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Josef Martin Bauer


Josef Martin Bauer (* 11. März 1901 in Taufkirchen (Vils); † 15. März 1970 in Dorfen) war ein deutscher Schriftsteller und Hörspielautor. Er war der Vater des deutschen Kunsthistorikers Hermann Bauer.

Leben

Josef Martin Bauer besuchte das Humanistische Gymnasium der Benediktiner in Scheyern, legte 1920 das Abitur ab und sollte danach Theologe werden. Er nahm allerdings das für ihn vorgesehene Theologiestudium nicht auf und schlug sich anschließend mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten durch, bis er 1927 Redakteur und später Schriftleiter bei der Lokalzeitung in Dorfen wurde. Im Jahr 1929 wurde sein Sohn, der spätere Kunsthistoriker Hermann Bauer geboren. Für seinen ersten Roman, den Siedlerroman Achtsiedel, erhielt Bauer 1930 den „Jugendpreis deutscher Erzähler“. Dies legte den Grundstein für seine Schriftstellerkarriere, in der er vorwiegend Stoffe aus dem bäuerlich-ländlichen Leben behandelte. 1938 gewann er den ersten Preis beim Hörspielwettbewerb des Reichssenders Leipzig.

Bauer wurde im Zweiten Weltkrieg zum Kriegsdienst bei der Gebirgstruppe eingezogen und berufsnah auch für die Wehrmachtpropaganda verwendet. So erschienen 1942 bzw. 1943 von ihm Die Kraniche der Nogaia. Tagebuchblätter aus dem Feldzug im Osten und Unterm Edelweiss in der Ukraine. Eine Gebirgsdivision im Kampf gegen Sowjetrussland, letzteres im NS-Parteiverlag Eher. 1942 erhielt er den Ehrenpreis für bäuerlich gebundenes Schrifttum. Im selben Jahr war er an der militärisch sinnlosen, aber propagandistisch herausgestellten Besteigung des Elbrus im Kaukasus beteiligt. Diese Episode schilderte er in seinem Kriegstagebuch Kaukasisches Abenteuer (1950).

In seinem berühmtesten Roman So weit die Füße tragen erzählte Bauer die lange Zeit allgemein für wahr gehaltene Geschichte eines Russlandheimkehrers nach. Das Buch wurde verfilmt und in 15 Sprachen übersetzt. Der Name des Roman- und Filmhelden ist Clemens Forell, Oberleutnant der Wehrmacht. In Wahrheit handelte es sich um die Geschichte des angeblichen deutschen Wehrmachtoffiziers Cornelius Rost aus München, geb. am 27. März 1919 in Kufstein, gelernter Reprotechniker. Ihm soll 1949 die Flucht aus einem Kriegsgefangenenlager am Kap Deschnew im äußersten Nordosten Sibiriens gelungen sein. Dort habe er in einem Bleibergwerk arbeiten müssen. Nach einer drei Jahre dauernden, hochriskanten und abenteuerlichen Flucht habe er sich über 14.000 km bis nach dem Iran durchgeschlagen und sei am Tag vor Heiligabend 1952 wieder in seiner Heimatstadt München angekommen.

Bauer erfuhr über den Münchner Verleger Franz Ehrenwirth von diesem Fall und erkannte darin den geeigneten Stoff für ein Buch. Rost teilte die Geschichte seinem Autor Bauer mit. Als angeblich gebrochener und ständig in Angst vor Verfolgung durch das KGB lebender Mann starb Rost am 18. Oktober 1983 in München. Bauer durfte seinen wahren Namen aufgrund vertraglicher Zusicherungen niemals preisgeben. In drei Sendungen des Bayerischen Rundfunks am 2., 3. und 4. April 2010[1] kam der Journalist Arthur Dittlmann nach langjährigen Forschungsarbeiten zu dem Ergebnis, dass Rosts Schilderungen, abgesehen von weiteren Unwahrscheinlichkeiten sachlicher Art, nicht der Wahrheit entsprechen können; so sei er weder Offizier gewesen noch 1952 heimgekehrt, sondern bereits 1947. Die von Rost besprochenen Tonbänder wurden dem Institut für Zeitgeschichte übergeben.

1951 schuf Bauer eine Neufassung des Further Drachenstichs.

