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Küllstedt


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: EichsfeldVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verwaltungs­gemeinschaft: Westerwald-Obereichsfeld
Höhe: 445 m ü. NHN
Fläche: 13,11 km²
Einwohner: 1354 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 103 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37359
Vorwahl: 036075
Kfz-Kennzeichen: EIC, HIG, WBS
Gemeindeschlüssel: 16 0 61 063
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Neue Str. 16
37359 Küllstedt
Webpräsenz: www.westerwald-obereichsfeld.eu
Bürgermeisterin: Christina Tasch (CDU)
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Küllstedt ist eine Gemeinde im Süden des thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Westerwald-Obereichsfeld.

Geographische Lage

Küllstedt liegt im Obereichsfeld östlich des Höhenzugs Westerwald am Ostrand des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal. Etwas östlich liegt das Thüringer Becken. Küllstedt liegt zwischen etwa 390 m HN an der Landstraße nach Büttstedt im Südosten der Ortsgemarkung und 499,1 am Madeberg im Nordwesten. Es zählt somit zu den Höhengemeinden des Landkreis Eichsfeld.

Geologie

Küllstedt ist dem Naturraum Hainich-Dün-Hainleite zuzuordnen, der durch ein großflächiges, von den Schichtgesteinen des Muschelkalks geprägtes Hochplateau bestimmt wird. Mit einer deutlichen Schichtstufe im Südwesten der Ortslage erfolgt im Bereich der Gemarkung von Küllstedt der Übergang vom Oberen zum Unteren Muschelkalk. Die Ortslage selbst liegt im Bereich des sogenannten Küllstedter Grabens, einer parallel zur Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone verlaufenden Verwerfungslinie. Dort bilden Gesteine des Unteren Keupers den oberflächennahen geologischen Untergrund.

Geschichte

Küllstedt wurde 1171 erstmals urkundlich erwähnt, 1191 als „Cullestede“. „Kull“ bedeutet „stehender See“, der Ort war damals von Seen umgeben. Um 1250 gab es Herren von Küllstedt und eine Burg (am SW-Rand des Ortes). Von Küllstedts waren seit damals auch häufig Ratsherren und Bürgermeister der Stadt Mühlhausen. Der Wallhof hatte dann wechselnde Besitzer, Herren von Tastungen („Tastunger Hof“) und von Mühlhausen. 1632, im Dreißigjährigen Krieg, wurde Küllstedt fast völlig zerstört. 1682 folgte die Pest. 1720 bis 1724 wurde die im Dreißigjährigen Krieg stark beschädigte Kirche abgerissen und an der gleichen Stelle ein Gotteshaus im Barockstil errichtet. Seit Valentin Degenhard Ende des 17. Jahrhunderts die Weberei einführte, nahm der Ort einen bedeutenden Aufschwung. Trotzdem kam es 1770/71 zu einer Hungersnot mit 40 Toten. 1850 raffte die Cholera 116 Küllstedter hin. 1860 zählte der Ort etwa 2.500 Einwohner (1.000 mehr als jetzt). Als die Textilindustrie Ende des 19. Jahrhunderts zurückging, suchten viele Einwohner Arbeit in anderen Teilen Deutschlands oder wanderten aus. 1880 erhielt Küllstedt Bahnanschluss, 1904 ein Krankenhaus. 1911 folgten Elektrifizierung und fließendes Wasser. 1930/31 wurde eine neue, große Kirche gebaut.

Der Ort gehörte von 1294 bis zur Säkularisation 1802 zu Kurmainz, dann wurde er preußisch. Nach kurzer Zugehörigkeit zu dem von Napoleon geschaffenen Königreich Westphalen war Küllstedt bis 1945 Teil der preußischen Provinz Sachsen.

Während der NS-Herrschaft wurden seit 1934 auch im St.-Vinzenz-Hospital und im Krankenhaus St.-Josef-Stift zahlreiche Zwangssterilisationen vorgenommen.[2] Grundlage war das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das seit 1934 im ganzen Deutschen Reich galt.

Zu Beginn der Schlacht bei Struth Anfang April 1945 war Küllstedt Bereitstellungsraum für die daran beteiligten deutschen Truppenverbände. Die Kampfhandlungen endeten zu Gunsten der US-Truppen. Küllstedt wurde daraufhin von den Amerikanern besetzt.

Anfang Juli 1945 erfolgte die Eingliederung von Küllstedt in die Sowjetische Besatzungszone. Am 1. August 1945 kam es zu einem Racheakt der Besatzungsmacht nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung von Küllstedtern mit Soldaten der Roten Armee bzw. „Widerstand gegen sowjetische Offiziere“. 33 Küllstedter wurden verhaftet, sieben von ihnen – unter befohlener Anwesenheit der Ortsbewohner und ohne den erbetenen priesterlichen Beistand – durch Genickschuss hingerichtet. Auf dem Friedhof durften ihre Körper nicht beigesetzt werden, man hat sie an damals unbekannter Stelle im Mühlhäuser Stadtwald verscharrt.[3] Neun Einwohner wurden zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Von diesen kehrten nur drei aus der Sowjetunion zurück. Einschließlich des Freitods des Ortspolizisten lag die Zahl der Todesopfer somit bei insgesamt vierzehn.

