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Johann Günther Friedrich Cannabich


Johann Günther Friedrich Cannabich (* 21. April 1777 in Sondershausen; † 3. März 1859 ebenda) war ein deutscher Geograph, Pfarrer und Pädagoge.

Name

Der Familienname Cannabich kommt aus Süddeutschland und Österreich. Seit dem 18. Jahrhundert ist er auch in Moskau vertreten. Etymologisch deutet „kanna“ auf Sumpf, Wasser und Moder. Die Endung „bich“ bedeutet Bach.

Leben

Cannabich wurde als erstes von fünf Kindern geboren. Sein Vater Gottfried Christian Cannabich war Theologe. Die Mutter war eine Tochter des Frankenhäuser Oberpfarrers Johann Friedrich Manniske. Als Sohn erhielt er, wie seit Generationen in der Familie Cannabich üblich, in den ersten Schuljahren Hausunterricht. Das weltoffene Pfarrhaus und das Studium geografischer Schriften von damals bekannten Autoren – wie Büsching, Heynatz und Villaume – weckten bei Cannabich frühzeitig geografisches Interesse. Bereits im Alter von 14 Jahren verfasste er eine geografische Beschreibung Deutschlands.

An der Friedrichs-Universität Halle begann er 1794 ein Studium der Evangelischen Theologie. Er hörte dort Johann Gottlieb Fichte und den Theologen Johann Jakob Griesbach.

Nach Abschluss des Studiums übernahm er 1797 eine Hauslehrerstelle in Düna und 1802 in Schotten (Stadt) am Vogelsberg. Von Düna aus erkundete er durch ausgedehnte Wanderungen Norddeutschland. Schotten war der Ausgangspunkt für seine Ausflüge in das Rheingebiet und das Elsass und nach Westfalen.

1806 erhielt er eine Berufung an die Lateinschule in Greußen. 1819 bekam er die Pfarrstelle in Niederbösa. Da das Verfassen geografischer Bücher viel Zeit in Anspruch nahm, suchte er eine Arbeitsstelle, die ihm dafür den nötigen Freiraum ließ. Er fand sie 1835 in Bendeleben als Vertreter des dortigen Pfarrers. Nach dessen Tode wurde er 1838 Inhaber der Pfarrstelle. Die Bedingungen in Bendeleben waren für seine Nebentätigkeit als Schriftsteller sehr günstig. Der Gutsbesitzer Major Johann Jacob Freiherr von Uckermann (1763–1836) wurde sein Förderer und stellte seine 9.000 Bände umfassende Bibliothek zur Verfügung. Im Alter von 71 Jahren legte Cannabich sein Amt nieder und zog 1848 nach Sondershausen. Er starb kurz vor seinem 82. Geburtstag.

Familie

Mit einem Einkommen von 300 Talern an Geld und Naturalien war es ihm möglich, 1808 die Tochter Elsa des Steuersekretärs Müller in Schotten zu heiraten. Sie hatten sieben Kinder, von denen nur ein Sohn und eine Tochter die Eltern überlebten.

Cannabichs Kinder
Christian Ludwig Carl (1809–1853), Pfarrer in Westerengel
Christian Friedrich August Eduard (1811–1877), Oberregierungsrat
Dessen Tochter Friederike Marie (1841–1917) heiratete 1871 den Geologen und Paläontologen Heinrich Adolf von Eck
Wilhelm August Robert (1817–1824)
Jeanette Victoria Mathilde (1819–1884)
Elose Albertine Auguste (1826–1845)

Schriften

Durch den Wiener Kongress wurden 1815 neue Grenzen festgelegt. Es entstand demzufolge ein Bedarf an geografischer Literatur. Cannabich verfasste daher 1816 das Lehrbuch der Geographie nach den neuesten Friedensbestimmungen (im Verlag Bernhard Friedrich Voigt, Sondershausen). Das Werk erreichte bis 1867 18 Auflagen mit über 79 500 Exemplaren. Es wurde 1871–1875 von Friedrich Maximilian Oertel in 2 Bänden neu bearbeitet. 1818 erschien die Kleine Schulgeographie oder erster Unterricht in der Erdbeschreibung für die unteren und mittleren Klassen in 20 Auflagen mit 85.000 Exemplaren.

  • Lehrbuch der Geographie nach den neuesten Friedensbestimmungen. 8., berichtigte und vermehrte Aufl., Sondershausen 1821. (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)
  • Bearbeiter des Vollständigen Handbuchs der Erdbeschreibung, 23 Bände. Weimar 1819–1827
  • Verfasser des 6. und 23. Bandes der Neuesten Länder- und Völkerkunde. Weimar 1821 und 1827
  • mit Georg Hassel: Vollständige und neueste Erdbeschreibung vom Reiche Mexico, Guatemala und Westindien. Weimar 1824
  • Statistisch-geographische Beschreibung des Königreichs Preußen, 6 Bände. Dresden 1827/28; neue Ausgabe 1835
  • Statistische Beschreibung des Königreichs Württemberg, 2 Bände. Dresden 1828
  • Neueste Gemälde von Frankreich, 2 Bände. Dresden 1831/32
  • Neueste Gemälde des europäischen Rußland und des Königreichs Polen, 2 Bände. Dresden 1833. GoogleBooks
  • Hülfsbuch beim Unterricht in Geographie, 3 Bände. Eisleben 1833–1838; 2. Auflage 1844
  • Schlez’ Kurze Darstellung der Länder- und Völkerkunde, völlige Überarbeitung. Gießen 1843
  • Leitfaden zum methodischen Unterricht in der Geographie oder erster geographischer Kursus zum Gebrauch in den untersten Klassen der Gymnasien und für Bürgerschulen. Eisleben 1830

Ehrungen

Vom Verein für deutsche Geschichts- und Altertumskunde in Sondershausen wurde am 26. November 1920 an seinem Wohnhaus (Pfarrstraße 3, Sondershausen) eine Gedenktafel angebracht, die sich noch heute dort befindet. Die Tafel wurde vom Sondershäuser Kunstmaler Ernst Schedensack (1865–1925) mit Girlanden und Lorbeerzweigen gestaltet und in der Wiedaer Hütte gegossen. Sie trägt die Inschrift:

IN DIESEM HAUSE WURDE DER GEOGRAPH JOHANN GÜNTHER FRIEDRICH CANNABICH AM 21. APRIL 1777 GEBOREN

Die frühere Goethestraße in Sondershausen trägt seit dem Jahre 2000 seinen Namen.

Literatur

  • Helmut Köhler, Wilhelm May: Johann Günther Friedrich Cannabich (1777–1859). Reihe: Persönlichkeiten in Sondershausen. Kulturamt der Stadtverwaltung Sondershausen, 2001.
  • Püstrich, Mitteilungsblatt des Geschichts- und Altertumsvereines für Sondershausen und Umgebung e. V., 17. Juli 1904
  • Julius LöwenbergCannabich, Johann Günther Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 761 f.
  • Cannabich, Johann Günther Friedrich. In: Meyers Konversations-Lexikon 1885–1892, 3. Band, Seite 781
  • Eintrag im Brockhaus Conversations-Lexikon, 8. Aufl. 1833, Band 2, S. 420f.

Weblinks

  • Th. Ed. Keyser: J. G. Fr. Cannabich in seinem Leben und in seiner literarischen Wirksamkeit. Nordhausen 1854. GoogleBooks


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Johann Günther Friedrich Cannabich (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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