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Horizont


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Horizont (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der Horizont (altgriechisch ὁρίζων horízōn, Genitiv ὁρίζοντος horízontos) ist die Grenzlinie zwischen der sichtbaren Erde und dem Himmel. Mit dem griechischen Wort horízōn ist eigentlich horízōn kýklos gemeint, der „begrenzende Kreis“ (zu ὁρίζειν horízein „begrenzen“).[1]

Die vom idealen Horizont aufgespannte Ebene ist die Horizontebene oder Horizontalebene; sie steht rechtwinklig zur Zenit- oder Lotrichtung. Eine waagrechte Ebene oder Linie wird häufig auch als Horizontale bezeichnet.

Der Begriff Horizont wurde im 17. Jahrhundert von Philipp von Zesen durch den Ausdruck Gesichtskreis verdeutscht, der heute aber nicht mehr mit dieser Bedeutung verwendet wird.[2]

Präzise Definitionen

Genauer betrachtet sind einige Bedeutungen zu unterscheiden, die sich alle durch unterschiedliche Sichtweiten und scheinbare Entfernungen zum Horizont unterscheiden:

  • Natürlicher oder Landschaftshorizont: die Grenzlinie zwischen Himmel und Erde, wie sie von den örtlichen Bedingungen (Landschaft, Berge, Stadtsilhouette) abhängt.
  • Mathematischer Horizont oder astronomischer Horizont: die Schnittlinie der Himmelskugel mit jener Ebene, die im Beobachtungsort rechtwinklig zur Lotrichtung steht. Letztere ist aber nicht die Richtung vom Beobachter zum Erdmittelpunkt, sondern weicht davon wegen Erdabplattung und Lotabweichung um bis zu 0,2° ab.
  • Nautischer Horizont, Kimm(ung), Kimmlinie: der natürliche Horizont am Meer. Er liegt je nach Beobachterhöhe um die Kimmtiefe unter dem mathematischen Horizont.
  • Optischer Horizont: Durch die Lichtbrechung in der Lufthülle (terrestrische Refraktion) erscheint der Horizont weiter entfernt und die Sichtweite wird etwas größer.
  • Radiohorizont: Radiowellen verhalten sich (abhängig von ihrer Wellenlänge, erst ab Ultrakurzwelle spricht man von quasioptischer Wellenausbreitung) ähnlich wie Licht. Auch hier wird die Brechung durch einen größeren scheinbaren Erddurchmesser berücksichtigt.

Die Horizontebene ist die Ebene des geometrischen Horizonts. Die Vertikale auf diese Ebene schneidet die Himmelssphäre in Zenit und Nadir.

Horizont in der Nautik, Kimmlinie

Die Kimm ist die auf offenem Meer sichtbare Grenzlinie zwischen Wasser und Himmel. Auf sie beziehen sich Messungen von Höhenwinkeln z. B. mit einem Sextanten.

Wegen der Erdkrümmung (mittlerer Erdradius 6371 km) erscheint die Kimm umso tiefer unter dem mathematischen Horizont, je höher sich der Beobachter über dem Meeresspiegel befindet.

Daher müssen die Höhenwinkel um die Kimmtiefe [math]\kappa[/math] verkleinert werden. Diese Beschickung beträgt

[math]\kappa=1{,}75\cdot\sqrt{H}[/math]

(Kimmtiefe [math]\kappa[/math] in Bogenminuten; Höhe H des Beobachters in Metern).

Nach der DIN 13312 „Navigation; Begriffe, Abkürzungen, …“ soll für die Kimmtiefe in der Seefahrt die Abkürzung Kt, im Englischen die Abkürzung D (von dip of horizon), in der Luftfahrt die Abkürzung Dip verwendet werden; als Formelzeichen wird für die Seefahrt k empfohlen.

Die Entfernung [math]d[/math] des Horizonts von einem Punkt mit der Höhe [math]h[/math] über der Erdoberfläche (Sichtweite) berechnet sich nach der Formel

[math]d = \sqrt{2 r h + h^2} \approx \sqrt{12\,800 \ \mathrm{km}\cdot h + h^2},[/math]

wobei [math]r[/math] den Erdradius von ungefähr 6 400 km bezeichnet. [math]h[/math] und [math]d[/math] müssen in dieser Formel ebenfalls in Kilometern angegeben sein. Für Details und Beispiele siehe den Artikel Sichtweite.

Horizont in Mathematik, Astronomie und Geodäsie

Der Horizont im mathematischen Sinn ist ein Großkreis, der die Sphäre oder Himmelskugel in zwei gleiche Hälften teilt und dessen Pol der Zenit ist.

Geometrischer Horizont
ein Großkreis im oben erwähnten Sinn, der in der Astronomie zwei Bezugspunkte kennt:
  • Geozentrischer (Wahrer) Horizont: die horizontale Ebene geht durch den Erdmittelpunkt
  • Topozentrischer (Scheinbarer) Horizont (häufiger verwendet): durch einen Ort an der Erdoberfläche, beziehungsweise durch den Standpunkt des Beobachters. Der Unterschied im Höhenwinkel eines Gestirns entspricht der Parallaxe, während die Azimute dieselben sind.

Er ist die Basis des Horizontsystems – ein Koordinatensystem, in dem Gestirne und terrestrische Messpunkte durch Richtung (Azimut, Kurs) und Höhenwinkel angegeben werden. Senkrecht zum Horizont – also durch den Zenit – verlaufen die Vertikalkreise, von denen der Meridian genau in Nord-Süd-Richtung liegt.

Horizont in der Kunst

Der Begriff Horizont wird in der Kunst vielfach als Sinnbild für Sehnsüchte und Utopien verwendet. Beispiele dafür sind das Lied Horizont von Udo Lindenberg, der Roman Der verlorene Horizont von James Hilton oder das Bild Forgotten Horizon von Salvador Dalí.

Die Gruppe Knorkator thematisiert in ihrem Lied Wie weit ist es bis zum Horizont die Berechnung der Entfernung bis zum Horizont über den Satz des Pythagoras.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. Das Wort im Lateinischen: horizon, Genitiv horizontis. Duden online: Horizont
  2. Duden online: Gesichtskreis

Weblinks

 Commons: Horizons  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Horizont – Zitate
 Wiktionary: Horizont – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Kategorien: Astrometrie | Geodäsie

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Horizont (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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