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Hans Schäfer (Fußballspieler)


Hans Schäfer
Spielerinformationen
Geburtstag 19. Oktober 1927
Geburtsort Köln-ZollstockDeutschland
Größe 174 cm
Position Mittelfeld, Sturm
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1948–1965 1. FC Köln 394 (254)
Nationalmannschaft
1952–1962 Deutschland 39 0(15)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Hans „de Knoll“ Schäfer (* 19. Oktober 1927 in Köln-Zollstock) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler, der mit seinem Verein 1. FC Köln 1962 und 1964 die deutsche Meisterschaft und mit der Nationalmannschaft die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 gewann. Von 1949 bis 1963 absolvierte der Linksaußen und spätere Spielmacher in der Fußball-Oberliga West 356 Spiele für den 1. FC Köln. Er ist mit 223 erzielten Treffern in der damals höchsten Spielklasse im Westdeutschen Fußballverband Rekordtorschütze. 1963, nach seiner dritten WM-Teilnahme, wurde er zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt.

Laufbahn

Vereine, bis 1965

Zollstock, Volkmarsen und Aufstieg in die Oberliga, bis 1949

Sein Vater Hugo, in Kaiserslautern geboren und von Beruf Frisör, war selbst ein alter Fußballhase, und so durfte Sohn Hans, wenn er nicht gerade dem Vater im elterlichen Geschäft zur Hand ging, ab 1937 bei DJK Rheinland Zollstock (später Rot-Weiß Zollstock), einem Verein im Kölner Süden, gegen den Ball treten. Dort wurde schnell sein außergewöhnliches Talent für die Offensive entdeckt und gefördert. Nach dem Besuch von Volks- und Mittelschule durchlief er erfolgreich eine Frisörlehre und wurde im Alter von 16 Jahren im Zweiten Weltkrieg (1943 und 1944) als Flakhelfer zum Kriegsdienst eingezogen. Er überstand diese Zeit unbeschadet und kehrte ins Elternhaus und zu seinem alten Verein in Zollstock zurück. Sein herausragendes Können sprach sich schnell in der Kölner Fußballszene herum, das junge Talent bekam von den städtischen Lokalgrößen Angebote. Am intensivsten bemühte sich die Spielvereinigung Sülz 07 um seine Dienste. Sein Wechsel von Rot-Weiß Zollstock zum 1. FC Köln vollzog sich jedoch über den Umweg des VfR Volkmarsen in Nordhessen, angeblich um eine einjährige Wechselsperre innerhalb der britischen Besatzungszone zu vermeiden.[1] Schäfer blieb somit im Spielbetrieb, spielte in Volkmarsen „für ’n Appel und ’n Ei“, im wahrsten Sinne des Wortes. In Köln hatte es schmale Nachkriegskost gegeben, aber auf dem Lande sah es schon besser aus, und der Kölner Junge futterte sich bei dem Bauern, der ihn aufgenommen hatte, durch und kehrte wohlgenährt, auf den Tag genau ein Jahr später – am 18. Juni 1948[2] erfolgte die polizeiliche Rückmeldung in Köln – wieder zurück in die Heimat. Hier fand er nun beim neuen Großverein 1. FC Köln, der mittlerweile am 13. Februar 1948 durch die Fusion von Sülz 07 und dem Kölner BC entstanden war, das große sportliche Sprungbrett. In seinem Jahr in Nordhessen hatte er beim VfR Volkmarsen durch das Können des Vaters des späteren Bundesligaspielers Horst Trimhold, Heinrich Trimhold, lehrreichen Anschauungsunterricht sammeln können und am 25. Januar 1948 beim Auswahlspiel von Nordhessen gegen Südhessen auf dem KSV-Hessen-Platz vor 9.000 Zuschauern auch dem Kader der Nordauswahl angehört, wo Vereinskamerad Heinrich Trimhold als Mittelläufer und der spätere Nationalspieler Karl-Heinz Metzner als rechter Außenläufer im Einsatz gewesen waren.[3]

In seiner ersten Saison beim „Eff-Ce“, 1948/49, feierte der neue Linksaußen unter der sportlichen Anleitung von Spielertrainer Hennes Weisweiler in der Rheinbezirksliga die Meisterschaft und nach zwei siegreichen Spielen gegen Bayer Leverkusen den Aufstieg in die Fußball-Oberliga West.

