Karl Küchlin - LinkFang.de





Karl Küchlin


Karl Küchlin (* 29. Mai 1864 in Lörrach[1]; † 30. Juli 1935 in Basel) war ein deutsch-schweizerischer Unternehmer, Theaterdirektor und Mäzen.

Leben

Karl Küchlin, Sohn des Johann Küchlin und der Katharina Müller, wuchs, früh verwaist, als gleichaltriger Ziehbruder des nachmaligen, international berühmten, Kunstprofessors Max Laeuger in Lörrach auf, dessen Familie sich sozial engagierte[2]. Dass Karl Küchlin später das Wappen des ausgestorbenen Breisgauer Rittergeschlechts derer von Küchlin (Namensgeber des heutigen Ortsteils Kiechlinsbergen von Endingen am Kaiserstuhl und der Küchlinsburg in Waldkirch) verwandte, beweist keine Abstammung, zumal der Name Küchlin mit Abwandlungen wie Kiechle im Breisgau verbreitet ist.

Nach dem Abschluss des Gymnasiums reiste Küchlin, der in Lörrach und Freiburg begütert war, mehrere Jahre nach La Chaux-de-Fonds, Genf, Lyon, Dijon und Paris. Darauf folgten Le Havre und Trouville, worauf ihn ein französisches Handelsschiff nach Hamburg brachte. Von dort ging er nach Berlin, wo er einige Zeit arbeitete.[3] Dort lernte er seine Frau kennen, mit der er nach Freiburg zurückkehrte. Später besuchte er die Weltausstellung Paris 1900, auf der u.a. sein Ziehbruder Max Laeuger ausstellte.

Karl Küchlin war beruflich auf verschiedenen Gebieten tätig. Er fabrizierte Fleisch- und Wurstwaren, erbaute Bierhallen und später Varietétheater[3] und war Teilhaber des Circus Sarrasani. Er entwickelte neben geschäftlichen künstlerische Interessen, wie seine Arbeit als Theaterdirektor und seine Haltung als Kunst-Mäzen zeigen. Das Basler Stadtbuch berichtete über seinen Tod 1935: „Karl Küchlin-Länger (71-jährig), Erbauer des Varieté-Theaters ‚Küchlin‘, vorher langjähriger Leiter des ‚Cardinal‘, der Begründer der Varietékunst in Basel, auch ein international angesehener Kenner des Artistentums“.

Küchlin war mit der Berlinerin Charlotte Länger verheiratet und hatte eine Tochter, Elise (1894–1988), die unverheiratet blieb und sich, wie ihr Vater, als Mäzenin für Kunst und Kultur einsetzte. Die Familie Küchlin lebte in Basel und im Sommer in der von Karl Küchlin erbauten „Villa Küchlin“ in Horben bei Freiburg. Sie liegt auf dem Friedhof am Hörnli begraben.

Küchlins Anfänge in Freiburg und Basel

Karl Küchlin war schon 1888 Eigentümer eines Anwesens in Lörrach, das er damals in die Gründung der "Löwenbrauerei (Louis Sinner)" im Freiburger Stadtteil Stühlinger einbrachte. Auch war er in den 1890er Jahren Besitzer des Colosseum (Varieté-, Theater- und Veranstaltungssaal) in Freiburg beim Martinstor.[3] Dort wurde im Rahmen der damals modischen "Völkerschauen" z.B. ein Affe „als Gentleman gekleidet“ gezeigt, der sich dazu noch „zwei Glas Portwein gut munden“ ließ. Das war eine „große Sensation“ und die beste Werbung für die allabendlichen Vorführungen im Colosseum. Auch mit VölkerschaudarstellerInnen wurden teils ähnlich werbewirksame Stadtbesuche in Freiburg durchgeführt.[4] Da seine Tochter 1894 bereits in Basel geboren wurde, ist anzunehmen, dass er bereits damals (zumindest auch) in Basel lebte, zugleich erwarb er in diesem Jahr Grundbesitz in Horben bei Freiburg.

Am 1. Oktober 1900 wurde in Basel das „Cardinal“ als erstes „Grossvarieté theater“ mit Restaurationsbetrieb in Basel eröffnet (Freie Strasse 36/Falknerstrasse 11, Eigentümer: Brauerei Cardinal). Küchlin war der Unternehmer und alleinige Direktor. Auch im Basler Cardinal wurde ein vielfältiges Programm mit Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland, die sonst nur in Zirkussen zu sehen waren, gezeigt. Zum Abschluss der Programme wurden bereits Filme vorgeführt. Das Theater genoss einen ausgezeichneten Ruf. Das Programm stellte Küchlin selbst zusammen, es enthielt auch Opern und Operetten. Aufgrund von Streitigkeiten über die Höhe der Miete, aber auch, weil das große Zuschauerinteresse einen Ausbau erfordert hätte, sah sich Küchlin ab 1905 nach einem anderen Standort um. 1909 konnte er auf dem Grundstück (Steinenvorstadt Nr. 55/57) einen Theater-Neubau nach seinen Vorstellungen errichten.

