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Ischia (Insel)


Ischia
Silhouette von Ischia
Gewässer Golf von Neapel,
Tyrrhenisches Meer
Inselgruppe Phlegräische Inseln
 
Länge 9,9 km
Breite 7,2 km
Fläche 46,3 km²
Höchste Erhebung Monte Epomeo
789 m
Einwohner 62.027 (2009)
1340 Einw./km²
Hauptort Ischia
Karte des Golfs von Neapel

Ischia [ˈiskja] ( anhören?/i) ist eine italienische Insel. Sie ist mit 46 km² die größte Insel im Golf von Neapel. Die Hauptinsel der Phlegräischen Inseln gehört zur Metropolitanstadt Neapel in Kampanien.

Geografie

Ischia ist vulkanischen Ursprungs. Die höchste Erhebung ist der Monte Epomeo mit 789 m.

Vor rund 80.000 Jahren förderte ein Vulkan im Raum der heutigen Insel riesige Bimsstein- und Aschemengen (20 bis 40 Kubikkilometer; bei einem der stärksten Vulkanausbrüche in historischer Zeit, dem des Krakatau 1883, waren es nur 18 Kubikkilometer). Durch den so im Untergrund entstandenen Hohlraum sackte dessen Dach ein, und die Ablagerungen sanken unter den Meeresspiegel. Erneutes Eindringen von Lava in den Untergrund hob die darüber liegenden Schichten – es entstand die heutige Insel – und zerlegte sie dabei in Staffelbrüche. Im Norden hob sich die Scholle stärker, so dass der Abfall vom Monte Epomeo dorthin steiler ist.

Entlang der Bruchlinien trat Lava aus (letzter Ausbruch im Jahr 1301), und noch heute dringt heißes Wasser (stellenweise fast 100 °C) als natürliche Fumarolen (Marontistrand) oder in Bohrungen zu Tage.

Die Insel hat 62.000 Einwohner und ist in sechs Gemeinden aufgeteilt: Ischia (mit den Ortsteilen Porto und Ponte), Casamicciola Terme, Lacco Ameno, Forio, Serrara Fontana und Barano d’Ischia.

Ischia Porto ist der wirtschaftliche Mittelpunkt der Insel, da hier auch der wesentliche Fährverkehr zwischen der Insel und dem Festland abgewickelt wird, und Forio das kulturelle Zentrum.

Die Fläche Ischias beträgt ca. 46,4 km². Der Inselumfang liegt bei ca. 34 km.

Flora und Fauna

Durch den vulkanischen Ursprung der Insel ist ein hoher Artenreichtum vorhanden. Fast überall sind Eidechsen und Geckos anzutreffen. Zahlreiche Schmetterlings- und andere Insektenarten lassen sich beobachten.

Der Norden der Insel ist dichter bewachsen, und durch das Klima bedingt wachsen viele Kulturpflanzen sehr gut (Wein, Tomaten, Zitronen, Feigen, Granatäpfel, Datteln). Die Insel wird intensiv bis in steile Regionen bewirtschaftet.

Klima

In der touristischen Saison (etwa Juni bis Anfang Oktober) betragen die Tages-Maximaltemperaturen zwischen 26 °C und 35 °C. Im Sommer gibt es pro Monat etwa vier Regentage, das Meer ist von Juni bis Oktober 21 °C warm oder wärmer.

Geschichte

Siehe auch Pithekoussai

Ischia wurde im zweiten Viertel des 8. Jahrhunderts v. Chr. von griechischen Kolonisten aus Chalkis und Eretria besiedelt.[1] Sie nannten die Insel Pithekoussai (griech. Πιθηκούσσαι). Dieser Name wird häufig von πίθηκος = Affe hergeleitet, wahrscheinlicher aber ist eine Herkunft von πίθος = ein großes Tongefäß (Pithos) aufgrund der großen Tonvorkommen auf der Insel, wie schon Plinius Maior berichtet.[2] Wenige Jahrzehnte später verließen die griechischen Siedler Ischia und gründeten auf dem gegenüber liegenden Festland die Stadt Kyme.

Von Ischia stammt der berühmte „Nestorbecher“, mit der ältesten bekannten Inschrift in griechischer Schrift.

Bei den Römern hieß die Insel Aenaria. 831 errichteten muslimische Sarazenen auf der Insel einen Piratenstützpunkt, siehe auch Islam in Italien. 1883 zerstörte ein Erdbeben die Orte Casamicciola Terme und Lacco Ameno.

