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Indikan

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Der Name Indikan (auch: Indican) bezeichnet zwei einander ähnliche Derivate des Indols.

Pflanzen-Indikan

Pflanzen-Indikan ist ein Glycosid des Indoxyls und kommt natürlich in einigen als Indigopflanzen bezeichneten Pflanzen vor, beispielsweise Isatis tinctoria (Färberwaid) oder Indigofera tinctoria.

Das Indikan ist eine farblose, wasserlösliche Verbindung, die durch Enzyme zu gelbem Indoxyl abgebaut wird. Durch Oxidation entsteht der blaue Farbstoff Indigo.

Harn-Indikan

Harn-Indikan (auch: Uroxanthin) ist das Kaliumsalz der Indoxylschwefelsäure. Die Verwechslung mit dem Pflanzen-Indikan beruht auf einer frühen Form der medizinischen Diagnostik, der sogenannten Harnschau, bei der die Farbe des Urins zu diagnostischen Zwecken herangezogen wurde. Dabei wurde auf die manchmal vorkommende Grün- bis Blaufärbung des Urins geachtet, die heute im Extremfall als Purple urine bag syndrome (PUBS) bezeichnet wird und insbesondere bei älteren katheterisierten Frauen auftritt. Diese rührt zwar auch vom Farbstoff Indigo her, dieser entsteht aber eben nicht aus dem Pflanzen-Indikan. Den Unterschied zwischen Pflanzen-Indikan und Harn-Indikan entdeckte 1863 der deutsche Biochemiker Felix Hoppe-Seyler.[1] Ein Nachweisverfahren für Harnindikan wurde als Obermeyer-Test. bekannt.

Das Harn-Indikan entsteht durch mikrobiellen Abbau der essentiellen Aminosäure Tryptophan im Verdauungskanal des Menschen, dabei entsteht unter anderem Indol. Dieses wird anschließend in der Leber zu Indoxyl oxidiert, zur Entgiftung mit Sulfat vererstert und als Harn-Indikan über den Urin ausgeschieden.

Erhöhte Indikanwerte im Blut (> 0,2 mg pro 100 ml im Serum) bezeichnet man als Indikanämie, diese findet sich beim Hartnup-Syndrom, Urämie, Ileus, Niereninsuffizienz, Darmfäulnis. Kommt es infolge der Indikanämie zu einer Ausscheidung von Indikan über den Urin, wird dies als Indikanurie bezeichnet. Dieser kann sich bei Kontakt mit Sauerstoff grünlich-bläulich verfärben, was zum Beispiel bei dem Blaue-Windeln-Syndrom (blue diaper syndrome), einer meist angeborene Tryptophanmalabsorption der Fall ist. Bei sehr hohen Indikan-Werten im Blut kann es sogar zur Indigurie kommen, der Ausscheidung von Indigo über den Urin. Die Indikanausscheidung ist abhängig von der Zufuhr von Eiweißen,[2] und ist bei einigen Erkrankungen erhöht. Die physiologische Indikanausscheidung über die Nieren liegt bei 5 bis 20 mg pro Tag. Vermehrte Ausscheidung von Indikan liegt vor, wenn über den Urin mehr als 20 mg Indikan in 24 Stunden ausgeschieden wird.

Einzelnachweise

  1. E. F. J. Hoppe-Seyler: Über Indican als constanten Harnbestandtheil. In: Virchows Arch. 27, 1863, S. 388–393.
  2. S. Oldenhage: Einfluss der Proteinversorgung auf einige mikrobielle Metaboliten im Darmlumen und Harn sowie die Histologie des Kolons bei Katzen. (PDF; 1,9 MB) Inaugural-Dissertation. Tierärztliche Hochschule Hannover, 2003, S. 66 und 85.

Literatur

  • N. Greenberger, S. Saegh, Ruppert R: Urine Indican excretion in malabsorption disorders. In: Gastroenterol. 55, 1968, S. 204–211.
  • G. Curzon: Urinary excretion of indoxyl sulphate (indican) and the interpretation of aromatic excretion patterns. In: Clin Chim Acta. 8, 1963 Mar, S. 255–259.
  • W. N. Arnold: King George III's urine and indigo blue. In: Lancet. 347, 1996 S. 1811–1813.
  • J. Olovet: Hat die Indicanbestimmung im Urin diagnostischen Wert? In: Klinische Wochenschrift. Band 7, Nr. 51, 1928, S. 2439–2440, doi:10.1007/BF01740013 .

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