Isidor von Sevilla - LinkFang.de





Isidor von Sevilla


Isidor von Sevilla (lateinisch Isidorus Hispalensis; * um 560 in Carthago Nova (Cartagena), Spanien; † 4. April 636 in Sevilla) war Nachfolger seines Bruders Leander im Amt des Bischofs von Sevilla. In seiner Enzyklopädie Etymologiarum sive originum libri XX kompilierte er das im Westen des Mittelmeerraums um 600 noch vorhandene Wissen der Antike (→Bücherverluste in der Spätantike), verband es mit der Patristik und machte es seiner Zeit verfügbar. Isidor gehörte zu den meistgelesenen Autoren des Mittelalters.

Leben

Isidor von Sevilla, der aus einer Familie der römischen Oberschicht stammte, war einer der bedeutendsten Schriftsteller des Frühmittelalters und kann zugleich auch zu den letzten Autoren der Spätantike gezählt werden, weil er das noch verfügbare antike Wissen sammelte und ordnete. Das hispanische Westgotenreich war zu seiner Zeit von der Vermischung romanischer und germanischer Kultur geprägt. Teile der Iberischen Halbinsel – unter anderem Isidors Geburtsstadt Cartagena – befanden sich zudem nach der Mitte des 6. Jahrhunderts zeitweilig unter der Kontrolle des oströmischen Kaisers, wodurch der Zugang zu antiken Werken erleichtert wurde. Von 600 bis 636 war Isidor Erzbischof von Sevilla (Hispalis). Im Jahre 619 präsidierte er eine Synode unter König Sisebut (dem er auch seine Etymologiae widmete), 633 hatte er den Vorsitz beim 4. Reichskonzil zu Toledo unter König Sisenand.[1]

Werk

Seine Schriften verfasste Isidor auf Latein; sie wurden im Mittelalter von Mönchen eifrig kopiert. Manche Aussagen antiker Autoren sind nur noch durch seine Zitate bekannt. Isidor befasste sich mit sehr unterschiedlichen Wissensgebieten und hinterließ eine große Anzahl von Werken. Besonders bekannt ist seine 20 Bücher umfassende Enzyklopädie Etymologiarum sive originum libri XX (kurz: Etymologiae). König Sisebut, dem sie in der Vorrede gewidmet ist, starb bereits 621, doch war das Werk 15 Jahre später, als Isidor starb, noch unvollendet und wurde erst von seinem Schüler Braulio geordnet und veröffentlicht. Mit diesem Werk prägte Isidor das Wissen seiner Epoche bis in die Frühe Neuzeit hinein; besonders wirksam waren die ersten drei Bücher, die das literarische Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und das mathematische Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik) abhandelten.[2] Dergestalt legte Isidor das Fundament für jede höhere Bildung im Mittelalter. Andere seiner Wiederentdeckungen wie die antike Atomtheorie fanden zunächst keine Beachtung.

Seine kosmographischen Ausführungen in den Kapiteln 3–6 und in dem Kapitel 8 über die Berge des XIV. Buches; im XIII. Buch die Kapitel über Ozeane, Meere, Meerbusen und sonstiges über Gewässer und im XV. Buch über die Städte, übten einen nachhaltigen Einfluss auf die mittelalterliche Kartographie aus. Seinen geographischen Angaben stehen im XIV. Buch dann Ausführungen über die Kreisförmigkeit der Erde und deren T-förmige Einteilung voran. Die Interpretation dieser Sätze ist umstritten: Die einen meinen, er habe die Erde für eine Scheibe gehalten[3], die anderen halten dagegen, dass er mit dem „Kreisförmigen“ nur den bewohnten Teil der Erde gemeint habe.[4]

Sein Werk hatte einen enormen Einfluss auf die nachfolgenden Generationen, sowohl durch seine Bibelexegese als auch wegen seiner Vermittlung antiken Wissens an die Welt des Mittelalters. Seine Schriften wurden schon bald in andere Sprachen übersetzt und fanden weite Verbreitung. Sein anerkannter Name wurde jedoch auch von anderen Autoren benutzt, um ihren Werken mehr Autorität zu verleihen. Darunter fällt die Erwähnung der Mission des Apostels Jakobus in Spanien und weit folgenreicher: die Begründung des päpstlichen Weltherrschaftsanspruchs durch die Dekretalen des Pseudoisidor (Isidorus Mercator).

