Hundeshagen - LinkFang.de





Hundeshagen


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hundeshagen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: EichsfeldVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verwaltungs­gemeinschaft: Lindenberg/Eichsfeld
Höhe: 271 m ü. NHN
Fläche: 13,31 km²
Einwohner: 1157 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37339
Vorwahl: 036071
Kfz-Kennzeichen: EIC, HIG, WBS
Gemeindeschlüssel: 16 0 61 052
Adresse der Verbandsverwaltung: Hauptstr. 17
37339 Teistungen
Webpräsenz: www.lindenberg-eichsfeld.de
Bürgermeister: Thomas Müller
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Hundeshagen ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Lindenberg/Eichsfeld.

Geschichte

Hundeshagen wurde erstmals am 15. April 1282 urkundlich erwähnt. Etwa 1,5 Kilometer westlich des Ortes lag die Burg Westernhagen auf einer Anhöhe, von einem künstlichen Wasserlauf umgeben. Von der Burg Osterhagen sind keine Spuren mehr nachweisbar, sie lag aber auf einer nachweisbaren Anhöhe in der Nähe des Dorfes. Die Adelsfamilie Hagen ist ein bekanntes Geschlecht und saß in mehreren Dörfern der Gegend. Die Burgen wurden von Bauern 1525 zerstört, aber 1557 noch einmal genannt.[2][3]

Hundeshagen gehörte bis zur Säkularisation 1802 zu Kurmainz. 1802 bis 1807 war der Ort preußisch und kam dann zum Königreich Westphalen. Ab 1815 war er Teil der preußischen Provinz Sachsen. Unter der preußischen Hoheit und vor allem am Mitte des 19. Jahrhunderts häufen sich jene tragische Ereignisse, die Hundeshagen damals heimsuchten. Mit Ausbruch der Deutschen Revolution 1848/1849 kam es auch in Hundeshagen zu Kampfhandlungen, besondere Empörung veranlasste der Besitzer des Gutes Eylungen, welcher die Einwohner schikanierte und widerrechtlich inhaftieren ließ. Die Aufstände wurden jedoch erstickt, als Mühlhäuser Kürassiere und Jäger aus Nordhausen in die Gemeinde marschierten, den Ort besetzten, Steckbriefe veröffentlichten und zahlreiche Einwohner zu hohen Haftstrafen verurteilte. Vollzogen wurden diese in der Strafanstalt Lichtenburg und dem Erfurter Petersberg.[4]

1945 bis 1949 gehörte Hundeshagen zur sowjetischen Besatzungszone und wurde ab 1949 Teil der DDR. Von 1961 bis zur Wende und Wiedervereinigung 1989/1990 wurde Hundeshagen von der Sperrung der nahen innerdeutschen Grenze beeinträchtigt. Seit 1990 gehört der Ort zum wieder gegründeten Bundesland Thüringen.

Der Ort ist auch als eichsfeldisches Musikantendorf bekannt, da hier ab dem 17. Jahrhundert das Wandergewerbe der Musikanten eine wichtige Rolle spielte. Um 1700 hatten die Herren von Westernhagen unterhalb ihrer Burg Osterhagen die Kolonie Freiheit gegründet. Die Bewohner verdienten ihr Geld bald als Wandermusikanten. Dabei entwickelten sie eine eigene Sprache, welche Kochum genannt wurde. Diese ermöglichte eine Kommunikation der Wandermusikanten außerhalb ihres Heimatortes, ohne dass außenstehende Personen den Gehalt der Unterredung mitverfolgen konnten. Dies war sinnvoll, da man sich über Themen wie Politik oder Justiz frei verständigen konnte, ohne dass man Maßnahmen der staatlichen Behörden erwarten musste.

Hundeshagen hat seit 2014 einen Kardinal-Meisner-Platz an der Kirche. Die Hundeshagener Bürger hatten zur DDR-Zeit dem späteren Kardinal sein Theologie-Studium mitfinanziert (wie es im Eichsfeld Tradition war). Meisner ist seitdem dem Ort, wie dem gesamten Eichsfeld, eng verbunden.[5]

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994: 1.283
  • 1995: 1.306
  • 1996: 1.312
  • 1997: 1.311
  • 1998: 1.270
  • 1999: 1.301
  • 2000: 1.318
  • 2001: 1.335
  • 2002: 1.304
  • 2003: 1.311
  • 2004: 1.286
  • 2005: 1.286
  • 2006: 1.255
  • 2007: 1.273
  • 2008: 1.247
  • 2009: 1.264
  • 2010: 1.238
  • 2011: 1.245
  • 2012: 1.201
  • 2013: 1.195
  • 2014: 1.173
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Hundeshagen setzt sich aus zwölf Gemeinderatsmitgliedern zusammen.

  • CDU: 7 Sitze
  • Wahlvorschlag FWG Hundeshagen: 5 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)[6]

Bürgermeister

Der ehrenamtliche Bürgermeister Thomas Müller (CDU) wurde am 6. Juni 2010 gewählt.[7]

Wappen

Blasonierung: „Auf rotem Grund ein goldener Sparren, rechts begleitet von einem sechsspeichigen Rad, links begleitet von einer silbernen Harfe, im Winkel drei silberne Glocken.“

Das Hundeshagener Wappen besteht aus drei Symbolen, die sich auf einen roten Hintergrund abzeichnen. Eine räumliche Trennung entsteht durch einen gelben Balken, der dreieckig an die Mitte des oberen Randes des Wappens stößt und das Dach des Glockenhauses der Kirche symbolisiert. Folgende Symbole werden dadurch getrennt: Zum einen das Mainzer Rad im oberen linken Teil des Wappens, welches an die Zugehörigkeit des Eichsfeldes zu Mainz erinnert. Zum anderen findet sich auf der rechten oberen Seite des Wappens eine Harfe, welche auf die Geschichte des Wandermusikantentums des Ortes hinweist. Den Mittelpunkt des Wappens bilden drei Glocken, welche die architektonischen Besonderheiten der Kirche in Hundeshagen darlegen.

