Kaschubische Sprache - LinkFang.de





Kaschubische Sprache


Kaschubisch

Gesprochen in

Polen
Sprecher 108.140+
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von Polen (als Regionalsprache)
Sprachcodes
ISO 639-1:

ISO 639-2:

csb[1]

ISO 639-3:

csb[1]

Das Kaschubische (älter auch das Kassubische, kaschubisch kaszëbsczi jãzëk) ist eine westslawische Sprache, die in der Gegend westlich und südlich von Danzig nach Schätzungen von etwa 300.000 Kaschuben verstanden[2] und von annähernd 108.000 Menschen aktiv als Umgangssprache gesprochen wird[3]. Das Kaschubische ist eine gefährdete Sprache.

Klassifikation

Am nächsten verwandt ist das Kaschubische mit dem ausgestorbenen Slowinzischen; Kaschubisch und Slowinzisch bilden mit den ebenfalls ausgestorbenen Sprachen Pomoranisch (Ostseeslawisch) und Polabisch (Elbslawisch, Drewanisch) die Gruppe der elb-ostsee-slawischen Sprachen, die zusammen mit dem Polnischen die lechische Untergruppe des Westslawischen bilden:

Slawisch

  • Westslawisch
    • Lechisch
      • Elb-Ostsee-Slawisch
        • Kaschubisch-Slowinzisch
          • Kaschubisch
          • Slowinzisch †
        • Pomoranisch (Ostseeslawisch) †
        • Polabisch (Elbslawisch) †
      • Polnisch
    • Sorbisch
    • Tschechisch
    • Slowakisch
  • Ostslawisch
  • Südslawisch

Vergleich mit dem Polnischen

Mit dem Polnischen hat Kaschubisch einen Großteil des Erbwortschatzes gemeinsam, später ist es in Grammatik, Wortbildung und Wortschatz stark vom Polnischen beeinflusst worden. Die wichtigsten Unterschiede zum Polnischen sind Substratelemente aus dem Altpreußischen (einer ausgestorbenen baltischen Sprache), ein größerer Anteil an niederdeutschen und hochdeutschen Lehnwörtern (ca. 5 %), Vokalausfälle in unbetonten Silben sowie andere Betonungsregeln: Im Süden betont das Kaschubische auf der ersten Silbe, im Norden ist die Betonung beweglich. Ebenso kennzeichnend für das Kaschubische ist, dass es die Liquidametathese teilweise (in der Gruppe urslaw. *or, entsprechend baltoslaw. *ar) nicht durchgemacht hat: So steht dem russischen gorod, dem polnischen gród und dem serbischen grad das kaschubische Wort gard für befestigte Siedlung bzw. Stadt gegenüber, die dem rekonstruierten urslawischen Vorläufer *gordъ (alternative Notation: *gordŭ, nach Holzer *gardu) entspricht.

Sprachgeschichte

Seit dem 15. Jahrhundert wird Kaschubisch geschrieben – in Lateinschrift und nach dem Vorbild der polnischen Orthographie. Allerdings konnte sich nie eine einheitliche Schriftsprache herausbilden, die Schriftsteller schreiben bis heute in ihren jeweiligen Dialekten. Der wichtigste kaschubische Schriftsteller war im 19. Jahrhundert Florian Ceynowa, der die bis dahin für die geschriebene Sprache typische polnische Überformung stark reduziert hat. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der größte Teil des Siedlungsgebiets der Kaschuben an den neu entstandenen polnischen Staat, westliche Teile fielen an das Deutsche Reich und ein östlicher Streifen an die Freie Stadt Danzig.

Aus polnischer Sicht wurde Kaschubisch lange Zeit als ein Dialekt des Polnischen angesehen. Als Argumente dafür wurden einerseits die sprachliche Nähe angeführt, vor allem aber die Tatsache, dass sich die Kaschuben historisch immer zu den Slawen gezählt haben, insbesondere in den nationalen Auseinandersetzungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Schließlich spielt auch eine Rolle, dass Kaschubisch bis heute mehr oder weniger wie ein Dialekt funktioniert, d. h. es ist auf die mündliche Kommunikation und einige wenige Textsorten beschränkt; die Sprache des öffentlichen Lebens ist auch in den kaschubischen Gebieten nahezu ausschließlich das Polnische.

