Jagdschloss Gelbensande - LinkFang.de





Jagdschloss Gelbensande


Das Jagdschloss Gelbensande liegt in der Rostocker Heide im Norden Mecklenburg-Vorpommerns und gehört zur Gemeinde Gelbensande. Konzipiert wurde es als Sommerresidenz des mecklenburgischen Großherzogs Friedrich Franz III. und seiner Frau Anastasia Michailowna Romanowa. Als Jagdschloss diente es seit 1887.

Geschichte

1885 – 1945

Großherzog Friedrich Franz III. erteilte 1884 an Gotthilf Ludwig Möckel den Auftrag mit dem Bau des Jagdhauses im Gelbensander Forst zu beginnen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 1. Mai 1885 durch den russischen Großfürsten Michael Nikolajewitsch Romanow.[1] Das Richtfest konnte bereits am 23. September 1885 gefeiert werden. Ab Sommer 1887 wurde das Schloss dann als Jagdhaus von der großherzoglichen Fürstenfamilie genutzt. Großfürst Michael Nikolajewitsch Romanow und seine Söhne waren alljährlich Gäste in Gelbensande, um während der Brunftzeit des Rotwildes der Jagd nachzugehen.[2]

Nach dem Tod von Friedrich Franz III. war das Jagdschloss der Witwensitz seiner Frau Großherzogin Anastasia. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Schlosses war die Verlobungsfeier am 4. September 1904 der Prinzessin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin mit Kronprinz Wilhelm von Preußen, dem Sohn von Kaiser Wilhelm II.. Die Bekanntgabe der Verlobung fand im unweit gelegenen Teehaus der großherzoglichen Familie statt. Am Tage der Verlobung kam es zu einem Waldbrand um Gelbensande, der sich in Richtung des Anwesens ausbreitete. Kronprinz Wilhelm von Preußen, der Kronprinz Christian von Dänemark und Großherzog Friedrich Franz IV. zu Mecklenburg stellten ihre Tatkraft unter Beweis indem sie sich an den Löscharbeiten beteiligten.[3] Der Großherzog blieb der Feuerwehr in Gelbensande auch später verbunden, 1932 stiftete er ein Opel Löschfahrzeug mit einer Motorspritze.

Großherzogin-Witwe Anastasia zu Mecklenburg verließ zu Beginn des Ersten Weltkrieges das Deutsche Reich. Da sie der russischen Zarenfamilie angehörte – damit Verbindungen zum Feind Russland hatte – war sie in Mecklenburg Anfeindungen ausgesetzt, sie verbrachte die folgende Kriegszeit in der Schweiz.

Am 8. November 1918 erfolgte die Anerkennung der von Sozialdemokraten getragenen Volksregierung durch Großherzog Friedrich Franz IV. Der Großherzog erklärte daraufhin am 14. November 1918 seine Abdankung, hiermit endete auch die Monarchie in Mecklenburg. Die herzogliche Familie begab sich nachfolgend ins Exil nach Dänemark, aus dem sie 1919 wieder nach Mecklenburg zurückkehrten. Jagdschloss Gelbensande ging daher vorübergehend in das Eigentum des Landes Mecklenburg über, welches vom Kabinett Wendorff regiert wurde.

Im Rahmen der Fürstenabfindung erhielt der abgedankte Großherzog Friedrich Franz IV. zu Mecklenburg das Jagdschloss Gelbensande im Jahr 1919 zurück und wohnte hier bis zum Jahr 1921. Im selben Jahr verlegte er seinen Wohnsitz nach Ludwigslust. Der Enkel der Großherzogin Anastasia, Christian Ludwig zu Mecklenburg, bewohnte das Jagdschloss jedoch weiter bis Mitte 1944.

