Hartmannsdorf bei Kirchberg - LinkFang.de





Hartmannsdorf bei Kirchberg


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: ZwickauVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verwaltungs­gemeinschaft: Kirchberg
Höhe: 413 m ü. NHN
Fläche: 27,13 km²
Einwohner: 1350 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 50 Einwohner je km²
Postleitzahl: 08107
Vorwahl: 037602
Kfz-Kennzeichen: Z, GC, HOT, WDA
Gemeindeschlüssel: 14 5 24 100
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Badstraße 1
08107 Hartmannsdorf
Webpräsenz: www.hartmannsdorf-giegengruen.de
Bürgermeisterin: Kerstin Nicolaus (CDU)
}

Hartmannsdorf bei Kirchberg ist eine Gemeinde im südlichen Teil des westsächsischen Landkreises Zwickau. Sie gehört seit 1999 zur Verwaltungsgemeinschaft Kirchberg.

Geografie

Geografische Lage

Schneeberg liegt 6 km östlich, Zwickau 17 km nördlich und Reichenbach 18 km westlich. Der Hirschenstein (Sachsen) im Hartmannsdorfer Forst ist mit 610,4 m die höchste Erhebung der Gemeinde und des Landkreises Zwickau.

Nachbarorte

Leutersbach Saupersdorf Burkersdorf
Lauterhofen Lindenau
Obercrinitz Bärenwalde Neustädtel

Gemeindegliederung

Der Ortsteil Hartmannsdorf befindet sich im Tal des Rödelbachs am Westrand des Hartmannsdorfer Forstes, in dem lange Zeit Torf gestochen wurde. An der Straße in den Torfstich des Hochmoores Jahnsgrün befinden sich zwei Häuser, die zur ehemals größeren Siedlung Jahnsgrün gehören. Der Ortsteil Giegengrün liegt weiter westlich im Tal des Giegengrüner Bachs.

Eingemeindungen

1996 wurde Giegengrün eingemeindet.

Geschichte

Hartmannsdorf wurde 1316 erstmals urkundlich erwähnt. Die Besiedelung der Region begann im Rahmen des aufblühenden Bergbaus im Hohen Forst jedoch bereits gegen 1180.

Um 1318 wird Kirchberg selbständige Kirchgemeinde, wozu von Beginn an auch die Hartmannsdorfer Feldkapelle gehört.

Hartmannsdorf gehörte 1606 zum Amt Zwickau und ab 1764 zum Amt Wiesenburg, das 1843 in "Amt Kirchberg" umbenannt wurde. 1836 berichtete das Neue alphabetische Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen über Hartmannsdorf, in 138 Wohngebäuden lebten 1024 Einwohner.[2] Durch das Forstamt zur Verwaltung des herrschaftlichen Wiesenburger Waldes, hatte der Ort eine Sonderstellung in der Herrschaft Wiesenburg. 1856 kam der Ort zum Gerichtsamt Kirchberg und gehörte seit 1875 zur Amtshauptmannschaft Zwickau, deren Nachfolger der Landkreis Zwickau war. Im Jahr 1996 kam der bis dahin zu Leutersbach gehörende Ort Giegengrün zu Hartmannsdorf.

Religionsgemeinschaften

Zur evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Hartmannsdorf gehören die Orte Hartmannsdorf mit Jahnsgrün und Giegengrün. Schwesterkirche ist die Gemeinde in Bärenwalde. Weiterhin gibt es im Ort eine Gemeinde der Landeskirchlichen Gemeinschaft und der evangelisch-methodistischen Kirche.

Politik

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2014[3]
Wahlbeteiligung: 59,7 %
 %
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
86,1 %
13,9 %
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Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 12 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Bürgermeisterin

Bürgermeisterin war von 1990 bis November 2007 die Landtagsabgeordnete Kerstin Nicolaus (CDU). Nach einer Verurteilung wegen Betrugs erfolgte ihre Suspendierung seitens des Regierungspräsidiums Chemnitz. Bei den Kommunalwahlen im Juni 2008 wurde Nicolaus, die sich offiziell nicht wieder um das Amt beworben hatte, mit mehr als 70 % der Stimmen erneut zur Bürgermeisterin gewählt.[4] Auch im Jahr 2015 wurde sie nach Ablauf der Amtsperiode wiedergewählt.[5]

