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Iuvavum


Iuvavum ("Juvavum") war der römische Name für das heutige Salzburg. Die keltische Siedlung wurde um 15 v. Chr. von den Römern besetzt. Nach der Erhebung zum municipium in der Provinz Noricum (später Ufernoricum) unter Kaiser Claudius erlebte sie eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. 171 wurde Iuvavum von germanischen Invasoren vollständig zerstört und erst nach Jahrzehnten teilweise wieder aufgebaut. Der in der Folge einsetzende schleichende Niedergang, bedingt durch ständige Sorge um den Einfall von Germanenstämmen in die grenznahe Stadt, wurde nur durch eine kurze Nachblüte unter Konstantin dem Großen unterbrochen.

Forschungsgeschichte

Die Überreste der römischen Stadt sind an zahlreichen Fundstellen untersucht, in der Linken Altstadt ebenso wie am Brückenkopf in der Rechten und auf den Stadtbergen. Auch im Umfeld finden sich etliche Nachweise, so die Römische Villa Loig, Meilensteine und ähnliches.

Trotz langjähriger Grabungen ist nur wenig über die baulichen Strukturen der antiken Stadt bekannt geworden. Man nimmt an, dass Iuvavum nach einem vorher festgelegten Plan erbaut wurde und somit auch die dafür erforderlichen Repräsentationsbauten einer klassischen Römerstadt wie z. B. ein Forum, Therme und eine Basilika besaß. Die Straßenzüge an der Peripherie verliefen wohl eher unregelmäßig. Im Zentrum vermutet man hingegen ein rasterartig angelegtes, durch zwei Hauptstraßen, decumani und cardines, gegliedertes Straßennetz. Über Art und Aussehen der Wohngebäude liegen bislang ebenfalls nur wenige Befunde vor, da keines der antiken Gebäude vollständig freigelegt werden konnte. Baureste aus der Zeit zwischen 1. und 4. Jahrhundert n. Chr. wurden nur am Rande oder durch Sondierungsschnitte erfasst, nur wenige ihrer Räume konnten umfassend dokumentiert werden. Näher bekannt sind nur das 1966/1967 am Domplatz untersuchte sogenannte Perystilhaus, eine Stadtvilla mit straßenseitigen Portikus im Toskanatrakt der Alten Residenz, zwei 1988/1989 entdeckte Häuser im Hof des Kapitellhauses und ein Gebäude im Nordtrakt der Neuen Residenz (untersucht 1998–2000 und 2003–2004).[1]

Geschichte

Der Name Iuvavum ist keltischen Ursprungs und geht auf das Volk der Alaunen (ein Gau der Vindeliker) zurück, das im Flachgau, Tennengau und dem Raum Rupertiwinkel siedelte. Keltische Höhensiedlungen gab es auf dem Rainberg, dem Kapuzinerberg und dem Festungsberg. Diese wurden jedoch 15 v. Chr. im Verlaufe eines römischen Feldzugs gegen die alpinen Kelten unter Tiberius und Drusus kampflos unterworfen. In der Folge wurden die bisherigen Einwohner zwangsweise in den Talkessel am Ufer der Salzach umgesiedelt (siehe Ambisonten). Neben den verkehrstechnischen Vorteilen, die die neue Siedlung bot, konnten die Römer die Kelten so besser unter Kontrolle halten, was die Gefahr eines Aufstandes verringerte. Zudem waren die befestigten Höhensiedlungen nach der römischen Besetzung dank der Pax Romana, der lang anhaltenden Friedensperiode, den die römische Okkupation mit sich brachte, bald nicht mehr nötig.[2] Die ältesten römischen Siedlungsspuren wurden am Fuß des Festungsberges gefunden. Bis 30 n. Chr. dehnte sich die Siedlungsfläche bereits über den ganzen Bereich der heutigen Altstadt aus.[3] Iuvavum gehörte zu Noricum, das anfangs innerhalb des Römischen Reiches nur als „besetztes Gebiet“ eingestuft war, also noch nicht den Status einer römischen Provinz genoss. Trotzdem expandierte Iuvavum in seiner Frühphase rasch, wozu vor allem die günstige Lage an einem Verkehrsknotenpunkt im römischen Straßennetz und am Ufer der Salzach (lat. Iuvarus, Ivarus) beitrug. Claudius (41–54) erklärte Noricum schließlich auch zur römischen Provinz, Iuvavum wurde zur autonomen Stadt (municipium Claudium Iuvavum) erhoben und war damit die erste städtische Siedlung mit dem Recht zur Selbstverwaltung nördlich der Alpen. Der Verwaltungsbereich Iuvavums umfasste ein weitgestrecktes Territorium, das im Westen auch den Chiemgau, den Rupertiwinkel und das Inngebiet miteinschloss.[4]

171 n. Chr. stürmten germanische Stämme, vor allem Markomannen und Quaden, den römischen Limes und verwüsteten große Teile Noricums, bevor sie bis nach Oberitalien vordrangen (Markomannenkriege). Iuvavum wurde dabei vollständig zerstört, viele seiner Bewohner getötet oder verschleppt. Nach dem endgültigen Sieg des Kaisers Mark Aurel über die Germanen 180 n. Chr. setzte der Wiederaufbau der Stadt nur langsam ein. Zunächst verzögerte eine aus dem Osten eingeschleppte Seuche die Instandsetzungsarbeiten, dann, unter Kaiser Commodus (180–192), lähmte eine reichsweite Wirtschaftskrise die Provinz. Erst unter Septimius Severus (193–211) konnte Iuvavum in größerem Umfang wiederhergestellt werden, erreichte aber nicht mehr die Ausmaße des alten Stadtgebiets.[3] Die Stadt erholte sich nie wieder vollständig von den Verwüstungen der Markomannenkriege. Einzelne Stadtteile wurden aufgegeben und verfielen endgültig.

