöst und teilweise Syrien zugeschlagen, teilweise einheimischen Dynasten überlassen und erst wieder um 72 n. Chr. unter Vespasian eingerichtet.

Im 7. Jahrhundert, im Zug der islamischen Expansion, kam Kilikien an die Araber und wurde meist von Syrien aus regiert, wobei das Taurusgebirge die Grenze zum byzantinischen Reich bildete. Im Laufe des 10. Jahrhunderts erfolgte die byzantinische Rückeroberung.

Nach der Schlacht von Manzikert, die Kleinasien für die Seldschuken öffnete, konnte der armenische Statthalter Abul Gharib die Provinz auch ohne Unterstützung der Zentralregierung halten, doch ab 1080 begannen armenische Flüchtlinge zunächst im Taurus und Antitaurus, später auch in der Ebene, unabhängige Besitzungen einzurichten, die die Oberhoheit von Konstantinopel nicht mehr anerkannten. Unter der Oberhoheit der Rubeniden, später der Hethumiden entstand ein Reich, das fälschlich oft „Königreich Kleinarmenien“ genannte Armenische Königreich von Kilikien. Es konnte sich bis 1375 in wechselnden Bündnissen behaupten, zunächst oft im Bund mit den Kreuzrittern, später meist in Konflikt mit dem Fürstentum Antiochia und den Tempelrittern. Hauptstadt war Sis (heute Kozan). Ab 1515 wurde das ehemalige Gebiet Kleinarmeniens Teil des osmanischen Reiches.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kilikien Teil der neu entstandenen Türkei. Von 1919 bis 1921 wurde es durch Frankreich besetzt, 1921 an die Türkei zurückgegeben.

Städte

Hauptstadt des antiken und byzantinischen Kilikien war Tarsos. Weitere namhafte Orte:

Strabon nennt die Festung Korakesion (heute Alanya), Arsinoë, Hamaxia, Laertes, Selinous, Kragos, Charadrus, Anemurion, Soloi, Nagidos, ein weiteres Arsinoë, Melania, Kelenderis, Holmoi, Seleukia am Kalykadnos, Korykos und die korykischen Grotten, Elaioussa, Lamos, Issos und Olba.

Eine Liste der Befestigungen findet sich unter Liste von Burgen in Kleinarmenien.

Siehe auch

Literatur

  • Rykle Borger: Die Inschriften Asarhaddons, Königs von Assyrien. Archiv für Orientforschung. Beiheft 9. Weidner, Graz 1956.
  • David Engels: Cicéron comme proconsul en Cilicie et la guerre contre les Parthes. In: Revue Belge de Philologie et d'Histoire 86, 2008, S. 23–45.
  • Friedrich Hild, Hansgerd Hellenkemper: Kilikien und Isaurien. Tabula Imperii Byzantini. Bd 5. Wien 1990. ISBN 3-7001-1811-2.
  • Taner Korkut: Girlanden-Ostotheken aus Kalkstein in Pamphylien und Kilikien. Untersuchungen zu Typologie, Ikonographie und Chronologie. Sarkophag-Studien. Bd 4. Zabern, Mainz 2006. ISBN 3-8053-3563-6.
  • J. G. Macqueen: The Hittites and their contemporaries in Asia Minor. London 1975, 1996. ISBN 0-500-27887-3.
  • Susanne Pilhofer: Romanisierung in Kilikien? Das Zeugnis der Inschriften (PDF; 5,2 MB). Quellen und Forschungen zur Antiken Welt. Bd. 46. München 2006. ISBN 3-8316-0538-6. 2., erweiterte Auflage, mit einem Nachwort von Philipp Pilhofer. Quellen und Forschungen zur Antiken Welt. Bd. 60, München 2015. ISBN 978-3-8316-7184-7.
  • Brent D. Shaw, Bandit Highlands and Lowland Peace: The Mountains of Isauria-Cilicia. Journal of the Economic and Social History of the Orient 33/2, 1990, 199–233.
  • Tassilo Schmitt: Provincia Cilicia. Kilikien im Imperium Romanum von Caesar bis Vespasian. In: Gegenwärtige Antike – antike Gegenwarten. Kolloquium zum 60. Geburtstag von Rolf Rilinger. Oldenbourg, München 2005, S. 189–222. ISBN 3-486-56754-3.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Friedrich Hild, Hansgerd Hellenkemper: Kilikien und Isaurien. Tabula Imperii Byzantini Band 5. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1990, ISBN 3-7001-1811-2, S. 18

Kategorien: Küstenregion des Mittelmeeres | Region in der Türkei | Satrapie des Achämenidenreiches | Römische Provinz (Vorderasien)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kilikien (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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