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Kaschuben


Die Kaschuben (auch Kassuben, polnisch Kaszubi, kaschubisch Kaszëbi) sind ein westslawisches Volk, das in Polen in der Woiwodschaft Pommern (Województwo pomorskie) im Landstrich Kaschubien, auch Kaschubei genannt, lebt. Darüber hinaus sind viele sich dieser Ethnie zugehörig fühlende Menschen in die USA, nach Kanada und nach Deutschland ausgewandert oder im weiteren Polen beheimatet.

Name und Sprache

Umstritten ist der Ursprung des Namens, eine gängige Erklärung ist, dass er sich von dem Kassub, einem Mantel, den die Kaschuben trugen, ableitet. Doch ist dies nicht gesichert. Die kaschubische Sprache, eine westslawische Sprache aus dem lechischen Zweig, die heute nach Schätzungen von etwa 300.000 Kaschuben verstanden[1] und von annähernd 108.000 Menschen aktiv als Umgangssprache gesprochen wird[2], enthält sowohl deutsche (ca. 5 %), als auch altpreußische Lehnwörter.

Zu den Kaschuben gehörte der nicht mehr existierende Volkszweig der Slowinzen, der westlich der heutigen Kaschuben siedelte. Berühmt ist die kaschubische Tracht, die zu den großen Feiertagen getragen wird.

Geschichte

Im 13. Jahrhundert werden „Caszubitae“, also Kaschuben in der Chronica Poloniae Maioris erwähnt. Cassubia (Kaschubei) wurde dabei nur das Land um Belgard an der Persante genannt, ein Gebiet in der späteren Provinz Pommern. Der Name ging erst im 16. Jahrhundert auch und später ausschließlich auf das Land (pomerelia, Pommerellen) und das Volk der heutigen Kaschuben über.[3]

Mit der deutschen Ostsiedlung, die in Pommern zu Ende des 12. Jahrhunderts einsetzte, als das Kloster Kolbatz gegründet wurde, begann, langsam von West nach Ost verlaufend, ein Prozess des Aufgehens der Kaschuben, die zur Minderheit wurden, in der zugewanderten deutschen Bevölkerung, die ihrerseits Orts- und Flurnamen und auch Bräuche und andere Überlieferungen der Kaschuben übernahm. In den pommerschen Herzogtümern, die seit dem 13. Jahrhundert zum Deutschen Reich gehörten, war diese Entwicklung, in der der neudeutsche Stamm der Pommern entstand, etwa im 16. Jahrhundert abgeschlossen. Im östlichen Teil des kaschubischen Siedlungsgebietes kam er dagegen zeitgleich zum Erliegen. Dieser von der Ostkolonisation schwächer erfasste Teil gehörte seit 1466 zu Polen, womit für die Fortentwicklung der Kaschuben bessere Bedingungen bestanden. Nachdem das Territorium 1772 zu Preußen gekommen war, fand dort kein vergleichbarer Germanisierungs – und Vermischungsprozess mehr statt. Die katholisch gebliebenen Kaschuben im ehemaligen Preußen Königlichen Anteils vermischten sich nicht mit der mehrheitlich evangelischen niederdeutschsprachigen Bevölkerung ihrer Region – dies im Gegensatz zu den evangelischen slowinzischsprachigen Lebakaschuben in Hinterpommern.[4][5] Während in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Provinz Pommern noch 4.080 Kaschuben (1827)[6] gezählt wurden, waren es 1900 nur noch 310.[7] In der Provinz Westpreußen dagegen war ihre Zahl im gleichen Zeitraum von 85.100[8] auf rund 200.000[9] angestiegen. Sowohl unter deutscher als auch unter polnischer Dominanz galten die Kaschuben als ländliche Minderheit. Ein Zugang zur Welt mit seinen Aufstiegschancen eröffnete sich für Kaschuben nur durch die Beherrschung der jeweiligen Sprachen.

Die Kaschuben, die heute im Staate Polen leben, pflegen zwar ihre eigene Sprache und Tradition, fühlen sich aber oft geschichtlich und ethnisch mit Polen verbunden. Seit dem 19. Jahrhundert bis heute gab und gibt es verschiedene Strömungen innerhalb der Kaschuben, welche entweder die besondere Nähe der Kaschuben zu Polen und zum Polentum betonen und sich selbst eher als ethnische Gruppe bezeichnen, sowie (weitaus geringere) Strömungen, die im Gegensatz dazu die eigenständige kaschubische Nationalität in den Mittelpunkt rücken, was manchmal von Seiten einiger Polen als separatistische Tendenz angesehen wird. Als Beispiel für diese zwei Strömungen können zwei bedeutende kaschubische Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts genannt werden, die sich beide um die kaschubische Sprache und deren Entwicklung verdient gemacht haben: Während der kaschubische Schriftsteller Hieronim Derdowski (1852–1902) schrieb „Nie ma Kaszëb bez Polonii, a bez Kaszëb Polśczi“ („Es gibt kein Kaschubien ohne Polonia, aber ohne Kaschubien Polen “), wandte sich Florian Ceynowa (1817–1881) sowohl gegen eine Germanisierung als auch gegen eine Polonisierung der Kaschuben und kritisierte die polnische Geistlichkeit und den polnischen Adel. Kaschubisch wird heute an verschiedenen Orten Kaschubiens in den Schulen gelehrt, eine eigenständige Literatur wird gefördert und vom polnischen Staat geschützt.