1945 – 1989

Am 1. Mai 1945 wurde auf den benachbarten Bahngleisen ein Lazarettzug der Wehrmacht abgestellt. Der Lazarettzug hatte eine mehrwöchige Irrfahrt hinter sich, auch wegen der Gefahr von Tieffliegerangriffen ließ Kommandant Dr. Hoffmann die 750 verwundeten Wehrmachtssoldaten im Jagdschloss und in weitere Gebäude in Gelbensande einquartieren.[4]

Im Mai 1945 wurde das Schloss dann auf Anordnung der Besatzungstruppen weiter als Lazarett genutzt. In dem Lazarett wurden unter anderem Insassen des KZ-Außenlager Schwarzenpfost versorgt, die bis Kriegsende Zwangsarbeit bei den Ernst Heinkel Werken in Rostock verrichten mussten.[5] Auf dem unweit vom Jagdschloss befindlichen Friedhof wurden 48 Verstorbene unterschiedlicher Nationen – Soldaten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter – begraben, an die heute eine Gedenkstätte erinnert.[6][7]

Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone erfolgte die Enteignung der Mecklenburger Fürstenfamilie, welche vor der Roten Armee nach Schleswig-Holstein in die britische Besatzungszone geflüchtet war. Das Jagdschloss ging mit der Gründung der DDR in Volkseigentum über.[8]

Das Schloss wurde nachfolgend dem staatlichen Gesundheitswesen zur Nutzung überlassen, es diente bis 1979 als Tuberkulose-Heilstätte und Krankenhaus.[9]

Von 1980 bis 1985 war das Schloss Bauarbeiterunterkunft, in den Jahren 1982 bis 1985 in der direkten Nutzung durch das Wohnungsbaukombinat Rostock.[10] Nach einem Beschluss der SED-Kreisleitung sowie des Rates des Kreises Rostock wurde in Gelbensande mit Mitteln des Wohnungsbauprogramms der DDR eine Plattenbausiedlung und die dazugehörige Infrastruktur errichtet. Kritik an dieser Maßnahme wurde seitens des Kulturhistorischen Museums in Rostock geäußert, die Einstufung des unweit davon gelegenen Jagdschlosses als Denkmal fand keine Berücksichtigung im Entscheidungsprozess.

Nach der Nutzung als Bauarbeiterunterkunft – ab 1986 – erhielt die Gemeinde das Nutzungsrecht für das Gebäude. Zwischen 1986 und 1990 folgte die kommunale Nutzung durch die Gemeinde. unter anderem als Gemeindebibliothek, Veteranen Club, Sitz des Abschnittsbevollmächtigten sowie für Wohnzwecke. Im Jahr 1988 ging das Jagdschloss dann in das Eigentum der Gemeinde Gelbensande über, die daraufhin mit der Sanierung des Gebäudes begann, hierbei machte sie sich eine sogenannte Feierabendbrigadeu zu nutze.

1989 – Heute

Mit der Wende ergaben sich neue Möglichkeiten der Nutzung. Im Juli 1990 erteilte das Ministerium für Handel und Versorgung die Erlaubnis ein Spielcasino einzurichten. Eine GmbH sollte das Unternehmen führen, während die Gemeinde mit 10 Prozent am Gewinn beteiligt werden sollte. Ein Jahr später wurde die Lizenz jedoch vom Land Mecklenburg-Vorpommern verweigert. Die Gemeinde erwarb daraufhin das Schloss im Jahr 1994 und begann 1996 mit der Sanierung des Dachgeschosses sowie der Außenfassade. Überlegungen der Gemeinde, in dem Gebäude Eigentumswohnungen, ein Hotel oder eine Kurklinik einzurichten scheiterten an der Vorgabe, dass das Gebäude weiterhin öffentlich zugänglich sein müsse.

Durch den Verein Museum Jagdschloss Gelbensande e. V. werden seit 1995 zahlreiche kulturelle Veranstaltungen im Schloss durchgeführt. Seit 1998 steht das Jagdschloss auch für Trauungen zur Verfügung.

Im Jahr 2008 wurde das Jagdschloss von der Gemeinde an einen Bauunternehmer verkauft, seither werden Teilbereiche des Gebäudes kommerziell genutzt. Die repräsentativen Räumlichkeiten des Hauptgeschosses bleiben im vertraglich vereinbarten Dauernutzungsrecht der Gemeinde, ebenso ist die Weiterführung des Museums sowie der kulturellen Veranstaltungen im Nutzungskonzept festgeschrieben.[11]

Die elf restaurierten Räume der Etage mit den vier Kaminzimmern und dem Bad des Großherzogs können auch ohne Führung besichtigt werden, gezeigt werden hier dänisches königliches Porzellan, Bauzeichnungen des Jagdschlosses sowie Jagdtrophäen und Kupferstiche. Eine Dauerausstellung informiert über die Entwicklungsgeschichte des Hauses.

