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Jägertruppe (Bundeswehr)


Die Jägertruppe ist eine Truppengattung des Heeres und bildet gemeinsam mit den Fallschirmjägern und den Gebirgsjägern den Truppengattungsverbund Infanterie, der mit der Panzertruppe und der Panzergrenadiertruppe zu den Kampftruppen zählt. Auftrag der Jägertruppe ist der Kampf gegen Infanterie im Mittelgebirge, in Wäldern und urbanen Gefechtsräumen.

Auftrag und Fähigkeitsprofil

Die Jägertruppe der Bundeswehr wurde als leichte, motorisierte Infanterie zum Kampf in für Kampfpanzer ungünstigem Gelände und zum Schutz rückwärtiger Räume konzipiert.

Die Truppe wird meist durch ungepanzerte oder nur leicht gepanzerte, teils schwimmfähige Fahrzeuge in den Einsatzraum verbracht. Durch ihre leichte Ausrüstung kann die Jägertruppe wie die Gebirgsjägertruppe durch Transporthubschrauber oder andere Luftfahrzeuge luftbeweglich gemacht und angelandet werden, um an Schwerpunkten überraschend zum Einsatz zu kommen.[1][A 1] Durch Zulauf des GTK Boxer wurde die Beweglichkeit und Schutz zu Land erhöht, gleichzeitig aber die Luftbeweglichkeit der Jägertruppe reduziert, da dieser nur mit Transportflugzeugen lufttransportfähig ist.

Im Einsatzraum bekämpft die Jägertruppe zu Fuß vorrangig mit leichten Waffen wie die Gebirgsjäger- und Fallschirmjägertruppe feindliche Infanterie. Der Einsatzraum ist häufig durch unwegsames, also bedecktes und/oder durchschnittenes oder bebautes Gelände charakterisiert. Im bebauten Gelände kämpfen Jäger im Orts- und Häuserkampf.

Zur Bekämpfung von Panzern bildet die Jägertruppe mit Panzerabwehrhandwaffen ausgerüstete Panzervernichtungstrupps.

Zur Panzerabwehr ist die Jägertruppe mit auf Wieseln beweglich gemachten Panzerabwehrlenkraketensystemen der schweren Jägerkompanien bedingt befähigt. Feuerunterstützung leisten mit auf Wiesel beweglich gemachte Maschinenkanonen sowie auf die auf dem Radfahrzeug Wolf verlasteten Mörser.

Abgesessen sind Jäger nur durch die persönliche Ausrüstung gegen ABC-Waffen geschützt. Eine Steigerung des Schutzes wird durch modernisierte Ausrüstung wie das System Infanterist der Zukunft erreicht. Gegen Artilleriefeuer sind Jäger nur in Feldstellungen geschützt. Aufgesessen durch den Transportpanzer Fuchs und den GTK Boxer bedingt gegen den Beschuss mit leichten Waffen und ABC-Waffen geschützt.

Die deutsche Infanterie ist bedingt zur Operation verbundener Kräfte befähigt und kann dazu bei Bedarf Unterstützung durch die Panzertruppen und Artillerie gegen mechanisierte Truppen und feindliche Infanterie erhalten. Dazu wirkt die Jägertruppe bedingt mit der eigenen Panzertruppe und der Panzergrenadiertruppe zusammen. Diese unterstützen die Jägertruppe durch den Kampf gegen feindliche Panzerfahrzeuge, die Schützenpanzer gegen feindliche Infanterie mit der Bordmaschinenkanone. Die Koordination mit der Artillerie im Rahmen der streitkräftegemeinsamen taktische Feuerunterstützung erfolgt durch die Joint Fire Support Team der schweren Kompanien.

Infanterie führt das Gefecht in der Verteidigung aus Stellungen und im Angriff auf feindliche Feldstellungen, besonders im Waldkampf sowie im Orts- und Häuserkampf in urbanen Räumen. Die Jägertruppe führt Angriff im für sie günstigem Gelände im Stoßtruppverfahren durch.

Zur Operationsart Verzögerung, um Angriffe feindlicher mechanisierter Truppen zu verlangsamen und zu kanalisieren, ist Infanterie nicht befähigt.