Das Küchlin-Theater in Basel

Das Küchlin-Theater im Jugendstil ist ein vom Architekturbüro Widmer, Erlacher u. Calini erstelltes Pionierwerk der Eisenbetontechnik mit einer bemerkenswerten Einheit aus Gestaltung und Konstruktion. Der Entwurf der Fassade und der wertvollen Innenausstattung mit hervorragender Akustik stammt von Max Laeuger,[5] das Fries an der Fassade von Karl Albiker. Das hufeisenförmige Theater mit zwei Rängen hatte ursprünglich 1500 Plätze. Bei der Bühne befanden sich auch Stallungen und Rampen für kleine und große Tiere.

Die Fassade und der große Saal des Küchlin wurden 2002/2003 durch den Kanton Basel-Stadt unter Denkmalschutz gestellt. In einem Rechtstreit über die Berechtigung dieses Aktes stellte das Bundesgericht fest, das Theater sei ein bemerkenswerter Bau in der Steinenvorstadt und das Varietétheater sei eines der ältesten heute noch bestehenden der Schweiz. Eine große Bedeutung habe auch die Innengestaltung wegen der Art und Weise, wie das klassische Rangtheater aufgegriffen und der anspruchsvolle Jugendstildekor dem Spielzweck des Gebäudes angepasst wird. Im Küchlintheater war auch eine Kinoorgel der Freiburger Firma M. Welte & Söhne eingebaut.

Im Küchlintheater fanden ab 1912 ganzjährig glanzvolle Revuen mit internationalen Artisten, Varietéstars, kinematografischen Vorführungen statt. Hinzu kamen Schauspiel,- Opern-, Operetten- und Ballettaufführungen. Schon 1914 begannen dort die Vorveranstaltungen „Drummeli“ der Basler Fasnacht. Küchlins Programm fand großen Anklang, und auch die Behörden waren ihm wohlgesinnt. Ab 1918 hatte Küchlin mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, die ihn dazu brachten, sein Lebenswerk in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln und das Theater zu verpachten. Gleichzeitig übergab er die künstlerische Leitung an J. Adelmann und zog sich aus dem Geschäft zurück. Rudolf Bernhard und Fredy Scheim feierten ihre ersten großen Erfolge im Küchlin-Theater. Dort fand z.B. die Uraufführung der 1924 entstandenen Komödie Das Haus in Montevideo von Curt Goetz statt. Das Küchlintheater wurde nach einer wechselhaften Theatergeschichte in den letzten Jahrzehnten nur noch als Kino „Pathé Küchlin“ genutzt. Die Basler Bevölkerung behielt den liebenswerten Theatergründer als „Papa Küchlin“ in Erinnerung.

Der Friedrichshof in Horben

In einem Brief der Gemeinde Horben [6] von 1908 wird berichtet, Küchlin habe sich „seit 1894 im Bohrertal angesiedelt und fördernd auf die ganze Gegend gewirkt und ein bedeutendes Vermögen bei uns in seinen vielseitigen Unternehmungen angelegt“. Möglicherweise waren ihm die Verbindungen der Familie Küchlin (Adelsgeschlecht) zu Horben bekannt, als seine Wahl auf Horben fiel. Als 1895/1896 die neue Schauinslandstraße eröffnet wurde, hatte er an der Gabelung nach Horben das Hotel „Friedrichshof“ (benannt nach Großherzog Friedrich I.) mit Gartenwirtschaft durch einen nicht bekannten Architekten erbauen lassen. Das Hotel erfreute sich zunächst wegen seiner günstigen Lage und der angenehm schattigen Gartenwirtschaft großer Beliebtheit. 1921 verkaufte Küchlin es mangels Rentabilität an die Josefine und Eduard Portmann-Stiftung für Wissenschaft und Kunst in Heidelberg. Bereits 1925 erwarb die Stadt Freiburg das Gebäude und betrieb dort bis 1937 ein Kindererholungsheim. Wenn Küchlin in Horben weilte, verwöhnte er die kleinen Insassen mit Schweizer Schokolade.[7] Nach dem Zweiten Weltkrieg fand dort das ausgebombte Mütter- und Säuglingsheim des Evangelischen Stifts Aufnahme bis 1963. Danach zogen das Amt für Zivilschutz und der Bundesverband für Selbstschutz in das Gebäude ein. Heute wird es privat genutzt.