Ischia entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer bekannten Künstlerkolonie. Schriftsteller und Maler aus der ganzen Welt wurden angezogen. Eduard Bargheer, Hans Purrmann und Arrigo Wittler lebten auf der Insel. Rudolf Levy, Werner Gilles, Max Peiffer Watenphul mit Kurt Craemer und Vincent Weber hielten sich im Fischerdorf Sant'Angelo am Südzipfel der Insel kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf. Anfang der 1950er Jahre lebte in Forio eine recht beachtliche Künstlerkolonie aus Schriftstellern, Komponisten und bildenden Künstlern, darunter Ingeborg Bachmann. Elizabeth Taylor und Luchino Visconti hielten sich hier zu Dreharbeiten auf.

Persönlichkeiten

Gegen Ende der römischen Republik gehörte die Insel Oktavian, dem späteren Kaiser Augustus, der sie aber im Jahr 29 v. Chr. gegen die Insel Capri eintauschte.

Der englische Komponist Sir William Walton lebte und starb auf Ischia. Seine Frau Susana errichtete nach Plänen des Gartenarchitekten Russell Page den Park „La Mortella“, in dem auch die Asche Waltons beigesetzt wurde.

Sehenswürdigkeiten

Das Castello Aragonese in Ischia Ponte ist eine auf einem Felsen – knapp vor der Küste – liegende Festung. Auf dem Felsen ist ein Garten mit Olivenbäumen, Oleander, Kakteen, Palmen und vielen weiteren Pflanzen angelegt. Die Festung, die heute im Privatbesitz ist und besichtigt werden kann, wurde seit dem 12. Jahrhundert von vielen Eroberern eingenommen und besetzt. Im Mittelalter wohnten zu Spitzenzeiten 1890 Familien sowie Nonnen, Priester und Fürsten auf dem Felsen.

In der Nonnengruft wurden in einem kleinen Gewölbe entlang der Wände gemauerte Sessel errichtet. Diese hatten in der Sitzfläche eine Öffnung. Verstarb nun eine Nonne, wurde der Leichnam auf einen solchen Sessel gesetzt und verweste in dieser Haltung. Die dabei entweichenden Körperflüssigkeiten flossen durch die Öffnung in der Sitzfläche und tropften in ein spezielles Gefäß, welches unter dem Sessel platziert wurde. War der Leichnam vollständig skelettiert, wurde dieser in einen besonderen Knochenraum gebracht. Die lebenden Nonnen verbrachten täglich mehrere Stunden in dieser Gruft zum Meditieren über den Tod. Durch die schlechte Luft und das teilweise vergiftete Klima in der Nonnengruft verstarben viele von ihnen frühzeitig.

Da die Insel vulkanischen Ursprungs ist, sind auf der Insel mehrere Heilbäder vorhanden. Die heißen Quellen speisen an mehreren Stellen auf der Insel Bäder mit einer Vielzahl von Becken mit unterschiedlichen Temperaturen. Eine Besonderheit ist ihr Radon-Gehalt, dem eine besondere Heilwirkung zugeschrieben wird.[3]

Anreise und Verkehr

Abgesehen vom Hubschrauberlandeplatz eines Luxushotels ist die Insel nur mit der Fähre erreichbar, entweder von Neapel oder von Pozzuoli aus. Den neapolitanischen Anleger Molo Beverello erreicht man vom Flughafen und Hauptbahnhof aus am einfachsten mit dem Alibus, der im 20-Minuten-Takt verkehrt.

Mit der Fähre (Traghetto) dauert die Überfahrt vom Hafen „Porta di Massa“ in Neapel ca. eineinhalb Stunden.

Schneller, aber teurer und nur ohne Auto geht es mit Katamaranen und Tragflächenbooten (Aliscafi), die sowohl von Beverello als auch zum Teil vom separat gelegenen Anleger Molo Mergellina fahren. Diese Überfahrt dauert je nach Schiffstyp und Route ca. 35 bis 50 Minuten. Tragflächenboote fahren ab einem bestimmten Seegang nicht mehr.

Auf der Insel kann man die öffentlichen Buslinien der E.A.V (ehem. S.E.P.S.A.) benutzen, die einmal die Insel mit der Linie CD (im Uhrzeigersinn) und CS (gegen den Uhrzeigersinn) umrundet, sowie eine Reihe weiterer Linien.

Für die Besteigung des Monte Epomeo wurden früher Maultiere mit Führer angeboten. Da die Führungen nicht mehr rentabel sind, wurden sie vor einigen Jahren eingestellt.