Heutige Lokalisierung

Die Kaschuben bewohnen die Gebiete um Puck (kasch. Pùck; dt. Putzig), Wejherowo (kasch. Wejrowò; dt. Neustadt i. Westpr.), Kościerzyna (kasch. Kòscérzëna; dt. Berent), Chojnice (kasch. Chònice; dt. Konitz), Bytów (kasch. Bëtowò; dt. Bütow), Kartuzy (kasch. Kartuzë; dt. Karthaus) und Gdańsk (kasch. Gduńsk; dt. Danzig). Letzteres, Gduńsk, betrachten die Kaschuben als ihre Hauptstadt, wenngleich unter den größeren Städten prozentual am meisten Kaschuben in Gdynia (kasch. Gdiniô; dt. Gdingen) wohnen.

Personen

Zu den bekanntesten Kaschuben der Neuzeit zählen:

Teilweise kaschubische Vorfahren haben:

Siehe auch

Literatur

  • Max Broesike: Deutsche, Polen, Masuren und Kaschuben in der Provinz Westpreußen. Berlin 1910.
  • Alfred Cammann: Die Kaschuben. Aus ihrer Welt, von ihrem Schicksal in Geschichte und Geschichten. Quellen und Darstellungen zur Geschichte Westpreußens Nr. 31. Nicolaus-Copernicus-Verlag, Münster 2007, ISBN 978-3-924238-37-7.
  • Florian Ceynowa: Die Germanisierung der Kaschuben. In: Jahrbücher für slawische Literatur, Kunst und Wissenschaft, 1843, S. 243–247. (Text im Netz)
  • Gerard Labuda: Historia Kaszubów w dziejach Pomorza Bd. 1 Czasy średniowieczne. Gdańsk 2006
  • Friedrich Lorentz: Geschichte der Kaschuben. Berlin 1926.
  • Aleksander Majkowski: Historia Kaszubów. Gdynia 1938 (Nachdruck: Gdańsk 1991) (pl.) (dt. Geschichte der Kaschuben, dienstl. Übers., Berlin-Dahlem, ca. 1940, [Maschinenschr. autogr.])
  • Arthur Noffke: Das Völkchen der Kaschuben. Itzehoe 1988.
  • Cezary Obracht-Prondzyński: Kaschuben heute : Kultur, Sprache, Identität [aus dem Poln. von Anna Wilczewska] Danzig : Instytut Kaszubski, 2007, ISBN 978-83-89079-78-7
  • Peter Rehder (Hrsg.): Einführung in die slavischen Sprachen. Darmstadt 1998, ISBN 978-3-534-13647-6
  • Ernst Seefried-Gulgowski: Von einem unbekannten Volke in Deutschland. Ein Beitrag zur Volks- und Landeskunde der Kaschubei. Berlin 1911.
  • Reinhold Trautmann: Die slavischen Völker und Sprachen. Göttingen 1947.

Film

  • Die Kaschuben in Polen. Dokumentarfilm, Deutschland, 2012, 43 Min., Buch und Regie: Adama Ulrich, Produktion: fernsehbüro, Saarländischer Rundfunk, arte, Reihe: Vergessene Völker, Erstsendung: 14. Februar 2013 bei arte, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks

 Commons: Kaschuben  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. Kaschuben heute: Kultur-Sprache-Identität, Seiten 8-9 (auf Deutsch)
  2. Kaschuben in Statistik (Teil III), Tabelle 3. Seite 7/10 (auf Polnisch)
  3. Noffke, A. (1988). Das Völkchen der Kaschuben – Ein Stück ostpommerscher Volksgeschichte. Oldenborstel: s.n., S. 4
  4. Ceynowa, 1843, S. 244
  5. Die Kassuben. In: Berliner Revue, Band 20, 1860, S. 57-61 .
  6. C. F. W. Dieterici: Handbuch der Statistik des preußischen Staates, Berlin 1861, S. 179, wo Dieterici die Zahl 89.180 gibt. Der Autor beschreibt den Germanisierungsprozess an gleicher Stelle (S. 175) folgendermaßen: "(...) der Uebergang aus der fremden Nationalität in die deutsche geht allmälig voran, bei manchen Geschlechtern bleibt indessen der ursprüngliche Dialekt und die Nationalität unverändert". [1]
  7. Ergebnis der Volkszählung von 1900 in: Meyers Großes Konversationslexikon, sechzehnter Band, Leipzig und Wien 1907, Stichwort Pommern, S. 134.
  8. Siehe Fußn.1
  9. Siehe Fußn. 2, Zehnter Band, Leipzig und Wien, Stichwort Kassuben, S. 727

Kategorien: Ethnische Minderheit in Polen | Slawischsprachige Ethnie

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kaschuben (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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