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Johannes Dieckmann


Johannes Dieckmann (* 19. Januar 1893 in Fischerhude, Kreis Achim; † 22. Februar 1969 in Ost-Berlin) war ein deutscher Journalist und Politiker (DVP/LDPD). Er war Präsident der Volkskammer der DDR und stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates der DDR.

Leben

Dieckmann war Sohn eines Pfarrers. Er studierte in Berlin, Gießen und Göttingen Nationalökonomie und Philosophie. In Berlin wurde er Mitglied des VDSt Berlin.[1] 1916 wurde er zum Militär einberufen. Im November 1918 war er Vorsitzender eines Soldatenrates.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges trat Dieckmann der DVP bei und wurde einer der engsten Mitarbeiter Gustav Stresemanns. Dieckmann war nacheinander Generalsekretär der DVP in den Bezirken Weser-Ems, Niederrhein und Sachsen. 1929 bis 1930 und 1933 gehörte er dem Sächsischen Landtag an. Von 1933 bis 1939 arbeitete er als Geschäftsführer mehrerer Kohlewirtschaftsverbände. Im August 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen, im Januar 1941 als Hauptmann der Reserve entlassen. Anschließend war er bis 1945 Geschäftsleiter des Oberschlesischen Steinkohlen-Syndikats. 1944 wurde Dieckmann im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944, an dem sein Vetter Albrecht Mertz von Quirnheim beteiligt war, unter verschärfte Beobachtung der Gestapo gestellt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete Dieckmann das „Sächsische Kohlekontor“ und den Verlag „Sächsisches Tageblatt“. Er war zudem Mitbegründer der LDPD in Sachsen. Seit 1946 gehörte er für die LDPD dem Sächsischen Landtag an und trat für die Einbeziehung seiner Partei in das System der Blockparteien in der DDR ein. Ab 1948 fungierte er als Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident von Sachsen. Von 1949 bis 1969 war er stellvertretender Vorsitzender der LDPD und Präsident der Volkskammer der DDR. In der Funktion als stellvertretender Vorsitzender der LDPD war er von 1960 bis zu seinem Tod 1969 einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Staatsrates der DDR. 1947 gehörte er zu den Mitbegründern der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion, ab 1949 Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) und wurde Mitglied ihres Zentralvorstandes. 1963 bis 1968 war er Präsident der DSF.

1961 folgte Dieckmann der Einladung eines Marburger Funktionärs des Liberalen Studentenbunds Deutschlands (LSD), um in der hessischen Universitätsstadt über die Wiedervereinigung zu diskutieren. Im Vorfeld distanzierte sich nicht nur die FDP-Spitze von dem Vorhaben, sondern auch die Führung des LSD. Gleichwohl erhielt der Auftritt Dieckmanns große öffentliche Aufmerksamkeit. Mehrere hundert Zuhörer und Journalisten fanden sich in einem Wirtshaussaal ein, und draußen wurde lautstark gegen den LDPD-Funktionär demonstriert. Ohne zu reden, konnte er am Ende nur unter Polizeischutz den Saal verlassen und überhastet abreisen.

Auf zahlreichen Auslandsreisen hatte Dieckmann, so Der Spiegel, selbst immer in Rede und Habitus bürgerlich, die sozialistische Macht als respektabel präsentiert. In den letzten Jahren hatte der Dresdner Ehrenbürger nur noch als Symbol des SED-Traums von der politisch-moralischen Einheit des DDR-Volkes fungiert.[2]

Der Schriftsteller Friedrich Dieckmann (* 1937) ist sein Sohn.

Der Nachlass Dieckmanns kam ins Zentralarchiv der LDPD in Berlin und gelangte von dort 1991 ins Archiv des Liberalismus nach Gummersbach.

Staatliche Ehrungen

Veröffentlichungen

  • Johannes Dieckmann: Rudolf Heinze. In: Karl Maßmann und Robert Paul Oszwald (Hrsg.): VDSter – 50 Jahre Arbeit für Volkstum und Staat. Den Vereinen Deutscher Studenten zum 6. August 1931 gewidmet, Berlin 1931, S. 61-65.
  • Johannes Dieckmann: In Deutschlands entscheidungsvollster Zeit, Berlin 1958.
  • Johannes Dieckmann: Dokumente, Reden, Aufsätze. Gesammelt von Manfred Bogisch. Hrsg. vom Sekretariat des Zentralvorstandes der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands, Berlin 1982.

Literatur

  • Conrad Ahlers: Zum Lachen war das nicht! Marburger Studenten veranstalten eine Bürgerkriegs-Übung gegen Johannes Dieckmann. In: Frankfurter Rundschau, 16. Januar 1961, S. 3.
  • Dieckmann in Marburg. Eine fast vollständige Chronik über Vorgeschichte, Ereignisse und Wirkungen seines Besuches. In: Marburger Blätter Nr. 67, [1961], S. 3 ff.
  • Theo Hanemann: Moment bitte, Herr Dieckmann. Geschichten - Anekdoten - Erinnerungen, Berlin 1983, ISBN 3-371-00176-8.
  • Reinhard Hübsch: Dieckmann raus – Hängt ihn auf! Der Besuch des DDR-Volkskammerpräsidenten Johannes Dieckmann in Marburg am 13. Januar 1961. Bonn 1995, ISBN 3-89144-212-2.
  • Johannes Dieckmann. Beiträge zu seiner politischen Biographie 1945-1969. Aus dem Protokoll des Kolloquiums der Kommission zur Erforschung der Parteigeschichte der LDPD, hrsg. vom Sekretariat des Zentralvorstandes der LDPD, Berlin 1974.
  • Johannes Dieckmann. Aus seinem Leben und Wirken, [hrsg. vom Zentralvorstand der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands], Berlin 1968.
  • Marburg mahnt: Freiheit dem Frieden! [zum Besuch von Johannes Dieckmann in Marburg]. In: Sozialistische Universität. Organ der SED-Parteileitung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Nr. 2, 4. Jahrgang, 31. Januar 1961, S. 1 f.
  • Elke Reuter, Helmut Müller-EnbergsDieckmann, Johannes . In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Marc Zirlewagen: Johannes Dieckmann. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 24, Bautz, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9, Sp. 496–501.

Einzelnachweise

  1. Louis Lange (Hrsg.): Kyffhäuser-Verband der Vereine Deutscher Studenten. Anschriftenbuch 1931. Berlin 1931, S. 42.
  2. Johannes Dieckmann. In: Der Spiegel. Nr. 10, 1969 (online ).
  3. Neues Deutschland vom 8. Mai 1954.

Weblinks

 Commons: Johannes Dieckmann  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes Dieckmann (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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