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Jöllenbeck


Dieser Artikel behandelt den Bielefelder Stadtbezirk bzw. Ortsteil Jöllenbeck. Für den gleichnamigen Ortsteil der Stadt Löhne in deren Stadtteil Gohfeld siehe Jöllenbeck (Löhne).
Jöllenbeck
Stadtbezirk von Bielefeld
} .
Höhe 137 m ü. NN
Fläche 29,69 km²
Einwohner 21.925 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 738 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Jan. 1973
Postleitzahl 33739, alt: 4800
Vorwahlen 05206, 0521
Adresse der
Verwaltung
Amtsstraße 13
33739 Bielefeld
Gliederung

Jöllenbeck, Theesen, Vilsendorf

Politik
Bezirksbürgermeister Mike Bartels (SPD)
Sitzverteilung (Bezirksvertretung)
CDU SPD Grüne FDP BfB Linke
5 5 2 1 1 1

Jöllenbeck (ndt. Jürmke) ist der Name eines Stadtbezirks im Norden der kreisfreien Stadt Bielefeld in Nordrhein-Westfalen und der Name des größten Ortsteils in diesem Stadtbezirk. Der heutige Ortsteil Jöllenbeck war bis Ende 1972 eine Gemeinde im Kreis Bielefeld und Hauptort des Amtes Jöllenbeck. Im Jahr 2013 hatte der Stadtbezirk 21925 Einwohner.[1]

Geografie

Der Stadtbezirk Jöllenbeck liegt im Ravensberger Hügelland und hat eine West-Ost-Ausdehnung von etwa sieben sowie eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa sechs Kilometern. Größere Fließgewässer im Stadtbezirk sind der Beckendorfer Mühlenbach, der Moorbach, die Jölle und der Johannisbach, der im Südosten des Stadtbezirks zum Obersee gestaut wird.

Nachbarorte

An den Stadtbezirk Jöllenbeck grenzen im Norden beginnend im Uhrzeigersinn der Kreis Herford mit den Städten Spenge, Enger und Herford, die Bielefelder Stadtbezirke Heepen, Schildesche und Dornberg und schließlich der Kreis Gütersloh mit der Stadt Werther.

Bezirksgliederung

Der Stadtbezirk besteht aus den drei nur informell abgegrenzten Ortsteilen Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf, auf die sich die Bevölkerung wie folgt verteilt:[2]

Ortsteil Statistischer Bezirk
der Stadt Bielefeld
Einwohner
(31.12.2008)
Jöllenbeck 556, 557 13.584
Theesen 558 3.936
Vilsendorf 559 4.043

Geschichte

Jöllenbecks wurde als „Julinbike“ erstmals im Jahr 1191 in einer Urkunde des Bischofs Bernhard von Paderborn erwähnt. Bereits damals besaß Jöllenbeck in der Nähe der heutigen Straße „Auf dem Tie“ eine Kirche, die seit dem 14. Jahrhundert die Pfarrkirche des Kirchspiels Jöllenbeck war. Auf dessen Gebiet sind aus dem Mittelalter sechs Bauerschaften überliefert, an die zum Teil heute noch Flur- und Straßennamen erinnern:[3]

  • Bauerschaft Jöllenbeck
  • Bauerschaft Hemighold
  • Bauerschaft Belzen
  • Bauerschaft Peppingdorf
  • Bauerschaft Dreeke
  • Bauerschaft Bargholz

In der Jöllenbecker Kirche fanden im Mittelalter mehrmals Landtage der Grafschaft Ravensberg statt. Wie die übrigen Teile der Grafschaft Ravensberg auch fiel das Gebiet von Jöllenbeck 1346 an die Grafschaft Berg (ab 1423 Jülich-Berg). Die Grafschaft Ravensberg kam 1609 vorläufig und im Jahr 1666 als Folge des Dreißigjährigen Krieges endgültig an Brandenburg-Preußen.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich aus den ursprünglich sechs Bauerschaften die beiden Bauerschaften Oberjöllenbeck und Niederjöllenbeck herausgebildet, die zur Vogtei Schildesche gehörten.[4]

