Hildebold-Dom - LinkFang.de





Hildebold-Dom


Der sogenannte Hildebold-Dom ist der unmittelbare Vorgängerbau des heutigen Kölner Domes.

Geschichte

Es ist unklar, wann mit dem Bau des romanischen Doms begonnen wurde. Der Bau wird nach dem Tod des Erzbischofs Hildebold 818 und vor 857 fertiggestellt worden sein, weil die Annales Fuldenses und Annales Bertiniani einen Blitzschlag 857 in die in Benutzung befindliche Kirche erwähnen, dem unter anderem ein Priester am Petrus-Altar (also im Westen) zum Opfer gefallen sei.[1] Doppelfeld datierte im Jahre 1948 aufgrund von Grabungsbefunden den Baubeginn um das Jahr 800, später wurde der Bau um 810 von einem Stadtbrand zerstört und unter Hildebold planiert.[2] Den frühesten Hinweis findet man in der handschriftlichen Chronik „Agrippina“ von Heinrich von Beeck, in den Jahren 1469 bis 1472 verfasst, die Hildebold als den Erbauer des Alten Domes nennt: „Dieser Hildeboldus was, der sant Peter den Dom zu Coelne yrst fundiere ind machen ließe“.[3] Dem wurde erstmals 1958 widersprochen, und ein Baubeginn in ottonischer Zeit unter Erzbischof Bruno angenommen.[4] Danach kommt Hildebold als Bauherr des Alten Domes nicht mehr in Frage, aber der Baubeginn bleibt aufgrund der schlechten Quellenlage weiterhin unbestimmt.

Andere Quellen gehen davon aus, dass mit dem Bau wahrscheinlich um 850 begonnen wurde, als Erzbischof Gunthar an der Macht war. Dieser wurde jedoch während der Bauzeit des Domes im Jahre 863 exkommuniziert, konnte aber noch bis 866 im Amt bleiben. Der exkommunizierte Gunthar war allerdings als Bauherr und Namensgeber unerwünscht, weshalb man die Kirche später dem berühmteren Vorgänger Hildebold zuschrieb und sie deshalb lange den Namen „Hildebold-Dom“ trug. Die Kirche wurde am 27. September 870 (oder 873) durch Erzbischof Willibert geweiht. Sein fälschlicher Namensgeber Erzbischof Hildebold war zu dieser Zeit bereits seit langem verstorben († 3. September 818). Hildebold kommt als Bauherr bzw. als Stifter für Teile der dem Alten Dom vorausgehenden letzten Umbauphase des merowingerzeitlichen Domes in Frage, insbesondere für dessen Westteil mit dem sogenannten St. Galler-Ringatrium. Am 11. September 889 wurde Erzbischof Willibert hier beigesetzt. Vor 965 erweiterte Erzbischof Bruno I. den Alten Dom um je ein Seitenschiff im Norden und Süden zu einer fünfschiffigen Kirche.

Aussehen

Der Alte Dom verfügte über ein 97,50 m messendes Langhaus, das an beiden Enden durch Querhäuser begrenzt wurde. Die dreischiffige Basilika besaß sowohl im Osten wie auch im Westen eine Apsis, mit zwei Krypten (Marienchor im Osten, Peterschor im Westen) und zwei Querhäusern, deren Arme die Breite des Langhauses besaßen. Neben zwei Glockentürmen an der westlichen Querhauswand wurde der Bau von zwei hölzernen Vierungstürmen überragt, die über dem Langhausdach errichtet wurden. Die Querhäuser verschwanden später, da man sie durch zwei weitere Seitenschiffe ergänzte. Das Mittelschiff wurde durch je 10 Pfeiler getragen, die es durch je 11 Arkaden in die Seitenschiffe öffnete.[5]

Das knapp 100 m lange Atrium reichte bis an die alte römische Hauptstraße.[6] Er war Vorbild für viele in seiner Zeit in Europa entstandene Kirchen und beherbergte unter anderem bereits das im 10. Jahrhundert entstandene Gerokreuz, das erste erhaltene Monumentalkruzifix des Abendlandes. Es stand in der Mitte des Langhauses.

Altäre

Petrusaltar

Der Petrusaltar war der Hochaltar des Domes. Er lag im Westchor, erhöht über einer Krypta und konnte über zwei Treppenaufgänge erreicht werden. Zwischen den Treppenaufgängen zum Westchor lag die Treppe zur Krypta. Erzbischof Hildebold ließ den Altar zwischen 786 und 800, im Auftrag von König Karl, mit kostbaren Metallen umkleiden. Im Chor befand sich ein Presbyterium für die Domgeistlichen und ein Leuchter für 96 Kerzen. Ein siebenarmiger Leuchter stand neben dem Altar.

Marienaltar

Der Marienaltar befand sich im Ostchor des Domes, der räumlich von der übrigen Kirche getrennt und nur durch zwei Eingänge zu erreichen war. Auch er war erhöht und über einer Krypta gelegen, welche jedoch nur ein Drittel des Chores einnahm. Eine Urkunde Papst Leos IX. aus dem Jahr 1051 stammend, bezeichnete den Marienchor als Hauptchor. Während die Apsis mit einem Bild des Weltenrichters geschmückt war, befand sich auf der Kirchenseite ein Ambo. Ein Leuchter mit 96 Kerzen erhellte den Chor. Auf dem Altar stand ein Reliquiar der heiligen Ursula.

