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Ichenhausen


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: GünzburgVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verwaltungs­gemeinschaft: Ichenhausen
Höhe: 489 m ü. NHN
Fläche: 34,22 km²
Einwohner: 8759 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 256 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89335
Vorwahl: 08223
Kfz-Kennzeichen: GZ, KRU
Gemeindeschlüssel: 09 7 74 143
Adresse der
Stadtverwaltung:
Heinrich-Sinz-Str. 14
89335 Ichenhausen
Webpräsenz: www.ichenhausen.de
Bürgermeister: Robert Strobel (CSU / FWV)
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Ichenhausen ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Günzburg mit Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Ichenhausen.

Geografie

Die Stadt liegt an der Günz und an der Mittelschwabenbahn von Günzburg über Krumbach nach Mindelheim. Durch Ichenhausen führt die Bundesstraße 16.

Stadtgliederung

Ichenhausen besteht aus der Kernstadt Ichenhausen (5327 Einwohner) und den Stadtteilen:

(Einwohner: Stand 1. Mai 2014)[2]

Geschichte

Die Herren von Roth waren seit dem frühen 14. Jahrhundert Lehnsherr des Ortes. Im Jahr 1406 erhielt der Ort das Marktrecht. 1574 erwarben die Freiherren vom Stain von Rechtenstein zu Niederstotzingen den Ort. Mit der Rheinbundakte 1806 kam der Ort zum Königreich Bayern und wurde 1818 durch das Gemeindeedikt eine Patrimonialgemeinde, die bis 1843 bestand. 1913 wurde Ichenhausen zur Stadt erhoben.

Seit Jahrhunderten lebten jüdische Familien im Ort, die sich an der Straße nach Krumbach einen eigenen jüdischen Friedhof einrichteten und in der Vorderen Ostergasse 24 im Jahr 1687 eine Synagoge erbauten. Diese wurde 1781 erneuert. 1933 waren 13 % der Einwohner jüdischen Bekenntnisses. Beim Novemberpogrom 1938 wurde das jüdische Gotteshaus und der jüdische Friedhof am 10. November organisiert durch die Günzburger NSDAP-Kreisleitung verwüstet. In einem Strafprozess vor dem Landgericht Memmingen wurden 1948 deshalb sieben Personen zu Gefängnisstrafen verurteilt.[3]

Zahlreiche jüdische Bürger siedelten in größere Städte um, wo sie sich in der Anonymität sicherer fühlten, oder emigrierten ins Ausland. Die zurückbleibenden wurden am 1. April 1942 (84 Menschen nach Lublin), am 6. August 1942 (28 Menschen nach Theresienstadt) und am 8. März 1943 (zehn Menschen nach Auschwitz) deportiert und umgebracht; es überlebte nur eine Frau.[4]

Auf dem Jüdischen Friedhof wurden 18 KZ-Häftlinge des KZ-Außenlagers Burgau begraben.[5]

Der Einsturz des Kirchturms

1964 wurde das Langhaus der alten katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist erweitert und zum Teil neu gebaut. Allerdings sollte der Kirchturm erhalten bleiben. Dieser stürzte infolge der Umbauarbeiten an der Kirche am Ostermontag des Jahres 1964 ein. Personen wurden nicht verletzt. Im katholischen Pfarrheim der Gemeinde hängt über dem Haupteingang ein Zeiger der damaligen Kirchturmuhr.

Eingemeindungen

Zu Ichenhausen gehören fünf Ortsteile: Am 1. Januar 1971 wurde Hochwang eingemeindet. Am 1. Juli 1971 kam Oxenbronn hinzu.[6] Am 1. Mai 1978 folgten im Zuge der Gebietsreform dann noch die Ortsteile Autenried, Deubach und Rieden an der Kötz.[7]

Politik

Stadtrat und Bürgermeister

Der Stadtrat hat 20 Mitglieder. Seit der Kommunalwahl 2014 verteilen sie sich auf folgende Listen:

Bürgermeister ist seit 1. Mai 2014 Robert Strobel (CSU / FWV).

Wappen

Der Windhund deutet auf die Herren von Roth. Auf ihrem Epitaph in der Pfarrkirche ist ebenfalls ein Hund dargestellt. Die abwärts gekehrten schwarzen Wolfsangeln deuten auf die Herren vom Stain, die rotweiss gerauteten Schrägbalken auf die Familie von Goss.

Partnerstädte

Ichenhausen hat zwei Partnerstädte:

Bildung und Kultur

  • Grundschule Ichenhausen
  • Freiherr-von-Stain-Mittelschule (MS)
  • Hans-Maier-Realschule – Staatliche Realschule Ichenhausen
  • Heinrich-Sinz-Schule (nach Heinrich Sinz benannt) – Sonderpädagogisches Förderzentrum Ichenhausen
  • Sing- und Musikschule der Stadt Ichenhausen
  • Volkshochschule Günzburg e. V. – Außenstelle Ichenhausen
  • Evangelische Bildungswerk Neu-Ulm e.V. – Außenstelle Ichenhausen
  • Dilldapper Bühne

Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

In Ichenhausen befindet sich das Bayerische Schulmuseum, ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums. Als weiteres Kulturgut gilt in Ichenhausen die Synagoge, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Feuerwehrhaus diente und erst Ende der 1980er Jahre als „Haus der Begegnung“ hergerichtet wurde. Ebenfalls gehört der jüdische Friedhof zu den Sehenswürdigkeiten. Im Ortsteil Autenried befindet sich das Schloss Autenried aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts mit einem Ikonenmuseum und einer Bibliothek.

Baudenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur

Einrichtungen

In Ichenhausen befindet sich eine Fachklinik für physikalische Medizin und medizinische Rehabilitation mit den Fachabteilungen Orthopädie/Traumatologie, Neurologie/Neuropsychologie, Innere Medizin und Rheumatologie. Die Fachklinik Ichenhausen hat mehrere Fachbereiche und ist zudem anerkannte Parkinson-Fachklinik. Sie gehört zur m&i-Klinikgruppe Enzensberg.

Das Ernst-Ott-Sozialzentrum, eine gerontopsychiatrische Facheinrichtung der Ökumenischen Sozialstation im Landkreis Günzburg, grenzt an den Hindenburgpark am südlichen Stadtrand.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Benno Bichler (28. Dezember 1881 in Wallershausen; † 1. Juni 1956 in Günzburg), katholischer Priester, Ehrenbürger in Autenried
  • Georg Fackler (* 1918; † 2009), Unternehmer und 2. Bürgermeister von 1980 bis 1984, Ehrenbürger seit 1984
  • Michael Gastel (* 3. Januar 1894 in Autenried; † 1977), Bürgermeister in Autenried von 1938 bis 1945 und 1952 bis 1954, Ehrenbürger in Autenried seit 1954
  • Franz Xaver Hohensteiner (* 1833 in Ichenhausen; † 18. November 1925), Ehrenbürger
  • Karl Königsdorfer (* 1909 in Lauingen; † 1986), katholischer Priester, Dekan und Stadtpfarrer in Ichenhausen, Ehrenbürger seit 1976
  • Hans Maier (* 18. Juni 1931 in Freiburg im Breisgau), Politikwissenschaftler und Politiker (CSU), ehemaliger bayerischer Kultusminister, Ehrenbürger seit 1986
  • Johann Nepomuk Moll (* 1842 in Ichenhausen; † 5. September 1911), Kaufmann und Bürgermeister von 1870 bis 1903, Ehrenbürger seit 1895
  • Ernst Ott (* 29. Februar 1912; † 5. Juli 1987), Unternehmer und Bürgermeister in Autenried von 1954 bis 1956, Ehrenbürger in Autenried seit 1975, nach der Eingemeindung auch in Ichenhausen seit 1978
  • Martha Ott (* 29. März 1923; † 18. Oktober 2007), Unternehmerin in Autenried, Ehrenbürgerin seit 1998
  • Moritz Schmid (* 1919 in Ichenhausen; † 2000), Unternehmer und 2. Bürgermeister von 1984 bis 1990, Ehrenbürger seit 1993
  • Heinrich Sinz (* 10. April 1871 in Hürben; † 14. März 1951 in Ichenhausen), katholischer Priester, Dekan und Stadtpfarrer in Ichenhausen, Ehrenbürger seit 1925
  • Michael Sulzer (* 13. Juni 1831 in Ichenhausen, † 17. April 1916 in Ichenhausen), Fabrikant, Ehrenbürger seit 1911
  • Alfons Wiedemann (* 1. September 1842 in Ichenhausen; † 24. März 1920), katholischer Priester, Ehrenbürger seit 1918

Söhne der Stadt

  • Robert Domes (* 27. Oktober 1961 in Ichenhausen), Journalist und Autor
  • Wulf Dorn (* 20. April 1969 in Ichenhausen), Schriftsteller und Thriller-Autor
  • Gregor Ebner (* 24. Juni 1892 in Ichenhausen; † 22. März 1974 in Wolfratshausen), praktischer Arzt, fungierte in der Zeit des Nationalsozialismus als ärztlicher Leiter aller Heime des Lebensborn e.V.
  • Arnold Erlanger (geb. 22. Juli 1916 in Ichenhausen; gest. 11. Februar 2007 in Melbourne), jüdischer Überlebender mehrerer NS-Lager und ein wichtiger Zeitzeuge
  • Rafael Frank (* 11. März 1867 in Ichenhausen; † 9. März 1920 in Leipzig), Typograf, seine Schrifttype wurde zur wichtigsten hebräischen Schrift im 20. Jahrhundert.
  • Lewis (Louis) Gerstle (17. Dezember 1824 in Ichenhausen; † 19. November 1902 in San Francisco), kalifornischer Geschäftsmann und einer der Gründer der Alaska Commercial Company. 1845 in die USA emigriert.
  • Hubert Hafner (* 18. Juli 1952 in Ichenhausen), Politiker (CSU), Landrat im Landkreis Günzburg
  • Alfred Sauter (* 3. August 1950 in Oxenbronn, heute Stadtteil von Ichenhausen), Politiker (CSU), ehemaliger bayerischer Justizminister

Sonstige Persönlichkeiten

Literatur

  • Eugen Ganzmüller: Ichenhausen. Vom Dorf zum Markt zur Stadt, Ichenhausen 1970
  • Georg Kreuzer, Claudia Madel-Böhringer und Franz Ritter: Ichenhausen – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band I: Von den Anfängen bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Band II: Ichenhausen im 20. Jahrhundert (1918–2000), Günzburg 2007, ISBN 978-3-00-022541-3
  • Wolfgang Wüst: Günzburg. München 1983, ISBN 3-7696-9933-5, S. 150 ff. (Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben, Günzburg I/ 13)
  • Juden auf dem Lande – Beispiel Ichenhausen, Haus der Bayerischen Geschichte, München 1991, ISBN 3-927233-13-7

Weblinks

 Commons: Ichenhausen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. [1]
  3. Juden auf dem Lande, Seiten 112 ff.
  4. Juden auf dem Lande, Seiten 122 ff.
  5. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 149.
  6. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 476.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 775.
  8. Changé in der franz. Wikipedia

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Ichenhausen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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