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Heimweh


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Heimweh (Begriffsklärung) aufgeführt.

Heimweh ist die Sehnsucht in der Fremde, wieder in der Heimat zu sein. Zahlreiche Kunstwerke, Lieder und Bücher aus allen Jahrhunderten berichten vom schmerzenden Gefühl, fernab der Heimat zu sein. Das Wort „Heimweh“ steht im wörtlichen Gegensatz zu Fernweh, der Sehnsucht in die Ferne.

Begriff

Das Wort „Heimweh“ lässt sich erstmals in der Schweiz nachweisen; das Schweizerische Idiotikon führt als früheste Nennung einen Beleg von 1651 auf.[1] Schon bald wurde es in der ärztlichen Fachliteratur gebraucht, blieb aber zunächst auf die Schweiz beschränkt. Erst in der Zeit der Romantik (19. Jahrhundert) zog der Begriff auch in andere deutschsprachige Länder ein.[2]

Soziologie

Soziologisch gesehen, richtet sich Heimweh auf verlorene Gemeinschaften, vor allem während der Kindheit. Aber auch im Erwachsenenalter tritt Heimweh auf, wenn der Einzelne sich (‚in der großen Stadt‘, ‚unter lauter Fremden‘ usw.) vereinsamt fühlt, zumal in psychischen Krisen. Der Verlust vertrauter Umgebung wird als sehr schmerzhaft empfunden, der Betroffene sucht eine Besserung durch die Rückkehr in seine als sicher empfundene Heimat.

Psychologie

Nach der psychologischen Reaktanztheorie (J. W. Brehm, 1966) versucht das Individuum, die Beeinflussung seiner Freiheit abzuwehren, indem es dazu tendiert, die nicht angebotenen oder nicht verfügbaren Alternativen als attraktiver anzusehen. So entsteht der Leidensdruck, der sich in einer psychischen Erkrankung auswirken kann. Insbesondere Kinder, die zum ersten Mal auf eine mehrtägige Reise gehen und auswärts übernachten, leiden schnell an Heimweh.

Die Schweizer Krankheit

Das Krankheitsbild Nostalgia (griechisch νόστος nóstos ‚Rückkehr‘ und άλγος álgos ‚Traurigkeit‘, ‚Schmerz‘, ‚Leiden‘) wurde unter diesem Namen im Jahre 1688 von dem Arzt Johannes Hofer in Basel zuerst beschrieben.[3] Man kennt es auch unter der Bezeichnung Schweizer Krankheit (lateinisch morbus helveticus).

Es handelt sich um eine durch unbefriedigte Sehnsucht nach der Heimat begründete Melancholie oder Monomanie, welche eine bedeutende Zerrüttung der körperlichen Gesundheit, Entkräftung, Abzehrung, Fieber und gar den Tod zur Folge hat. Der Name „Schweizer Krankheit“ begründet sich mit der Definition durch im Ausland stationierte Schweizer Soldaten, die unter Heimweh litten. In Frankreich war es bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts hinaus bei Todesstrafe verboten, den Kuhreihen (Chue-Reyen, französisch Ranz des Vaches ), ein bekanntes Hirtenlied, zu singen oder zu pfeifen, weil sich bei dessen Anhören die Schweizer Soldaten des Heimwehs nicht mehr erwehren könnten und es sie zur Fahnenflucht verleite.[4]

Das Volks- und Soldatenlied Zu Straßburg auf der Schanz / Da fing mein Leiden an hat die Heimwehkrankheit zum Thema.[5]

Belletristik und Film

Das Heimweh thematisieren die Erzählungen Der Marsch nach Hause[6] von Wilhelm Raabe und Heidi von Johanna Spyri, dann auch Theodor Fontanes Ballade Archibald Douglas.

Sehr erfolgreich war der Film Heimweh von 1943 mit dem Filmhund Lassie. Auch im Zentrum des Films Nostalghia von Andrei Tarkowski steht dieses Gefühl.

Literatur

Weblinks

 Wiktionary: Heimweh – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  Wikiquote: Heimweh – Zitate
 Wikibooks: Zur Psychologie des Heimwehs – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise

  1. Schweizerisches Idiotikon Bd. XV Sp. 42 f., Artikel Heimwē
  2. Karl Jaspers: Heimweh und Verbrechen (= Splitter. Bd. 21). Belleville-Verlag, München 1996, ISBN 3-923646-61-5, S. 31.
  3. Joh. Hoferus: Dissertatio medica de Nostalgia, oder Heimwehe. Basel 1688
  4. Christian Schmid: Heimweh im Historischen Lexikon der Schweiz
  5. Matthias Slunitschek: Nostalgia oder das Deserteursschicksal in Zu Straßburg auf der Schanz, in: Jahrbuch des Deutschen Volksliedarchivs 57/2012, S. 81–110.
  6. Wilhelm Raabe: Der Marsch nach Hause. In: Projekt Gutenberg-DE.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Heimweh (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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