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Handgießinstrument


Das Handgießinstrument bildet den Kern von Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern; es handelt sich dabei um einen Apparat, in den eine Matrize eingespannt und mit der Legierung für die Lettern (bestehend in Blei, Zinn, Bismut und Antimon) ausgegossen wird. Mit Gutenbergs Handgerät ließen sich maßgenaue, identische einzelne Lettern und Zeichen in großer Zahl herstellen.

Herstellung der Matrize

Die Matrize der Letter basierte auf einem Stempel. Benötigt wurde ein metallener Stempel der Letter, den der Formschneider als seitenverkehrtes Relief herstellte. Dieser Stempel, die Patrize, wurde mit dem Hammer in ein weicheres Stück Metall geschlagen, das als seitenrichtiges Negativ die vielfach verwendbare eigentliche Gussform, die Matrize, für die seitenverkehrte Letter ergab.[1]

Guss per Hand

Gutenberg erfand eine zweiteilige und passgenaue Gießform aus Metall (Eisen oder Messing), die die Matrize aufnahm und durch einen Kanal die Zufuhr der flüssigen Metalllegierung ermöglichte. Die beiden Hälften des Geräts lagen in einer Fassung aus Holz, um die beim Einfüllen der heißen Legierung sich erhitzende Form in der Hand halten zu können.[2]

Überdies ließen sich die Matrizen auswechseln; so benötigten die verschiedenen Lettern keine jeweils eigenen Gießformen und ließen sich dennoch wiederholt mit gleichen Größen und in beliebiger Anzahl herstellen. Für die folgenden Jahrhunderte schuf diese Technik den Handwerksberuf des Schriftgießers.

Bedeutung

Dadurch, dass sich die Druckwerkstätten die Lettern in von ihnen benötigtem Umfang nebst der gewünschten Form anfertigen konnten, wurden höhere Auflagen in kürzerer Zeit möglich, die den Buchdruck als bis dahin einmalige Form der Verbreitung von Ideen, Gedanken und Themen, auch solchen, die ein Publikum sich wünschte, im ausgehenden 15. Jahrhundert installierten.

Die seit Gutenbergs Bibeldruck Mitte der 1450er Jahre bis Ende 1500 entstandenen Druckwerke werden als Inkunabeln geführt. Im Zuge der schnellen Entwicklung des Buchdrucks wanderten die Drucker; heute lassen sich anhand von Vergleichen sowohl Nachschnitte als auch Weitergaben von Typensätzen, den Lettern-, Ligaturen- und Zeichenensembles der Drucker, in den Produkten einzelner Offizine nachweisen und damit die Wege der Druckkunst in Europa aufzeigen und nachvollziehen.

Einzelnachweise

  1. Fotofolge: Stempel und Matrize; Handgießinstrument, Handguss
  2. Altes Handgießinstrument

Literatur

  • Oliver Duntze: Ein Verleger sucht sein Publikum. Die Straßburger Offizin des Matthias Hupfuff (1497/98-1520). München 2007; S. 21 ff.
  • Stephan Füssel: Johannes Gutenberg. 3. Auflage. Rowohlt Verlag, Reinbek 2003, ISBN 3-499-50610-6.
  • Albert Kapr: Johannes Gutenberg. Persönlichkeit und Leistung. Urania, Leipzig 1986, ISBN 3-332-00015-2.

Weblinks


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