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Heilige Berge in China


Die chinesische Kultur blickt auf eine jahrtausendealte Tradition zurück, Heilige Berge (chinesisch 聖山 / 圣山, Pinyin Shèngshān) zu beschreiben.

Bergbeschreibungen und Berglisten

Der Berg (, shān) bzw. das Gebirge (, shān bzw. 山脈 / 山脉, shānmài), beides gilt seit der chinesischen Antike als kosmologisches Grundelement, so etwa als Trigramm (, Guà) des Zhouyi / Yijing, das auch als Buchs der Wandlungen bekannt ist, wo er den Bund von Himmel und Erde verkörpert und für grundlegende Charaktereigenschaften wie Aufrichtigkeit, Geduld und Ausdauer steht. Das Schriftzeichen „ / , shèng“ wird mit „heilig“, aber auch „weise“ übersetzt: In der künstlerischen Darstellung entspricht der Berg, umgeben von Nebengipfeln, dem Idealtypus einer Persönlichkeit von Verantwortung und sozialem Status, für sich alleine für den Einsiedler als Mönch oder Philosoph.

Bergbeschreibungen, auch Shanzhi (山志, Shānzhì) genannt, wurden etwa seit der Tang-Zeit kompiliert und herausgegeben. Es gibt zahlreiche tradierte Gruppen heiliger oder denkwürdiger Berge, unter denen insgesamt neun heilige Berge die wichtigsten sind: Die fünf heiligen Berge des Daoismus und die vier heiligen Berge des Buddhismus. Die Zahl Neun ist in der chinesischen Universalreligion als heilige Zahl von großer Bedeutung.

Diese Heiligen Berge spielten eine Rolle als Zentren dieser Traditionen, aber auch dem alten Staatskultwesen. Sie sind seit Jahrhunderten Pilgerziele und ziehen auch heute große Mengen von Besuchern an. Der chinesische Ausdruck für Pilgerreise (朝聖 / 朝圣, cháoshèng) ist konsequenter Weise auch eine Abkürzung des Ausdrucks „朝拜聖山 / 朝拜圣山, cháobài shèngshān“, was so viel wie „einem heiligen Berg seine Reverenz erweisen“ bedeutet.

Der Huang Shan

Der Huang Shan (黃山 / 黄山 ‚Gelber Berg‘, ursprünglich 黟山, Yī Shān ‚Schwarzer Berg, aufgrund der dunklen Gipfeln‘) in Anhui gilt als Wahrzeichen und Verkörperung der chinesischen Kultur. Xu Xiake, Geograph der Ming-Dynastie, sagte über den Huang Shan:[1]

„Nach der Besichtigung der fünf Gebirge hat man kein Interesse mehr, andere Berge zu besichtigen. Aber nach der Besichtigung des Gelben Berges ist das Interesse für die fünf Berge auch verloren.“

Die Berggruppe umfasst insgesamt 72 denkwürdige Gipfel, 36 „majestätische und bedrohliche“ und 36 „zierliche und graziöse“ Gipfel.[1]

Fünf heilige Berge des Daoismus

Die fünf heiligen Berge des Daoismus, Wuyue (五嶽 / 五岳, Wǔyuè ‚Fünf Gipfel‘) genannt, sind:

Bild Berg Zeichen Provinz Himmelsrichtung
Tai Shan 泰山
Shandong
Großer Östlicher Gipfel
東嶽 / 东岳
Dōng Yuè
Heng Shan 衡山
Hunan
Großer Südlicher Gipfel
南嶽 / 南岳
Nán Yuè
Song Shan 嵩山
Henan
Großer Mittlerer Gipfel
中嶽 / 中岳
Zhōng Yuè
Hua Shan 華山
华山

Shaanxi
Großer Westlicher Gipfel
西嶽 / 西岳
Xī Yuè
Heng Shan 恆山
恒山

Shanxi
Großer Nördlicher Gipfel
北嶽 / 北岳
Běi Yuè

Nach der chinesischen Mythologie waren die Fünf Gipfel der Kopf und die Glieder Pangus (盤古 / 盘古, Pángǔ), dem ersten Lebewesen nach der chinesischen Mythologie. Die fünf heiligen Berge des Daoismus sind zudem den Himmelsrichtungen zugeordnet, die um eine weitere, „die Mitte“, ergänzt wurde, da sich das Alte China als „Reich der Mitte“ ansah. Auch in der Fünf-Elemente-Lehre sind die Berge den Himmelsrichtungen entsprechend je einem Element zugeordnet.

