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Kafarnaum


Kafarnaum, auch Kapernaum und Kapharnaum (hebräisch: כְפַר נָחוּם Kfar Nahum, „Nahums Dorf“, neutestamentlich-biblisch: Καπερναούμ, Kapernaum) war ein Fischerdorf in Galiläa im Norden Israels, am Nordufer des Sees Genezareth, etwa 2,5 Kilometer östlich von Tabgha und 15 Kilometer nordöstlich von Tiberias an der Via Maris gelegen. Das biblische Dorf wurde im 19. Jahrhundert mit der Ruinenstätte mit dem arabischen Namen Talhum, auch Tel Hum, Tell Hum und Tel Chum, identifiziert.[1][2]

Biblische Berichte

Kafarnaum spielt in den Evangelien als Wohn- und Wirkungsort Jesu eine wichtige Rolle:[3]

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. (Matthäus 4, 12–13)

und die Geschichte von der Heilung eines Dieners:
Erwähnt wird im Matthäusevangelium (Mt 8,5-13 EU ) auch ein in Kafarnaum stationierter Hauptmann (Centurio), der von Jesus die Heilung seines Knechts erbat. Auch die Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus ist dort zu verorten. Erwähnung findet die Geschichte in den Büchern des Markus (Mk 1,29-31 EU ) , Lukas (Lk 4,38-39 EU ) und Matthäus (Mt 8,14-15 EU ) .

Dem Fischerdorf Kafarnaum entstammten mehrere der Jünger Jesu: die Brüderpaare Simon Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, außerdem der Zöllner Levi, genannt Matthäus.

Laut Markusevangelium (Mk 1,11-28 EU ) lehrte Jesus zu Beginn seines Wirkens in der Synagoge von Kafarnaum, wo er – so lassen die folgenden Verse schließen – zeitweise im Haus des Petrus gewohnt haben soll. Nach der Brotvermehrung, die man später im Gebiet von Tabgha vermutete, lehrte Jesus laut Johannesevangelium (Joh 6,22-59 EU ) in der Synagoge von Kafarnaum die Menschen über das „Himmelsbrot“.

Kafarnaum war ein Grenzort und möglicherweise war zu den Zeiten des Herodes Antipas dort eine Söldnertruppe stationiert.

Geschichte

Nach archäologischen Erkenntnissen war der Ort Kafarnaum wahrscheinlich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. besiedelt.

Flavius Josephus berichtet in seiner Vita, dass er, nachdem er im Kampf gegen Syllas, den Feldherrn des Königs Agrippa II. bei Bethsaida-Julias, an der Hand verwundet wurde, in ein Dorf Namens „Κεφαρνωκόν“ gebracht worden sei.

In einer Geschichte des Midrasch Kohelet Rabba wird Kfar Nahum als ein Ort genannt, an dem Minim („Sektenanhänger“) leben, was sich auf eine Gruppe von Judenchristen beziehen könnte.

Für das vierte Jahrhundert macht Bischof Epiphanius von Salamis in seinem Buch Panarion eine interessante Feststellung. Demnach sei es in den Städten Tiberias, Sepphoris, Nazareth und Kafarnaum unmöglich gewesen Kirchen zu errichten, da die Juden streng darauf achteten, „dass sich unter ihnen niemand niederließe, der einer anderen Volksgruppe zugehörte.“

Kafarnaum wurde 746 durch ein Erdbeben zerstört und nahe beim ursprünglichen Standort wiederaufgebaut. Etwa im 11. Jahrhundert muss das Dorf aufgegeben worden sein; der Grund dafür ist unbekannt.

Während seiner ersten Palästinareise im Jahr 1838 entdeckte der amerikanische Forscher Edward Robinson die Überreste der antiken Synagoge Kafarnaums, brachte diesen Fund aber nicht mit Kafarnaum in Zusammenhang. Erst im Jahre 1866 identifizierte der britische Ingenieur Charles Wilson Tal-Hum mit dem antiken Kafarnaum. 1894 erwarb die Kustodie des Heiligen Landes der Franziskaner (OFM) einen Teil des Geländes; hier wurden im 20. Jahrhundert mehrmals Ausgrabungen vorgenommen. Ein anderer Teil gehört der griechisch-orthodoxen Kirche, auch hier wurden Ausgrabungen durchgeführt.

