Henschel Hs 123 - LinkFang.de





Henschel Hs 123


Henschel Hs 123
Typ: Erdkampfflugzeug
Entwurfsland: Deutsches Reich NS Deutsches Reich
Hersteller: Henschel Flugzeug-Werke AG
Erstflug: 5. April 1935
Indienststellung: 1936
Produktionszeit: 1935–1937
Stückzahl: 248

Die Henschel Hs 123 war ein einsitziger, einmotoriger Doppeldecker, der als leichtes Sturzkampfflugzeug und als Erdkampfflugzeug eingesetzt wurde.

Geschichte

Im Februar 1934 schrieb auf Betreiben von Ernst Udet, der Anfang der 1930er Jahre in den Vereinigten Staaten die erfolgreichen Versuche des Sturzkampfbomberprinzips beobachten konnte,[1] das Heereswaffenamt einen Konstruktionswettbewerb aus, bei dem ein leichtes, einsitziges Sturzkampfflugzeug verlangt wurde. Am Wettbewerb waren neben der Henschel Flugzeug-Werke AG noch die Hamburger Flugzeugbau, eine Tochtergesellschaft von Blohm & Voss, und Fieseler beteiligt; alle drei Firmen erhielten den Auftrag zum Bau von Prototypen. Richard Vogt von der Hamburger Flugzeugbau entwickelte die Ha 137, einen Eindecker mit Knickflügeln und festem Fahrwerk und Gerhard Fieseler den Doppeldecker Fi 98. Auch Henschels Chefkonstrukteur Friedrich Nicolaus entwarf einen Doppeldecker, dessen Attrappe im Juni 1934 gezeigt wurde. Der Prototyp Hs 123 V1 stand am 1. April 1935 bereit, sein Erstflug mit dem zivilen Kennzeichen D-ILUA erfolgte am 5. April 1935.

Udet persönlich probierte die Maschine am 8. Mai 1935 aus. Bei den von Juni 1935 bis Januar 1936 folgenden Tests der drei Wettbewerbstypen in Rechlin erwies sich die Hs 123 ihren Konkurrenten überlegen und wurde zum Sieger des Wettbewerbs. Die Serienfertigung lief 1936 an.

Konstruktion

Der Prototyp Hs 123 V1 war ein Anderthalbdecker mit festem Fahrwerk, offenem Cockpit und Normalleitwerk in Ganzmetallbauweise, einem in Schalenbauweise ausgeführten Rumpf und dem BMW 132 Motor. Das weit nach hinten gerückte Cockpit bot gute Sicht nach unten und oben. Die zweiteilige, teilweise nach unten stoffbespannte Tragfläche war mit einer breiten I-Strebe mit dem kleinen Unterflügel verbunden und verfügte über ausgeglichene Querruder, die untere Tragfläche über Spreiz-Landeklappen. Auch die Ruder waren alle stoffbespannt. Besonders auffällig war auch die aerodynamisch günstig glatt verkleidete, überdimensionale NACA-Motorhaube.[2]

Durch das Fehlen einer Motorbremse kam der Motor bei steilen Sturzflügen auf Übertouren und überdrehte, so dass eine Sturzwinkelbegrenzung auf 70° festgelegt wurde. Außerdem erwies sich, dass die Abgase durch die Schlitze der Steuerzüge zum Leitwerk ins Pilotencockpit eintraten. Der zweite Prototyp V2 erhielt daher die markante neue NACA-Haube mit Dellen für die Zylinderköpfe des Wright R-1820 F52 Cyclone Sternmotors mit 770 PS Startleistung, wurde aber nach einem Landeunfall auf den BMW 132A umgerüstet und als Hs 123 V8 zum Vorbild der Serienproduktion. Weitere Prototypen folgten, die V4 wurde zur Mustermaschine der A-Serie. Die V5 mit BMW 132K Motor und VDM Luftschraube wurde zum Musterflugzeug für die B-Serie. Dieses Flugzeug nahm 1937 am Internationalen Flugmeeting im schweizerischen Dübendorf teil. Schließlich folgte die V6 als Musterflugzeug für die C-Serie. Die geplante Weiterentwicklung mit geschlossener Kabine, stärkeren Motor BMW 123K mit 960 PS Startleistung und einer verstärkten Bewaffnung wurde zu Gunsten der Ju 87 aufgegeben.