Jäger sind für den Jagdkampf befähigt, insbesondere im eigenen rückwärtigen Raum gegen schwache durchgebrochene oder luftgelandete Truppen, gegen Spezialeinheiten oder irreguläre Kräfte.

Im Gegensatz zu Jägern sichern Sicherungsverbände im rückwärtigen Raum nur ortsfeste Objekte und besondere Führungsmittel wie Stäbe. Diese sind nicht zum infanteristischen Kampf befähigt, da diesen organisch schwere Waffen fehlen und sie nicht vollumfänglich für den infanteristischen Kampf ausgebildet sind. Die Sicherung von besonderen Einsatzmitteln der Artillerie erfolgt durch Sicherungsbatterien.

In den Auslandseinsätzen werden Jäger häufig für Fußpatrouillen und mit geschützten Radfahrzeugen, zur Sicherung von Marschwegen und aufgesessen als Begleitschutz von Konvois sowie bedingt zum Jagdkampf eingesetzt.

Geschichte

In der Bundeswehr sollte, nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs insbesondere bei der Operation Bagration, das Gefecht beweglich mit überwiegend mechanisierten, also gepanzerten, Verbänden geführt werden. Die Aufgaben der die eigenen Panzer begleitenden Infanterie wurde von den Panzergrenadieren als mechanisierte Infanterie übernommen.

Die Jägertruppe wurde daher für den abgesessenen Kampf in ungünstigem Schwerpunktgelände als motorisierte Infanterie aufgestellt. Im Feldheer im Gegensatz zu den Panzergrenadieren jedoch nur vereinzelt dort, wo das Gelände für die Panzertruppen besonders ungünstig war oder wo sich eine Mechanisierung wegen des Fehlens entsprechender Waffensysteme verzögerte.

Jede der Felddivisionen verfügte über zwei nicht aktive Divisions-Jägerbataillone, die in infanteristischen Schwerpunkten eingesetzt werden sollten. Ausnahme davon war die 6. Panzergrenadierdivision Schleswig-Holstein, deren Jägerbataillone aktiv und teilaktiv waren. Diese waren jedoch mit Transportpanzern M113 ausgestattet und glichen daher mehr den Panzergrenadierkompanien (MTW) der Panzergrenadierbataillone.

Nur zwischen den Jahren 1970 und 1981 in der Heeresstruktur III wurden im Feldheer mit der 2. und 4. Jägerdivision zwei Jäger-Großverbände im damals noch für die bewegliche Gefechtsführung ungünstigeren Gelände in Südniedersachsen und Nordhessen sowie in Bayern und Franken aufgestellt, deren jeweils weitere Großverbandkomponente Panzerbataillone waren. Deren ehemalige Jägerbataillone, die nachmalig wieder zu Panzergrenadierbataillonen umgerüstet wurden, sind am Eichenlaub in den Bataillonsabzeichen, den internen Verbandsabzeichen, zu erkennen.

Im Territorialheer zählten Jägerbataillone zu den häufigsten Verbänden und waren meist nicht aktiv. Auftrag der Jäger im Territorialheer war der Schutz rückwärtiger Gebiete und der Korpsversorgungsräume gegen durchgebrochene oder luftangelandete Truppen. Dazu verfügten die Heimatschutzbrigaden auch über veraltete Kampfpanzer M48 und Kanonenjagdpanzer, die beide als Panzerjäger eingesetzt wurden. Zum Auftrag gehörte bei der Heimatschutztruppe des Territorialheeres, - die nicht mit den Heimatschutzbatailonen zu verwechseln ist – und sich in der Masse aus Jägerbataillonen zusammensetzte, der Kampf gegen verdeckt operierende Kräfte.

Im weiteren Sinne zählten dazu auch die Verbände der Heimatschutztruppe mit den Heimatschutzbataillonen und Sicherungsbataillonen. Im Gegensatz zur Jägertruppe im engeren Sinne waren Sicherungsbataillone insbesondere durch das Fehlen schwerer Infanteriewaffen nicht zum umfassenden Infanteriekampf befähigt. Nach der Wiedervereinigung wurde im Feldheer die Jägerbrigade 37 Freistaat Sachsen mit je einem Jäger-, Gebirgsjäger- und Fallschirmjägerbataillon neu aufgestellt. Bei der Umgliederung der Brigade in eine Panzergrenadierbrigade im Jahr 2007 wurde das unterstellte Jägerbataillon 371 zum Panzergrenadierbataillon 371.