Oberliga West und Bundesliga, 1949 bis 1965

Der antrittsschnelle, kraftvolle, einsatzfreudige, trickreiche und mit hartem Schuss ausgestattete Stürmer am linken Flügel debütierte am 4. September 1949 beim Auswärtsspiel gegen Rhenania Würselen mit dem Fusionsclub in der Oberliga West. Er absolvierte auf Anhieb 27 Ligaspiele und erzielte dabei 17 Tore. Unter der Trainingsleitung von Hennes Weisweiler entwickelte sich sein Talent kontinuierlich und er wurde bereits im Mai und November 1950 in die Regionalauswahl von Westdeutschland für Repräsentativspiele gegen Nord- beziehungsweise Süddeutschland berufen. Mit „Jupp“ Röhrig fand Schäfer ab der Runde 1950/51 den klugen Einfädler, den idealen Passgeber mit Überblick für sein Spiel und die Kölner hatten damit einen „Traumflügel“, der herrlich kombinierte und viele Tore erzielte. Der logische nächste Schritt war die Berücksichtigung für das B-Länderspiel des DFB am 14. Oktober 1951 in Basel gegen die Schweiz, wo Schäfer zusammen mit Röhrig beim 2:0-Erfolg den linken Flügel bildete. Der endgültige Durchbruch in die Spitzenklasse des deutschen Fußballs gelang dem Kölner mit seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft am 9. November 1952, seinem zweimaligen Erfolg als Torschützenkönig der Oberliga West 1953 und 1954 mit jeweils 26 Treffern und seinem nicht unwesentlichen Anteil am überraschenden Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz, als er in fünf Einsätzen vier Tore erzielte.

Ab dem Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft 1958 in Schweden dominierte der 1. FC Köln die Oberliga West. Bundestrainer Sepp Herberger hatte Schäfer erstmals am 10. März 1957, beim Länderspiel in Wien gegen Österreich zum Spielführer bestimmt, eine Auszeichnung die er in seiner Klubmannschaft erst nach dem Abschied von Jupp Röhrig im Jahr 1960 erhielt. Als er die Rolle des klug dirigierenden Halbstürmers mit seiner großen nationalen und internationalen Erfahrung selbst übernahm, „lebten“ die anderen von seiner Kunst, sie einzusetzen und anspornend zu führen. Er war jetzt der unumschränkte Mittelpunkt des Kölner Spiels. Er war der von allen Mitspielern und Entscheidungsträgern im Verein anerkannte torgefährliche Spielmacher der Elf von Präsident Kremer und zugleich verlängerter Arm auf dem Spielfeld für den jeweiligen Trainer. Mussten sich Schäfer und Kollegen noch 1958 und 1959 mit der Vizemeisterschaft begnügen, so konnte sich die „Geißbock-Elf“ von 1960 bis 1963 mit vier Meisterschaften in Folge souverän im Westen an die Spitze setzen. Beim erstmaligen Einzug ins Endspiel um die deutsche Meisterschaft 1960 wurden die Rheinländer aber vom Hamburger SV mit 3:2 Toren bezwungen. Im Weltmeisterschaftsjahr 1962 glückte Köln dann der große Erfolg. Sie holten sich mit einem souveränen 4:0-Finalsieg über den 1. FC Nürnberg erstmals die Meisterschale in die Domstadt. Schäfers dominierende Rolle beim überzeugend aufspielenden Primus aus Köln bewog Bundestrainer Herberger dazu, den Routinier im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Chile zu einem Comeback in der Nationalmannschaft zu überreden und mit ihm als Spielführer nach Südamerika zu fliegen.

Die kritisierten WM-Tage in Chile mit einer für ihn ungewohnten defensiven Rolle, die sensationelle 1:8-Niederlage am 5. September 1962 im Europapokal der Landesmeister beim schottischen Meister FC Dundee und die 1:3-Finalniederlage am 29. Juni 1963 im letzten Endspiel um die deutsche Meisterschaft konnte Schäfer dagegen nicht in die Reihe seiner vielen Erfolge einreihen.

