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Kaiserkanal


Großer Kanal*
UNESCO-Welterbe

Staatsgebiet: China Volksrepublik Volksrepublik China
Typ: Kultur
Kriterien: I, III, IV, VI
Referenz-Nr.: 1443
Region: ª Asien und Ozeanien
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 2014  (Sitzung 38)

* Der Name ist auf der Welterbe-Liste aufgeführt.
ª Die Region ist von der UNESCO klassifiziert.

Der Kaiserkanal (chinesisch 京杭大运河, Pinyin Jīng Háng Dà Yùnhé, i.e. Peking-Hangzhou Großer Kanal) ist die längste von Menschen geschaffene Wasserstraße der Welt. Mit einer Länge von mehr als 1800 Kilometern und einer Breite von bis zu 40 Metern verband er den Norden Chinas (Peking) mit dem fruchtbaren Mündungsgebiet des Jangtsekiang (Hangzhou). Er überwand einen Höhenunterschied von 42 Metern, war 3 bis 9 Meter tief und gilt als das Meisterwerk der Wasserbaukunst im alten China. Seit 2014 gehört er daher zum Welterbe der Menschheit.

Geschichte

Einzelne Teile des Kanals entstanden schon vor mehr als 2.400 Jahren (Ende der Frühlings- und Herbstannalen im Staat Wu), so der Han-Kanal. Die erste künstliche Wasserstraße Chinas soll der aus dem 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. stammende Hong-Gou-Kanal gewesen sein. Zur Qin- und Han-Zeit wurden verschiedene Kanalprojekte in Angriff genommen, sowohl im Interesse des Transportes als auch der Bewässerung.

Zwischen 584 und 610 ließen die Sui-Kaiser (hauptsächlich Yangdi) ein Kanalnetz ausbauen, was die Hauptstädte am Huanghe und Wei He mit dem Unterlauf des Jangtsekiang und mit Hangzhou im Süden sowie mit der Region beim heutigen Peking im Norden verband. Kaiser Yangdi selbst fuhr 605 mit einer 65 Meilen langen Flotte von Luoyang hinunter nach Jiangdu (Yangzhou), so dass die Preise für Lebensmittel entlang seines Weges hochschnellten.

Konkret verband der Guangtongqu die Hauptstadt Chang’an 584 mit dem Wei He und Huanghe, der Tongjiqu (auch Bianhe) verband 605 die Gegend um Luoyang mit dem Unterlauf des Huaihe. Von dort verband der Shanyangdu 606 das heutige Huai’an mit dem Yangzi bei Yangzhou, während der Jiangnanhe dann 610 noch Hangzhou anband. Im Norden stellte der 608/09 gebaute Yongjiqu die Verbindung der Hauptstädte mit der Region um Peking dar. Zur Tang-Zeit kamen noch einige Erweiterungen hinzu, zum Beispiel der Guangjiqu bei Huai’an 742.

Parallel zu den Kanälen wurden Straßen gebaut und in regelmäßigen Abständen Relaisstationen errichtet, da Umladungen nie zu vermeiden waren. In der Nähe der damaligen Hauptstädte Luoyang und Chang’an nahmen riesige Speicher die Warenströme auf. Ein großer Teil der in den Norden verschifften Güter war Seide, Getreide und später Reis.

Neben der Funktion als Versorgungs- und Handelsweg kam dem Kanal auch eine besondere strategische Bedeutung für Truppen- und Nachschubtransporte zu. Zur späten Tang-Zeit und danach war daher beispielsweise in Xuzhou eine starke Garnison positioniert, welche die örtlichen Militärbefehlshaber von einer Einflussnahme zuungunsten der Dynastie abhalten sollte.

Mit der Erfindung der Schiffsschleuse durch Qiao Weiyue 984 wurden die Kanäle sukzessive damit ausgerüstet. Vorher wurden Höhengefälle (höchster Punkt des Kaiserkanals: 42 Meter über dem Meeresspiegel) durch Rutschbahnen oder Rampen überwunden, was die Schiffe wiederholt zum Teil absichtlich beschädigte und zum Diebstahl der Ladung führte. Bei Trockenheit musste man den Betrieb der Rutschbahnen zudem sehr einschränken.

Als im 13. Jahrhundert die Yuan-Dynastie ihre neue Hauptstadt Dadu im Gebiet des heutigen Peking gründete, wurde der Kaiserkanal bis dorthin verlängert und teilweise neu trassiert (Tonghui-Kanal, Huitong-Kanal 1289). Die alte Route war für die neuen Erfordernisse zu lang und längst nicht mehr ausreichend schiffbar gewesen. Parallel dazu benutzte man seit den 1280ern den Seeweg, um die Hauptstadt bzw. den Norden zu versorgen.

Für mehr als 600 Jahre war der Kanal für Peking die wichtigste Versorgungsader mit Getreide (vor allem Reis), aber auch mit Seide und anderen Handelsgütern. Der größte Teil des für den Bau der Verbotenen Stadt benötigten Holzes wurde auf dem Kanal herbeigeschafft.

Nachdem im Jahre 1855 der Gelbe Fluss seinen Lauf nach Süden verlegt hatte, war der Kanal nicht mehr durchgehend schiffbar und verlor dadurch an Bedeutung. Die Abschaffung des Naturalsteuersystems im Jahr 1901 hatte einen deutlichen Rückgang des Transportvolumens und einen weiteren Bedeutungsverlust zur Folge. Zudem hatte die Kanalschifffahrt mit der Shandong-Eisenbahn-Linie ernsthafte Konkurrenz bekommen.

Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahre 1949 setzte man den Kaiserkanal teilweise wieder instand, so dass er heute als regionaler Schifffahrtsweg und auch als Bewässerungskanal genutzt werden kann. Aufgrund des saisonalen Wassermangels im Norden Chinas und der dadurch eingeschränkten Schiffbarkeit spielt er allerdings keine überregionale Rolle mehr.

Verlauf

Moderner Verlauf

  • Jiangnan-Kanal
  • Li-Kanal
  • Zhong-Kanal
  • Lu-Kanal
  • Südlicher Kanal
  • Nördlicher Kanal und Tonghui-Fluss

Historischer Verlauf

  • Jia-Kanal
  • Neuer Nanyang-Kanal
  • Huitong-Kanal
  • Jizhou-Kanal
  • Herzog Huans-Kanal
  • Yilou-Kanal

Literatur

  • Friedemann Berger: Die Milchstraße am Himmel und der Kanal auf Erden. Geschichte, Kultur und Gegenwart an Chinas Großem Kanal. Gustav Kiepenheuer, 1991, ISBN 3-378-00345-6
  • Otto Franzius: Die Regelung des Hwai Ho, des Kaiserkanals usw., in: Die Bautechnik 11 (19. September 1933), Heft 40, S. 568–578

Weblinks

 Commons: Kaiserkanal  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Kanal in Asien | Flusssystem Gelber Fluss | Flusssystem Jangtsekiang | Kanal in China

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserkanal (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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