Der Verein Museum Jagdschloss Gelbensande e. V. sorgt für den Erhalt dieser repräsentativen Räumlichkeiten im Hauptgeschoss.

Das Jagdschloss

Großherzog Friedrich Franz III. zu Mecklenburg erteilte 1884 den Auftrag zum Bau seiner Sommerresidenz, als Standort bot sich das Jagdrevier der mecklenburgischen Landesfürsten an. Mit der wichtigste Entscheidungsgrund für den Standort waren die guten klimatischen Bedingungen in der Region während des Sommers, die sich günstig auf den Gesundheitszustand des von Asthma geplagten Großherzog auswirkten. Bereits 1878 hielt sich der Großherzog zur Kur in Gelbensande auf, ihn begeisterten seither die Umgebungsbedingungen.[12] Der Bau geht auf direkte Initiative von Großherzogin Anastasia zurück,[13] die Bauausführung begleitete sie mit höchster Aufmerksamkeit.

Dem Wunsch der Hausherrin entsprechend, sollte das Haus nicht mit Türmen und anderen Stilelementen eines Schlosses überfrachtet werden, vielmehr sollte es sich in die Umgebung einfügen. Das Haus wurde als Wohnhaus konzipiert und die Inneneinrichtung nach den damalig neuesten Erkenntnissen der gesundheitlichen Verträglichkeit ausgewählt.

Mit der planerischen Ausführung wurde Hofbaurat Gotthilf Ludwig Möckel beauftragt, die Bauausführung vor Ort leitete der Bauleiter Vogel, im weiteren Bauabschnitt zeichnete sich Bauleiter Diesend verantwortlich.[14] Am 1. Mai 1885 fand die feierliche Grundsteinlegung statt. In Anwesenheit des Großfürsten Michael Nikolajewitsch Romanow und seinen Söhnen Sergei und Alexei wurde dann am 25. August 1887 die Einweihungsfeier ausgerichtet.

Jagdschloss Gelbensande war auch Bestandteil des Kataloges der Internationalen Kunstausstellung 1891 in Berlin.[15] Architekt Gotthilf Möckel war bei der Ausstellung mit seinen Werken im Bereich Architektur vertreten, unter anderem das imposante Ständehaus in Rostock und das Herrenhaus Melkof.

Außengestaltung

Das Hauptgeschoss und das Untergeschoss sind aus Backstein errichtet, in Kombination aus roten und gelben Verblendziegeln, welche in der Ziegelbrennerei Saniter in Rostock hergestellt wurden. Die schmuckvolle Ausführung der Musterung mittels der gelben Ziegelverblendung bildet einen exzellenten Kontrast zum roten Backsteinbau, unterschiedliche Farbgebung der verwendeten Backsteine sind ein Merkmal für von Gotthilf Möckel gestaltete Fassaden. Im Gegensatz dazu das Obergeschoss, bestehend aus Fachwerk mit geputzten Ausfachungen. Das für das Fachwerk verbautet Holz stammte aus dem umliegenden Waldgebiet. Dem Wunsch der Großherzogin entsprechend finden sich allseitig Hallen, welche Schutz gegen direkte Sonneneinstrahlung und Zugluft bieten.[16] Zugang zu diesen Hallen erlangte man über die Treppenaufgänge an den Gebäudeseiten.

Das Großherzogliche Jagdhaus orientierte sich in seiner Grundform am Stil der herrschaftlichen englischen Landhäuser.

Großherzogin Anastasias Wunsch entsprechend, wurden auch Gestaltungselemente aus russischen Schlössern und Bojaren-Häusern eingearbeitet. Diese zeigen sich unter anderem in den schmuckvollen Holzarbeiten. Hier ist besonders die hölzerne Überdachung des Haupteinganges anzumerken, in dieser Form auch an Bojarenhäusern zu finden. Der russische Doppeladler findet sich gleichfalls am Gebäude. Auch die Säulenarchitektur der Balkone und Altane lässt die russische Architektureinstreuung deutlich erkennen. Die pyramidalen Spitzhelme der Türmchen erscheinen abgeleitet vom Turm des Bojarenhaus der Romanows,[17] obgleich Architekt Möckel diese Form der Türmchen bereits an seiner 1878 im neo-gotischen Stil erbauten Villa in Dresden verwendete.