Bauer gilt auch als einer der wichtigsten Hörspielautoren seiner Generation in Deutschland. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg schrieb er das Stück Das tote Herz. Das erste nach dem Kriege von ihm entstandene Hörspiel war Die Vernehmung des Judas Ischariotes, in dem Werner Hessenland, Kurt Lieck und René Deltgen die Hauptrollen sprachen. Weitere bekannte Produktionen waren u. a. Der glaubwürdige Lügner (1953) und Die Sache mit Fadenherr (1954) mit Gunnar Möller, Ludwig Linkmann und Annemarie Schradiek. Das 1951 erstmals produzierte Hörspiel Geronimo und die Räuber wurde im Jahre 1966 von Regisseur Arthur Maria Rabenalt für das Fernsehen filmisch umgesetzt. In der 13-teiligen Fernsehserie Auf gut bairisch mit Ludwig Schmid-Wildy und Fritz Straßner führte er auch selbst die Regie.

Nach einem Alters-Herzinfarkt erblindete er.

Auszeichnungen und Ehrungen

Werke (Auswahl)

  • Achtsiedel, 1931
  • Die Notthafften, Piper, München 1931
  • Die Salzstraße, 1932
  • Das Haus am Fohlenmarkt, 1936
  • Das tote Herz (Hörspiel), 1937
  • Das Herz, Geschichte einer Freundschaft, 1940
  • Die Kraniche der Nogaia, München 1942
  • Kaukasisches Abenteuer, 1950
  • So weit die Füße tragen, 1955
  • Kranich mit dem Stein, 1958
  • Der Abhang, 1960
  • Mensch an der Wand, 1962

Verfilmungen

Sein Buch So weit die Füße tragen ist zwei mal verfilmt worden.

  1. 1959: Sechsteiliger Fernsehfilm unter der Regie von Fritz Umgelter, mit Heinz Weiss (Forell), Wolfgang Büttner, Hans Epskamp und Hans E. Schons.
  2. 2001: Spielfilm unter der Regie von Hardy Martins, mit Bernhard Bettermann (Forell), Michael Mendl und Anatoly Kotenyov.

Hörspiele

1956 produzierte der WDR So weit die Füße tragen als 8-teiliges Hörspiel. Die Regie führte Franz Zimmermann. Zu den wichtigsten Sprechern gehörten Wolfgang Wahl (Forell), Raoul Wolfgang Schnell, Kurt Lieck, Walter Richter und Heinz Schimmelpfennig.

Weitere Produktionen:

