Kabinett Brandt I - LinkFang.de





Kabinett Brandt I


Die Bundestagswahl zum 6. Deutschen Bundestag fand am 28. September 1969 statt. Ihr folgte ein tiefer Einschnitt: erstmals in der 20-jährigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland stellten die Unionsparteien nicht mehr den Bundeskanzler (obwohl sie erneut und ununterbrochen seit der Bundestagswahl 1949 die größte Bundestagsfraktion stellten).

Kabinett

Kabinett Brandt I – 22. Oktober 1969 bis 15. Dezember 1972
Amt Foto Name Partei Parlamentarischer Staatssekretär
bzw. Staatsminister
Partei
Bundeskanzler Willy Brandt
(1913–1992)
SPD Katharina Focke SPD
Stellvertreter des Bundeskanzlers Walter Scheel
(* 1919)
FDP
Auswärtiges Walter Scheel FDP Ralf Dahrendorf
bis 2. Juli 1970
Karl Moersch
ab 2. Juli 1970
FDP
Inneres Hans-Dietrich Genscher
(1927–2016)
FDP Wolfram Dorn
bis 31. August 1972
FDP
Justiz Gerhard Jahn
(1927–1998)
SPD Alfons Bayerl SPD
Finanzen Alex Möller
(1903–1985)
(bis 13. Mai 1971)
SPD Gerhard Reischl
bis 13. Mai 1971

Hans Hermsdorf
ab 13. Mai 1971
SPD
Karl Schiller
(1911–1994)
(bis 7. Juli 1972)
SPD
Helmut Schmidt
(1918–2015)
(ab 7. Juli 1972)
SPD
Wirtschaft Karl Schiller
(bis 7. Juli 1972)
SPD Klaus Dieter Arndt
bis 14. September 1970

Philip Rosenthal
14. September 1970
bis 17. November 1971


Rainer Offergeld
ab 15. März 1972
SPD
Helmut Schmidt
(ab 7. Juli 1972)
SPD
Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Josef Ertl
(1925–2000)
FDP Fritz Logemann FDP
Arbeit und Sozialordnung Walter Arendt
(1925–2005)
SPD Helmut Rohde SPD
Verteidigung Helmut Schmidt
(bis 7. Juli 1972)
SPD Karl-Wilhelm Berkhan SPD
Georg Leber
(1920–2012)
(ab 7. Juli 1972)
SPD
Jugend, Familie und Gesundheit Käte Strobel
(1907–1996)
SPD Heinz Westphal SPD
Verkehr und Post- und Fernmeldewesen Georg Leber
(bis 7. Juli 1972)
SPD Holger Börner
bis 4. Februar 1972

Ernst Haar
ab 7. Februar 1972
SPD
Lauritz Lauritzen
(1910–1980)
(ab 7. Juli 1972)
SPD
Städtebau und Wohnungswesen Lauritz Lauritzen SPD Karl Ravens SPD
Innerdeutsche Beziehungen Egon Franke
(1913–1995)
SPD Karl Herold SPD
Bildung und Wissenschaft Hans Leussink
(1912–2008)
(bis 15. März 1972)
parteilos Klaus von Dohnanyi
bis 15. März 1972

Joachim Raffert
15. März 1972 bis 31. August 1972
SPD
Klaus von Dohnanyi
(* 1928)
(ab 15. März 1972)
SPD
Wirtschaftliche Zusammenarbeit Erhard Eppler
(* 1926)
SPD Brigitte Freyh SPD
Besondere Aufgaben
Chef des Bundeskanzleramtes
Horst Ehmke
(* 1927)
SPD

Vorgeschichte

Am 30. November 1966 gab es einen Kanzlerwechsel in der laufenden Legislaturperiode: Bundeskanzler Ludwig Erhard trat zurück, nachdem die Koalition aus CDU/CSU und FDP an Fragen der Wirtschaftspolitik zerbrochen war.

Zu seinem Nachfolger wurde Kurt Georg Kiesinger gewählt (bis dahin Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg); er bildete eine Große Koalition aus CDU/CSU und SPD (Kabinett Kiesinger). Bundesaußenminister und Vizekanzler wurde der bisherige Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt. Die Berufung in die Bundesregierung war ausschlaggebend für Willy Brandt, entgegen einem nach der Bundestagswahl 1965 erklärten Verzicht auf eine erneute Kanzlerkandidatur doch wieder anzutreten.

Brandt trat damit zum dritten Mal als Kanzlerkandidat der SPD an, Kiesinger für die CDU/CSU das erste Mal.

Die Wahl 1969 ging knapp aus. Noch in der Nacht vereinbarten Brandt und FDP-Chef Walter Scheel die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen.

Veränderungen

Nach knapp neun Monaten im Amt wechselte der bisherige Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Auswärtigen, Ralf Dahrendorf, auf eigenen Wunsch mit Wirkung zum 1. Juli 1970 als Kommissar für Handel in die Europäische Kommission.[1] Sein Nachfolger wurde (nachdem Hans Apel, Hans-Jürgen Junghans (damals Wirtschaftssprecher der SPD-Fraktion) und andere abgelehnt hatten[2]) Karl Moersch.

