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Harra


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Handelsgewicht siehe Harra (Einheit).
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saale-Orla-KreisVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verwaltungs­gemeinschaft: Saale-Rennsteig
Höhe: 444 m ü. NHN
Fläche: 14 km²
Einwohner: 841 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07366
Vorwahl: 036642
Kfz-Kennzeichen: SOK, LBS, PN, SCZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 75 042
Adresse der Verbandsverwaltung: Rennsteig 2
07366 Blankenstein
Webpräsenz: www.gemeinde-harra.de
Bürgermeister: Jörg Weber
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Harra ist eine Gemeinde im Süden des thüringischen Saale-Orla-Kreises.

Geografie und Geologie

Die durchschnittliche Höhenlage ist für die Gemarkung von Harra mit 444 m ü. NN angegeben. Der Ort liegt am Ende des Bleilochstausees an der Saale. Die Gemarkung umfasst mit den Ortsteilen 1.438 ha und zählt zu den Ausläufern des Thüringer Schiefergebirges. Sie ist fast vollständig von Wald umgeben.

Ortsteile

Zur Gemeinde gehören zwei Ortsteile - Kießling und Lemnitzhammer, die jeweils zwei Kilometer entfernt südwestlich bzw. nördlich liegen.

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind Birkenhügel, Blankenberg, Blankenstein, Pottiga, Schlegel und die Stadt Bad Lobenstein im Saale-Orla-Kreis sowie die Stadt Lichtenberg im bayerischen Landkreis Hof.

In der Nähe von Harra liegt die Wüstung Absang, wo sich noch im 19. Jahrhundert ein reußisches Vorwerk befand, dessen Einwohner nach Harra gepfarrt waren.

Neckname

Die Einwohner werden scherzhaft Harcher Leingstamauser (Harraer Grabsteinmauser) genannt.

Geschichte

Am 22. April 1232 wurde Harra erstmals urkundlich genannt.[2] Es ist bekannt, dass Harra Rittersitz des Albert von Harra war. Daher der Name, sagt man.[3]

Am 14. August 1905 wurde die Schule eingeweiht, in der bis 1991 unterrichtet wurde.

Harraer Schlacht

Die Harraer Schlacht war eine blutige Auseinandersetzung am 6. Oktober 1826. Dabei trafen Bauern aus Harra sowie anderen Dörfern und Truppen des Fürsten Heinrich LXXII. aufeinander.

Vorgeschichte

Bereits am 31. März 1819 wurden die Hausbesitzer im Fürstentum Reuß-Lobenstein aufgefordert, „freiwillig“ der Magdeburger Brandversicherungsanstalt beizutreten. Diese Aufforderung wurde weitgehend ignoriert, da die Auffassung herrschte, durch die Bauart der Häuser seien Brände kaum zu befürchten. Am 24. August 1824 wurden schließlich alle Hausbesitzer zum Beitritt verpflichtet. Wie schon im Vorfeld wurde es offenbar versäumt, den Bewohnern die Vorteile einer solchen Versicherung zu vermitteln.[4]

Die „Schlacht“

Diverse Vorsprachen und Schreiben bei bzw. an die Landesregierung und Heinrich LXXII. selbst führten zu keinem Ergebnis. Die verweigerten Versicherungsbeiträge wurden per Execution beigetrieben.

Um die drohende Pfändung mit Gewalt zu verhindern, rotteten sich in Harra Bauern aus dem Ort und einigen umliegenden Dörfern zusammen. Daraufhin entsandte Heinrich LXXII. zwei Kompanien Militär nach Harra. Schließlich standen sich am 6. Oktober 1826 die unbewaffneten, aber aufgeregten Bauern und die Soldaten auf dem heutigen Dorfplatz in Harra gegenüber. Die Aufforderung, auseinanderzugehen blieb ohne Erfolg. Daraufhin eröffnete das Militär aus ungeklärten Gründen das Feuer.

Durch den Angriff kamen 17 Menschen ums Leben, mehrere wurden schwer verwundet.

Nachwirkung

Einige beteiligte bayerische Bauern wandten sich an den Erzbischof von Bamberg, sodass die Sache vor die Bundesversammlung kam. Es wurde eine Untersuchungskommission nach Lobenstein-Ebersdorf abgeordnet. Das Ergebnis der Untersuchung wurde nicht bekannt. Der für den Feuerbefehl Verantwortliche konnte offenbar nicht ermittelt werden.[5]

In den 1980er Jahren wurde an der damaligen Gaststätte „Eintracht“ auf dem Dorfplatz eine Tafel zur Erinnerung an die Schlacht angebracht, die sich heute noch dort befindet. Das Gebäude dient inzwischen als Wohnhaus.