  • 1950: Die Vernehmung des Judas Ischariotes – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1950: Das tote Herz – Regie: Ludwig Cremer
  • 1950: Das Gerücht – Regie: Karlheinz Schilling
  • 1950: Der gerechte Herr Boll – Regie: Fritz Schröder-Jahn
  • 1950: Die Bürger von Bethlehem – Regie: Ludwig Cremer
  • 1950: Bäuerliche Legende – Regie: Paul Land
  • 1950: Hier Kellermann – Regie: Detlof Krüger
  • 1951: Geronimo und die Räuber – Regie: Fritz Schröder-Jahn
  • 1951: Der Schatten eines Strohhalms oder Die neue Zeit ist da – Regie: Walter Knaus
  • 1951: Um Jahr und Tag – Regie: Otto Kurth
  • 1951: Weiberwirtschaft oder Die törichten Jungfrauen – Regie: Theodor Steiner
  • 1951: Glanz und Ende der Republik Asumara – Regie: Karl Peter Biltz
  • 1951: Akademie der Schöpfung – Regie: Gert Westphal
  • 1951: Geronimo und die Räuber – Regie: Nicht bekannt
  • 1952: Die Tage sind gezählt – Regie: Gerd Beermann
  • 1952: Einer trage des anderen Last – Regie: Ludwig Cremer
  • 1952: Die Leute von Oberwasser – Regie: Oskar Nitschke
  • 1952: Der König von Albanien – Regie: Fritz Schröder-Jahn
  • 1952: Die Steuererklärung – Regie: Gustav Burmester
  • 1952: Der Omnibus steht unten – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1953: Der gerechte Herr Boll – Regie: Alois Garg
  • 1953: Mit Wölfen soll man nicht spielen – Regie: Peter Glas
  • 1953: Der größte Abenteurer des Jahrhunderts – Regie: Karl Peter Biltz
  • 1953: Geronimo und die Räuber – Regie: Paul Land
  • 1953: Geronimo und die Räuber – Regie: Theodor Steiner
  • 1953: Der glaubwürdige Lügner – Regie: Fritz Schröder-Jahn
  • 1954: Die Sache mit Fadenherr – Regie: Kurt Reiss
  • 1954: Schüsse in Sarajewo (3 Teile) – Regie: Oswald Döpke
  • 1954: Geld oder Leben – Regie: Ulrich Lauterbach
  • 1954: Die Weinwirtschaft „Zum Auge Gottes“ – Regie: Gustav Burmester
  • 1955: Glanz und Ende der Republik Asumara – Regie: Paul Land
  • 1955: Die Stadt der Gerechten – Regie: Wolfgang Spier
  • 1955: Dr. Dr. Hippolyt Leibetseder – Regie: Helmut Brennicke
  • 1956: Die getreue Magd Christa – Regie: Fränze Roloff
  • 1957: Der schwarze Anzug – Regie: Wilhelm Semmelroth
  • 1957: Wie Sand am Meer – Regie: Egon Monk
  • 1957: Es geschah in... Kanada; Folge: Fracht gelöscht – Regie: Ludwig Cremer
  • 1958: Es geschah in... Norddeutschland; Folge: Fideles Gefängnis – Regie: Kurt Meister
  • 1958: Es geschah in den... Karawanken; Folge: Grenzgänger – Regie: Otto Kurth
  • 1958: Es geschah in... Thüringen; Folge: Der König von Erfurt – Regie: Kurt Meister
  • 1958: Es geschah in ... Österreich; Folge: Der Major von Köpenick – Regie: Friedhelm Ortmann
  • 1958: Die neue Zeit ist da – Regie: Viktor Lenz
  • 1959: Der glaubwürdige Lügner – Regie: Viktor Lenz
  • 1959: Die Reise nach Steiermark – Regie: Edmund Steinberger
  • 1959: Es geschah in ... England; Folge: Der Mann mit der Aktenmappe – Regie: Otto Kurth
  • 1959: Es geschah in ... Italien; Folge: Ein komischer Vogel – Regie: Hermann Pfeiffer
  • 1960: An der Straße – Regie: Nicht angegeben
  • 1960: Es geschah in... Niederschlesien; Folge: Glasperlen – Regie: Hermann Pfeiffer
  • 1960: Es geschah in... Serbien; Folge: Die Brüder aus Mazedonien – Regie: Otto Kurth
  • 1960: Geronimo und die Räuber – Regie: Heinz-Günter Stamm
  • 1960: Es geschah... in Kirgisistan; Folge: Ein armes Huhn – Regie: Otto Kurth
  • 1960: Der Mantel der Liebe – Regie: Gustav Burmester
  • 1961: Franz von Assisi. – Regie: Otto Kurth
  • 1961: Es geschah in... Süddeutschland; Folge: Die Überstunden des Simon Parblinger – Regie: Heinz Dieter Köhler
  • 1961: Es geschah in... Russland; Folge: Der Herr Bezirksrichter – Regie: Edward Rothe
  • 1962: Das Engagement – Regie: Friedhelm Ortmann
  • 1962: Einer der fremd blieb – Regie: Otto Kurth
  • 1962: Der törichte Jüngling – Regie: Otto Düben
  • 1963: Das wundertätige Madonnenbild – Regie: Otto Kurth
  • 1964: Der Zug – Regie: Jörg Jannings
  • 1965: Übers Wasser ist ein Weg – Regie: Edmund Steinberger
  • 1965: Weiße Puppen – Regie: Fritz Schröder-Jahn
  • 1966: Der Spielmann – Regie: Walter Ohm
  • 1968: Der Mensch Adam Deigl und die Obrigkeit – Regie: Edmund Steinberger

Hörspiel-Bearbeitungen:

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ein Welterfolg – Dichtung und Wahrheit (Memento vom 20. Oktober 2010 im Internet Archive), BR-online


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Josef Martin Bauer (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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