Nachdem schon länger wegen möglicher Differenzen mit Bundeswirtschaftsminister Schiller über den Rücktritt des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister für Wirtschaft, Klaus Dieter Arndt, spekuliert worden war,[3] trat er schließlich am 14. September 1970 zurück und widmete sich wieder ganz seinem Amt als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Schon seit August 1970 stand fest, dass Philip Rosenthal sein Nachfolger werden sollte.[4]

Da er die wachsenden Ausgabenwünsche der anderen Ressorts nicht mehr mittragen konnte, reichte Bundesfinanzminister Alexander Möller am 13. Mai 1971 seinen Rücktritt ein.[5] Daraufhin übernahm Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller als sogenannter „Superminister[6] zusätzlich die Leitung des Bundesfinanzministeriums. Ebenfalls am 13. Mai 1971 schied der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Gerhard Reischl, aus dem Amt. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige stellvertretende Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Hans Hermsdorf, ernannt.

Nachdem das Verhältnis zwischen dem Wirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller und dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft, Philip Rosenthal, schon länger als zerrüttet galt, trat Rosenthal aus Anlass einer erneuten Verzögerung bei der Aufstellung eines Plans zur Beteiligung von Arbeitnehmern am Produktivkapital am 17. November 1971 zurück.[7]

Am 24. Januar 1972 wurde Holger Börner zum Bundesgeschäftsführer der SPD gewählt. Sein Nachfolger im Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister für Verkehr und Post- und Fernmeldewesen wurde am 7. Februar 1972 Ernst Haar.

Nachdem der parteilose Bundesbildungsminister Hans Leussink bereits im Januar 1972 seinen Rücktritt erklärt hatte, wurde am 15. März 1972 der bisherige Parlamentarische Staatssekretär Klaus von Dohnanyi zum neuen Bundesminister für Bildung und Wissenschaft ernannt. Dohnanyis Nachfolger im Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs wurde Joachim Raffert.

Nach dem Rücktritt des beamteten Staatssekretärs Heinz Haller wurde am 15. März 1972 Rainer Offergeld zum Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen - vor allem mit der Verantwortung für das ins Stocken geratene Projekt einer Steuerreform - ernannt.[8]

Am 7. Juli 1972 trat der Bundesminister für Wirtschaft- und Finanzen, Karl Schiller zurück, nachdem er aus seiner Sicht die Unterstützung von Bundeskanzler Brandt verloren hatte und in der Woche zuvor in einer währungspolitischen Frage im Bundeskabinett eine Abstimmungsniederlage hatte hinnehmen müssen.[9] Sein Nachfolger wurde der bisherige Verteidigungsminister Helmut Schmidt. Zum neuen Bundesminister der Verteidigung wurde der bisherige Bundesminister für Verkehr und das Post- und Fernmeldewesen, Georg Leber, ernannt. Das Ressort für Verkehr und Post wurde zusätzlich von Bundesbauminister Lauritz Lauritzen übernommen.

Im August 1972 gerieten die beiden Parlamentarischen Staatssekretäre Wolfram Dorn (Inneres) und Joachim Raffert (Bildung und Wissenschaft) wegen Beraterverträgen mit dem Heinrich Bauer Verlag in die Kritik; beide traten daraufhin am 31. August 1972 zurück.[10] Angesichts der schon für den 19. November 1972 terminierten Bundestagswahl wurde jeweils kein Nachfolger ernannt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Dahrendorf: Ab nach Brüssel. In: Der Spiegel. Nr. 23, 1970, S. 33 (online 1. Juni 1970).
  2. Spiegel 29/1970 vom 13. Juli 1970: Hält niemand aus
  3. „Opas Lehrbuch bleibt zugeklappt.“ Spiegel-Interview mit Staatssekretär Klaus Dieter Arndt über Konjunkturpolitik. In: Der Spiegel. Nr. 19, 1970, S. 26 (online 4. Mai 1970).
  4. Staatssekretäre: Schön geschoben. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1970, S. 29–30 (online 3. August 1970).
  5. Uns bleibt nur ein schmaler Korridor. In: Der Spiegel. Nr. 21, 1971, S. 21–29 (online 17. Mai 1971).
  6. Dieser Schiller ist wie ein Astronaut. In: Der Spiegel. Nr. 21, 1971, S. 31–34 (online 17. Mai 1971).
  7. „Kurs der SPD nach rechts verschoben.“ Spiegel-Interview mit Ex-Staatssekretär Philip Rosenthal. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1971, S. 26 (online 22. November 1971).
  8. Fünfter Mann. In: Der Spiegel. Nr. 13, 1972, S. 30–31 (online 20. März 1972).
  9. Karl, billiger werden wir dich nicht los. In: Der Spiegel. Nr. 28, 1972, S. 19–21 (online 3. Juli 1972).
  10. Mein Junge, ob das so richtig ist. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1972, S. 17–23 (online 4. September 1972).

Kategorien: Politik 1969 | Willy Brandt | Kabinett mit FDP-Beteiligung | Bundeskabinett (Deutschland) | Kabinett mit SPD-Beteiligung

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kabinett Brandt I (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.