Als Preußen 1807 alle linkselbischen Gebiete abtreten musste, kamen die Jöllenbecker Bauerschaften zunächst zum Königreich Westphalen, wo sie zum Kanton Werther des Distrikts Bielefeld gehörten. 1810 annektierte Frankreich die nördlich des Johannisbachs gelegenen Gebiete des Distrikts Bielefeld und gliederte sie in sein Departement der Oberen Ems ein. Ober- und Niederjöllenbeck wurden zu einer Mairie (Bürgermeisterei) zusammengefasst, die nun zum Kanton Enger im Distrikt Minden gehörte.[5]

Nach der Niederlage Napoleons fiel das gesamte Ravensberger Land an Preußen zurück und wurde Teil des Regierungsbezirks Minden der 1815 gegründeten Provinz Westfalen. Bei der Einteilung der Provinz in Kreise im Jahr 1816 wurde die Bürgermeisterei Jöllenbeck zunächst dem Kreis Herford zugeordnet, aber zum 1. Januar 1832 in den Kreis Bielefeld umgegliedert.[6] Im Rahmen der Einführung der Westfälischen Landgemeindeordnung wurde im Dezember 1843 im Kreis Bielefeld aus der Bürgermeisterei Jöllenbeck das Amt Jöllenbeck mit den eigenständigen Gemeinden Niederjöllenbeck und Oberjöllenbeck gebildet.[7]

Jöllenbeck wurde mit der Gründung des ersten Posaunenchores 1843 eines der Zentren der Erweckungsbewegung im Ravensberger Land. In den Jahren 1838 bis 1869 lebte und wirkte hier der Theologe Johann Heinrich Volkening als Pastor.

1909 wurde das Grafschaftsdenkmal („Adlerdenkmal“) zur Erinnerung an die 300-jährige Zugehörigkeit der Grafschaft Ravensberg zu Brandenburg-Preußen aufgestellt. Entwurf und Ausführung erfolgten durch den Bildhauer Heinrich Wefing.

Bei Auflösung des Amtes Schildesche am 1. Oktober 1930 wurden die beiden Gemeinden Theesen und Vilsendorf in das Amt Jöllenbeck eingegliedert. Am 10. August 1952 schlossen sich Niederjöllenbeck und Oberjöllenbeck zur Gemeinde Jöllenbeck zusammen.[8]

Im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Raums Bielefeld wurde Jöllenbeck am 1. Januar 1973 nach Bielefeld eingemeindet.[9] In der vergrößerten Stadt Bielefeld wurde der Stadtbezirk Jöllenbeck gebildet, bestehend aus Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf sowie der Gemarkung Nagelsholz der Städte Spenge und Werther, die für den Bau eines Regionalflughafens nach Bielefeld eingemeindet wurde. Nachdem dieses Projekt aufgegeben worden war, wurde Nagelsholz 1982 wieder an Spenge und Werther zurückgegeben.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerzahl der früheren Gemeinden bzw. des heutigen Ortsteils Jöllenbeck entwickelte sich wie folgt:[6][10][11][12][13][9][14]

Jahr Oberjöllenbeck Niederjöllenbeck
1843 2196 2207
1864 1930 1908
1910 2118 2291
1939 2949 3397
Jöllenbeck (ab 2015 Stadtbezirk gesamt)
1961 9.084
1966 9.287
1970 9.319
1972 10.444
2008 13.584
2015 21.971[15]