Dies gilt aber in aller Klarheit für den Erfolg mit dem 1. FC Köln in der ersten Bundesligarunde 1963/64. Unter Trainer Georg Knöpfle holte Spielführer Schäfer mit seinen Mannschaftskameraden 1964 überlegen die zweite deutsche Meisterschaft nach Köln. In 22 Bundesligaspielen erzielte der Routinier zwölf Tore[4] und er führte vor allem die Angreifer Karl-Heinz Thielen, Christian Müller, Wolfgang Overath und Heinz Hornig zu ihren meisterschaftsreifen Offensivleistungen.

Mit seinem Auftritt am 15. Mai 1965 beim 2:2-Auswärtsremis bei Borussia Dortmund beendete der 37-Jährige seine aktive Laufbahn. Vom 28. November 1964 bis zum 27. März 1965 fiel er während der Saison durch eine langwierige Verletzung aus und konnte dadurch auch nicht an den drei legendären Europapokalspielen im Februar und März 1965 gegen den FC Liverpool mitwirken, die erst durch den „Münzwurf von Rotterdam“ entschieden wurden.

Nationalmannschaft, 1951 bis 1962

Bundestrainer Herberger hatte das Kölner Flügelstürmertalent bereits in den Repräsentativspielen von Westdeutschland im Mai und November 1950, in dem inoffiziellen Länderspiel am 4. April 1951 in Essen gegen das Saarland und beim B-Länderspiel am 14. Oktober 1951 gegen die Schweiz gesichtet, ehe Schäfer am 9. November 1952 in Augsburg gegen die Schweiz erstmal in der A-Nationalmannschaft zum Einsatz kam. Danach stürmte er auch in den WM-Qualifikationsspielen gegen Norwegen und dem Saarland. Bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz selbst gehörte er dem deutschen Überraschungsteam an, das sich mit 3:2 Toren am 4. Juli 1954 im Finale in Bern gegen die favorisierten Ungarn den Titel eroberte. Er trug dabei die Rückennummer 20. Als in der 84. Minute das entscheidende Tor fiel, kommentierte Radioreporter Herbert Zimmermann wie folgt: "Jetzt Deutschland am linken Flügel durch Schäfer – Schäfers Zuspiel zu Morlock wird von den Ungarn abgewehrt – und Bozsik, immer wieder Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball … verloren – diesmal gegen Schäfer – Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! Toooor! Tooor! 3:2 für Deutschland!"[5] Im Agon-Buch über die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 wird angeführt, dass die internationale Presse den Kölner nach dem Triumph mit der Schlagzeile „der beste Linksaußen der Welt!“ betitelt habe.[6] Auch Rudi Michel führte diese Wertung an. Er schrieb, „nachdem die deutsche Elf mit Schäfer 1954 Weltmeister geworden war, wählten ihn die Kritiker zum besten Linksaußen.“[7]

Als der Titelverteidiger Deutschland 1958 bei der Weltmeisterschaft in Schweden den vierten Rang belegte, war Schäfer in allen sechs Partien der DFB-Elf als Spielführer im Einsatz und erzielte drei Tore. Nach einer fast dreijährigen Pause kehrte der Routinier am 11. April 1962, beim letzten Länderspiel vor dem WM-Turnier 1962 in Chile, in Hamburg gegen Uruguay in die Nationalmannschaft zurück. In Südamerika führte er die Herberger-Mannschaft als Spielführer in allen vier WM-Spielen gegen Italien, Schweiz, Chile und Jugoslawien auf das Feld. Nach seinem 39. Länderspiel, der 0:1-Niederlage am 10. Juni in Santiago gegen Jugoslawien, beendete er endgültig seine zehn Jahre währende Laufbahn in der Nationalmannschaft.[8]

Herberger würdigte seine Leistungen in der Nationalmannschaft mit folgenden Worten:[9]

Von allen Linksaußen unter unseren Nationalspielern war Hans Schäfer der zielstrebigste.