Die Treppenaufgänge zum Hauptgeschoss sind mit kunstvoll gestalteten schmiedeeisernden Geländern ausgestattet, welche den Fenstergittern des Untergeschosses gleichen.

Eine reich verzierte Ecklaterne – linksseitig des Haupteinganges – zeigt in ihrer Ausarbeitung wiederum die russischen Einflüsse auf die Gestaltung der Anbauteile, bekrönt wird die Laterne vom russischen Doppeladler.

In der Farbgestaltung des Hauses zeigt sich der gewollte Kontrast des roten und gelben Backstein mit den in weiß gehaltenen geputzten Flächen der Ausfachungen des Obergeschosses. Die in schwarz gehaltenen Holzbauteile des Jagdschlosses bilden den schmuckvollen Abschluss der äußerlichen Farbgestaltung.

Die Satteldächer und Dachgauben werden von First- und Giebelbekrönungen geschmückt, hier finden sich aus Kupfer gefertigte Kugeln mit Spitze, die als Blitzableiter dienten und auch noch heute ihren Zweck erfüllen.

Großfürst Michael Nikolajewitsch Romanow – Vater von Großherzogin Anastasia – unterstützte den Bau finanziell, infolgedessen nahm er auch Einfluss auf die gestalterische Ausführung des Baues.

Innengestaltung

Das Zentrum des Hauses bildet die Jagdhalle, beim Durchschreiten des seitlichen Zuganges gelangt man in den Salon, von hier aus ist auch das Esszimmer begehbar.

Das Jagdzimmer ist der größte Raum des Hauses, mit prachtvollen Jagdtrophäen geschmückt. An den Wänden mit Holzpaneele ausgekleidet und einer hölzernen kassettierten Decke versehen. Neben liegend der Salon mit seinen ausladenden Sitzgelegenheiten. Im Esszimmer sind die Erker zu bemerken, welche Platz für Sitzgelegenheiten boten. Schmuckvoll gestaltete Kamine bilden einen weiteren Bestandteil der Innenausstattung.[18] Im Cabinet hingegen befindet sich der schmuckvolle Kaminofen mit seinen vorgelagerten Sitzplätzen. Das notwendige Kaminholz zur Befeuerung wurde vom Keller per Aufzug in die Wohnräume verbracht.

Schlafzimmer und die Badebereiche der Herrschaften befanden sich im Hauptgeschoss. Diese Räumlichkeiten standen in Verbindung mit dem Jagdzimmer, dem Cabinet und dem Salon. Das schmuckvolle Cabinet wird flankiert vom Boudoir und dem gegenüberliegenden Bad mit Toilette. An den Boudier Bereich schließt sich ein weiteres Bad an, welches mit direkten Zugang zum Schlafzimmer der Herrschaften versehen ist.

Das Gastzimmer und das Zimmer der Kammerfrau befanden sich gleichfalls in diesem Gebäudebereich, und waren vom Flurraum aus zugänglich.

Die Haupträume besitzen eine schmuckvolle Ausgestaltung und Einrichtung. In den Räumlichkeiten finden sich aufwendig gefertigte Holzelemente, teils mit aufwendigen Schnitzwerk verziert. Auch im Innenbereich sind russische Stilelemente und Einrichtungsgegenstände erkennbar. Im Hauptgeschoss ist die Innengestaltung im Originalzustand erhalten.

Mit schmuckvollen buntfarbigen Bleiglasfenstern sind die hochgestelzten Rundbogenfenster des Hauptgeschosses ausgestattet. Das durch diese Fenster einfallende natürliche Licht sorgt für eine ausgezeichnete Lichtsituation in den Innenräumen. Bemerkenswert sind die runden buntfarbigen Wappenfenster, in welche der russische Doppeladler eingearbeitet wurde. Es finden sich auch Fenster die mit buntfarbigen Butzenscheiben versehen sind.

Zwischen dem Hauptgeschoss und dem Obergeschoss wurden Doppeldecken eingezogen, welche die Schallausbreitung verhindern sollen.