Sprache

Traditionell wird in Hundeshagen wie im restlichen Nord-Eichsfeld Eichsfelder Platt gesprochen. Der Ort grenzt allerdings direkt an die Sprachgrenze zum Thüringischen, das in den südlichen Nachbarorten gesprochen wird. Daneben gab es als lokale Sondersprache das Kochum. Heute sind diese Sprachen weitgehend durch das Hochdeutsche verdrängt worden.

Kochum

Die Sprache Kochum ist eine Besonderheit von Hundeshagen. Um einen kurzen Einblick in die Sprache zu geben, sind hier einige Beispiele alphabetisch angeführt.

  • 1 Mark – 1/2 Soof
  • alt – ulmisch
  • Apfel – Krepschling
  • Arzt – Schmeichert
  • ausfragen – loschen
  • Bauer – Knebel
  • Bier – Blembel
  • Brot – Lechen
  • Butter – Schmunk
  • Dorf – Kaff
  • essen – kippen
  • er geht – er buscht schiwes
  • Familie – Jent
  • Feuer – Funker
  • Fleischer – Fetzer
  • friert – pickelt
  • Gasthaus – Schwäche
  • Geld zählen – Pich schibbern
  • gucken – spannen
  • gut angezogen – grannig gekluftet
  • Harfe – Echfach
  • Hochzeit – Quante
  • hocken – kutzsikeren
  • Hunger – Danger
  • im Gefängnis sitzen – beseln
  • ist – schemmt
  • Kirche – Tuft
  • Kaiser – Nobel
  • Kartoffel – Pandatten
  • Kinder – Schrappen
  • krank – bekersch
  • Lehrer – Schallder
  • Mädchen – Dilm
  • Milch – Kleis
  • Musiker – Klinger
  • Musiker aus Böhmen – Muker
  • Musiker aus Italien – Stils
  • Musiker Mädchen – Klingerdilm
  • musizieren – jaunen
  • nähen – sticheln
  • Orgel – Lezen
  • Pfarrer – Kowes
  • Polizist – Preester
  • Reise – Hultche
  • schlachten – schächten
  • schlagen – kuffen
  • schreiben – fackeln
  • schwanger – finale
  • singen – schallern
  • Stadt – Moken
  • tanzen – weddeln oder schwoofen
  • Toilette – Flösselfinnichen
  • trinken – schwächen
  • Vater – Ette
  • vorsicht – schuftig
  • Wasser – Flossert
  • weinen – flonern
  • Zigarette – Schwulchen
  • Zucker – Sprankert

„Kochum“ verweist auf die Herkunft von Bewohnern des Ortes aus der migrierenden Bevölkerung („Kochemer“) der frühen Neuzeit. Es ist den jenischen Idiomen zuzuordnen. Es enthält Elemente des Jiddischen und des Romanes. Eine verwandte Sprache ist die in Münster gesprochene Masematte. Dass das Wort Musik häufiger und in unterschiedlichen Varianten auftritt, zeigt an, dass Einwohner Hundeshagens Wandermusikanten waren und diese Sprache zur Verständigung untereinander benutzten. Der Name „Klingerdilms“ bezeichnet einen Musikverein in Hundeshagen, der zweifelsfrei seinen Namen aus dem Kochum bezogen hat. Es gibt viele Verweise auf ein traditionelles Wandermusikantentum.

Zahlreiche Forschungsmaterialien zu den Hundeshagener Wandermusikanten (einschließlich seltener Tondokumente) befinden sich heute im Hochschularchiv/Thüringischen Landesmusikarchiv Weimar der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.

Sehenswürdigkeiten

Literatur

  • Karl-Heinz Best: Zum etymologischen Spektrum des Hundeshagener Kochums. In: Göttinger Beiträge zur Sprachwissenschaft 19, 2009, 25–29. (Ende 2011 erschienen. Der Beitrag gibt auf der Grundlage der Untersuchung von Weiland einen Überblick über die Herkunft des Wortschatzes aus verschiedenen Sprachen und Dialekten.)
  • Thorsten Weiland: Das Hundeshagener Kochum. Ein Rotwelsch-Dialekt von Wandermusikanten aus dem Eichsfeld. Quellen – Wörterbuch – Analyse. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2003, ISBN 3-506-79706-9.

Weblinks

 Commons: Hundeshagen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kochum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik  (Hilfe dazu).
  2. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 39.
  3. Burgen
  4. Rolf Barthel: Aus der Geschichte von Hundeshagen (1282–1982). In: Eichsfelder Heimathefte. Band 2, 1982, S. 222.
  5. Hartmut Kaczmarek:In Thüringen viele Spuren hinterlassen. Kardinal Meisner im Ruhestand. Thüringische Landeszeitung, 1. März 2014
  6. Kommunalwahlen in Thüringen am 7. Juni 2009. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 8. März 2010 (PDF; 1,9 MB).
  7. Kommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.
  8. Friedrich August Stüler (1800-1865):Kirche, Hundeshagen . Entwurfszeichnungen. Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, abgerufen am 13. Juli 2015

Kategorien: Ort im Landkreis Eichsfeld | Hundeshagen | Gemeinde in Thüringen

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