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Kartoffelkanone


Eine Kartoffelkanone, auch Gümbel genannt (kurz KK, englisch spud gun, potato cannon oder produce accelerator), ist eine Hobby-Kanone, die Druckluft oder statt Schießpulver ein Gas-Luft-Gemisch bzw. ein Aerosol als Treibladung benutzt.

Bauweise

Es handelt sich meist um eine Konstruktion aus Polypropylen-Rohren (Kunststoff-Abflussrohre mit dazugehörigen Muffen und Durchmesser-Adaptern), die Kartoffeln, Bälle (z. B. Golfbälle und Tennisbälle) oder Ähnliches als Projektil verwendet. Der Antrieb kann über kalt vorgespannte Gase (Druckluft) oder über die Verbrennung von Gasen erfolgen. Anders als bei festen Treibladungen erfolgt die Verbrennung der Gas-Luft-Gemische in einer relativ großvolumigen Brennkammer. Die sich in den Lauf entspannenden Verbrennungsgase entwickeln einen weit geringeren Maximaldruck, als dies bei Pulverladungen der Fall ist.

Ballistik

Die Projektile haben bereits bei Geschwindigkeiten von ca. 100–450 km/h und einer Masse von 50 g eine kinetische Energie von 20 bis 300 Joule und können dadurch beim Aufprall Menschen oder Tieren schwere Verletzungen zufügen. Tödliche Verletzungen sind nicht auszuschließen. Die Mündungsenergie beträgt bei Kunststoff-Kartoffelkanonen bis etwa 300 Joule, bei Metallkonstruktionen können sie bis zu 450 Joule betragen, da sie energiereichere Gasgemische ermöglichen.[1]

Gefahren

Neben der Gefahr, die vom beschleunigten und abgeschossenen Projektil und dem Rückstoß der Kanone ausgeht, besteht auch die Gefahr, dass die Brennkammer (Enddeckel) platzt. In diesem Fall können Teile mit hoher Kraft und Geschwindigkeit in beliebige Richtungen wegfliegen. Diese können scharfkantig sein und dadurch schwere bis schwerste Verletzungen auslösen.

Während beim professionellen Bau von Schusswaffen genaue Berechnung, Qualitätskontrolle und Beschuss, also Test der Waffe erfolgt, werden Kartoffelkanonen aus Material gebaut, das weder für drucksichere noch sicherheitskritische Anwendung gedacht ist. Sowohl Abwasserrohre aus Kunststoff, Kartoffeln als auch Treibladungen aus brennbarem Gas und Luft variieren in ihren Eigenschaften sehr stark. Auch mangels geeigneter Prüfmethoden kann auf erfolgreiches Funktionieren schon beim nächsten Versuch schwerwiegendes Versagen folgen.

Schon die Berechnung der wahrscheinlichen Druckfestigkeit (des Berstdrucks) eines Rohrs aus extrudiertem Kunststoff ist schwierig, da das Material längs und quer durch die Scherung vor dem Erstarren unterschiedliche Zugfestigkeit aufweist, Riefen und Kratzer Risse fördern, die Wandstärke variieren kann und Erwärmung und Ermüdung das Material schwächen.

Amtspraxis und Rechtslage

Das deutsche Bundeskriminalamt – die zuständige Behörde zur waffenrechtlichen Einstufung von Gegenständen – hat die Frage der Einstufung einer Kartoffelkanone noch nicht endgültig beantwortet. Die Begrifflichkeiten des Waffengesetzes legen die Klassifizierung von Kartoffelkanonen als „einschüssige Vorderlader mit Funkenzündung“ nahe. Da derzeit kein Modell aus der Zeit vor dem 1. Januar 1871 bekannt ist, kann sie nicht den erlaubnisfreien Waffen zugeordnet werden (WaffG, Anlage 2 zu § 2 Abs. 2 bis 4). Sie unterliegt nicht dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Grundsatzentscheidende Gerichtsurteile sind (Stand Juni 2011) nicht bekannt.

Mangels fehlender Einstufung vom BKA wurde im Polizei-Kurier vom März 2003 interpretiert: „Bei der Kartoffelkanone handelt es sich um eine Schusswaffe im Sinne des geltenden, wie auch des künftigen Waffengesetzes, da bei ihr Geschosse durch einen Lauf getrieben werden. Das Herstellen, Führen und Schießen unterliegt einem Genehmigungs- beziehungsweise Erlaubnisvorbehalt. Verstöße in diesem Bereich sind straf- oder bußgeldbewehrt.“[2]

International ist die Rechtslage zu Kartoffelkanonen unübersichtlich, sie ähnelt im Wesentlichen der deutschen Situation. Das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives bietet in den USA eine individuelle Klassifizierung für Kartoffelkanonen an.[3]

In Österreich ist die Rechtslage so, dass sie weder als Waffe noch als Pyrotechnik eingeordnet wird, man aber trotzdem behördlich aufgrund von Lärmerregung oder Gefährdung Anderer belangt werden kann.

Weblinks

 Commons: Kartoffelkanonen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Steffen Winter: Der Spiegel, Ausgabe 5/2003, Artikel vom 27. Januar 2003 (abgerufen 15. Juni 2011)
  2. Polizei-Kurier Rheinland-Pfalz – PDF, März 2003 Seite 4 (abgerufen 15. Juni 2011)
  3. Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives FAQ-Information „How do I obtain a classification from ATF for my “potato gun?”“ (engl. abgerufen 15. Juni 2011)
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Kategorien: Schusswaffe

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffelkanone (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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