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Hans Victor von Unruh


Hans Victor von Unruh auch Hans Viktor von Unruh (* 28. März 1806 in Tilsit, Ostpreußen; † 4. Februar 1886 in Dessau, Anhalt) war ein preußischer Beamter (Regierungs- und Baurat) und Politiker, Präsident der Preußischen Nationalversammlung, Mitglied des Reichstags und Gutsherr auf Gut Otten.

Familie

Er entstammte dem ursprünglich wohl fränkischen Adelsgeschlecht Unruh, das mit Ernestus Unrowe im Jahr 1212 urkundlich erstmals erscheint, und war der Sohn des königlich preußischen Generalmajors Friedrich Christoph Wilhelm von Unruh (1766–1835) und der Freiin Karoline von Buttlar (1776–1858).

Unruh heiratete in erster Ehe am 14. September 1828 in Breslau (Niederschlesien) die geschiedene Ernestine von Risselmann, geborene von Knobloch (* 26. Dezember 1802; † 4. Oktober 1869). Diese Ehe wurde geschieden. Das Paar hatte aber eine Tochter Anna Gottliebe Karoline (* 29. Februar 1829; † 3. August 1830).

In zweiter Ehe heiratete er im Herbst 1834 in Frankfurt (Oder) Marie Clement (* 20. Juni 1816 in Frankfurt (Oder); † 8. Oktober 1849 in Magdeburg), die Tochter des königlich preußischen Justizrats Gottfried Wilhelm Clement und der Wilhelmine Kinder. Das Paar hatte mehrere Kinder:

  • Hans Eugen Wilhelm (* 13. August 1835; † 1836)
  • Hans Oskar (* 4. Juli 1837; † 16. Dezember 1904), unverheiratet, Ingenieur, Stadtrat in Grünberg (Schlesien)
  • Hedwig Marie Ottilie (* 3. Februar 1840; † 6. November 1900) ∞ 20. Juni 1860 Richard von Thümen (* 10. Mai 1836; † 17. Dezember 1897), Generalmajor
  • Conrad Max (* 25. Mai 1842; † 1921), Geheimer Regierungsrat ∞ 3. Juni 1868 Marie Fridrike Jeannette Steffeck (* 28. Juni 1850;)
  • Marie Ottilie (* 8. Mai 1847; † 22. August 1913) ∞ Timon von Rauchhaupt (* 9. Juli 1826; † 8. September 1888), Generalmajor

Leben

Unruh besuchte im ostpreußischen Königsberg die Domschule. Sein Vater riet ihm ab, der Familientradition zu folgen und Soldat zu werden. Nach der Beendigung der Lehre als Geodät arbeitete er bei der Generalkommission zur Regulierung der gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse und Separationen. Anschließend studierte er an der Berliner Bauakademie. 1828 legte er bei Karl Friedrich Schinkel sein Examen ab.

In Breslau war er als Wasserbauinspektor tätig. 1839 nahm er eine Ernennung zum Regierungs- und Baurat in Gumbinnen an. 1843 wurde seine Bitte um Versetzung nach Potsdam stattgegeben. 1844 ließ sich Unruh vom Staatsdienst beurlauben und übernahm die Leitung des Eisenbahnstreckenbaus Magdeburg-Potsdam. Nach Beendigung dieses Baus wurde er Mitglied des Direktoriums der Magdeburg-Wittenberger Eisenbahn. Aus diesem Grunde übersiedelte er nach Magdeburg.

Er absolviert mit August von Borsig mehrere Studienreisen in das Ausland.

Nach der Revolution vom März 1848 wurde Unruh für Magdeburg in die Preußische Verfassunggebende Versammlung gewählt. Dies, obwohl er nicht den Oppositionsgruppen Bürgerversammlung oder Lichtfreunde in der Stadt angehörte. Er vertrat ein konstitutionelles Staatsmodell englischer Prägung und wurde so Kandidat der gemäßigten Liberalen. Er war der Gegenspieler des Kandidaten der Linksliberalen Friedrich Pax. Im Berliner Parlament schloss sich Unruh zunächst dem linken, später dem rechten Zentrum an.

Unruh wurde am 17. Oktober 1848 zum Vizepräsidenten und am 28. Oktober 1848 zum Präsidenten der Verfassunggebenden Versammlung gewählt. Dieses Amt hatte er bis zu deren Auflösung am 5. Dezember 1848 inne. Er war bemüht neue revolutionäre Kämpfe zu verhindern und lehnte den bewaffneten Kampf gegen die beginnende Konterrevolution ab, auch wandte er sich gegen die Steuerverweigerungskampagne des linken Flügels. Unruh wurde im Januar 1849 für Magdeburg in die zweite Kammer des Preußischen Landtags gewählt. Er sprach sich, nach Auflösung des Landtags durch den König, gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht aus. In der Zeit nach der Revolution hatte er Repressalien durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zu erdulden. Seine Ernennung zum Magdeburger Oberbürgermeister, von den Magdeburger Stadtverordneten mehrheitlich gewünscht, wurde abgelehnt.

1855 siedelte Unruh nach Anhalt über, um sich dem preußischen Einfluss zu entziehen. Dort gründete er in Dessau die Deutsche Continental Gasgesellschaft. Er errichtete in diversen Städten, so auch in Mönchengladbach, Magdeburg und Lemberg städtische Gasanstalten. In Magdeburg war er beratend auch am Bau des Wasserwerks auf dem Wolfswerder beteiligt.

Unruh gehörte 1859 zu den Mitbegründern des Deutschen Nationalvereins und 1861 war er auch bei Konstituierung der Deutschen Fortschrittspartei, deren erster Vorsitzender er von 1861 bis 1863 war. 1863 wurde er für Magdeburg in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Dort unterstützte er im Ergebnis, wie viele seiner Parteifreunde, die Politik des Ministerpräsidenten Otto von Bismarck. Nach dem Zerbrechen der Deutschen Fortschrittspartei an dieser Annäherung, gründete er zusammen mit Rudolf von Bennigsen 1867 die Nationalliberale Partei. Von 1867 bis 1879 war Unruh, wieder für Magdeburg, Mitglied des Norddeutschen bzw. Deutschen Reichstages. Am 10. September 1879 legte Unruh sein Reichstagsmandat nieder.[1] Als Vizepräsident führte er im Reichstag das Abstimmungsverfahren Hammelsprung ein.

Ehrungen

1876 erhielt Unruh die Ehrenbürgerwürde der Stadt Magdeburg, 1880 die der Stadt Dessau. Die Stadt Magdeburg hat nach ihm eine Straße (Viktor-von-Unruh-Straße) benannt. In der Stadt Dessau liegt die Unruhstraße im historischen Gasviertel, dem heutigen Sitz des Umweltbundesamtes.

Werke

  • Skizzen aus Preußens neuester Geschichte. 1849.
  • Erfahrungen aus den letzten drei Jahren. Ein Beitrag zur Kritik der politischen Mittelparteien. 1851.
  • Erinnerungen aus dem Leben. Hrsg. von Heinrich von Poschinger, 1895.

Einzelnachweise

  1. Specht, Fritz / Schwabe, Paul: Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1903. Eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnis der gewählten Abgeordneten. 2. Aufl. Berlin: Verlag Carl Heymann, 1904, S. 94

Literatur

Weblinks

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Hans Victor von Unruh (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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