Gedenkstätten

Auf dem Ortsfriedhof befinden sich die Grabstätte und ein Gedenkstein für die NS-Gegner Ernst Georg Enderlein und Max Emil Haufe, die im März 1933 von SA-Männern überfallen, misshandelt und erschlagen wurden.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kirche

Die evangelische Pfarrkirche von Hartmannsdorf wurde früher mit dem Zusatz „zu Johannis Enthauptung“ bezeichnet. Dieser Zusatz ist heute ungebräuchlich, mit ihm sollte ausgedrückt werden, dass sie Johannes dem Täufer geweiht ist.

Zur Entstehungszeit der ersten Kirche gibt es verschiedenen Angaben: Sie wird verschiedentlich als im 15. oder 16. Jahrhundert entstanden beschrieben. In Dehios Kunstführer heißt es im Band Sachsen II, die Saalkirche bestehe vermutlich seit Mitte des 13. Jahrhunderts.[6] Als gesichert kann dies gelten: Die erste Kirche war schon im Jahr 1529 vorhanden. Bei der ersten Kirchenvisitation in Sachsen nach Beginn der Reformation im Januar/Februar des Jahres 1529 wurde festgestellt, dass Hartmannsdorf zwar noch keinen eigenen Pfarrer hatte und kirchlich zu Kirchberg gehörte, aber bereits eine Kirche gebaut war.[7]

Der ältere Teil der Kirche ist im spätgotischen Stil entstanden. Im Altar aus dem Jahr 1969 sind alte Plastiken untergebracht, nämlich Altarfiguren von Peter Breuer. Sie werden auf 1511/1512 datiert: in der Predella die Geburt Christi, im Schrein eine Mondsichelmadonna mit heiliger Barbara und heiliger Margareta und in den Flügeln Anna Selbdritt und Katharina.[8]. Dehio schreibt die Wandmalereien auf der Nordseite der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu. Der dachhohe Anbau nach Süden entstand 1750. Er vergrößerte den Kirchenraum und veränderte insbesondere die Südseite deutlich, war aber wegen der gewachsenen Bevölkerungszahl notwendig geworden. Die Kirche hat keinen Turm. Der Dachreiter mit Haube und Laterne ist aber turmartig gestaltet und sehr prägnant.

Naturdenkmäler

Im Hartmannsdorfer Forst konnten sich viele Tier- und Pflanzenarten in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Das Hochmoor Jahnsgrün stellt eine Besonderheit aufgrund seiner geographischen Lage in den niedrigeren Lagen des Westerzgebirges dar. Vergleichbare Hochmoore finden sich im Erzgebirge nur in den Kammlagen. Das Gebiet um das Hochmoor steht seit 1995 unter Naturschutz und wurde 2010 in das Naturschutzgebiet „Heide- und Moorwald am Filzteich“ integriert, welches auch das Quellgebiet des Filzbachs und die Hartmannsdorfer Seite des Filzteichs umfasst.

Wirtschaft und Infrastruktur

Im Jahr 1460 entstand eine Hammerschmiede, die das dortige Eisenerz nutzte. Dieser Hammer wurde um 1600 in eine Papiermühle umgewandelt.[9] Im Jahr 1659 wurde durch den Besitzer Gärtner erneut ein Hammerwerk errichtet, es wurde meist als Wolfsthaler Hammer bezeichnet.[9] 1667 war Wolf Gerber oder Gärtner der Besitzer des Hammers, für den 1664 ein Privileg erteilt worden war.[9] Zwischen 1600 und 1700 lag die Hochphase des Erzbergbaus in Hartmannsdorf.[10] Als Schar- oder Zainhammer wurde die Anlage 1748 betrieben, im Jahr 1783 war Johann Gottlieb Viehweg Besitzer, seine Familie hatte auch das Eigentum an dem Zeller Hammer in Aue (Sachsen).[9] Nach dem Niedergang der Erzförderung in Hartmannsdorf und der Kirchberger Umgebung wurde 1830 aus dem Hammerwerk eine Schafwollspinnerei mit 300 Spindeln, die 1875 abbrannte. Seit 1887 wurde wieder die Wasserkraft genutzt – für eine Wattefabrik, aus der eine Wollreisserei und schließlich eine Steppdeckenfabrik hervorging.[11] An den Erzbergbau erinnert ein vor dem Hartmannsdorfer Pfarramt aufgestellter Hunt. Die Tafel an der Seite informiert: „1310 Kupfer- und Silberfunde im Hohenforst, 1420 Eisenerzabbau in der Ortslage, 1540 Wasserräder treiben Hammerwerk und Mühlen an. 1948 vergebliche Suche der Wismut nach Uranerz“ .

Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Wirtschaft in Hartmannsdorf von Handwerk, Handel und Dienstleistung geprägt. Tiefbau- und Hochbaufirmen, Dachdecker, Natursteinwerk, Tischler, Innenausbau, Drechsler, Raumausstatter sind dem Baubereich zuzurechnen. Ein Forstbetrieb und eine Spedition, ergänzt um eine Tankstelle und einen Autoteilehandel, sind vorhanden. Firmen für Messtechnik, Regeltechnik, Metallbau und die Reparatur von Armaturen sowie der Handel mit Schulbedarf, Geschenkartikeln und ein Fotostudio ergänzen das Angebot. Gaststätten, Hotel, Pension, Reiterhof und Handel mit Reitsportzubehör machen Ferien in Hartmannsdorf und Giegengrün möglich.

Bildung

In Hartmannsdorf existiert eine Grundschule. Weiterführende Schulen befinden sich im benachbarten Kirchberg.

Eisenbahn

Von 1893 bis 1970 verlief durch Hartmannsdorf Sachsens älteste und längste Schmalspurstrecke, die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld. Im Ort gab es die Haltestellen Hartmannsdorf b Saupersdorf und Oberhartmannsdorf (Sachs). Während von der Station Hartmannsdorf nur noch die Fundamente übrig geblieben sind, existiert am Standort der Station Oberhartmannsdorf, die allerdings schon in Bärenwalde liegt, noch die hölzerne Wartehalle.

Literatur

  • Ernst Hunger: Chronik der Gemeinde Hartmannsdorf bei Kirchberg, herausgegeben vom Rat der Gemeinde Hartmannsdorf, 75 Seiten, 1954
  • Richard Steche: Hartmannsdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 12. Heft: Amtshauptmannschaft Zwickau. C. C. Meinhold, Dresden 1889, S. 28.

Weblinks

 Commons: Hartmannsdorf bei Kirchberg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Neues alphabetisches Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen. Nach officiellen Nachrichten zusammengestellt von Central-Comité des statistischen Vereins für das Königreich Sachsen. Mit allergnädigst ertheiltem Privilegio. Verlag der Waltherschen Hofbuchhandlung. Erste Abtheilung A.–L. Dresden 1836, S. 104 Digitalisat , abgerufen am 18. Februar 2015
  3. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  4. Statistisches Landesamt
  5. Statistisches Landesamt
  6. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, bearbeitet von Barbara Becker, Wiebke Fastenrath, Heinrich Magirius u. a., München 1998, Seite 388
  7. Karl August Hugo Burkhardt: Geschichte der sächsischen Kirchen- und Schulvisitatitionen von 1524 bis 1529, Neudruck der Ausgabe Leipzig 1879, Scientia-Verlag, Aalen 1981, S. 24f.
  8. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz, bearbeitet von Barbara Becker, Wiebke Fastenrath, Heinrich Magirius u. a., München 1998, Seite 389
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 Carl Schiffner: Alte Hütten und Hämmer in Sachsen, bearbeitet von Werner Gräbner, in Reihe Freiberger Forschungshefte Kultur und Technik D14, Akademie-Verlag, Berlin 1959, S. 204
  10. Internetseite der Gemeinde, abgerufen am 23. März 2013 (PDF; 49 kB)
  11. Siegfried Sieber: Studien zur Industriegeschichte des Erzgebirges, Köln 1967, S. 6

Kategorien: Ort im Landkreis Zwickau | Hartmannsdorf bei Kirchberg | Gemeinde in Sachsen

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmannsdorf bei Kirchberg (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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