Hans Brox - LinkFang.de





Hans Brox


Hans Brox (* 9. August 1920 in Dortmund; † 8. Juni 2009 in Münster) war ein deutscher Zivilrechtswissenschaftler und von 1967 bis 1975 Richter des Bundesverfassungsgerichts.

Leben und Beruf

Brox wuchs im Norden der Stadt Dortmund in einem gläubigen Elternhaus auf. Zunächst begann er für zwei Semester Theologie und Philosophie zu studieren. Er wurde dann aber als Sanitäter im Zweiten Weltkrieg eingesetzt und hierbei schwer verwundet. Nach dem Kriegsende wechselte er zum Studium der Rechte. Nach juristischer Ausbildung an der Universität Bonn von 1945 bis 1948 und der Promotion 1949 (im Strafrecht) folgte das zweite juristische Staatsexamen 1950 in Düsseldorf. Hiernach trat Brox zunächst in den Justizdienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein, wo er 1957 zum Oberlandesgerichtsrat am Oberlandesgericht Hamm ernannt wurde. Daneben zog es Brox jedoch in die Wissenschaft: 1959 habilitierte er sich an der Universität Münster für Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht mit einer in sechs Monaten geschriebenen Arbeit „Zur Einschränkung der Irrtumsanfechtung“.

1961 wurde Brox zunächst außerordentlicher Professor an der Universität Mainz; 1962 nahm er einen Ruf auf eine ordentliche Professur an der Universität Münster an. Dort hatte er einen Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handelsrecht, Arbeitsrecht und Zivilprozessrecht inne. Seit 1986 war Brox emeritiert. Zu seinen Schülern gehören Bernd Rüthers, Wilhelm Dütz, Wilfried Schlüter, Friedrich Jülicher und Wolf-Dietrich Walker.

Von 1964 bis 1994 war er Mitglied des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen. In der Zeit am Landesverfassungsgericht war Brox unter anderem an bedeutenden Entscheidungen zur kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens beteiligt. Vom 1. September 1967 bis 7. November 1975 gehörte er aufgrund seiner Wahl durch den Bundestag als Nachfolger des Richters Herbert Scholtissek dem Ersten Senat des Bundesverfassungsgerichts an. Am Bundesverfassungsgericht wirkte er unter anderem an wichtigen Entscheidungen zum Hochschulrecht, zur Reform des § 218 Strafgesetzbuch sowie zur Gleichstellung von Witwen und Witwern im Sozialversicherungsrecht mit und war auch an der Mephisto-Entscheidung beteiligt. Er verfasste in seiner Amtszeit am Bundesverfassungsgericht keine Sondervoten.[1] Die ihm angetragene Wiederwahl lehnte er ab. Sein Nachfolger am Bundesverfassungsgericht wurde der Richter Dietrich Katzenstein.

Die von Hans Brox verfassten Lehrbücher zum Allgemeinen Teil des BGB, zum allgemeinen und Besonderen Schuldrecht, zum Erbrecht, zum Zwangsvollstreckungsrecht und zum Arbeitsrecht zählen jedes für sich zu den erfolgreichsten und auflagenstärksten juristischen Lehrbüchern.[1] Er deckte bei seinen Publikationen den wesentlichen Teil des deutschen Zivilrechtes ab und war so in der Lage auch übergreifende Zusammenhänge aufzuzeigen.[2] Einem breiten Publikum wurde Brox als juristische Standardautorität in der ZDF-Sendung „Wie würden Sie entscheiden?“ bekannt.[3]

Hans Brox lebte seit 1963 mit seiner Frau in Münster.

Auszeichnungen

Brox war Träger des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Dieser wurde ihm am 22. Oktober 1975 verliehen. Das Land Nordrhein-Westfalen verlieh ihm den Verdienstorden.[4]

Da er dies persönlich nachdrücklich ablehnte, unterblieb die Herausgabe einer Festschrift zu seinen Ehren.[1]

Veröffentlichungen (Auszug)

Literatur

  • Das BVerfG. 2. Auflage. 1971, S. 215.
  • Bernd Rüthers: Hans Brox. Verfassungsrichter – Hochschullehrer – Autor – Mensch. In: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. Neue Folge, Band 59, Mohr Siebeck, Tübingen 2011, S. 521−533.
  • Bernd Rüthers: Hans Brox als Methodenlehrer. Von der Interessen- zur Wertungsjurisprudenz. In: Rechtstheorie 41. Duncker & Humblot, Berlin 2010, S. 141-150.
  • Wilfried Schlüter: Bundesverfassungsrichter a.D. Prof. Dr. Hans Brox. In: Deutschsprachige Zivilrechtslehrer des 20. Jahrhunderts in Berichten ihrer Schüler. DeGruyter Recht, Berlin 2007, Band 1, 341-353.
  • Freundeskreis Rechtswissenschaft (Hrsg.): Schlaglichter 10. In memoriam Hans Brox. Münster 2010.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Bernd Rüthers: Nachruf. In: Neue Juristische Wochenschrift. 2009, S. 2106; ebenso Bernd Rüthers: Nachruf. In: Recht der Arbeit. 2009, S. 326.
  2. Wilfried Schlüter: Hans Brox zum 80. Geburtstag. In: Neue Juristische Wochenschrift. 2000, S. 2330.
  3. Bernd Rüthers: Nachruf. In: Recht der Arbeit. 2009, S. 326.
  4. Anzeige in: FAZ, 12. Juni 2009


Kategorien: Richter (Bundesverfassungsgericht) | Richter (Oberlandesgericht Hamm) | Richter (Verfassungsgericht Nordrhein-Westfalen) | Hochschullehrer (Westfälische Wilhelms-Universität) | Gestorben 2009 | Geboren 1920 | Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband | Hochschullehrer (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) | Rechtswissenschaftler (20. Jahrhundert) | Deutscher | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Hans Brox (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.