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Hans Reichelt


Hans Reichelt (* 30. März 1925 in Proskau/Oberschlesien) ist ein ehemaliger deutscher Politiker. Er war Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates und Minister für Land- und Forstwirtschaft der DDR, danach bis 1989 Minister für Umweltschutz und Wasserwirtschaft.[1]

Leben

Hans Reichelt besuchte die Oberschule in Oppeln. Er war Mitglied der Hitlerjugend und des Reichsarbeitsdienstes. Am 20. April 1943 (Führergeburtstag) trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 9 454 165). Er war Soldat der deutschen Wehrmacht (zuletzt im Rang eines Leutnants) und bis 1949 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, wo er eine Antifa-Schule besuchte.[2]

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er Mitglied der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) und hatte verschiedene Funktionen (seit 1955 Präsident) im Parteivorstand. Seit 1950 war er Abgeordneter der Volkskammer. 1953 war er als Nachfolger von Wilhelm Schröder kurzzeitig Minister für Land- und Forstwirtschaft, wurde nach dem Besuch der Zentralschule für Agrarpolitik des ZK der SED in Schwerin 1954 Staatssekretär im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und war von 1955 bis 1963 als Nachfolger von Paul Scholz erneut Minister für Landwirtschaft, Erfassung und Forstwirtschaft.

Von 1963 bis 1964 absolvierte er ein Hochschulstudium, 1971 wurde er an der Hochschule für Ökonomie Berlin mit der Arbeit Die Rolle und Stellung des Meliorationswesens bei der Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion und der gesellschaftlichen Entwicklung der sozialistischen Landwirtschaft und einige Grundprobleme der weiteren Anwendung des ökonomischen Systems des Sozialismus im Zeitraum bis 1980 promoviert. Er war 1963 bis 1972 Stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftsrates und 1971/1972 Stellvertretender Minister für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft. In dieser Funktion war er an „umweltpolitisch verhängnisvollen Entscheidungen“ im Bereich der Zwangskollektivierung, landwirtschaftlichen Industrialisierung und Melioration beteiligt.[3] Von 1972 bis 1989 war Reichelt als Nachfolger von Werner Titel Minister für Umweltschutz und Wasserwirtschaft und Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates. Das Ministerium beteiligte sich an der Verschleierung von Umweltproblemen in der DDR, der Minister spielte in der SED-Führung keine Rolle. Briefe von Reichelt an Günter Mittag, zuständig für Wirtschaftspolitik, fand man nach dem Ende der DDR ungeöffnet.[4] Seit 1982 war Reichelt Stellvertretender Vorsitzender der DBD.

Von November 1989 bis Januar 1990 war er Minister des umbenannten Ministeriums für Naturschutz, Umweltschutz und Wasserwirtschaft (MNUW). Im Januar 1990 trat er als Minister zurück. Sein Rücktrittsgesuch richtete er nicht an Ministerpräsident Modrow, sondern an seinen Parteivorsitzenden Günther Maleuda, der auch der Volkskammer vorsaß.[5] Bereits im Dezember 1989 trat er vom Vorstand der DBD zurück und beteiligte sich nicht mehr an der Fusion der DBD mit der CDU.

Von 1994 bis 2003 war er Vorsitzender der Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung. Er geriet noch einmal in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, als er gegen eine Rentenkürzung für seine Zeit als Minister vor Gericht zog. 2010 entschied daraufhin das Bundesverfassungsgericht, dass die Kürzung rechtmäßig sei, da davon ausgegangen werden könne, dass DDR-Minister ihr Amt nicht nur wegen ihrer Qualifikation, sondern auch wegen ihrer Systemtreue innehatten.[6]

Schriften

  • Die Landwirtschaft in der ehemaligen DDR. Probleme, Erkenntnisse, Entwicklungen. In: Berichte über Landwirtschaft. Zeitschrift für Agrarpolitik und Landwirtschaft. 70. 1992, ISSN 0005-9080 , S. 117–136.
  • Blockflöten, oder was? Zur Geschichte der DBD 1948–1990. edition ost, Berlin 1997, ISBN 3-92916-183-4.
  • Die deutschen Kriegsheimkehrer. Was hat die DDR für sie getan? edition ost, Berlin 2007, ISBN 978-3-360-01099-5.

Literatur

Weblinks

 Commons: Hans Reichelt  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Siegfried Kuntsche: Hans Reichelt . In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  2. Olaf Kappelt: Braunbuch DDR. Nazis in der DDR Berlin historica, 2009, S. 482–483, ISBN 978-3939929123
  3. Carlo Jordan: Umweltzerstörung und Umweltpolitik in der DDR, Enquete-Kommission Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland, hrsg. vom Deutschen Bundestag, 12. Wahlperiode, Bd. II/3, S. 1785.
  4. Joachim Radkau: Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte. München, Beck, 2011, S. 523.
  5. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Reichelt nach Kritik zurückgetreten, 11. Januar 1990, S. 3.
  6. Christian Rath: DDR-Erbe: Minister ziehen den Kürzeren. In: Mitteldeutsche Zeitung, 28. Juli 2010.


Kategorien: Umweltminister (Deutschland) | Minister (DDR) | DBD-Mitglied | Abgeordneter der Volkskammer | Träger des Vaterländischen Verdienstordens (Ehrenspange) | Geboren 1925 | NSDAP-Mitglied | DDR-Bürger | Deutscher | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Hans Reichelt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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