Die mit einem BMW 132 Dc-Neunzylinder-Motor ausgestatteten Maschinen der A-1-Reihe erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 345 km/h und eine Steigrate von 900 m/min bei einer Dienstgipfelhöhe von 9000 m und einer Reichweite von 850 km. Die Bewaffnung bestand aus zwei MG 17 und bis zu 200 kg an Bomben. Die Maschinen waren 8,3 m lang, 3,2 m hoch und hatten eine Spannweite von 10,5 m. Sie wogen leer 1504 kg, das maximale Einsatzgewicht betrug 2217 kg. Die B-Reihe unterschied sich nur durch verstärkte Blechbeplankung des Oberflügels.

Als das Reichsluftfahrtministerium 1936 schließlich einen Sturzkampfbomber ausschrieb, fand die Hs 123 bereits keine Beachtung mehr, da ein moderner Eindecker mit geschlossener Kabine gefordert wurde. Die entsprechende Ausschreibung für ein schweres, zweisitziges Sturzkampfflugzeug, für die Arado die Ar 81, Heinkel die He 118 und Junkers die Ju 87 entwickelten, hat also mit der Konstruktion der Hs 123 nichts zu tun. Beide Vorgänge werden aber in der Literatur häufig durcheinander geworfen. Allerdings trug die Hs 123 wesentlich dazu bei, vom Konzept des Sturzkampfbombers zu überzeugen.

Bis zum Auslaufen der Produktion Mitte 1937 wurden 250 Hs 123 gebaut (7 Prototypen, 16 Vorserienmaschinen A-0 und 229 Serienmaschinen A-1 und B-1).

Einsatz

Fünf Hs 123 wurden im spanischen Bürgerkrieg von der Legion Condor erprobt. Zunächst als Jagdbomber eingesetzt wurden die Maschinen (spanischer Spitzname „Angelito“) jedoch bald von der Messerschmitt Bf 109 abgelöst und als Sturzkampfbomber eingesetzt. Die Spanische Luftwaffe erhielt später 16 Maschinen Hs 123 A-1.[3] Weitere 12 Hs 123 A-1 wurden 1938 an die nationalchinesischen Luftstreitkräfte verkauft.[4]

Mit Erscheinen der Junkers Ju 87 wurde die Hs 123 als Sturzkampfflugzeug zwar als veraltet angesehen, sie erwies sich im Gefechtseinsatz als besonders effizient. Die einfache Technik und die robuste Bauweise erlaubten einen Einsatz von vorgeschobenen Feldflugplätzen und enge Tuchfühlung mit den schnell vorstoßenden Bodentruppen der Wehrmacht. Während die Ju 87 als taktischer Bomber im Hinterland gegen wichtige Punktziele eingesetzt wurde, wurde mit den verbliebenen Hs 123 eine Schlachtfliegergruppe aufgestellt, die den Auftrag hatte, direkt in die Gefechte der Infanterie am Boden einzugreifen. Die Hs 123 kam 1939 bei der Besetzung der sogenannten Rest-Tschechei und im Polenfeldzug zum Einsatz; sie bewährte sich dabei dermaßen, dass das Flugzeug auch im Frankreichfeldzug zum Einsatz kam, z. B. die mit Hs 123 ausgerüstete II. (Schlacht-)/LG 2, die maßgeblich am Übergang über die Maas bei Sedan beteiligt war. Anschließend sollten die verbliebenen Hs 123 an die Flugschulen abgegeben werden.

Auch beim folgenden Balkanfeldzug kam die im Landserjargon „Einszweidrei“ oder „Obergefreiter“[5] genannte Maschine zum Einsatz und trug dort ebenfalls oftmals die Hauptlast der Schlachtfliegerei. Die Hs 123 der II. (Schlacht-)/LG 2 waren im rollenden Einsatz oft den ganzen Tag im Einsatz und 1941 der Flugzeugtyp mit den meisten Kampfeinsätzen.[6] An der Ostfront wurde der Typ auch für Erdkampfeinsätze und Nachtschlachteinsätze eingesetzt, bei dem vor allem Störangriffe geflogen wurden. Gegenüber ihrem sowjetischen Gegenstück in dieser Rolle, dem leichten Schulflugzeug Polikarpow Po-2, war die Henschel Hs 123 dabei weit leistungsfähiger. Zudem war sie äußerst manövrierfähig, und so robust, dass sie auch Einsätze unter schwerem Beschuss überstand. 1942 bildete sie den Haupttyp der neu gebildeten Nahkampf-Fliegerverbände. An der Ostfront blieb sie bis 1944 im Einsatz.[7] Ihr Neubau wurde von der Truppe gefordert, jedoch war dies aufgrund der 1938 veranlassten Verschrottung von Bauvorrichtungen und Werkzeugsätzen nicht mehr möglich.[8]