Das Projekt Villensiedlung im Bohrertal, Horben

Schon vorher hatte Küchlin vom Eigentümer des Bläsihofes in Horben-Langackern die bis heute zur „Villa Küchlin“ gehörenden Flächen (25 ha) sowie Quellrechte erworben, mit dem Ziel, eine Villensiedlung auf der „Großmatte“ im Bohrertal zu errichten. Er hatte dazu eine private Wasserleitung vom oberen Bohrertal zum Friedrichshof bauen lassen. 1904 ließ Küchlin durch Max Laeuger ein Modell und Zeichnungen der Villensiedlung anfertigen. Diese Planung bezeichnete Hilde Spenger[8] als eine „günstige Verbindung ästhetischer und praktischer Vorteile“. Das Ganze bilde bei aller individuellen Durchbildung bis ins Einzelne doch einen einheitlichen und durchaus selbstständigen Organismus. Dazu gehörte auch ein Parzellierungsplan von 1909 für eine Bebauung mit 35 Villen, eine „Bauordnung“ und Werbematerial. Küchlin beauftragte den aus Lörrach-Stetten stammenden Maler Hermann Daur, sein Areal in Aquarellen darzustellen und ließ als Werbematerial 1913 von diesen Motiven Postkarten drucken. In einem Werbeprospekt für die Villensiedlung wird der Freiburger Oberbürgermeister Otto Winterer mit dem Ausspruch zitiert: Günterstal ist das Paradies, das Bohrertal aber der Himmel der Breisgaumetropole Stadt Freiburg i.Br.[9] Die Villensiedlung scheiterte am Krieg und – trotz Unterstützung durch die Gemeinde – am Landschaftsschutz.

Die Villa Küchlin in Horben

Inmitten seines im Landschaftsschutzgebiet liegenden Grundbesitzes durfte Küchlin 1923 noch seine Sommerfrische, die „Villa Küchlin“, errichten.[2] Max Laeuger entwarf ein schlichtes, wohlproportioniertes Landhaus (Architektur) mit zwei Nebengebäuden in neoklassizistisch-neobarockem Stil sowie eine weitläufige Parkanlage am Westhang des Bohrertales. Der größte Teil des Parks wurde seit den 1970er Jahren in Wald umgewandelt. Vor dem Eingang der Villa befindet sich ein Gedenkstein für ihren Erbauer mit dem Wappen der Ritter von Küchlin (Adelsgeschlecht). An ihn erinnert auch die Bushaltestelle „Küchlin“ an der L 124 (Schauinslandstraße). Heute wird auf dem Landsitz durch die Freiherren Droste zu Hülshoff Land- und Forstwirtschaft und eine Brennerei betrieben.

Literatur

  • Augustinermuseum Freiburg: Jugendstil in Freiburg: Begleitbuch zur Ausstellung Jugendstil in Freiburg. 2. März–13. Mai 2001, S. 121 u. 158.
  • Badisches Landesmuseum (Hrsg.): Max Laeuger – Gesamtkunstwerk. Ausstellungskatalog, 2014.
  • Eveline Gfeller: Küchlin-Theater, Basel BS . In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1046 f.
  • Josef Kury (Hrsg.): Horben bei Freiburg - zur Geschichte des Dorfes und des Bohrerwaldes. Selbstverlag, Villingen 1978. (Erweiterte Neuauflage 1983).
  • Ulrich Maximilian Schumann: Das Phänomen Max Laeuger: Diplomatie im Auftrag der Kunst. Sonderdruck aus: Urs Robert Kaufmann (Hrsg.): Die Schweiz und der Deutsche Südwesten. In: Oberrheinische Studien. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Landeskunde am Oberrhein e.V., Bd. 25.
  • Hilde Sprenger: Professor Dr.-Ing. e.h. Oberbaurat Maximilian Laeuger (1864–1952): sein Lebensbild. (Diss. Universität Karlsruhe), S. 163, 164.
  • Lorenzo Vasella: Im Küchlin war die Welt in Ordnung. Vermutlich in der Basler Zeitung erschienen. Unbelegtes Zitat.
  • Karl Widmer: Neuere Arbeiten von Max Laeuger-Karlsruhe. In: Dekorative Kunst. X., Juni 1907, S. 377 ff.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. familysearch.org: Carl Kuechlin, 1864 , in: Germany, Births and Baptisms, 1558–1898 abgerufen am 26. August 2012
  2. 2,0 2,1 Max Laeuger – Gesamtkunstwerk. Ausstellungskatalog des Badischen Landesmuseums, 2014
  3. 3,0 3,1 3,2 Archivkatalog des Staatsarchivs Basel-Stadt
  4. Manuel Armbruster: Völkerschauen um 1900 in Freiburg i. Br. – Kolonialer Exotismus im historischen Kontext. Freiburg Postkolonial, 2011.
  5. Vgl. hierzu: K. Widmer in: Dekorative Kunst. Juni 1907.
  6. Vgl. hierzu: Josef Kury (Hrsg.): Horben bei Freiburg.
  7. „Friedrichshof“ im Bohrertal, eine Erzählung von Karl Peter Otter in Regio-Magazin. August 1988.
  8. Vgl hierzu: Hilde Spenger, Prof. Maximilian Laeuger: sein Lebensbild
  9. In: Küchlin’s Villenkolonie im Bohrertal zwischen Friedrichshof und Kyburg (Gemarkung Horben). Privatdruck 1909.


Kategorien: Keine Kategorien vorhanden!

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Karl Küchlin (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.