Rittergut Harra

Das Rittergut Harra war ein großes landtagsfähiges Rittergut. Mit dem Besitz des Rittergutes verbunden war die Patrimonialgerichtsbarkeit in Form der Erbgerichtsbarkeit über seine Besitzungen in Harra, Kießling, Schlegel und Seibis. Das Gut gehörte am Ende des Mittelalters der Familie von Blankenberg. 1554 wurde das Gut geteilt. Nun bestand das untere und das obere Gut Harra. Hinzu kam das Rittergut Kießling welches mit dem Rittergut Harra verbunden war. 1576 erwarb die Familie von Reitzenstein das Rittergut Kießling, 1582 und 1608 erwarben sie auch das untere und das obere Gut Harra. 1641 verkauften sie das obere Gut an die Familie von Watzdorf, die es 1663 an von Draxdorf weiterverkauften. Das untere Gut und das Rittergut Kießling wurde 1679 und 1680 an Muffel von Ermreuth verkauft.

1688 erwarb die Familie von Watzdorf erneut das Rittergut Kießling, 1692 auch die beiden Güter in Harra. 1700 gelangten die drei Gütter in der Besitz der Ehefrau von Heinrich XVII. (Reuß-Lobenstein) und 1712 an den Grafen von Gleichen und Hatzfeld. 1721 wurde erneut Reuß jüngerer Linie Eigentümer und die Güter wurden Kammergut. Die niedere Gerichtsbarkeit bestand weiter, wurde aber vom Amt Lobenstein wahrgenommen. Die Gerichtsbarkeit wurde 1851 aufgehoben und ging an den Staat über.

Bei der Vermögensauseinandersetzung zwischen dem Volksstaat Reuß und dem Fürstenhaus wurde das Gut Eigentum des Volksstaates. Dieser verkaufte das Staatsgut 1926 im Zusammenhang mit dem Bau der Saaletalsperre an die Aktiengesellschaft „Obere Saale“. [6]

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994: Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1926: 1.025
  • 1994: 1.018
  • 1995: 1.015
  • 1996: 1.019
  • 1997: 1.032
  • 1998: 1.008
  • 1999: 1.014
  • 2000: 1.025
  • 2001: 1.011
  • 2002: 1.003
  • 2003: 994
  • 2004: 966
  • 2005: 945
  • 2006: 930
  • 2007: 921
  • 2008: 916
  • 2009: 916
  • 2010: 895
  • 2011: 880
  • 2012: 870
  • 2013: 856
  • 2014: 840
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Geschichtsdenkmale

Häftlinge eines Todesmarsches vom KZ Buchenwald nach dem KZ Flossenbürg, der durch den Ort getrieben wurde, fanden ihr Grab auf dem Friedhof des Ortes, nachdem sie von SS-Männern ermordet wurden. An sie erinnert seit 1969 auch ein Gedenkstein an die Opfer des Faschismus auf dem Schillerplatz.[7]

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Durch Harra verläuft die Oberlandbahnstrecke Triptis-Blankenstein (Teil der Bahnstrecke Triptis–Marxgrün) mit dem Haltepunkt "Harra". Ferner liegt auf dem Gemeindegebiet der Haltepunkt "Harra Nord", der vorwiegend aus touristischen Gründen besteht. Für den Personenverkehr wird die Strecke zweistündlich (Stand: 2012) von den Erfurter-Bahn-Zügen der Sormitztalbahn von Saalfeld über Unterlemnitz nach Blankenstein bedient.

Außerdem verläuft durch das Dorf von Bad Lobenstein kommend die L 2372, die in Blankenstein in die Landesstraße 1093 mündet.

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik  (Hilfe dazu).
  2. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 110
  3. Geschichte von Harra auf der Webseite der Gemeinde Harra Abgefragt am 9. August 2011.
  4. Website der Freiwilligen Feuerwehr Blankenstein , Gottfried Drescher: Das Feuerlöschwesen in der Gemeinde Blankenstein im Wandel der Zeiten, Abgefragt am 2. Oktober 2012
  5. Beherrscher eines Kleinstaates aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 592
  6. Rudolf Diezel: Übersicht über die Bestände des Landesarchivs Greiz, 1963, S. 115-116
  7. Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Hrsg. v. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945. Heimatgeschichtliche Wegweiser. Bd 8. Thüringen, Erfurt 2003, S. 222. ISBN 3-88864-343-0

Weblinks

 Commons: Harra  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ort an der Saale | Harra | Ort im Saale-Orla-Kreis | Gemeinde in Thüringen

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Harra (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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