Archäologische Funde und heutige Bauten

Im Bereich, der von den Franziskanern betreut wird, wurde ein byzantinischer Kirchenbau aus dem 5. Jahrhundert ausgegraben. Der zentrale achteckige Raum, der von einem ebenfalls achteckigen Wandelgang umgeben war, war über den Resten einfacher Wohngebäude aus dem 1. Jahrhundert erbaut worden. Eines der Wohnhäuser gilt als Haus des Simon Petrus, das als Hauskirche benutzt wurde. Der einzige klare Hinweis darauf sind allerdings Kalkinschriften, die Jesus mit Hoheitstiteln sowie Petrus nennen und Spuren kultischer Zusammenkünfte zeigen.[4] Sie stammen frühestens aus dem 3. Jahrhundert.[5] Außerdem beschreibt die Pilgerin Egeria diese Kirche sowie die Petrusverehrung Ende des 4. Jahrhunderts. Den achteckigen Bau erwähnt der Pilger von Piacenza im 6. Jahrhundert. Das Gebäude wurde Anfang des 7. Jahrhunderts, wahrscheinlich beim Einfall der Perser, zerstört. Über den Ausgrabungen wurde ab 1980 die auf Stelzen stehende moderne Petruskirche errichtet, die die Funde schützen soll.

Ebenfalls auf dem Gelände der Franziskaner wurde von Gaudenzio Orfali die Synagoge von Kafarnaum ausgegraben; es kann sich allerdings nicht um die in den Evangelien erwähnte Synagoge handeln, da der Bau ins 3. oder 4. Jahrhundert zu datieren ist. Die Synagoge steht aber vermutlich an der Stelle eines älteren Vorgängerbaus. Auch die Synagoge wird von Egeria in ihrem Reisebericht beschrieben. Wie die Kirche wurde auch die Synagoge Anfang des 7. Jahrhunderts zerstört.

Auf dem angrenzenden Gelände, das im Besitz der griechisch-orthodoxen Kirche ist, wurden bei Ausgrabungen Wohnhäuser und eine Art Kaimauer gefunden.

1931 wurde eine kleine griechisch-orthodoxe Kirche erbaut, die den sieben Aposteln geweiht ist, denen nach Johannes 21 der auferstandene Jesus am See Gennesaret erschienen ist.

Zum Jahr 2000 wurde östlich der historischen Stätten eine neue Anlage für Pilger und Touristen errichtet, von wo aus auch Bootsfahrten über den See angeboten werden.

Es gibt sowohl in Dänemark als auch in Deutschland Kirchenbauten, die nach diesem Ort benannt sind.

Antike Berichte

Literatur

  • Heinrich Kohl, Carl Watzinger: Antike Synagogen in Galiläa. Verlag Zeller, Osnabrück 1975, ISBN 3-535-00592-2 (unveränderter Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1916).
  • Edward Robinson: Biblical Researches in Palestine, Mount Sinai and Arabia Petraea. Arno Press, New York 1977, ISBN 0-405-10281-X (3 Bde., unveränderter Nachdr. d. Ausg. Boston 1841).
  • Bargil Pixner: Rätsel um die Synagogen von Kafarnaum (Abschnitt II.6). In: Bargil Pixner (Autor), Rainer Riesner (Hrsg.): Wege des Messias und Stätten der Urkirche. Jesus und das JudenChristentum im Lichte neuer archäologischer Erkenntnisse (Studien zur biblischer Archäologie und Zeitgeschichte; Bd. 2). 3. Aufl. Brunnen Verlag, Giessen 1996, ISBN 3-7655-9802-X.
  • John C. H. Laughlin: Capernaum. From Jesus’ Time and After. In: Biblical Archaeology Review, Bd. 19 (1993), Heft 5 (September/Oktober), ISSN 0098-9444
  • Virgilio Corbo: Cafarnao, Bd 1: Gli edifici della città (Pubblicazioni della Studium Biblicum Franciscanum; Bd. 19,1). Franciscan Press, Jerusalem 1974.
  • Stanislao Loffreda: Cafarnao, Bd 5: Documentazione fotografica degli scavi (Pubblicanzioni della Studium Biblicum Franciscanum; Bd. 44). Franciscan Press, Jerusalem 2005, ISBN 965-516-069-6

Weblinks

 Commons: Kafarnaum  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Eric M. Meyers, American Schools of Oriental Research: The Oxford Encyclopedia of Archaeology in the Near East. Oxford University Press, 1996, S. 417
  2. Fritz Rienecker, Gerhard Maier, Alexander Schick, Ulrich Wendel (Hrsg.): Lexikon zur Bibel. SCM R.Brockhaus, 2013, S. 664.
  3. http://www.bibelwissen.bibelthemen.eu/wiki/index.php/Kapernaum bibelthemen.eu - Kapernaum
  4. Gerd Theißen, Annette Merz: Der historische Jesus, 4. Auflage, Göttingen 2011, S. 160 f.; Stanislao Loffreda, Virgilio Corbo: La maison de Pierre révélée par les fouilles, 1982; James F. Strange, Hershel Shanks: Das Haus des Petrus. In: Carsten Peter Thiede (Hrsg.): Das Petrusbild der neueren Forschung, Wuppertal 1987
  5. Anders Runesson: Architecture, Conflict, and Identity Formation. In: J. Zangenberg, H. W. Attridge, D. B. Martin, Religion, Ethnicity and Identity in Ancient Galilee, Tübingen 2007 = WUNT 210, S. 240-242

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kafarnaum (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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