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Kazimierz


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kazimierz (Begriffsklärung) aufgeführt.

Kazimierz [kaˈʑimʲɛʃ] (deutsch Kasimir) ist ein Stadtteil von Krakau in Polen. Er liegt südöstlich der Altstadt und wie diese am linken Ufer der Weichsel. Kazimierz war bis 1800 eine eigenständige Stadt. Dazu gehörte auch das jüdische Viertel im Osten mit zahlreichen Synagogen.

Heute ist es überwiegend saniert und zu einem Anziehungspunkt für in- und ausländische Besucher geworden.

Geschichte

Stadt Kazimierz

Kazimierz wurde von König Kasimir dem Großen gegründet und nach seinem Vornamen Kazimierz benannt. 1335 erhielt es das Stadtrecht nach Magdeburger Recht.

Die Stadt erhielt Wehranlagen und drei Kirchen, die gotische Katharinenkirche, die ebenfalls gotische Fronleichnamskirche sowie die barocke Klosterkirche Skałka, welche an Stelle eines alten slawischen Heiligtums gebaut wurde und die zur Station der Pilgerzüge vor der Königskrönung wurde. Unter Kasimir Jagiello wurde die Fronleichnamskirche den lateranischen Kanonikern übergeben, in deren Besitz sie sich noch immer befindet.

Jüdische Siedlung

1495 wurden nach Pogromen die Juden aus Krakau nach Kazimierz umgesiedelt. Es entstand eine eigene jüdische Siedlung (oppidum Judaeorum) im Osten der Stadt. Diese wurde von einer Mauer umgeben.

Kazimierz wurde zu einem der wichtigsten jüdischen Zentren Polens. 1497 entstand die erste Synagoge. 1521 die erste hebräische Druckerei Polens. Es kamen Gelehrte wie Jakob Pollak und Moses Isserles. 1553 wurde die Remuh-Synagoge gebaut.

1795 kam Kazimierz an die Habsburgermonarchie.

Stadtteil von Krakau

Um 1800 wurde es Stadtteil von Krakau. 1822 wurden die Mauern um das Viertel abgetragen. Juden konnten sich in ganz Krakau niederlassen.

Ab den 1860er Jahren wurde das Viertel teilweise umgebaut. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Weichselarm zugeschüttet, der zwischen Kazimierz und Krakau verlief.

Deutsche Besetzung

Die jüdische Gemeinde von Kazimierz wurde während der deutschen Besetzung zunächst in das Krakauer Ghetto umgesiedelt; die Mitglieder der Gemeinde wurden in der Folge fast alle ermordet.

Polen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verfiel Kazimierz zu großen Teilen. Inzwischen sind viele der Gebäude saniert worden, und viele Geschäfte und Restaurants wurden eröffnet. Kazimierz wird heute von vielen Besuchern Krakaus aufgesucht.

Sehenswürdigkeiten

Christliches Viertel:
1. Das ehemalige Rathaus auf dem Markt wurde im 16. Jahrhundert erbaut und im 19. Jahrhundert umgebaut. Heute beherbergt es das Ethnographische Museum
2. St. Katharinenkirche
3. Fronleichnamskirche
4. Felsenkirche Skałka
5. Industriemuseum

Jüdisches Viertel:
6. Die Alte Synagoge stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts. Nach einem Brand wurde sie 1557 im Stile der Renaissance neu aufgebaut. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kamen der Vorsängersaal und die Weiberschul (Frauengebetsraum) hinzu. Jetzt befindet sich hier die Jüdische Abteilung des Museums für Stadtgeschichte Krakau.
7. Remuh-Synagoge, erbaut 1553 von Israel ben Josef. Sie dient auch heute noch als Gotteshaus.
8. Hohe Synagoge, erbaut 1563 ?
9. Isaak-Synagoge, erbaut 1644
10. Kupa-Synagoge, erbaut 1643
11. Die Tempel-Synagoge ist die jüngste in Kazimierz. Das 1860 durch die Fortschrittlichen Israeliten erbaute Gotteshaus war Zentrum der jüdischen liberalen Intelligenz.
12. Der Alte Friedhof wurde 1551 angelegt und ist der älteste jüdische Friedhof in Krakau. Neben zahlreichen künstlerisch wertvollen Grabsteinen (Mazzeva) liegt hier der Rabbi Moses Isserles begraben, dessen Grab von Juden aus vielen Ländern aufgesucht wird. Seit 1800 wird er nicht mehr für Begräbnisse genutzt.

Außerdem:

  • Die Breite Straße (Ulica Szeroka) war das Zentrum des jüdischen Stadtteils. Hier befanden sich viele Bethäuser, Badehäuser (Mykwaot), Synagogen und der Friedhof.
  • Die Popper-Synagoge stammt von 1620 und ist vom Kaufmann und Bankier Wolf Popper, gestiftet worden. In dem Gebäude ist heute ein Kulturhaus.
  • Das Jüdische Galizien-Museum wurde 2004 eröffnet.

Veranstaltungen

Das Jüdische Kulturfestival in Krakau ist der kulturelle Höhepunkt des Jahres im Stadtteil Kazimierz.

Siehe auch

Literatur

  • Jehuda L. Stein: Juden in Krakau. Ein geschichtlicher Überblick 1173–1939. Hartung-Gorre, Konstanz 1997, ISBN 3-89649-201-2.
  • Heinz-Dietrich Löwe: Die Juden in Krakau-Kazimierz bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. In: Michael Graetz (Hrsg.): Schöpferische Momente des europäischen Judentums in der frühen Neuzeit. Winter, Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-1053-1, S. 271–320.

Weblinks

 Commons: Kazimierz  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Kategorien: Traditionelle jüdische Siedlung | Ort an der Weichsel

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kazimierz (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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