Die in den Wehrbereichen der Streitkräftebasis bestehenden nichtaktiven Heimatschutzbataillone wurden bis 2007 aufgelöst. Damit war bis auf das neuaufgestellte luftbewegliche Jägerregiment 1 und das Jägerbataillon der Deutsch-Französischen Brigade die Jägertruppe aufgelöst. Das dem Ansatz der Luftkavallerie folgende Jägerregiment stellte eine neue Ausrichtung der Truppengattung dar. Mit der Transformation der Bundeswehr erlebten die leichten und beweglichen Jägerverbände eine Renaissance. Im Jahr 2010 wurde das Jägerbataillon 291 der deutsch-französischen Brigade neu aufgestellt und als erster Kampfverband der Bundeswehr in Frankreich stationiert. Im Jahr 2011 wurde mit dem Sicherungsbataillon 12 erstmals seit den 1990er Jahren wieder ein Sicherungsbataillon ausgeplant.

Die Bedeutung der Infanterie in den Auslandseinsätzen ist im Vergleich zur Bedeutung im Kalten Krieg gewachsen, da auf schwer gepanzerte Fahrzeuge entweder bewusst verzichtet werden soll oder die Einsatzräume und die Feindlage für deren Einsatz ungünstig sind. Erstens setzten deren Gewicht und Größe setzen die Mobilität in Ländern mit schlechter Infrastruktur und stark gegliedertem Gelände deutlich herab und zweitens verfügen feindliche zumeist irreguläre Kräfte nur selten über mechanisierte Fahrzeuge zu deren Bekämpfung eigene Kampfpanzer nötig wären. Gleichzeitig sind der Aufwand für die Verbringung ins Einsatzland, die dortige Instandsetzung und die Nachschublogistik insbesondere mit Kraftstoff hoch.

Ausblick

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr und der Einnahme der Struktur HEER2011 gliedert das Jägerregiment 1 in das Jägerbataillon 1 mit drei Jägerkompanien mit GTK Boxer und eine schwere Jägerkompanie um und wird der Panzerbrigade 21 der 1. Panzerdivision unterstellt. Das Konzept der luftmechanisierten Brigade, deren Infanterieelement das Jägerregiment 1 war, wird nicht fortgeführt. Das Panzerbataillon 413 wird zum Jägerbataillon 413 umgegliedert und der Panzergrenadierbrigade 41 unterstellt. In Rotenburg (Wümme) wird das Jägerbataillon 91 neu aufgestellt und der Panzerlehrbrigade 9 unterstellt. Damit sollen die mechanisierten Großverbände der Bundeswehr Teile für den asymmetrischen Einsatz enthalten und die mechanisierten Verbände von einer Einsatzoption entbinden, für die sie nur bedingt einsatzbereit sind.

Das Jägerbataillon 291 mit zwei Jägerkompanien und das Jägerbataillon 292 mit drei Jägerkompanien der Deutsch-Französische Brigade werden beibehalten. In Schwarzenborn wird das Jägerbataillon 921 als nichtaktiver Truppenteil neu ausgeplant. Alle Jägerbataillone zusätzlich mit je einer schweren Jägerkompanie zur Feuerunterstützung, außer dem Jägerbataillon 291.

Die Bundeswehr umfasst somit in Zukunft fünf aktive Jägerbataillone mit 14 Jägerkompanien und 4 schweren Jägerkompanien. Die Masse unterstellt der 1. Panzerdivision.

Der 10. Panzerdivision hingegen ist die Gebirgsjägerbrigade 23 als eigenständige dritte Infanteriebrigade unterstellt. Diese verfügt über 9 Gebirgsjägerkompanien und 3 schwere Jägerkompanien.

