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Karl Otmar von Aretin


Karl Otmar Freiherr von Aretin (* 2. Juli 1923 in München; † 26. März 2014 ebenda) war ein deutscher Historiker.

Familie

Der 1923 geborene Historiker entstammte der Familie Aretin. Er war der dritte von vier Söhnen von Erwein von Aretin, eines Redakteurs der Tageszeitung „Münchner Neueste Nachrichten“, und der Maria Gräfin Anna von Belcredi (1888–1968) sowie ein Ururgroßneffe des bekannten bayerischen Historikers und Bibliothekars Johann Christoph Freiherr von Aretin. Seine Brüder waren der Bundestags- und Landtagsabgeordnete Anton Freiherr von Aretin und der Jesuit Richard Freiherr von Aretin; ein weiterer Bruder, Sebastian, fiel im Zweiten Weltkrieg. Die Fernsehansagerin Annette von Aretin war seine Cousine.

Seit 1960 war er mit Ruth Uta von Tresckow, einer Tochter des Wehrmachtsgenerals und Widerstandskämpfers des Attentates vom 20. Juli 1944, Henning von Tresckow, verheiratet. Der Ehe entstammen eine 1962 geborene Tochter und ein 1967 zur Welt gekommenes Zwillingspaar.

Leben

Er war Kriegsteilnehmer von 1942 bis 1945. Im Jahr 1946 nahm er an der Ludwig-Maximilians-Universität München sein Studium der Geschichte und Kunstgeschichte auf und wurde 1952 bei Franz Schnabel über Die deutsche Politik Bayerns in der Zeit der staatlichen Entwicklung des Deutschen Bundes 1814–1820 zum Dr. phil. promoviert. Von 1952 bis 1957 war er Mitglied der Redaktion der Neuen Deutschen Biographie (NDB). Von 1953 bis 1958 war Aretin einer der ersten Stipendiaten des Mainzer Instituts für Europäische Geschichte.[1] Von 1958 bis 1964 war er wissenschaftlicher Assistent am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen. 1962 habilitierte er sich bei Richard Nürnberger an der Universität Göttingen mit einer Arbeit über die Endphase des Heiligen Römischen Reiches.[2] Von 1964 bis 1988 war Aretin ordentlicher Professor für Zeitgeschichte an der TH Darmstadt. Von 1968 bis 1994 war er in der Nachfolge von Martin Göhring Direktor des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz, Abteilung für Universalgeschichte. Eine Berufung nach Köln als Nachfolger von Theodor Schieder lehnte er ab.[3]

Von 1972 bis 1980 war Aretin Schriftführer des Verbandes der Historiker Deutschlands, von 1987 bis 1998 Hauptschriftleiter der Neuen Deutschen Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Der Historischen Kommission gehörte er seit 1980 als ordentliches Mitglied an[4]; seit 1982 leitete er die Abteilung Quellen zu den Reformen in den Rheinbundstaaten.

Aretin war korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (1976), Mitglied der British Academy und Ehrenmitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften (1986) sowie Mitglied der Royal Historical Society.[5]

Wirken

Als Zeithistoriker beschäftigte er sich insbesondere mit der Geschichte zwischen 1919 und 1945. In dem Werk Nation, Staat und Demokratie in Deutschland stellte er unter familiärem Bezug auf seinen Vater Erwein Freiherr von Aretin, einen bekannten Münchner Monarchisten, und seinen Schwiegervater Henning von Tresckow das Bild Deutschlands dar.[6] Karl Otmar von Aretin selbst lernte Claus Schenk Graf von Stauffenberg persönlich im Jahr 1943 in München kennen.[7] Er wandte sich im Streit um den Reichstagsbrand von 1933 gegen die Alleintäterthese.

Zusammen mit Eugen Kogon entwickelte er die Grundlagen für den Unterricht in jüngerer Zeitgeschichte für das Lehramt der Gewerbe- und Sozialkundelehrer.[6]

Als Direktor des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz engagierte er sich früh für eine wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Auseinandersetzung Deutschlands mit Südost- und Osteuropa. Von der Adam-Mickiewicz-Universität Posen wurde ihm 1984 als erstem Deutschen die Ehrendoktorwürde zum Dr. phil. h. c. zuerkannt.[6] Er ist Namensgeber des 2013 an der TU Darmstadt eingerichteten Karl Otmar Freiherr von Aretin-Preises.