Von Forio aus gelangt man mit dem Bus oder Taxi auch nach Sant’Angelo im äußersten Südzipfel der Insel. Das Felsendorf ist der einzige autofreie Ort auf der Insel.

Wirtschaft

Wegen des milden Klimas und der Thermalquellen wurde Ischia schon früh touristisches Ziel. Der Weinbau wird traditionell von den Senioren gepflegt, um den familieneigenen Hotel- oder Restaurantbetrieb zu versorgen. Der einst bedeutende Wirtschaftszweig der feinen Korbflechterei existiert ebenfalls nur noch in folkloristisch-touristisch verwerteten Überbleibseln. Fischerei wird rund um die Insel noch von etlichen einheimischen Familien betrieben.

Tourismus

Von der Insel aus kann man verschiedene Tagesreisen zu Ausflugszielen (Neapel, Vesuv, Amalfiküste, Capri, Herculaneum, Paestum sowie der Nachbarinsel Procida) buchen.

Etwa 5 Mio. Besucher kommen jedes Jahr nach Ischia, davon 500.000 Deutsche. Ca. 5.000 deutsche Staatsbürger haben sich auf Ischia niedergelassen. Seit 2001 ist die Zahl der deutschen Gäste rückläufig, während die Zahl der russischen Gäste ansteigt.

Typische Produkte

Kaninchen

Auf Ischia wurde eine spezielle Art der Kaninchenzucht entwickelt, die in erster Linie mit den Anforderungen der Landwirtschaft in den Weinbergen und Feldern zusammenhängt, aus denen die optimale Form der natürlichen Tierzucht entstand: das Grubenkaninchen. Auf der Insel gibt es immer noch Tausende von Löchern und Gruben, die in der Nähe von Weinbergen gegraben wurden, da man ständig neue Erde für die Weinstöcke brauchte. Die Löcher in der Erde werden zur Kaninchenzucht benutzt, gefüttert wird mit lokalen Kräutern und Pflanzen. In diesen Gruben können sich die Kaninchen wie in Freiheit bewegen und graben, was sie bei Käfighaltung nie tun würden. Auf Ischia ist dies die verbreitetste Form der Tierzucht.

In Film / TV und Literatur

Filme

Auf Ischia spielt die bekannte Filmkomödie Avanti, Avanti aus dem Jahr 1972 von Billy Wilder, die ein folkloristisches Bild der Insel zu Beginn der 1970er Jahre zeichnet.

In weiteren Filmen diente Ischia als Drehort und Kulisse.

Fernsehen

2010 startete bei dem italienischen Fernsehsender Canale 5 die TV-Serie I delitti del cuoco, in der Bud Spencer einen pensionierten Polizisten spielt, der auf der Insel ein Restaurant eröffnet. Mitte der 1990er Jahre spielten auch einige Handlungsstränge der Geißendörfer Produktion Lindenstraße auf der Insel.

Bücher mit dem Thema Ischia (Auswahl)

  • Eva Maria Arnold: Ischia – Insel des Glücks.
  • Christine Brückner: Letztes Jahr auf Ischia.
  • Truman Capote: Ischia. (Reiseerzählung)
  • Erri DeLuca: Das Meer der Erinnerung.
  • Edgar Kupfer-Koberwitz: Ischia, die vergessene Insel.
  • Evelyna Larossa: Ischia – Die Feriengäste und ich. Diesmal muß es Ischia sein! (Geschrieben aus der Sicht einer Reiseleiterin.)
  • Maria Werthammer: Mein Ischia.
  • Hans Dieter Eheim: Der Ginsterberg, Leben in Sant’Angelo d’Ischia.
  • Paul Buchner: Gast auf Ischia.

Siehe auch

Weblinks

 Wiktionary: Ischia – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Ischia  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellenangaben

  1. Strabon V 4,9: „Pithekoussai aber gründeten die Eretrier und die Chalkidier …“. Zur Datierung D. Ridgway: The Foundation of Pithekoussai. in: Nouvelle contribution à l'étude de la société et de la colonisation eubéennes. hrsg. v. Centre Jean Bérard. Neapel 1981, S. 45-56. ISBN 2-903189-15-3
  2. Plinius der Ältere Naturalis Historia 3,82: „Pithecusa, non a simiarum multitudine, ut aliqui existimavere, sed a figlinis doliorum.“ „Pithecusa, nicht aufgrund der Affenmenge, wie einige vermutet haben, sondern aufgrund der Tonvorkommen für Fässer“
  3. Ischia Stichworte , Süddeutsche Zeitung, abgerufen am 25. Januar 2016.


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Ischia (Insel) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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