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Inanna


Inanna (auch Ninanna, Niniana, Ninsianna, Inana, Innin, Ninegal; sumerisch , dINANNA)[1] war eine der großen sumerischen Göttinnen.

Name

Im Sumerischen wurde ihr Name mit dem Zeichen MÚŠ geschrieben, was Schilfringbündel bedeutet. Das ist auch eines der Symbole, mit denen sie oft dargestellt wurde. In älterer Zeit wird das DINGIR-Determinativ als Kennzeichnung für ein göttliches Wesen nicht immer vorgestellt, später ist dies obligatorisch. Die ursprüngliche Variante des Namens war wohl nin-an-ak, „Herrin des An/Himmels“. Vielleicht erhielt sie ihn, weil sie das Eanna in Besitz genommen hat, wie es in einer Erzählung beschrieben wird (Inanna und der große Himmel). Sobald ein vokalisches Morphem an den Namen tritt, läuft er stets auf [k] aus, was auf die Genitivform zurückzuführen ist.

Als Epitheton trug Inanna unter anderem die Bezeichnung „Falke der Götter“ (sur2-du3mušen-dingir-re-e-ne). Die Bedeutung ihres ursprünglichen Namens ist nicht geklärt. Im weiteren geschichtlichen Verlauf wurde er von Herrin des An und Herrin des Himmels abgeleitet. „Königin des Himmels“[2] und Ninegalla („Herrin des Palastes“)[3] sind Beinamen der Inanna.

Außerdem tritt der Name in folgenden Formen auf: in-na(-an)-na oder für die Emesalform des Namens ga-šan-an-na. Unter akkadischem Einfluss wurde Inanna seit Mitte des dritten Jahrtausends v. Chr. mit Ištar gleichgesetzt. In Kleinasien trat Inanna auch als Šawuška (In-in Ša-gur4-ra) auf.

Eigenschaften

Ihr Planet war die Venus, sie wurde sowohl als Morgen- als auch als Abendstern verehrt, und ihre heilige Stadt war Uruk, das heutige Warka. Ihr Tempel in Uruk hieß Eanna.

Inanna hatte viele Erscheinungsformen und Gestalten. Hervortretend sind jedoch ihre Eigenschaften als Göttin der Liebe und des Geschlechtslebens, als kriegerische und eroberungssüchtige Gottheit. Des Weiteren gilt sie als Inbegriff alles Weiblichen, spielte aber auch als Gottheit des Königtums und Herrscherin eine bedeutende Rolle sowie als astrale Gottheit. Inanna konnte als männlich oder weiblich auftreten.[4]

„Familienverhältnisse“

In Uruk galt sie als Tochter des Himmelsgottes An, in anderen Mythen erscheint sie als Tochter des Mondgottes Nanna und der Mondgöttin Ningal. Die Beziehung Inannas zu An ist jedoch ungeklärt. Gelegentlich tritt er als ihr Vater auf, Inanna aber auch als dessen Gattin. Daraus sind wohl Inannas Kinder Šara und Lulal entstanden. Als Inannas Gemahl erscheint meist Dumuzi. In der späteren Ur-III-Zeit wird Ninegal als Sonderform der Inanna verwendet und übernimmt folgende Genealogie: Tochter vom Vater Nanna und der Mutter Ningal, Schwester des Sonnengottes Utu, Geliebte des Dumuzi und Schwägerin der Geštinanna. Ihre Botin bzw. Wesirin war Ninšubur. In anderen Regionen wird Ninegal auch mit Nungal (Göttin des Gefängnisses) verehrt und gilt als Tochter von Himmelsgott An und der Unterweltsgöttin Ereškigal.

Bedeutung

Die spätere Verschmelzung zu Inanna erklären die vorliegenden zwei Genealogien in den sumerischen Mythen. In der heutigen Forschung wird ihre mögliche Herkunft aus dem Land Aratta diskutiert. In der sumerischen Mythologie sind besonders ihre Auseinandersetzungen mit Enki, ihre Heilige Hochzeit mit Dumuzi und der damit zusammenhängende Abstieg in die Unterwelt zu Ereškigal bemerkenswert, wobei Ereškigal in diesem Zusammenhang als ihre Schwester benannt ist.

Attribute

Ihr Symbol war der 8- oder 16-eckige Stern und ihre heilige Zahl die 15. Ihr Tempel war der Egalmaḫ.

Kult

In einigen sumerischen Stadtstaaten wurde vermutlich eine „Heilige Hochzeit“ zwischen Inanna und dem König gefeiert. Hier wurde die Vereinigung Inannas mit dem Hirtengott Dumuzi nachvollzogen.