Im Obergeschoss befanden sich die Räumlichkeiten des Erbgroßherzogs Friedrich Franz IV., seiner Schwestern und weitere Gästezimmer bzw. Räume für das Gefolge.

Die Küche im Obergeschoss war räumlich abgetrennt von allen Wohnräumlichkeiten, mittels des Speiseaufzuges konnten die Speisen direkt zur Anrichte verbracht werden.

Das Dachgeschoss ist in weitere Gästezimmer unterteilt, hier waren auch die Räume für die Warmwasseraufbereitung und deren Behältnisse zu finden.

Eine Diensttreppe aus Naturstein – für die Dienerschaft – ermöglichte den Zugang vom Kellergeschoss zum Obergeschoss ohne das die Herrschaften gestört wurden. Neben der Anrichte die gusseiserne Wendeltreppe, welche den direkten Zugang in die Küche des Obergeschosses ermöglichte. Die Herrschaften hingegen gelangten über die Haupttreppe in das Obergeschoss/Dachgeschoss zu den Räumlichkeiten der Kinder und der Gäste. Im Kellergeschoss waren weitere Wirtschafts-Räumlichkeiten und die Räume der Dienerschaft eingerichtet.

Haustechnik

Das Jagdschloss war mit einer Warmluftheizung ausgestattet, welche mittels Zirkulation der erwärmten Luft die Haupträume versorgte. Die erwärmte Luft wurde mittels Rohre den Räumlichkeiten zugeführt. Des Weiteren waren Kamine und Öfen in die Räumlichkeiten des Hauses eingebaut.

Sanitäranlagen und die Bäder waren mit der damalig modernsten verfügbaren Technik ausgestattet. Das Bad des Großherzoges befindet sich noch heute im Original-zustand.[19] Die Warmwasseraufbereitung war im Dachgeschoss untergebracht. Im Außenbereich wurde eigens ein Brunnen angelegt, welcher sich im Pumpenhaus befand, mittels Pumpen und Wasservorratsbehälter erfolgte die Versorgung des Jagdhauses.

Speiseaufzug und Brennstoff Aufzug – an Seilzügen aufgehängt – wurden mittels Handkurbel betrieben. Hier ist das Zahnradgetriebe zu bemerken, damit der Kraftaufwand beim Handbetrieb möglichst gering blieb.

Teehaus und Außengelände

Auch ein schlichtes Teehaus gehörte zum Jagdschloss, es befand sich unweit vom Jagdhaus nahe den Dünen.[20] Der pyramidale Spitzhelm des Türmchen und die typische Holzbauweise ließ den russischen und asiatischen Einfluss auf die Gestaltung des Teehauses erkennen. Die Bekanntgabe der Verlobung – am 4. September 1904 – von Cecilie zu Mecklenburg und Kronprinz Wilhelm von Preußen fand im Teehaus statt.[21]

Bei der Gestaltung des Außenbereiches wurde auch darauf Wert gelegt, dass sich die Bepflanzung und deren Gestaltung in die Natur der Umgebung einfügt. Der Außenbereich wurde mit Ziersträuchern und heimischen Blumen bepflanzt, auf der Rückseite und der Vorderseite schlossen sich Ziergrünflächen an.

Auf Wunsch der Großherzogin Anastasia hatte man einen Tennisplatz angelegt. Hier ist bemerkenswert, dass sie die Brüder Laurence Doherty und Reginald Doherty – beide berühmte Tennisspieler ihrer Zeit – als ihre Gäste begrüßen konnte. Vom Tennisplatz ist heute nichts mehr erkennbar.

Wissenswertes

Vorbild für Schloss Cecilienhof

Kronprinzessin Cecilie erinnerte sich gerne an den Ort ihrer Kindheit und Jugend. Die kaiserliche Familie ließ ihren Wunsch entsprechend Cecilienhof in Potsdam errichten.[22] Für das neu erbaute Schloss wurden Architekturelemente des Jagdschlosses Gelbensande übernommen, erwähnenswert sind hier besonders die Fachwerkelemente im Bereich des Obergeschosses und die Giebel.