Von höchster allgemeiner Bedeutung für die Konstruktion von Wirklichkeiten in den nächsten 1000 Jahren wurde seine „Erfindung“ eines universell anwendbaren Verfahrens der Welterklärung mittels Wahrheitsfindung durch Sprache, das er Etymologie nannte. Er verstand Etymologie anders als die heutige Sprachwissenschaft. Isidors Etymologie-Verfahren, das seinem Hauptwerk den Titel gab, lässt sich verkürzt so paraphrasieren: „Wenn Du in einem Wort etwas Wahres über das mit dem Wort bezeichnete Objekt erkennen willst, dann überprüfe den Ursprung des Objekts, oder seine Wirkung oder das Gegenteil davon darauf, ob Du sprachliche und/oder sachliche/inhaltliche Ähnlichkeiten zwischen Wort und Sache findest.“ Eine auf diese Weise „etymologisch“ gewonnene Wesenserkenntnis eines Begriffes gilt als tiefgründiger, als im Vergleich zu anders (philosophisch, naturwissenschaftlich) gewonnenen Erkenntnissen.[5]

Seine Berichte über das westgotische Reich begründeten den Mythos von der Überlegenheit der Goten und legitimierten später die Reconquista. Auch den starken Antisemitismus der Westgoten nach ihrem Übertritt zum katholischen Glauben hat Isidor mit zu verantworten. Seine Voraussage einer bedeutenden Rolle Spaniens im Weltgeschehen wurden wichtig für das spätere spanische Selbstverständnis.[6]

Gedenktag und Würdigung

Isidor gilt als der letzte Kirchenvater des Westens, mit seinem Tod endet nach der vorherrschenden traditionellen Auffassung die Epoche der Patristik.

Im Jahr 1598 wurde Isidor heiliggesprochen. 2001 war er als Patron des Internets im Gespräch.[7] Der Vatikan hat aber noch keinen offiziellen Schutzheiligen des Internets verkündet.[8] Im gleichen Jahr wurde auch der Isidor-Award gestiftet, mit dem Shareware-Programme ausgezeichnet werden.[9] Sein Gedenktag ist innerhalb der Katholischen Kirche der 4. April (Nichtgebotener Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender). Isidor von Sevilla ist auf dem Stadtwappen Sevillas abgebildet. Der Mondkrater Isidorus ist nach diesem Kirchenvater benannt.

Werke

Erhaltene Werke Isidors von Sevilla

Übersetzungen

  • Ein Teil der Schriften Isidors wurde ins Althochdeutsche übersetzt. Das Korpus dieser Schriften wird oft abgekürzt „Isidor“ genannt. Siehe hierzu auch Mondseer Fragmente.
  • Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla. Marixverlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-177-3.
  • The Etymologies of Isidore of Seville. Hrsg. von Stephen A. Barney, W. J. Lewis, J. A. Beach, Oliver Berghof. Cambridge University Press, Cambridge 2006.

Gefälschte Werke

Es gibt umfangreiche Fälschungen aus dem 9. Jahrhundert, die unter dem Namen Isidors in Umlauf gebracht wurden. Diese Fälschungen hatten eine enorme Wirkungsgeschichte. Es gibt begründete Vermutungen über die Verfasserschaft, aber keinen letzten Beweis. Diese Werke tragen heute den künstlichen Namen Pseudoisidor als Verfasser.

Literatur

Weblinks

 Commons: Isidor von Sevilla  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Primärtexte
 Wikisource: Isidorus Hispalensis – Quellen und Volltexte (Latein)
Sekundärliteratur

Anmerkungen

  1. Max Manitius: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. C. H. Beck, München 1974, ISBN 3-406-01400-3, S. 52 (online in der Google-Buchsuche).
  2. Brigitte Englisch: Die Artes Liberales im Frühen Mittelalter (5.–9. Jh.). Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-06431-1.
  3. Anna-Dorothee von den Brincken: Raum und Zeit in der Geschichtsenzyklopädie des hohen Mittelalters. In: Historischer Verein für Stadt und Stift Essen (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen. Band 96, 1981, ISSN 0341-9088 , S. 6–21.
  4. Rudolf Simek: Altnordische Kosmographie. de Gruyter, Berlin 1990, ISBN 3-11-012181-6, S. 104.
  5. Udo Kindermann: Isidor von Sevilla. In: Wolfram Ax (Hrsg.): Lateinische Lehrer Europas. Böhlau, Köln 2005, ISBN 3-412-14505-X, S. 273–290.
  6. Hans-Jörg Neuschäfter: Spanische Literaturgeschichte. 3. Auflage. Stuttgart, Weimar 2006, S. 3.
  7. Harald Taglinger: Himmeldonnerwetter. In: Telepolis. 7. Februar 2001, abgerufen am 26. Januar 2010.
  8. Peter Wagner: Thekla oder Isidor – wer erhört die Klagen der Web-User? In: jetzt.de. 10. Februar 2008, abgerufen am 18. November 2015.
  9. MXp – Schwedischer Artikel zum Isidor Award
  10. Herausgegeben von Wallace Martin Lindsay, 2 Bände, Oxford 1911; eine neue mehrbändige Ausgabe erscheint in Paris unter Leitung von Jacques Fontaine seit 1981. Engl. Übersetzung: Stephen A. Barney, W.J. Lewis, J.A. Beach et al.: The Etymologies of Isidore of Seville. Cambridge University Press, Cambridge 2006. Eine deutsche Übersetzung besorgte Lenelotte Möller: Die Enzyklopädie des Isidor von Sevilla. Marixverlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-177-3.
VorgängerAmtNachfolger
LeanderErzbischof von Sevilla
600–636
Honorato


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Isidor von Sevilla (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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