Hirudin - LinkFang.de





Hirudin


Hirudin-1 (Hirudo medicinalis)
Vorhandene Strukturdaten: s. UniProt
Masse/Länge Primärstruktur 65 Aminosäuren
Bezeichner
Externe IDs
Arzneistoffangaben
ATC-Code B01AE01 , B01AE02
DrugBank DB00001
Wirkstoffklasse Fibrinolytikum
Inhibitorklassifikation
MEROPS I14.001
Vorkommen
Übergeordnetes Taxon Hirudo medicinalis

Hirudin ist ein Gemisch chemisch sehr ähnlicher Polypeptide aus dem Speichel des medizinischen Blutegels (Hirudo medicinalis) mit blutgerinnungshemmenden (antikoagulatorischen) Eigenschaften.

1884 entdeckte der britische Physiologe John Berry Haycraft, dass Blutegel beim Blutsaugen einen Stoff mit stark gerinnungshemmender Wirkung absondern, der die Blutgerinnung an der Bissstelle unterdrückt,[1] und den Jakoby[2] 1904 Hirudin nannte.[3] Die Substanz wurde 1955 durch den Pharmakologen Fritz Markwardt erstmals durch Extraktion aus Blutegelköpfen isoliert.[4]

Chemischer Aufbau

Die Polypeptide des Hirudins sind linear aus 65 bis 66 Aminosäuren aufgebaut, weisen 3 Disulfidbrücken auf und besitzen einen sulfatierten Tyrosinrest in Position 63.[5] Der isoelektrische Punkt liegt bei etwa pH 3,9. Die vollständige Aminosäurensequenz der Hirudin-Variante-1 (HV-1) wurde 1984 beschrieben.[6][7]

Medizinisch verwendete Formen des Hirudins sind natives Hirudin (Gewinnung aus dem Kopf- und Schlundring des Blutegels; auch durch direktes Ansetzen lebender Egel am Patienten, hauptsächlich in der Naturheilkunde) und gentechnisch hergestelltes rekombinantes Hirudin (r-Hirudin). Solche aus gentechnisch veränderten Hefen (Saccharomyces cerevisiae) gewonnene r-Hirudine sind Lepirudin und Desirudin.

Name CAS Anderer Name Beschreibung
Hirudin 8001-27-2 native Hirudinpeptide
Desirudin (INN) 120993-53-5 63-Desulfohirudin rekombinante Isoform HV-1
Lepirudin (INN) 138068-37-8 1-Leu-2-Thr-63-Desulfohirudin rekombinante Isoform HV-1

Wirkungsmechanismus und Anwendungsgebiete

Hirudin bindet an die Fibrinogenbindestelle von Thrombin und hemmt über einen Ausläufer das aktive Zentrum, wodurch dessen Wirkung blockiert wird. r-Hirudin wurde zur Gerinnungshemmung nach einer heparininduzierten Thrombozytopenie vom Typ II (HIT II) verwendet. Die äußerliche Verwendung nativen Hirudins in Form von Salben und Gelen zur Verringerung der Blutgerinnung bei oberflächlichen Thrombosen, Thrombophlebitiden und Blutergüssen (Hämatomen) angewendet ist nicht mehr gebräuchlich.

Hirudin überwindet die Plazenta-Schranke und tritt in die Muttermilch über.

Eine Steuerung der Therapie mit Hirudin ist über die Bestimmung der PTT möglich. Da es kein spezifisches Antidot gibt, ist im Falle einer Überdosierung eine Hämofiltration oder Hämodialyse erforderlich.

Fertigarzneimittel

  • Lepirudin: war in der EU unter dem Namen Refludan als Fertigarzneimittel (Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung) erhältlich. Der Wirkstoffhersteller gab die Produktion auf, so dass der Vertrieb von Refludan zum April 2012 eingestellt wurde, nachdem 2009 durch einen EPAR[8] die Risiko-Nutzen-Abschätzung in Frage gestellt wurde.
  • Desirudin: Revasc (D, A)

Literatur

  • Nowak, G. & Schrör, K. (2007): Hirudin – the long and stony way from an anticoagulant peptide in the saliva of medicinal leech to a recombinant drug and beyond. A historical piece. In: Thromb. Haemost. Bd. 98, S. 116-119. PMID 17598001 doi:10.1160/TH07-05-0364 PDF

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Haycraft, J.B. (1884): Über die Einwirkung eines Sekretes des officinellen Blutegels auf die Gerinnbarkeit des Blutes. In: Arch. Exp. Pathol. Pharmakol. Bd. 18, S. 209–217.
  2. C. Jacoby: Über Hirudin. Deutsche Medizinische Wochenschrift 1904; 30: 1786–1794.
  3. Forth, W., Henschler, D. (2001): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie 8. Auflage, S. 568.
  4. Fritz Markwardt (1955): Untersuchungen über Hirudin. In: Naturwissenschaften. Bd. 42, S. 537-538. doi:10.1007/BF00630151
  5. E. Teuscher: Biogene Arzneimittel. 5. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1997, ISBN 3-8047-1482-X, S. 399.
  6. Dodt, J. et al. (1984): The complete amino acid sequence of hirudin, a thrombin specific inhibitor Application of colour carboxymethylation. In: FEBS Lett. Bd. 165, S. 180-184. doi:10.1016/0014-5793(84)80165-9
  7. UniProt P01050
  8. EPAR
Beachten Sie unsere <a href="/wiki/Gesundheitshinweise">Gesundheitshinweise</a>

Kategorien: ATC-B01 | Antikoagulans | Proteaseinhibitor | Heterogenes Proteinpräparat | Peptid | Arzneistoff

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Hirudin (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.