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Ignaz Petschek


Ignaz Petschek (* 14. Juni 1857 in Kolín; † 15. Februar 1934 in Aussig) war ein böhmischer und nach 1918 tschechoslowakischer Bankier, Kohlen-Großhändler und Großindustrieller.

Leben

1874 nahm Ignaz Petschek beim Prager Bankverein eine Ausbildung zum Bankkaufmann auf. Nach Beendigung der Lehre erhielt er eine Anstellung bei der Zuckerfabrik in Laun. Neben der Zuckerherstellung nutzte die Fabrik ihre Eisenbahnanlagen für den Vertrieb der Braunkohlen des nordböhmischen Beckens. Bei seiner Arbeit lernte er im Aussiger Kontor der Zuckerfabrik die wachsende Bedeutung der Kohle kennen und ging 1880 in die Selbstständigkeit. Zunächst als Kommissionshändler tätig, baute Petschek ab 1882 intensive Geschäftsbeziehungen zur Wiener Anglobank auf. Bis 1892 erreichte Petschek eine Verzehnfachung des Braunkohlenförderung in den nordböhmischen Werken der Bank.

Beim Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert besaß Petschek die Aktienmehrheit der Kohlenwerke Britannia, Neue Britannia und der Duxer Kohlengesellschaft. 1913 kaufte er die maroden Hohenlohewerke auf. Zusammen mit seinem älteren Bruder Julius Petschek erwarb er ein beträchtliches Vermögen im Braunkohlebergbau des nordböhmischen Reviers um Brüx und war Mitbesitzer des 1920 gegründeten Bankhauses Petschek & Co. in Prag.

Nach dem Ersten Weltkrieg erweiterten die Brüder Petschek ihren Besitz im Mitteldeutschen Braunkohlerevier und erwarben in großem Rahmen die Mehrheiten der Bergbaugesellschaften um Meuselwitz, Rositz und Borna. Seit 1926 waren sie Hauptaktionäre der Phönix AG in Mumsdorf, 1931 der Vereinsglück AG in Meuselwitz, der Leonhard AG in Zipsendorf, der Herzog Ernst Bergwerks AG Oberlödla und der Grube „Kraft“ in Thräna. Mit dem Erwerb der Anhaltischen Kohlenwerke AG im Jahre 1932 befand sich mehr als die Hälfte der Braunkohlenförderung Mitteldeutschlands im Besitz der Familie Petschek.

Auch im Niederlausitzer Revier wurde die Petschek-Gruppe bald zur beherrschenden Kraft. 1927 übernahm Petschek die Aktienmehrheit der Ilse Bergbau AG, Senftenberg, der seinerzeit bedeutendsten Bergbaugesellschaft der Niederlausitz. Gleichzeitig war er Hauptaktionär der Eintracht Braunkohlenwerke und Brikettfabriken AG in Welzow. 1932 gehörte zur Unternehmensgruppe Petschek auch die Niederlausitzer Kohlenwerke AG, Berlin. 1934 mussten sowohl die Ilse Bergbau AG als auch die Anhaltische Kohlenwerke AG der „Pflichtgemeinschaft in der Braunkohlenwirtschaft“ beitreten und wurden damit Gründungsunternehmen der BRABAG.

1934 starb Ignaz Petschek in Aussig. Seine Nichte Grete Petschek (1894–1980; Tochter von Julius Gellert) war verheiratet mit dem Industriellen Oswald Gellert.

Zerschlagung des Industriegeflechts

Am 3. Dezember 1938 wurden die Unternehmen der Petschek-Gruppe in Deutschland arisiert. Es wurden die Deutsche Kohlebergbau-Gesellschaft und die staatliche Holdinggesellschaft Vereinigte Industrieunternehmen AG (VIAG) gebildet, in die das Petschek-Vermögen (außer der Ilse AG, die ihre Selbständigkeit behielt) einfloss.

1939 wurde die Familie Petschek sowohl im Protektorat Böhmen und Mähren als auch in Deutschland enteignet. Die Eintracht AG wurde konfisziert und 1940 von den Anhaltischen Kohlenwerken, die nun zum Flick-Konzern gehörten, übernommen.

Bei den 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone vorgenommenen Enteignungen der Braunkohlenkonzerne erfolgte eine Überführung in Volkseigentum. Die Enteignungen aus der Zeit des Nationalsozialismus wurden weder 1945 noch bei der Auflösung der DDR rückgängig gemacht. Von den Erben der Familie Petschek wurden deshalb in den 1990er-Jahren gegenüber der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) Ausgleichsforderungen in Höhe von 400 Millionen DM geltend gemacht.

Sonstiges

In der Stadt Aussig zeugen noch heute die Petschek-Villen vom Reichtum der Familie, die bis zu ihrer Enteignung einer der größten Förderer der Kultur in der Stadt war.

Literatur

Weblinks

 Commons: Ignaz Petschek  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz Petschek (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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