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Kernkraftwerk Lingen


Dieser Artikel beschreibt das seit 1979 stillgelegte Kernkraftwerk Lingen, nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls in Lingen, bis heute in Betrieb befindlichen Kernkraftwerk Emsland.
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Kernkraftwerk Lingen
Kernkraftwerk Lingen im August 2010
Lage
 
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Land: Deutschland
Daten
Betreiber: VEW (Betrieb)

RWE (nach Stilllegung)

Projektbeginn: 1964
Kommerzieller Betrieb: 1. Juli 1968
Stilllegung: 5. Jan. 1979

Stillgelegte Reaktoren (Brutto):

1  (268 MW)
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 9.136 GWh
Stand: 7. Okt. 2006
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Lingen (KWL) in Lingen war ein Siedewasserreaktor, mit dessen Bau 1964 begonnen wurde und der als Demonstrationsanlage für spätere Siedewasserreaktoren dienen sollte.[1] Der Reaktor hatte eine thermische Leistung von 540 MW, der mit Mineralöl befeuerte Überhitzer hatte eine thermische Leistung von 214 MW.[2] Daraus ergab sich für das Kraftwerk eine elektrische Leistung von 250 MW, hiervon 82 MW aus dem Überhitzer. Aufgrund des ölbefeuerten Überhitzers verfügte das Kraftwerk – ungewöhnlich für ein Kernkraftwerk – über einen ca. 150 Meter hohen Schornstein. Dieser wurde im Sommer 2009 im Zuge der Rückbauarbeiten am Kraftwerk abgerissen und durch einen wesentlich kleineren Schornstein ersetzt.[3][4]

Unmittelbar neben dem Kernkraftwerk befindet sich das Erdgaskraftwerk Emsland und wenige Kilometer südöstlich des Standortes das Kernkraftwerk Emsland.

Geschichte

1968 nahm der VEW-Konzern in der damals noch selbstständigen Gemeinde Darme das Kernkraftwerk Lingen in Betrieb. Es war eines der ersten kommerziellen Kernkraftwerke Deutschlands. Im Jahr 1977 wurde der nukleare Teil des Kraftwerks nach einem Schaden im Dampfumformersystem stillgelegt und befand sich von 1988 bis 2013 im sicheren Einschluss.

1989/90 erlangte der Standort des Kraftwerks noch einmal Aufmerksamkeit, weil auf dem dortigen Gelände nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl radioaktiv belastetes Molkepulver gelagert und bearbeitet wurde. Insgesamt 5.000 Tonnen Molkepulver aus der bayerischen Käseproduktion, das ursprünglich mit bis 8.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm kontaminiert war, wurden mit einem von Prof. Franz Roiner aus Hannover entwickelten Ionenaustauschverfahren behandelt; danach betrug die Kontamination noch 100 Becquerel pro Kilogramm.[5] Nach der Behandlung wurde dieses Molkepulver als Viehfutter weiterverwertet.[6]

Das Kraftwerk gehörte ursprünglich dem VEW-Konzern. Seit dessen Fusion mit RWE im Jahr 2000 – also lange nach der Stilllegung – gehört es zur RWE Power AG.

Mit dem Genehmigungsbescheid vom 21. Dezember 2015 hat das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz die erste atomrechtliche Teil-Genehmigung für den Abbau des Kernkraftwerks Lingen erteilt. Die Genehmigung regelt insbesondere den Abbaubetrieb, den Abbau der nicht kontaminierten und der kontaminierten Anlagenteile und die Zwischenlagerung von radioaktiven Abfällen.

Für den Abbau der aktivierten Anlagenteile ist eine weitere atomrechtliche Genehmigung erforderlich. Der anschließende konventionelle Abriss nach Entlassung aus der atomrechtlichen Überwachung bedarf keiner weiteren atomrechtlichen Genehmigung.

Nach den Planungen der Betreiberin des Kernkraftwerks Lingen soll der Abbau etwa zwanzig Jahre dauern.[7]

Daten des Reaktorblocks

Das Kernkraftwerk Lingen besaß einen Kraftwerksblock:

Reaktorblock[8] Reaktortyp Netto­leistung Brutto­leistung Baubeginn Netz­synchronisation Kommer­zieller Betrieb Abschal­tung
Lingen (KWL) Siedewasserreaktor 183 MW 268 MW 1.10.1964 1.07.1968 1.10.1968 5.01.1979

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Lingen Nuclear Power Plant  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 319.
  2. Noam Lior: Energy, Exergy and Thermoeconomic Analysis of the Effects of Fossil-Fuel Superheating in Nuclear Power Plants (PDF; 587 kB). In: Energy Convers. Mgmt, Vol. 38, No . 15-17, Seiten 1585–1593, 1997.
  3. Schornstein des KKW Lingen wird zurückgebaut RWE Power AG, Pressemitteilung vom 22. Juli 2009
  4. Genehmigungsbescheid I/2008 für das stillgelegte Kernkraftwerk Linden
  5. Der Spiegel 11/1987: Saure Briketts
  6. strahlentelex.de:Kommentiertes Register des Sachgebietes Nahrungsmittel-Belastungen ; Stand 23. März 2011
  7. Umweltministerium Niedersachsen: Veröffentlichte Genehmigungsunterlagen
  8. Power Reactor Information System der IAEA: „Germany, Federal Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)

Kategorien: Stillgelegtes Kernkraftwerk in Deutschland | Stillgelegtes Kraftwerk in Niedersachsen | RWE-Kraftwerk | Kernkraftwerk in Europa | Hybridkraftwerk | Gas- oder Ölkraftwerk in Niedersachsen | Lingen (Ems)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk Lingen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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