Ab 1949 war Küllstedt – wie das gesamte Obereichsfeld – Teil der DDR. Der katholische Ort machte die entsprechenden gesellschaftlichen Veränderungen einschließlich der atheistischen Politik des Systems mit. Besonders ab 1961 bis zur Wende 1989 wurden die Küllstedter von der Sperrung der nahen innerdeutschen Grenze erheblich beeinträchtigt.

1959 erfolgte im Rahmen der Kollektivierung der Landwirtschaft die Gründung einer LPG „Eichsfelder Höhe“.

Am 19. Juli 1966 wurde Küllstedt durch eine Windhose der Stärke F2+ auf der Fujita-Skala verwüstet. 80 Prozent der Häuser trugen Sturmschäden davon, 100.000 freiwillige, unentgeltliche Aufbaustunden wurden geleistet. Der obere Teil des Kirchturms wurde zerstört, bis 1969 war er unter großem Einsatz der Einwohnerschaft und unter Mangelbedingungen wieder aufgebaut.

Wappen

Blasonierung: „Innerhalb eines goldenen Bordes mit drei zur Schildmitte gerichteten stilisierten Sühnekreuzen in Schwarz drei gestielte silberne Kastanienblätter im Dreipass.“ Die Farbgebung Gold-Schwarz-Silber entspricht den Farben der früheren Herren von Küllstedt.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994 – 1.652
  • 1995 – 1.635
  • 1996 – 1.647
  • 1997 – 1.650
  • 1998 – 1.657
  • 1999 – 1.641
  • 2000 – 1.618
  • 2001 – 1.612
  • 2002 – 1.618
  • 2003 – 1.598
  • 2004 – 1.626
  • 2005 – 1.586
  • 2006 – 1.558
  • 2007 – 1.551
  • 2008 – 1.532
  • 2009 – 1.507
  • 2010 – 1.500
  • 2011 – 1.410
  • 2012 – 1.401
  • 2013 – 1.390
  • 2014 – 1.367
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Küllstedt setzt sich aus zwölf Gemeinderatsmitgliedern zusammen.

  • CDU: 7 Sitze
  • Wahlvorschlag FDW: 5 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)[4]

Bürgermeister

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Christina Tasch (CDU) wurde am 6. Juni 2010 wiedergewählt.[5]

Wirtschaft und Infrastruktur

Küllstedt hatte bis 1998 einen Bahnanschluss an der Bahnstrecke Leinefelde–Eschwege, die zur historischen Kanonenbahn zählte. Nahe dem Ort liegt der Küllstedter Tunnel, der bis 2000 der zweitlängste Eisenbahntunnel Thüringens war.

In der Nähe von Küllstedt, in Richtung Struth, wurden 27 große, zu Büttstedt gehörende Windkraftanlagen installiert. Sie beherrschen weithin sichtbar das Landschaftsbild.

Sehenswertes

Katholische Pfarrkirche

Die katholische Pfarrkirche St. Georg und Juliana wurde 1930/31 erbaut nach einem Entwurf von Fleckner und Saar (Erfurt) unter Einbeziehung des alten Westturmes von 1785. Das Mittelschiff wird von einem Tonnengewölbe mit Querrippen überspannt, während die durch Rundbögen in Joche geteilten Seitenschiffe flach gedeckt sind. Zur Ausstattung gehört insbesondere der monumentale barocke Marienaltar von 1756 und weitere barocke Nebenaltäre mit der Darstellung der Kirchenpatrone. Im Turmraum befindet sich ein Taufstein aus dem 15. Jahrhundert sowie ein Epitaph von 1712. Unter den neueren Ausstattungsgegenständen sind zu nennen: die Kreuzwegfresken von Willi Geißler, die Glasfenster mit Heiligendarstellungen und die Orgel der Firma Bernhard Speith (Rietberg in Westfalen) von 1932.[6]

1966 wurde durch eine Windhose der Kirchturm - "Küllstedts Kron und Zier" - schwer beschädigt, sein Holzteil abgedreht und in die angrenzende Gasse geworfen. Beim raschen Wiederaufbau des Turmes wurde kein Ringanker installiert, wodurch im Laufe der Jahrzehnte Schäden am Mauerwerk auftraten. [7] Die umfassende Sanierung erfolgte 2013 mit einem finanziellen Aufwand von 500.000 Euro. Der Turm wurde bis auf die alte Mauer abgebaut, ein Ringanker eingezogen, fünf Meter aufgemauert und ein neuer Turmhelm aufgesetzt. Dieser wurde dem alten Turmhelm (bis 1966) nachgestaltet. Der Turm ist jetzt spitzer und zwei Meter höher geworden.