Die mit gepanzerten Radtransportpanzern beweglich gemachten Jäger nehmen im Heer wieder die Rolle der motorisierten Grenadiertruppe ein. Durch die Einführung moderner gepanzerter Fahrzeuge und Waffenträger steigt der Schutz und die Beweglichkeit, gleichzeitig wird die Truppe damit aber auch an die Fahrzeuge gebunden. Um die Kampfkraft der Infanterie auch im abgesessenen Kampf zu steigern, wird die Infanteriegefechtsausrüstung Infanterist der Zukunft (IdZ-Gladius) eingeführt.

In der Gesamtbetrachtung stehen damit 27 Panzergrenadierkompanien in neun Bataillonen 21 Jäger- und Gebirgsjägerkompanien mit zusätzlich 7 schweren Jägerkompanien in acht Bataillonen und 12 Fallschirmjägerkompanien mit 2 schweren Fallschirmjägerkompanien in zwei Regimentern gegenüber.

Ausbildung

Die Ausbildung der Infanterie erfolgt an der Infanterieschule in Hammelburg. Deren Kommandeur ist gleichzeitig der General der Infanterie, der für die Truppengattungen der Jäger-, Fallschirmjäger- und Gebirgsjägertruppe verantwortlich ist. Für die Weiterentwicklung der Truppengattung ist seit Juni 2013 das Amt für Heeresentwicklung zuständig.

Die Ausbildung umfasst allgemeine infanteristische Fertigkeiten für die Gefechtsarten Verteidigung und Angriff zu Fuß im Ort- und Häuserkampf und Waldkampf, mit und ohne Unterstützung anderer Truppengattungen insbesondere der Panzergrenadiertruppe, sowie im Jagdkampf. Zusätzlich kann die Jägertruppe im asymmetrischen Gefecht gegen verdeckt operierende Feindkräfte eingesetzt werden.

Im Allgemeinen gehören dazu Gefechtsdienst aller Truppen in urbanem oder bedecktem bis stark bedecktem Gelände mit Angriff durch Feuer und Bewegung im Stoßtruppverfahren, die Gefechtsart Verteidigung aus Feldstellungen mit Gegenstoß sowie Überwachen und Beherrschen von Räumen durch Fußpatrouillen und Patrouillen mit geschützten Radfahrzeugen. Die noch in der Frühzeit gelehrte Verteidigung und Angriff aus und auf Feldstellungen in offenem Gelände wird nicht mehr durchgeführt.

Allgemeine Ausbildungen sind Einsatzersthelfer A, Pionierdienst aller Truppen mit dem Anlegen von Sperren mit Bandstacheldraht und S-Draht, dem Sprengdienst sowie von Gewässerüberwindung, Panzerabwehr aller Truppen mit Panzerabwehrhandwaffen durch den Panzervernichtungstrupp, ABC-Abwehr aller Truppen und Fliegerabwehr aller Truppen zu Lande.

Die auch schon frühere Nähe der Jägertruppe zur Panzergrenadiertruppe bestand nicht nur in der Übernahme von Ausrüstung wie dem MTW M113, mit dem die Divisions-Jägerbataillone ausgerüstet wurden, sondern auch durch die früher gemeinsam stattfindende Ausbildung der Infanterieoffiziere zum Panzergrenadier- und Jägeroffizier. Die Ausbildung der Feldwebeldienstgrade hingegen wurde gemeinsam mit den Jägerfeldwebeln der Fallschirmjägertruppe und der Gebirgsjägertruppe durchgeführt. Daraus ergab sich immer eine Divergenz im Verständnis der Aufgabenstellung und Durchführung.