Quellen

Die Quellen werden in Epen, Preislieder (Hymnen, Heldenlieder, šìr nam.ur.sag.ĝá dnin.si.an.na.kam), Liebeslieder, Gebete und Ritualtexte unterteilt.

Epen

Sonstige literarische Werke, in denen sie eine Rolle spielt

  • Enmerkar und Ensuhkešda'anna

Hymnen

  • Iddin-Dagan A oder Lied zum Ritus der Heiligen Hochzeit der Göttin Inanna mit König Iddin-Dagan von Isin.[5] Erhalten in 14 Texten aus Nippur aus der Regierungszeit von Iddin-Dagān.

Gebete

  • private Gebete, allen voran die Lieder nin-me-šár-ra. Diese wurden von En-hedu-anna, der Tochter Sargons von Akkad verfasst.

Literatur

  • Helgard Balz-Cochois: Inanna. Wesensbild und Kult einer unmütterlichen Göttin. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, Gütersloh 1992, ISBN 3-579-01786-1.
  • Françoise Bruschweiler: Inanna: la déesse triomphante et vaincue dans la cosmologie sumérienne, recherche lexicographique (= Les Cahiers du Centre d'Étude du Proche-Orient Ancien. Band 4). Éditions Peeters, Leuven 1987.
  • Volker Fadinger: Sulla als Imperator Felix und „Eaphroditos“ (= „Liebling der Aphrodite“). In: Norbert Ehrhardt, Linda-Marie Günther (Hrsg.): Widerstand–Anpassung–Integration. Die griechische Staatenwelt und Rom. Festschrift für Jürgen Deininger zum 65. Geburtstag. Franz Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-07911-4, S. 155–188, hier S. 166, Anm. 51 (online ).
  • Helmut Freydank u. a.: Lexikon Alter Orient. Ägypten * Indien * China * Vorderasien. VMA-Verlag, Wiesbaden 1997, ISBN 3-928127-40-3.
  • Brigitte Groneberg: Die Götter des Zweistromlandes. Kulte, Mythen, Epen. Artemis & Winkler, Stuttgart 2004, ISBN 3-7608-2306-8.
  • Hans Wilhelm Haussig (Hrsg.): Götter und Mythen im Vorderen Orient (= Wörterbuch der Mythologie. Abteilung 1: Die alten Kulturvölker. Band 1). Klett-Cotta, Stuttgart 1965.
  • Willem H. Ph. Römer: Eine sumerische Hymne mit Selbstlob Inannas. In: Orientalia, Band 38, 1969, S. 97-114.
  • C. Wilcke, U. Seidl: Inanna/Ištar (Mesopotamien). In: Dietz Otto Edzard (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 5, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1976–1980, ISBN 3-11-007192-4, S. 74–89.
  • Åke W. Sjöberg: in-nin sá-gur-ra. A Hymn to the Goddess Inanna. In: Zeitschrift für Assyriologie, Band 65/2, 1976, S. 161-253.
  • Åke W. Sjöberg: A hymn to Inanna and her self-praise. In: Journal of Cuneiform Studies, Band 40, 1988, S. 165-186.
  • J. J. A. van Dijk: Inanna raubt den „grossen Himmel“. Ein Mythos. In: Stefan M. Maul (Hrsg.): tikip santakki mala bašmu. Festschrift für Rykle Borger zu seinem 65. Geburtstag am 24. Mai 1994 (= Cuneiform Monographs. Band 10). Styx Publications, Groningen 1998, S. 9-38.
  • D. Wolkstein, Samuel Noah Kramer: Inanna, Queen of Heaven and Earth. Harper and Row, New York 1983.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. J. van Dijk: Gott. A: Nach sumerischen Texten. In: Ernst Weidner, Wolfram von Soden (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 3, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1957–1971, ISBN 3-11-003705-X, S. 532–543, hier S. 532–534.
  2. Inez Bernhardt, Samuel Noah Kramer: Sumerische Literarische Texte aus Nippur. Berlin 1961, No. 25, Zeile 2.
  3. Samuel Noah Kramer: Cuneiform Studies and the History of Literature: The Sumerian Sacred Marriage Texts. In: Cuneiform Studies and the History of Civilization (= Proceedings of the American Philosophical Society. Band 107/6). 1963, S. 495.
  4. Barbara Böck: Überlegungen zu einem Kultfest der Altmesopotamischen Göttin Inanna. In: Numen, Band 51, 1, 2004, S. 20–46, hier S. 23 ff.
  5. Willem H. Ph. Römer: Eine sumerische Hymne mit Selbstlob Inannas. In: Orientalia, Band 38, 1969, S. 97-114.

Kategorien: Sumerische Mythologie | Sumerische Gottheit | Männliche Gottheit | Weibliche Gottheit

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Inanna (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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