Bauwerke

  • Die evangelisch-lutherische Marienkirche entstand 1852/54 im Rundbogenstil, einer Form des Historismus. Die Pläne für den seit 1839 geplanten Bau lieferte die Berliner Ober-Bau-Deputation, die Bauausführung leitete Bauinspektor Johann Friedrich Reimann. Der Turm war ursprünglich nur als repräsentatives Eingangsbauwerk gedacht; erst 1877 kam die Turmspitze hinzu.
  • Die katholische Liebfrauenkirche wurde 1957/58 erbaut.
  • Das alte Pfarrhaus an der Eickumer Straße wurde 1838 unter Leitung von Bauinspektor Reimann errichtet. Sein erster Bewohner war Pastor Johann Heinrich Volkening.
  • Auf dem Hof Meyer zu Jöllenbeck, ebenfalls an der Eickumer Straße, steht ein Hallenhaus von 1762.
  • Das Leineweberhaus Brünger an der Amtsstraße ist ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert. Dazu gehört ein Heuerlingshaus von 1801 (heute Heimathaus).
  • Auf dem Hof Upmeier zu Belzen steht ein Hallenhaus von 1799.
  • Die Königsbrücke ist ein Baudenkmal von 1842 und erinnert an den Bau durch Friedrich Wilhelm IV..

Sport

Der Handballverein TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck ist insbesondere für seine Jugendarbeit bekannt und wurde hierfür 2004 mit dem bedeutendsten Nachwuchsförderpreis im Sport ausgezeichnet. Die erste Herren- sowie Damenmannschaft spielt in der Saison 2014/2015 in der Handball-Oberliga Westfalen.

Die Fußballabteilung des TuS Jöllenbeck veranstaltet jedes Jahr ein Internationales Frauen-Hallenfußball-Turnier. An diesem unter dem Namen „Weltklasse in Jöllenbeck“ bekannten Turnier nehmen nationale und internationale Spitzenmannschaften teil. Die erste Herrenmannschaft des TuS Jöllenbeck spielt in der Saison 2014/15 in der Fußball-Bezirksliga.

Regelmäßig Veranstaltungen

Das dreitägige Stadtteilfest „Jürmker Herbstmarkt “ findet jährlich am dritten Septemberwochenende statt. Mitte Mai findet das „Stiftungsfest der Feuerwehr Jöllenbeck“ statt. In der Adventszeit findet in der Regel am 4. Advent zudem noch ein Weihnachtsmarkt statt. Die Feste finden im Ortskern von Jöllenbeck rund um den Marktplatz herum statt.

Politik

Seit der Kommunalwahl 2014 setzt sich die Bezirksvertretung Jöllenbeck wie folgt zusammen:

Bezirksbürgermeister ist Mike Bartels (SPD). Seine Stellvertreterin ist Heidi Lämmchen (CDU).

Verkehr

Die wichtigsten Straßen sind die in das Bielefelder Stadtzentrum führende Jöllenbecker Straße und die Vilsendorfer Straße sowie die Verbindungen in Richtung Bünde und Herford. Aufgrund der Verkehrsführung ist Jöllenbeck besonders im Berufsverkehr ein Nadelöhr.

Jöllenbeck ist der einzige Stadtbezirk von Bielefeld ohne Anschluss an das Stadtbahnnetz und auch ohne Regionalbahnhalt. Seit vielen Jahren wird eine Verlängerung der Stadtbahnlinie 3 diskutiert. Im öffentlichen Nahverkehr sind die Ortsteile des Bezirks durch mehrere Buslinien mit der Endhaltestelle Schildesche der Stadtbahnlinie 1 und der Endhaltestelle Babenhausen-Süd der Linie 3 verbunden. Jöllenbeck ist außerdem durch Regionalbusse mit den Nachbarstädten Spenge und Enger verbunden.

Bis zum 30. April 1955 war Jöllenbeck an das Schienennetz der Bielefelder Kreisbahnen angeschlossen. Die dampfbetriebene Kleinbahn führte von Bielefeld über Schildesche und Jöllenbeck bis nach Enger. An den ehemaligen Kleinbahnhof Jöllenbeck erinnerte bis Ende 2013 die Gaststätte „Alter Bahnhof“. Ein vom Heimatverein Jöllenbeck ausgezeichneter Wanderweg („Lilienweg“) folgt auf dem alten Bahndamm zwischen Jöllenbeck und Westerenger der früheren Kleinbahnspur.