Berge als Namensgeber für daoistische Schulen

Schulen (, pai) des Daoismus, die nach dem Sitz ihrer Schulen in den Bergen bzw. Gebirgen oder ähnlichen benannt worden sind:

Vier heilige Berge des Buddhismus

Die vier heiligen Berge des Buddhismus, Sida Fojiao Mingshan (四大佛教名山, Sìdà Fójiào Míngshān ‚Vier großen berühmten buddhistische Berge‘), sind:

Bild Berg Zeichen Provinz Metall
Jiuhua Shan 九華山
九华山

Anhui
Eisen
Emei Shan 峨嵋山
Sichuan
Bronze
Wutai Shan 五臺山
五台山

Shanxi
Gold
Putuo Shan 普陀山
Zhejiang
Silber

Diese vier Berge werden auch mit vier Metallen gleichgesetzt: „金五臺 / 金五台“ (Jīn Wǔtái, Gold-Wutai)、„銀普陀 / 银普陀“ (Yín Pǔtuó, Silber-Putuo)、„銅峨嵋 / 铜峨嵋“ (Tóng Éméi, Kupfer-Emei)、„鐵九華 / 铁九华“ (Tiě Jiǔhuá, Eisen-Jiuhua). Jedem der vier Berge ist zudem eine buddhistische Gottheit zugeordnet, die dort verehrt werden. Jiuhua Shan: der barmherzige Bodhisattva Ksitigarbha (Dizang), Emei Shan: den Seligkeit gewährenden Bodhisattva Samantabhadra (普賢 / 普贤, Puxian), Wutai Shan: Bodhisattva Manjushri (文殊, Wen Shu) und Putuo Shan: Bodhisattva Guanyin.

Zu den heiligen buddhistischen Bergen die beiden, der Putuo Shan nimmt ebenso auf den buddhistischen Avalokiteśvara-Mythos des mythischen Bergs Potala Bezug wie der Mar-po-ri („Roter Berg“) von Lhasa, Standort des Potala-Palastes.

Weitere religiöse Zentren

Religiöse Zentren sind auch das Wutai-Gebirge (五臺山 / 五台山, Wǔtái Shān), bei Wutai, Shanxi, auch der Lu Shan (廬山 / 庐山, Lú Shān ‚Berg der Einsiedlerhütte‘ bei Jiujiang in Jiangxi) gilt als besonders ehrfurchtgebietend, ebenso die Berge von Guilin (桂林, Guìlín) am Li-Fluss, die nach Peking meistbesuchte touristische Destination Chinas.

Literatur

  • Josef Guter: Lexikon der Götter und Symbole der Alten Chinesen. Marix, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-04-5.
  • Karl Johaentges, Uli Franz: Chinas Heilige Berge. Frederking & Thaler, München 2005, ISBN 3-89405-648-7.
  • Thomas H. Hahn: Formalisierter Wilder Raum - Chinesische Berge und ihre Beschreibungen (shanzhi). Hrsg.: Institut für Sinologie, Philosophische Fakultät, Universität Heidelberg. Dissertation, Heidelberg 1996 (HeiDok , pdf / DNB , tgz).
  • Zhang Yushu: Die Benennung der Berge in China. In: INST Institut zur Erforschung und Förderung regionaler und transnationaler Kulturprozesse (Hrsg.): Die Namen Der Berge. (dt., Webdokument , inst.at).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 zit. nach Lit. Yushu: Kap. Huangshan und Lushan
  2. vergl. 崂山 – chin. Wikipedia
  3. vergl. 随山 – chin. Wikipedia

Kategorien: Berg in China | Buddhismus in China | Daoismus | Berg in Asien

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Heilige Berge in China (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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