Mit dem vierbändigen Werk Das Alte Reich legte er eine integrative Darstellung des Heiligen Römischen Reiches vom Westfälischen Frieden bis zu seinem Ende 1806 vor.[8] Das Werk gilt als Hauptwerk Aretins und ist Standardwerk zur Geschichte des Alten Reiches und gliedert sich in Föderalistische oder hierarchische Ordnung (1648–1684), Kaisertradition und österreichische Großmachtpolitik (1648–1745), Das Reich und der österreichisch-preußische Dualismus (1745–1806) und Wissenschaftliches Gesamtregister.[8]

Schriften (Auswahl)

Monografien

  • mit Gerhard Fauth: Die Machtergreifung (= Arbeitsheft für Mittler der politischen Bildung 3, ZDB-ID 533424-x ). Bayerische Landeszentrale für Heimatdienst, München 1959,
  • Papsttum und moderne Welt. Kindler, München 1970.
  • Bayerns Weg zum souveränen Staat. Landstände und konstitutionelle Monarchie 1714–1818. C. H. Beck, München 1976, ISBN 3-406-06502-3.
  • Friedrich der Grosse. Größe und Grenzen des Preußenkönigs. Bilder und Gegenbilder. Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1985, ISBN 3-451-20473-8.
  • Das Alte Reich. 1648–1806. 4 Bände. Klett-Cotta, Stuttgart 1993–2000, ISBN 3-608-91043-3.
  • Nation, Staat und Demokratie in Deutschland. Ausgewählte Beiträge zur Zeitgeschichte (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz. Beiheft 27). Herausgegeben von Andreas Kunz und Martin Vogt. von Zabern, Mainz 1993, ISBN 3-8053-1570-8.
  • mit Ulrich Cartarius: Opposition gegen Hitler. Ein erzählender Bildband (= Deutscher Widerstand 1933–1945.). Siedler, Berlin 1984, ISBN 3-88680-110-1.
  • Franckenstein. Eine politische Karriere zwischen Bismarck und Ludwig II. Klett-Cotta, Stuttgart 2003, ISBN 3-608-94286-6.

Herausgeberschaften

Literatur

  • Christof Dipper: Die alte Freiheit. Zum Tod des Historikers Karl Otmar von Aretin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. April 2014, Nr. 77, S. 11.
  • Heinz Duchhardt: Nekrolog Karl Otmar Freiherr von Aretin (1923–2014). In: Historische Zeitschrift, Bd. 299, 2014, S. 285–290.
  • Ralph Melville (Hrsg.): Deutschland und Europa in der Neuzeit. Festschrift für Karl Otmar Freiherr von Aretin zum 65. Geburtstag (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Abteilung Universalgeschichte. Band 134). Steiner, Wiesbaden u.a. 1988, ISBN 3-515-05053-1. (2 Bände)[9]
  • Karl Otmar von Aretin, Wege und Umwege zur Geschichte. In: Hartmut Lehmann, Otto Gerhard Oexle (Hrsg.): Erinnerungsstücke. Wege in die Vergangenheit. Rudolf Vierhaus zum 75. Geburtstag gewidmet. Böhlau, Wien u.a. 1997, ISBN 3-205-98824-8, S. 9–21.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Heinz Duchhardt: Nekrolog Karl Otmar Freiherr von Aretin (1923–2014). In: Historische Zeitschrift, Bd. 299, 2014, S. 285–290, hier: S. 285.
  2. Karl Otmar Freiherr von Aretin: Heiliges Römisches Reich 1776–1806. Reichsverfassung und Staatssouveränität. Wiesbaden 1967.
  3. Heinz Duchhardt: Nekrolog Karl Otmar Freiherr von Aretin (1923–2014). In: Historische Zeitschrift, Bd. 299, 2014, S. 285–290, hier: S. 290.
  4. Mitglieder der Historischen Kommission , Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 27. Juni 2012
  5. Heinz Duchhardt: Nekrolog Karl Otmar Freiherr von Aretin (1923–2014). In: Historische Zeitschrift, Bd. 299, 2014, S. 285–290, hier: S. 289f.
  6. 6,0 6,1 6,2 Technische Universität Darmstadt: Professor Dr. Karl Otmar Freiherr von Aretin 75 Jahre , Festvortrag von Winfried Schulze vom 10. Juli 1998, Informationsdienst Wissenschaft
  7. Interviewpartner der JUNGEN FREIHEIT (Stand: November 2010) , abgerufen am 27. Juni 2012
  8. 8,0 8,1 Das Alte Reich 1648–1806 , Klett-Cotta, abgerufen am 27. Juni 2012
  9. Stuart Jenks: Festschrift Karl Otmar Freiherr von Aretin (1988) , Fordham University, abgerufen am 27. Juni 2012.


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Karl Otmar von Aretin (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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