Neben der Spielerkarriere

Am 28. April 1953 heiratete Hans Schäfer die Tochter des damaligen DFB-Schiedsrichterobmanns, Degenhard Wolf, und plante die Zeit nach seiner aktiven Laufbahn. Er wurde Praktikant in der Parfümerieabteilung einer Kaufhof-Filiale in Köln.[10] Später betrieb er in Köln eine Tankstelle an der Ecke Lindenthalgürtel/Dürener Straße. Von 1966 bis 1969 war er Co-Trainer beim 1. FC Köln, bevor er dem Fußballgeschäft den Rücken kehrte. Nach seiner Karriere widmete er sich ganz seiner Tätigkeit als alleiniger Repräsentant einer Promotion- und Werbeservice-Firma, die ursprünglich von dem Vereinspräsidenten und Schäfer-Förderer Franz Kremer gegründet worden war.[11]

Heute sind Hans Schäfer und Horst Eckel die beiden letzten noch lebenden Spieler der Weltmeisterelf von 1954. Schäfer, gewähltes Mitglied des sechsköpfigen Ehrenrats des 1. FC Köln, lebt im Kölner Stadtteil Lindenthal.

Statistik

Erfolge

In der Kunst

Im Spielfilm Das Wunder von Bern aus dem Jahr 2003 wurde Hans Schäfer von Martin Bretschneider dargestellt.[12]

Literatur

  • Willy Thelen: Hans Schäfer: Tausend Spiele – Tausend Tore. Copress-Verlag, München 1963, ohne ISBN.
  • Thomas Hardt, Thomas Hohndorf, Bruno Morbitzer, Hubert Dahlkamp, Hardy Grüne: Hennes & Co. Die Geschichte des 1. FC Köln. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004, ISBN 3-89533-470-7.
  • Knieriem/Grüne: Spielerlexikon 1890–1963. Agon-Verlag, Kassel 2006, S. 144, ISBN 3-89784-148-7.
  • Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler. Das Lexikon. Sportverlag Berlin 1997, S. 179/180, ISBN 3-328-00749-0.
  • Uwe Nuttelmann (Hg.): Der Deutsche Ligafußball 1903–2010, Band 2, Nuttelmann-Verlag, Jade 2010.
  • Helmut Eickelmann (Bearb.): Die Schäfer-Ballade. M. DuMont Schauberg, Köln etwa 1963.
  • Hermann Schmidt: Linksaußen, Die besten Flügelflitzer der Fußballgeschichte, Verlag Die Werkstatt, 2014, S. 25–34, ISBN 978-3-7307-0092-1.

Einzelnachweise

  1. Wahrscheinlich ein Missverständnis in der Literatur. Bei einem regulären Vereinswechsel mit Freigabe hätte die Sperre lediglich drei Monate betragen. Vermutlich ging es darum, die obligatorische Sperrfrist durch das Ausweichen in eine andere Zone zu überbrücken.
  2. Willy Thelen: Hans Schäfer. „Tausend Spiele – Tausend Tore“, S. 7.
  3. Horst Biese, Herbert Peiler: „Flanken, Tore und Paraden“. 100 Jahre Fußball in Kassel., Agon-Verlag, Kassel 1993, S. 93, ISBN 3-928562-37-1.
  4. Matthias Arnhold: Johann Schäfer – Matches and Goals in Bundesliga . Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 11. April 2013. Abgerufen am 24. April 2013.
  5. http://de.fifa.com/classicfootball/matches/match=1278/index.html
  6. Jessen/Stahl/Eggers/Schlüper: Fußballweltmeisterschaft 1954 Schweiz. Das Wunder von Bern, Kassel 2003, ISBN 3-89784-218-1, S. 90.
  7. Rudi Michel: Deutschland ist Weltmeister, Südwest Verlag, München 2004, ISBN 3-517-06735-0, S. 194.
  8. Matthias Arnhold: Hans Schäfer – International Appearances . Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 18. April 2004. Abgerufen am 24. April 2013.
  9. Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball Nationalspieler, Das Lexikon, S. 415.
  10. Willy Thelen: Hans Schäfer. „Tausend Spiele – Tausend Tore“, S. 10.
  11. Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball Nationalspieler, Das Lexikon, S. 415.
  12. [1] Das Wunder von Bern in der Deutschen IMDb.

Weblinks


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