Heute werden die Bestrebungen einer Gruppe von kaschubischen Intellektuellen, das Kaschubische zu einer eigenen Standardsprache auszubauen, nicht mehr behindert, sondern vom polnischen Staat geduldet und bis zu einem gewissen Grade auch gefördert. Kaschubisch wird an einigen wenigen Schulen unterrichtet, es gibt Radio- und Fernsehsendungen auf Kaschubisch. Seit dem Jahr 2005 kann an einigen polnischen Schulen das Abitur in kaschubischer Sprache abgelegt werden. In vielen Dorfkirchen lesen die Priester die Messen bisweilen in der kaschubischen Sprache.[4] Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, ob sich die gemeinsame Orthografie, auf die man sich Anfang der neunziger Jahre geeinigt hat, wirklich durchsetzt.

Kaschubisch wurde in den folgenden fünf Gemeinden als Amtssprache eingeführt:

[5]

Günter Grass beschreibt im Roman Die Blechtrommel, wie die Mutter und der Onkel des Protagonisten Oskar das Kaschubische quasi als eine Geheimsprache verwenden.

Seit Frühjahr 2004 gibt es auch eine kaschubische Wikipedia.

Alphabet

A, Ą, Ã, B, C, D, E, É, Ë, F, G, H, I, J, K, L, Ł, M, N, Ń, O, Ò, Ó, Ô, P, R, S, T, U, Ù, W, Y, Z, Ż

Aussprache

  • Ą – wie nasales ó
  • Ã – wie nasales a
  • C – wie deutsches z
  • CZ – wie tsch
  • É – zwischen ä und i
  • Ë – wie kurzes ä, heutzutage wird es ähnlich wie ä ausgesprochen, aber auch wie ein Laut zwischen ä und a
  • Ł – wie das englische w in „water“
  • Ń – wie gn in „Champagner“
  • Ò – wie łä
  • Ó – wie oh in „drohen“, aber kürzer
  • Ô – je nach lokaler Tradition: y, o, ó
  • RZ – wie j in „Journal“
  • SZ – wie weiches sch
  • Ù – wie łu
  • Y – wie das ie in „ziehen“, aber kürzer
  • Z – wie s in „Sonne“
  • Ż – wie weiches j in „Journal“

Literatur

  • Marcin Bobrowski: Kleines Wörterbuch Deutsch-Kaschubisch. Region, Gdynia 2004.
  • Florian Ceynowa: Kurze Betrachtungen über die kaßubische Sprache als Entwurf zur Grammatik. Hrsg., eingel. und kommentiert von Aleksandr Dmitrievič Duličenko und Werner Lehfeldt. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-82501-3.
  • Gyula Décsy: Die linguistische Struktur Europas, Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1973
  • Peter Rehder (Hrsg.): Einführung in die slavischen Sprachen. 3. Aufl. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998, ISBN 3-534-13647-0. Darin: Edward Breza: Das Kaschubische; Ewa Rzetelska-Feleszko: Das Elb- und Ostseeslavische.
  • Władysław Lubaś: Kaschubisch. In: Miloš Okuka (Hrsg.): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens, Bd. 10. Klagenfurt 2002, ISBN 3-85129-510-2, S. 265–273. (PDF )
  • Friedrich Lorentz: Pomoranisches Wörterbuch. Band l–5. Akademie Verlag, Berlin 1958–1983.
  • Friedrich Lorentz: Geschichte der pomoranischen (kaschubischen) Sprache. Walter de Gruyter & Co., Berlin/Leipzig 1925.
  • Friedrich Lorentz: Kaschubische Grammatik. Danzig 1919, Nachdruck Hildesheim 1971.
  • Friedhelm Hinze: Wörterbuch und Lautlehre der deutschen Lehnwörter im Pomoranischen (Kaschubischen). Akademie Verlag, Berlin 1965.

Weblinks

 Wikipedia auf Kaschubisch
 Commons: Kaschubische Sprache  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kategorie:Kaschubisch – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Eintrag bei SIL International
  2. Kaschuben heute: Kultur-Sprache-Identität, Seiten 8-9 (auf Deutsch)
  3. Kaschuben in Statistik (Teil III), Tabelle 3. Seite 7/10 (auf Polnisch)
  4. http://www.kartuskipowiat.com.pl/index.php?lang=3
  5. Urzędowy rejestr gmin, w których używany jest język pomocniczy. Abgerufen am 20. November 2015 (polski).

Kategorien: Bedrohte Sprache | Lechische Sprachen | Einzelsprache

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kaschubische Sprache (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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