Weitere Altäre

  • Der Kreuzaltar befand sich vor dem Marienchor, der links und rechts von ihm betreten werden konnte.
  • Der Dreikönigenaltar befand sich im Langhaus und war freistehend. Hinter ihm befand sich der Dreikönigenschrein, über welchem sich ein großer Leuchter befand.
  • Der Martinusaltar und der Stephanusaltar befanden sich im westlichen Querhaus, jeweils in einem kleinen, geosteten Chor. Vor dem Stephanusaltar hing ein Leuchter für 16 Kerzen.
  • Der Severinusaltar und der Cosmas und Damianusaltar befand sich am östlichen Ende der später hinzugebauten 3. und 4. Seitenschiffe und befanden sich unter den Türmen.
  • Der Medardusaltar wurde von Erzbischof Hildebold mit kostbaren Metallen umkleidet.
  • Erzbischof Brun errichtete zwei Altäre zu Ehren des hl. Gregorius von Spoleto und des hl. Privatus, welche jedoch im 13. Jahrhundert nicht mehr existierten.
  • An der Südseite des Domes war eine kleine Kapelle angebaut, in welcher sich der Nikolausaltar befand.
  • In jeder der beiden Krypten befand sich ein Altar.

Beschädigungen und Abriss

Bereits am 15. September 857 wurde der Alte Dom während eines schweren Unwetters durch Blitzeinschlag stark beschädigt; im Dom kamen hierdurch 3 Menschen ums Leben. Zwischen Dezember 881 und Januar 882 überstand er – beschädigt – als eines der wenigen Gebäude die Zerstörung und Brandschatzung durch die Normannen.[7]

Reichskanzler und Erzbischof Rainald von Dassel brachte am 23. Juli 1164 mit den Heiligen Drei Königen die wichtigsten Reliquien des Hochmittelalters in die damals mit fast 50.000 Einwohnern wichtigste und wohlhabendste Stadt des Reiches. Sie war seit den Tagen der aus oströmischem Herrschergeblüt stammenden Kaiserin Theophanu auch Zentrum der deutschen Goldschmiedekunst und damit des einträglichen Reliquienhandels. Im Alten Dom wurden die Reliquien im Dreikönigenschrein aufbewahrt. Am 13. April 1248 wurde mit Zustimmung des Erzbischofs Konrad von Hochstaden der Abriss des riesigen romanischen Hildebold-Doms beschlossen. Die Abbrucharbeiten begannen am 27. April 1248 mit der Unterhöhlung der östlichen Kirchenmauern. Diese Höhlen wurden mit Holz abgestützt. Um den Dom zum Einsturz zu bringen, wollten die Bauarbeiter die Holzstützen am 30. April 1248 kontrolliert anzünden. Durch starken Wind griff jedoch das Feuer unkontrollierbar um sich und zerstörte den Dom bis auf die verbliebenen Mauern.[8] Der Dreikönigenschrein konnte jedoch gerettet werden.

Schon am 15. August 1248 legt Konrad von Hochstaden in Anwesenheit des gewählten, aber noch nicht gekrönten (Gegen-) Königs Wilhelm von Holland an der Stelle des nunmehr völlig abgetragenen karolingischen Alten Doms unter großer Feierlichkeit den Grundstein für den heutigen Kölner Dom.

Einzelnachweise

  1. Stefanie Lieb (Hrsg.): Stil und Form (Festschrift Binding): Architekturdarstellungen in der ottonischen Buchmalerei: Der Alte Kölner Dom im Hillinus-Codex, Darmstadt 2001, S. 32–45.
  2. Otto Doppelfeld: Die Ausgrabung des karolingischen Doms (1948), abgedruckt in: Otto Doppelfeld/Willy Weyres (Hrsg.): Die Ausgrabungen im Dom zu Köln (Römisch-Germanisches Museum, Kölner Forschungen 1), Mainz 1980.
  3. zitiert nach Günther Binding: Die Datierung des karolingischen Kölner Doms; in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins e. V., Jg. 52, Köln 1981, S. 191–210, Zitat S. 192.
  4. Irmingard Achter: Zur Datierung der Periode VII. (1958) und Albert Verbeek: Zum äußeren Mauersockel am Alten Dom, 1958; beide abgedruckt in Doppelfeldt/Weyres, a.a.O., 1980, S. 248–251.
  5. Beuckers, Klaus Gereon: Der Kölner Dom (Darmstadt 2014), S. 14.
  6. Wilhelm Nyssen: Heiliges Köln, Presseamt des Erzbistums Köln, Köln 1975, S. 14 ff.
  7. Carl Dietmar/Werner Jung: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln, 2002, S. 41f.
  8. Nach einem Bericht eines Mönchs aus St. Pantaleon, abgedruckt in: Peter Fuchs: Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 1, 1990, S. 200 f.

Literatur

  • Paul Clemen (Hrsg.): Der Dom zu Köln (= Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 6, Teil III). Reprint der 2., vermehrten Auflage, Düsseldorf, 1938. Düsseldorf Schwann 1980, ISBN 3-590-32101-6
  • Peter Fuchs: Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 1, Köln 1990
  • Carl Dietmar/Werner Jung: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln, Köln 2002
  • Friedrich Wilhelm Oedinger: Geschichte des Erzbistums Köln. Band I., Köln 1972

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Hildebold-Dom (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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