Varianten

Hs 123 V1
Prototyp (D-ILUA, Werknummer 265) mit 725 PS BMW 132A-Motor und 3-Blatt-Propeller
Hs 123 V2
Prototyp (WkNr. 266), zuerst mit 770 PS Wright Cyclone G R-1820-F 52-Motor, nach Unfall mit 725 PS BMW 132A (Hs 123 V8)
Hs 123 V3
Prototyp (D-IKOU, WkNr. 267), mit 660 PS BMW 132A-Motor
Hs 123 V4
Prototyp (D-IZXY, WkNr. 670), mit 660 PS BMW 132A-Motor, Musterflugzeug für die A-0-Serie
Hs 123 V5
Prototyp (D-INRA, WkNr. 76), zuerst mit 830 PS BMW 132G-Motor, dann 910 PS BMW 132J, dann 960 PS BMW 132K V109A und 3-Blatt-Propeller
Hs 123 V6
Prototyp (D-IHDI, WkNr. 797), 910 PS BMW 132J oder 960 PS BMW 132K und 3-Blatt-Propeller, geschlossenes Cockpit, Bewaffnung mit 4 MGs, größere interne Treibstoffkapazität, Bombenlast bis 500 kg
Hs 123 V7
Prototyp (D-IUPO) mit BMW 132K V110-Motor
Hs 123 A-0
Vorserienflugzeuge, 16 gebaut, WkNr. 628-635 und 788-795
Hs 123 A-1/B-1
Serienversion, 229 gebaut (100 von Henschel, 129 von AGO)
Hs 123C
geplante Serienversion der Hs 123 V6, nicht gebaut

Technische Daten

Henschel Hs 123 A-1
Kenngröße Daten
Länge    8,33 m
Flügelspannweite    10,50 m oben,
8,00 m unten
Tragflügelfläche    24,85 m²
Höhe    3,20 m
Antrieb  ein BMW 132Dc Sternmotor mit 647 kW (880 PS)
Höchstgeschwindigkeit    340 km/h in 1200 m Höhe
Reichweite    855 km (mit 150l-Zusatztank)
Besatzung    1 Mann
Dienstgipfelhöhe    9000 m
Leergewicht    1500 kg
Fluggewicht    2215 kg
Bewaffnung    zwei 7,92-mm-MG 17, bis zu 450 kg Bomben, alternativ bis zu 200 kg Bomben und Zusatztank

Vergleichbare Typen

Siehe auch

Literatur

  • Michael Sharpe: Doppeldecker, Dreifachdecker & Wasserflugzeuge, Gondrom Verlag, Bindlach 2001, ISBN 3-8112-1872-7
  • Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981
  • Heinz J. Novarra: Die deutsche Luftrüstung 1933–1945. Band 3: Flugzeugtypen Henschel - Messerschmitt. Neuausgabe. Bernard & Graefe, Koblenz 1993, ISBN 3-7637-5467-9, S. 22.

Weblinks

 Commons: Henschel Hs 123  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. vgl. Flugzeugmodellbauer , aufgerufen am 6. Januar 2012
  2. vgl. Fliegerweb , aufgerufen 6. Januar 2012
  3. Fliegerweb , aufgerufen 6. Januar 2012
  4. Luftfahrt International Nr.2, 1974
  5. vgl. Luftarchiv , aufgerufen 6. Januar 2012
  6. vgl. Luftarchiv , aufgerufen 6. Januar 2012
  7. Herbert Ringlstetter: Sturzkampfbomber der ersten Stunde. In: Flugzeug Classic. Nr. 11, 2009, ISSN 1617-0725 , S. 36–41.
  8. vgl. Fliegerweb , aufgerufen 6. Januar 2012

Kategorien: Henschel | Luftfahrzeug der Wehrmacht | Flugzeugtyp des Zweiten Weltkrieges (Deutsches Reich) | Einmotoriges Flugzeug

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Henschel Hs 123 (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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