Mit 900 Sitzplätzen ist die Pfarrkirche die größte Dorfkirche des Eichsfeldes. Bekannt ist auch ihre Krippe, die 1939 von den Holzschnitzern in Oberammergau bezogen wurde und mit ihren 54 Holzfiguren als eine der größten und schönsten Krippendarstellungen des Eichsfeldes gilt. Sie wird in der Adventszeit aufgebaut, und in dieser Zeit findet auch die alljährliche Hauskrippenausstellung statt.[8]

Evangelische Kirche

Die evangelische Filialkirche Der gute Hirte ist ein schlichter neogotischer Saalbau mit querrechteckigem Grundriss und Westturm von 1906/07. Von außen erhebt sich über einem Kalksteinsockel ein verputzter Massivbau mit Fenster- und Türöffnungen in Spitzbogenform. Dach und Turm sind verschiefert und der Turm trägt eine polygonale Spitzhaube.[9]

Weitere Sehenswürdigkeiten

  • Eichsfelder Heimatstube
  • zahlreiche Fachwerkhäuser
  • drei gotische Sühnekreuze, die so genannten Bonifatiuskreuze
  • Stationsweg mit Ölberggrotten und Antoniuskapelle
  • Kastanienallee als Naturdenkmal

Gedenkstätten

  • Denkmal für Hermann Iseke, den Dichter des Eichsfeldliedes, auf dem Madeberg
  • Gedenkstein von 1996: außerhalb der Friedhofsmauer an der Straße nach Struth zur Erinnerung an die öffentliche Hinrichtung von sieben Küllstedter Männern am 1. August 1945 durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD an diesem Ort.

Sonstiges

Als Zeugnisse eines oft derben Volkshumors bildeten sich bereits vor Jahrhunderten Besonderheiten des jeweiligen Dorfes charakterisierende Neck- und Spitznamen heraus. Demnach lebten hier im Ort die Killstedder Kluckenschießer - Küllstedter Klugscheißer - auch kannte man die Killstedder Ossenschlajer - Küllstedter Ochsenschläger - da man im Ort früher kaum Pferde aber viele Ochsen als Zugtiere besaß. Küllstedtzer Modeteufel waren schließlich die zahlreichen, mit Heimarbeiten beschäftigten Stricker des Ortes.[10]

Literatur

  • Küllstedt in "Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands / Thüringen", Hrsg. H.Patze und P.Aufgebauer, Kröner-Verlag Stuttgart 1989
  • Monika Köckritz: Sieben Männer brutal hingerichtet in "Monatsheft Eichsfeld" 39 (1995), S. 258 und 259
  • Eduard Fritze: Die Eichsfelder Kanonenbahn 1880–1994 und der Bahnhof Küllstedt. 1. Auflage, Rockstuhl, Bad Langensalza 2003, ISBN 3-936030-05-7.
  • Manfred Thiele: Vae victis. Mühlhausen unter sowjetischer Besatzungsdiktatur. Selbstverlag, Mühlhausen 2004. ISBN 3-00-012992-8
  • Wolfgang Montag: Küllstedt im Eichsfeld. Begegnungen in einem Dorf. 2. Auflage, Kunstverlag Fink, Lindenberg 2007, ISBN 3-89870-397-5.

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik  (Hilfe dazu).
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 40, ISBN 3-88864-343-0
  3. Manfred Thiele: „Vae victis. Mühlhausen unter sowjetischer Besatzungsdiktatur“. Selbstverlag, Mühlhausen 2004. ISBN 3-00-012992-8
  4. Kommunalwahlen in Thüringen am 7. Juni 2009. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 10. März 2010 (PDF; 1,9 MB).
  5. Kommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.
  6. Matthias Schmidt: Die Dorfkirchen im Landkreis Eichsfeld, Cordier : Heiligenstadt 2000, S. 91-92.
  7. Kirchturm in Küllstedt wird zwei Meter höher. Thüringer Allgemeine, 19. Januar 2013
  8. «Küllstedt». In: Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): Kulturelle Entdeckungen. Landkreis Eichsfeld, Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen, Unstrut-Hainich-Kreis. Band 1 (Thüringen). Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2249-3, S. 125–126.
  9. Matthias Schmidt: Die Dorfkirchen im Landkreis Eichsfeld. Cordier, Heiligenstadt 2000, S. 92-93.
  10. Rolf Aulepp: Spitznamen der Orte und ihrer Bewohner im Kreise Mühlhausen. In: Eichsfelder Heimathefte, Heft 1, Heiligenstadt 1987, S. 78-83.

Weblinks

 Commons: Küllstedt  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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