Kirche Volkenshagen

Großherzog Friedrich Franz III. unterstützte die Wiederherstellung und Ausschmückung der Kirche Volkenshagen – Gelbensande bzw. Jagdschloss Gelbensande gehörte zum Pfarrsprengel – mit beachtlichen Geldmitteln. Als Dank wurde nach seinem Tode eine Marmortafel mit Widmung am Altarplatz in der Kirche gestiftet.[23]

Automobile in Gelbensande

Großherzogin Anastasia galt als fortschrittlich, so auch in der Wahl ihrer Fortbewegungsmittel. Sie erwarb 1898 ein Automobil der Marke Panhard & Levassor Type M2F,[24] welches ihr in Gelbensande gute Dienste geleistet haben dürfte.

Die Großherzogin war die erste Protektorin des am 10. Juli 1899 im Hotel Bristol in Berlin gegründeten Deutschen Automobil Clubs (DAC). Auch die Initiative zur Gründung des DAC ging von Großherzogin Anastasia aus.[25]

Jagdschloss Gelbensande war auch Jahre später Treffpunkt der Automobil-Freunde. So lud Großherzog Friedrich Franz IV. und die Großherzogin die Damenabteilung des „Großherzoglich Mecklenburgischen Automobilclub“ (G.M.A.C.) nach Gelbensande ein, 25 Damen mit 12 Wagen folgten am 15. September 1932 dieser Einladung zum Tee. [26]

Galerie

Siehe auch

Literatur und Quellen

Literatur

  • Dieter Pocher: Schlösser und Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern, Jagdschloss Gelbensande, S.122–124, L&H Verlag, Hamburg 2005
  • Wilfried Steinmüller: Das Jagdschloss Gelbensande : Residenz der mecklenburgischen Landesfürsten, 35 S., Herausgeber: Förderverein Jagdschloss Gelbensande e.V.
  • Jörg Kirschstein: Kronprinzessin Cecilie: Die Bildbiographie der letzten deutschen Kronprinzessin, 160 S., be.bra Verlag 2012
  • Matthias Barth: Mecklenburgische Residenzen : landesfürstliche Repräsentationsarchitektur aus sieben Jahrhunderten, Jagdschloss Gelbensande, S. 89–90, Seemann Verlag, Leipzig 1995

ungedruckte Quellen

  • Landeshauptarchiv Schwerin
    • Bestand: (5.12-5/1) 1511, Ministerium der Finanzen, Försterstelle zu Gelbensande 1879 verlegt nach Hirschberg, enthält auch: Das neuerbaute Jagdschloss zu Gelbensande, Laufzeit: 1847–1907
    • Bestand: (02.26.03) 44, Großherzogliches Marstallamt, Abrechnung der Kosten des Aufenthalts einer Marstallabteilung in Gelbensande, Laufzeit: 1886
    • Bestand: (02.26.03) 696, 697, Großherzogliches Marstallamt, Inventar des Marstalls in Gelbensande, Laufzeit: 1902
    • Bestand: (02.26.03) 702, Großherzogliches Marstallamt, Inventar der Automobilgaragen in Gelbensande, Laufzeit: 1903
    • Bestand: (5.12-4/2) 11384, Jagdhaus mit Zubehör der Großherzogin Anastasia im Gelbensande, Laufzeit: 1884–1933
    • Bestand: (5.12-4/2-1) 463, Ankauf von Forstflächen aus der Großherzoglichen Forst Gelbensande für Graal Müritz, Laufzeit 1940–1941
    • Bestand: (06.12.01/05) 1139, Kreistag/Rat des Kreises Rostock, Inventarisierung und Verbleib von Kunst- und anderen Gegenständen des Jagdschlosses Gelbensande, Laufzeit: 1948–1950
    • Bestand: (06.12.01/05) 113, Kreistag/Rat des Kreises Rostock, Beschwerde über das Tbc-Krankenhaus Gelbensande, Laufzeit: 1949–1951
  • Bundesarchiv
    • Bestand: DC 1/1550, DC 1/2269, DC 1/1464, Zentrale Kommission für Staatliche Kontrolle, Klärung der Eigentumsverhältnisse für das Jagdschloss Gelbensande, Mecklenburg, Laufzeit :1949–1950
    • Bestand: DN 1/38874, Ministerium der Finanzen, Devisenrecht und Finanzabkommen, Teil: Internationale Zusammenarbeit, Außenwirtschaft und Valutaplanung, Verwaltung des Jagdschlosses Gelbensande, Laufzeit: 1952