In der Folgezeit litt Iuvavum besonders unter den Auswirkungen der Reichskrise des 3. Jahrhunderts. Um 241 n. Chr. fielen die Alamannen in Noricum ein und verwüsteten neuerlich große Gebiete. Auch Iuvavum blieb davon nicht verschont. Die durch ständige Usurpationen geschwächte Zentralregierung konnte die Sicherheit der Grenzprovinz nicht mehr garantieren, immer wieder überschritten plündernde Germanenscharen ungestraft den Limes. Erst Diokletian konnte ab 284 eine Wende zum Besseren herbeiführen. Er veranlasste unter anderem die Verkleinerung der Provinzen, Noricum wurde entlang des Alpenhauptkammes in Noricum ripense (Ufernorikum), zu dem auch Iuvavum gehörte, und Noricum mediterraneum (Binnennoricum) geteilt. Dank der Reformen in der frühen Spätantike, insbesondere durch Diokletian und Konstantin, konnte das Römische Reich noch einmal umfassend stabilisiert werden und die Stadt erlebte unter Konstantin dem Großen (306–337) eine letzte Nachblüte.

Mit Beginn der Völkerwanderung (ab ca. 375) war die römische Armee immer weniger in der Lage den norischen Limes dauerhaft zu sichern. Germaneneinfälle waren bald an der Tagesordnung, die Bewohner Iuvavums mussten sich wieder auf besser zu verteidigende Höhenlagen zurückziehen. Solche spätantiken Refugien sind für den Nonnberg und den Festungsberg archäologisch bezeugt. Die spätantike Vita Sancti Severini, eine vom Abt Eugippius verfasste Biographie des Heiligen Severin von Noricum, gibt u. a. auch Aufschluss über die Anfänge des Christentums in Iuvavum. Sie erwähnt eine Kirche und ein Kloster, die vermutlich am Rand der antiken Siedlung lagen.[5]

Der Untergang des Weströmischen Reiches mit der Absetzung seines letzten Kaisers Romulus Augustulus 476 hatte auf die Einwohner Iuvavums zunächst keine direkten Auswirkungen. Die Machtübernahme des germanischen Heerführers Odoaker war für die Iuvavenser nur ein weiterer Machtwechsel im ohnehin politisch instabilen und zudem weit entfernten Italien.

Ein bedeutenderer Einschnitt war jedoch die Evakuierung eines Großteils der romanischen Bevölkerung aus Ufernoricum, die Odoaker im Jahr 488 nach der Vernichtung des Rugierreiches an der Donau veranlasste. Der Rest der Einwohner der Stadt zog sich vermutlich in die Befestigungen auf dem Nonnberg und dem Festungsberg zurück, die Stadt wurde vielleicht dabei zerstört. Die Siedlungskontinuität im ganzen Salzburger Becken bis zur baiuwarische Landnahme im 6./7. Jahrhundert ist aber belegt, 696 begründet der Hl. Rupert schließlich das Stift Sankt Peter, das Stift Nonnberg und das Bistum Salzburg.[6]

Denkmalschutz

Im Furtwänglerpark , der Kaigasse , der Franziskanergasse und am Max Reinhardt-Platz beispielsweise sind Funde unter Denkmalschutz gestellt (Municipium Iuvavum).

Literatur

Weblinks

 Commons: Iuvavum  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Die Steindenkmäler des römischen Salzburg

Einzelnachweise

  1. Wilfried K. Kovascovics: 2008, S. 32–33.
  2. Dazu Dopsch, Hoffmann, Geschichte der Stadt Salzburg. S. 39–40. So auch allgemein der kurze Überblick zum keltischen Städtewesen bei Alexander Demandt, Die Kelten, München 2007, S. 68–72, hier S. 70.
  3. 3,0 3,1 Fritz Moosleitner: Die Zeit der römischen Herrschaft. In: EuRegio Salzburg-Berchtesgadner Land-Traunstein (Hrsg.): Heimat mit Geschichte und Zukunft. Trostberg 2004, S. 12–17.
  4. Plinius der Ältere, naturalis historia 3,146 bezeichnet Iuvavum als oppidum Claudium; dazu Dopsch, Hoffmann, Geschichte der Stadt Salzburg. S. 40–42.
  5. Eugippius, Vita sancti Severini 13–14. Dazu Dopsch, Hoffmann: Geschichte der Stadt Salzburg. S. 66–68.
  6. Juvavum (The Catholic encyclopedia)

Kategorien: Archäologischer Fundplatz in Österreich | Historisches Zentrum der Stadt Salzburg | Römische Stadt im Noricum | Archäologisches Denkmal unter Denkmalschutz in Österreich | Salzburger Altstadt (links) | Salzburger Altstadt (rechts)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Iuvavum (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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