Organisation

Einordnung

Die Jägertruppe zählt zu den Kampftruppen des Heeres und bildet mit der Fallschirmjägertruppe und der Gebirgsjägertruppe die Infanterie des Heeres. Die Gebirgsjäger und die Fallschirmjäger sind eigenständige Truppengattungen, leiten sich jedoch aus der Jägertruppe ab. In Abgrenzung zu den Gebirgsjägern oder den Fallschirmjägern ist die Jägertruppe nicht für den Kampf im Hochgebirge oder zur Luftlandung mit Fallschirmen ausgerüstet und ausgebildet. Neben der Infanterie führen im Heer auch abgesessen kämpfende Panzergrenadiere den infanteristischen Kampf. Zu unterscheiden ist zwischen der Jägertruppe und den sonstigen Sicherungskräften in Verbands-, Einheits- oder Teileinheitsstärke. Deren Auftrag ist die Sicherung von Objekten, Räumen oder Einrichtungen sowie Stäben oder besonderen Einsatzmitteln. Diese Sicherungskräfte sind auftragsbedingt nicht für den infanteristischen Kampf ausgerüstet, da ihnen die Unterstützung durch eine organische schwere Kompanie fehlt und sie nicht umfassend für den infanteristischen Kampf ausgebildet sind. In den Teilstreitkräften Luftwaffe und Marine übernehmen eigene Kräfte den Sicherungsauftrag. Sie haben keinen infanteristischen Kampfauftrag. Historisch leitet sich bedingt die Feldjäger aus der Jägertruppe ab. Die Bezeichnung Panzerjäger leitet sich seit der Aufstellung als Truppengattung in der Wehrmacht durch die Panzerjagd vom Wortstamm Jäger ab. Sie sind jedoch durch die Ausrüstung und Ausbildung abzugrenzen und gehören zu den Panzertruppen.

Gliederung

Ein Jägerbataillon gliedert sich grundsätzlich in 1./Stabs- und Versorgungskompanie, 2./ - 4./ Jägerkompanie mit je I./ - III./ Jägerzug, IV./Panzerabwehr-/Feuerunterstützungszug sowie heute auch einer Scharfschützengruppe, deren Soldaten nach Lage den Jägerzügen unterstellt werden, und einer 5./Schwere Jägerkompanie zur unmittelbaren Feuerunterstützung mit Mörsern, mit Panzerabwehrlenkwaffen zur Panzerabwehr sowie einem Aufklärungszug. Als Aufklärungsmittel stehen auch Kleindrohnen zur Verfügung. Teilweise ist in einige Infanterieverbände ein Hundeführerzug eingegliedert.

Aktive Truppenteile

Bezeichnung Ort Verband Bereich Bemerkungen
Jägerbataillon 1 Schwarzenborn Panzerbrigade 21 Heer 2015 aus Jägerregiment 1 hervorgegangen
Jägerbataillon 91 Rotenburg (Wümme) Panzerlehrbrigade 9 Heer 2015 neu aufgestellt
Jägerbataillon 291 Illkirch-Graffenstaden (Frankreich) Deutsch-Französische Brigade Heer 4./ Aufklärungskompanie
Jägerbataillon 292 Donaueschingen Deutsch-Französische Brigade Heer
Jägerbataillon 413 Torgelow Panzergrenadierbrigade 41 Heer 2015 aus PzBtl 413 hervorgegangen

Das Jägerregiment 1 wurde als luftbewegliches Regiment aufgestellt, das durch Hubschrauber in den Einsatzraum verbracht und dort durch Unterstützungshubschrauber unterstützt wird, und den Kampf in und um Schlüsselgelände führt. Das Regiment führte dazu jeweils in Kompaniestärke eigene Pioniere und Flugabwehrkräfte. Das Regiment befindet sich zurzeit in Umgliederung zu einem „klassischen“ Jägerbataillon. Dazu wurde bereits die Flugabwehrkomponente außer Dienst gestellt. Die beiden Jägerbataillone 291 und 292 sind Teil der Deutsch-Französischen Brigade. Dem Jägerbataillon 291, das 2010 neu aufgestellt wurde, untersteht als gemischtem Jäger- und Aufklärungsbataillon neben zwei Jägerkompanien auch eine Aufklärungskompanie.

Das 2011 neu aufgestellte Sicherungsbataillon 12 zählte ebenfalls zur Infanterie, dient aber als Ausbildungsverband. Zur Jägertruppe werden auch die Heeresuniformträger im Wachbataillon BMVg gezählt. Hauptaufgabe dieses Verbandes der Streitkräftebasis ist der Protokolldienst. Daneben leistet es Sicherungsdienste. Im Verteidigungsfall ist das Wachbataillon als Sicherungsverband ausgeplant. Die Marine- und Luftwaffenuniformträger im Wachbataillon erhalten eine ähnliche Ausbildung, werden jedoch aus der Tradition der Teilstreitkräfte Marine und Luftwaffe heraus nicht einer Truppengattung zugeordnet.