In Jöllenbeck beginnen verschiedene Rundwanderwege, die vom Heimatverein Jöllenbeck von 1947 angelegt wurden. Ein repräsentativer Weg ist der Rundwanderweg A2, der an einer Gaststätte an der Beckendorfstraße beginnt. Er führt unter anderem durch das Naturschutzgebiet Beckendorfer Mühlenbachtal. Am Weg liegen unter anderem der renovierte Kotten Wulfmeyer und die ehemalige Mühle Rellmann.

Wirtschaft

Die bekannteste Firma im Stadtbezirk ist der Kompressorenhersteller Boge in Jöllenbeck.

Bildung

Das Bildungsangebot im Stadtbezirk Jöllenbeck besteht aus einer Real-, einer Haupt- und vier Grundschulen. Die Bielefelder Stadtbibliothek hat in der Amtsstraße eine Außenstelle.

Persönlichkeiten

Literatur

  • [Walter] Kleine-Doepke: Heimatbuch der Evangelischen Kirchengemeinde Jöllenbeck 1954 anläßlich der 100. Jahrfeier der Kirche. Detmold 1954
  • Horst Ulrich Fuhrmann: Jöllenbeck. Heimat im Wandel der Zeit. Bielefeld 1991 ISBN 3-928232-02-9
  • Stadt Bielefeld Bezirksvertretung Jöllenbeck (Hrsg.): Dokumentation der Festwochen vom 8.-23. Juni 1991, Bielefeld 1992
  • Manfred Nolte: Jöllenbecker Kommunalpolitik zwischen Kaiserreich und Kommunaler Neuordnung. Bielefeld 2013 (Eigenverlag)
  • Erich Kassing: "Verlorene Welt. Jöllenbeck. Eine Dorfgeschichte 1191-1500", Manuskript, Hamm 2015 (Eigenverlag)

Weblinks

 Commons: Jöllenbeck  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Stadt Bielefeld Aktuelle Zahlen
  2. Sozialleistungsbericht 2008. Stadt Bielefeld, 31. Dezember 2008, S. 185, abgerufen am 25. Mai 2010 (pdf; 9,5 MB): „Einwohnerzahl der Statistischen Bezirke“
  3. Erich Kassing: Siedlungsgeschichte von Jöllenbeck. 2007, abgerufen am 22. Juli 2010.
  4. Peter Florenz Weddigen: Topographie der Amtsdistrikte Schildesche und Werther. In: Westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik. 1788, S. 236 f, abgerufen am 22. April 2010 (Digitalisat).
  5. Albrecht Lasius: Der französische Kayserstaat unter der Regierung des Kaysers Napoleon des Großen. 1812, S. 204, abgerufen am 21. April 2010 (Digitalisat).
  6. 6,0 6,1 Landkreis Bielefeld (Hrsg.): 150 Jahre Landkreis Bielefeld. 1966.
  7. Verordnung Nr. 22. In: Amtsblatt der Regierung Minden. 3. Januar 1844, S. 360, abgerufen am 22. April 2010 (Digitalisat).
  8. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 251.
  9. 9,0 9,1 Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 320.
  10. Seemann: Geographisch-statistisch-topographische Übersicht des Regierungsbezirks Minden. 1843, S. 52-57, abgerufen am 23. April 2010 (pdf; 802 kB).
  11. Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Minden. 1866, S. 10, abgerufen am 22. April 2010 (Digitalisat).
  12. Uli Schubert: Deutsches Gemeindeverzeichnis 1910. Abgerufen am 22. Mai 2009.
  13. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 22. April 2010.
  14. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X, S. 97 f.
  15. Aktuelle Einwohnerzahlen. Stadt Bielefeld, abgerufen am 20. Juli 2015.


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