Gedruckte Quellen

  • Ingrid Möller: Durch Vereinsinitiative wieder Anziehungspunkt : Jagdschloss Gelbensande - ein Ort mit wechselhafter Geschichte, Mecklenburg-Magazin, Nr. 27, S.23, 2002

Weblinks

 Commons: Jagdschloss Gelbensande  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, S. 279–280 Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898
  2. Kronprinzessin Cecilie. Erinnerungen, Koehler & Amelang Verlag, Berlin 2001
  3. Chronik der Feuerwehr Gelbensande/Willershagen, Jahre 1904 und 1932
  4. „Spurensuche“ Pilotprojekt der Regionalen Schule Gelbensande, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Landesverband Mecklenburg-Vorpommern Petra Klawitter, S.7, Ausgabe 07/2003
  5. Die Dunklen Jahre von Schwarzenpfost
  6. Schicksal in Zahlen Informationen zur Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Gelbensande, S. 179, Schicksal in Zahlen - Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.
  7. Ulrike Puvogel, Martin Stankowski: Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus: Eine Dokumentation. Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen, Gelbensande, Bundeszentrale für Politische Bildung, 1999
  8. Neues Deutschland, Jagdschloss Gelbensande bleibt Volkseigentum, Wie Königin Alexandrine von Dänemark einen Kreisrat überlistete aber an den Kontrollorganen der Republik scheiterte, Artikel vom 18. Januar 1950, Autorin Eva Lange
  9. Hans Bernitt: Ein großherzogliches Jagdschloss wurde Tbc-Heilstätte, S. 273-276, Vom alten und neuen Mecklenburg, MV Taschenbuch. Rostock 2000
  10. Christine Hannemann: Die Platte Industrialisierter Wohnungsbau in der DDR, S.81-82, Vieweg Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 1996
  11. FAZ Deutsche Farbenlehre Teil 8 , S.4, Der Durchbruch des Realen
  12. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, S. 147, Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898
  13. Centralblatt der Bauverwaltung 1892, Nr. 24, S. 253, Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 1892
  14. Centralblatt der Bauverwaltung 1892, Nr. 24, S. 253, Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 1892
  15. Centralblatt der Bauverwaltung 1891, Nr. 31, S. 298, Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 1891
  16. Centralblatt der Bauverwaltung 1892, Nr. 24, S. 252–253, Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Berlin 1892
  17. Das Bojarenhaus der Romanows in Moskau
  18. Herbert Remmel: Feuer in englischen Kaminen: das Jagdschloss Gelbensande und seine Retter, Schweriner Volkszeitung 1997, 120 (27.5.), S. 5, Schwerin 1997
  19. Dörte Bluhm: Blick auf Durchlauchts Wanne, Bd. 48.2000, 115 (18.5.), S. 8, Norddeutsche neueste Nachrichten / Ausgabe Rostock, Zeitungsverl., Neueste Nachrichten Rostock
  20. Die Gartenlaube, Illustriertes Familienblatt, Jahrgang 1905, I. Beilage zu Nr. 23, S.02, Verlag Ernst Keils Nachfolger, Leipzig 1905
  21. Die Gartenlaube, Illustriertes Familienblatt, Jahrgang 1905, I. Beilage zu Nr. 23, S.02, Verlag Ernst Keils Nachfolger, Leipzig 1905
  22. Ilka Zander: Schloss Gelbensande war Vorbild für Cecilienhof, Ostsee-Zeitung - Ribnitz-Damgartener Zeitung, Bd. 53.2005, 185 (10.8.), S. 14, Ostsee-Zeitung GmbH
  23. Carl Schröder: Friedrich Franz III., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin: Aus seinem Leben und seinen Briefen, S. 334–335 Verlag Friedrich Bahn, Schwerin 1898
  24. Gelbensande - fürstliches Jagdschloss, DW Mediacenter (Video)
  25. DAC-KAC-AvD (1899-2014),Zeitraum 1899–1904
  26. Allgemeine Automobil-Zeitung, Nr. 32, S. 20, Automobilklub von Deutschland, Verlag Delius-Klasing, 1932


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