Außer Dienst gestellte Truppenteile

Ausrüstung

Hauptwaffensysteme

Hauptwaffensysteme der Jägertruppe sind Handfeuerwaffen in Verbindung mit der Infanterieausrüstung Infanterist der Zukunft. Im Vergleich zu mechanisierten Verbänden verfügt die Jägertruppe der Bundeswehr über wenig Großgerät. Als luftbewegliche Waffenträger werden Wiesel in den schweren Jägerkompanien eingesetzt. Rüstsätze sind Maschinenkanone 20 mm und das Panzerabwehrsystem TOW. Mörser 120 mm sind auf Geländewagen Typ Wolf verlastet. Die Jägerkompanien verfügen zur Panzerabwehr über die Panzerabwehrwaffe MILAN, zur Feuerunterstützung über die Granatmaschinenwaffe HK GMW und Scharfschützen.

Als Gruppentransportfahrzeug stand und steht vor Einführung des schwimmfähige Fuchs wie bei der DF-Brigade vor allem der geländegängige LKW, zuletzt der Unimog 2 to, zur Verfügung. Dieser wird zukünftig durch das GTK Boxer ersetzt. Fuchs und Boxer bieten Schutz gegen ABC-Waffen und sind gegen Beschuss mit leichten Waffen gepanzert. Im Jägerregiment 1 dient das ESK Mungo als luftverlastbares Transportfahrzeug für die Infanteriegruppe.

Infanteriesysteme

Im Konzept „Infanterist der Zukunft“ wird die Ausrüstung der Jägertruppe weiterentwickelt.

Uniformen

Die Waffenfarbe der Jägertruppe, hier als Farbe der Litzen und Kragenspiegel ebenso als Barettfarbe, ist (Jäger-) Grün. Die Waffenfarbe teilt sich die Jägertruppe mit den anderen infanteristischen Truppengattungen sowie der Panzergrenadiertruppe. Das Barettabzeichen der Jägertruppe ist ein mit stilisierter Umrandung versehenes goldenes Eichenlaub als traditionelles deutsches Symbol. Zurzeit tragen nur die Jäger des Jägerregiments 1 das goldene Eichenlaub. Die Jäger der Deutsch-französische Brigade tragen ebenso wie die Grenadiere des Wachbataillons ein verbandsspezifisches und nicht truppengattungsspezifische Barettabzeichen.

Taktisches Zeichen

Das taktische Grundzeichen der Jägertruppe ist dem allgemeinen NATO-Schema folgend das Andreaskreuz. Das Andreaskreuz ist das Grundzeichen aller Infanterietruppenteile der NATO. Es steht für gekreuzte Gewehre, Schwerter oder Bandeliers. Je nach Ausrüstung und Gliederung wird dieses Grundzeichen in Variationen für die Verbände der Jägertruppe verwendet. Beispiele:

Taktisches (Grund-) Zeichen der Jägertruppe und Infanterie
Infanterieschule, ehemals Kampftruppenschule I
geländegängig motorisierte Jägerkompanie
4. Kompanie des motorisierten Grenadierbataillons 133 (beweglich mittels handelsüblicher Fahrzeuge).
Heimatschutzregiment 74. Der obere waagerechte Strich kennzeichnet Verbände des Territorialheers
4. Kompanie MTW des Panzergrenadierbataillons 42. Das taktische Zeichen gleicht den – mittlerweile außer Dienst gestellten – Jägerkompanien (MTW).

Dienstgradbezeichnungen

Niedrigster Dienstgrad in Truppenteilen der Jäger-, Fallschirm- und Gebirgsjägertruppe ist der Jäger. Er entspricht dem Dienstgrad Schütze, Funker, Panzergrenadier usw. (→ vgl. hier) anderer Truppengattungen. Heeresuniformträger im Wachbataillon BMVg werden im niedrigsten Dienstgrad als Grenadier bezeichnet, bis 1991 als Jäger. Bis in die 60er Jahre war in den infanteristischen Truppengattungen die Bezeichnung für die niedrigsten Unteroffizierdienstgrade Oberjäger und Stabsoberjäger.[2] Allerdings gab es für diese informelle und weit verbreitete Praxis keine Rechtsgrundlage in Form einer entsprechenden Anordnung des Bundespräsidenten.[3][4][5][6] Die übrigen Dienstgrade entsprechen den allgemeinen Dienstgraden der Bundeswehr.

Schlachtruf

Der Schlachtruf der Jägertruppe ist Horrido – Joho! Horrido oder Horridoh ist ein alter Gruß und Jagdruf der Jägersprache. Als Schlachtruf militärischer Einheiten kam der Gruß ab 1631 auf, nachdem unter dem hessischen Landesfürsten Wilhelm V. von Hessen-Kassel eine militärische Einheit aus waffenkundigen Forstleuten und Jägern aufgestellt wurde. Er ist in der Kombination Horrido – Joho in Deutschland der Schlachtruf bei den Truppengattungen der Jäger, Gebirgsjäger, Feldjäger und Heeresaufklärungstruppe. Das Wachbataillon ruft den Schlachtruf Semper – talis.

Siehe auch

Literatur

  • Sören Sünkler: Die Spezialverbände der Bundeswehr. Motorbuch Verlag, 2007, ISBN 3-613-02592-2.
  • Otto Münter: Kurzgeschichte der deutschen Jägertruppe. In: Deutscher Jägerbund e. V. (Hrsg.): Festschrift Jägertage 1986. 1986.
  • Erwin Rommel: Infanterie greift an. Voggenreiter, Potsdam 1937, DNB 575884878 .

Weblinks

Anmerkungen

  1. Das Jägerregiment 1 diente als luftbewegliche Infanterie für taktische Luftlandungen.

Einzelnachweise

  1. Findbuch zum Bestand BH 11 „Infanterie“. Bundesarchiv, abgerufen am 23. Oktober 2010.
  2. vgl. Iller-Katastrophe. Der Tod von Kempten. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1957 (online ).
  3. Bundespräsident Theodor Heuss et al.: Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen, die Ernennung und Entlassung sowie die Uniform der freiwilligen Soldaten vom 23. Juli 1955. In: Bundesgesetzblatt Teil 1. Band 1955, 23 vom 25.7.1955. Bonn 23. Juli 1956, S. 452 ff. (HTML [PDF; abgerufen am 12. Mai 2015]).
  4. Bundespräsident Theodor Heuss et al.: Zweite Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen, die Ernennung und Entlassung sowie die Uniform der freiwilligen Soldaten vom 1. Februar 1956. In: Bundesgesetzblatt Teil 1. Band 1956, 4 vom 2.2.1956. Bonn 23. Juli 1956, S. 63 ff. (HTML [PDF; abgerufen am 12. Mai 2015]).
  5. Bundespräsident Theodor Heuss et al.: Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 5. Mai 1956. In: Bundesgesetzblatt Teil 1. Band 1956, 22 vom 14.5.1956. Bonn 7. Mai 1956, S. 422 ff. (HTML [PDF; abgerufen am 12. Mai 2015]).
  6. Bundespräsident Theodor Heuss et al.: Zweite Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 26. Juli 1957. In: Bundesgesetzblatt Teil 1. Band 1957, 39 vom 7.8.1957. Bonn 26. Juli 1957, S. 1056 (HTML [PDF; abgerufen am 12. Mai 2015]).
  7. 7,0 7,1 Die äquivalenten, ranghöheren und rangniedrigeren Dienstgrade sind im Sinne der ZDv 14/5 B 185 angegeben, vgl. Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz). Die in der Infobox dargestellte Reihenfolge der Dienstgrade entspricht nicht notwendigerweise einer der in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen regelmäßig durchlaufenen Dienstgradabfolgen und auch nicht notwendigerweise der in der Vorgesetztenverordnung beschriebenen Dienstgradhierarchie im Sinne eines Vorgesetztenverhältnisses).

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