Handelsgesellschaft - LinkFang.de





Handelsgesellschaft


Dieser Artikel oder Abschnitt stellt vorwiegend nur die Situation in Deutschland dar.

Eine Handelsgesellschaft ist

Der Begriff Handelsgesellschaft wird gelegentlich auch als Synonym zu Handelskompanie benutzt.

Arten von Handelsgesellschaften

Handelsgesellschaften sind insbesondere

sowie ferner

GmbH und AG gelten kraft gesetzlicher Anordnung ebenfalls als Handelsgesellschaften und sind nach § 6  Abs. 1 HGB Kaufleute qua Rechtsform (sog. Formkaufleute).

Handelsgesellschaften im (Spät-)Mittelalter

Die mediterrane Entwicklungslinie

Im Mittelmeerraum gab es schon im Hochmittelalter in den Seestädten Handelsgesellschaften, der Organisation jedoch lokal unterschiedlich war.[1] Die überregional wirksamen Formen der Commenda (im Seehandel) und der Compagnia (im Landhandel) setzten sich seit dem beginnenden 12. Jh. durch.[2] Bei der Commenda bestand die Handelsgesellschaft aus zwei Partnern, einem Kapitalgeber und einem Kapitalnehmer, während bei der Compagnia mehrere Partner zeitlich begrenzt (i. d. R. auf eine Zeitspanne von 3–5 Jahren) zusammenfanden.[3] Außer dem Eigenkapital der Teilhaber kannten diese Gesellschaften auch schon die Kapitalbeschaffung in Form von Risikokapital (Accommandita) und festverzinslichem Kapital (Depositum).[4] Die beschränkte Haftung einer solchen Gesellschaft im Zahlungsausfall ist erstmals in Florenz 1408 belegt.[5]

Der oberdeutsche Raum war beeinflusst von der mediterranen Entwicklungslinie; so sicherte hier z. B. ein kaiserliches Privileg aus dem Jahre 1464 der Stadt Nürnberg die Einführung einer beschränkten Haftung für dortige Kommanditgesellschaften.[6]

Die nordeuropäisch-hansische Entwicklungslinie

Bis ins 13. Jahrhundert gab es im niederdeutschen Raum und den vom hansischen Handel beeinflussten Gebieten Nordeuropas nahezu ausschließlich Kaufleute, die mit ihren Waren mitfuhren, das volle Risiko trugen und kein fremdes Kapital in ihren Handelstätigkeiten einsetzten (sog. Eigenhandel).[7] Allerdings werten Teile der Forschung die dabei entstehenden Fahrtgemeinschaften bereits als Keimzelle späterer Handelsgesellschaften.[8] Durch die zunehmende Schriftlichkeit in bürgerlichen Kreisen seit etwa den 1230er Jahren entstanden dann aber auch hier Handelsgesellschaften im engeren Sinne.

Durch die Formierung von Handelsgesellschaften konnten größere Mengen an Kapital eingesetzt werden; dem stand aber auch ein höheres Risiko von Verlusten gegenüber.

Eine Handelsgesellschaft bestand meistens aus zwei bis vier Personen. In solch einer Gesellschaft gab es häufig befristete Verträge, die sich auf ein Geschäft oder eine bestimmte Zeit richteten. Die meisten Handelsgesellschaften hatten einen familiären Charakter, doch oftmals wohnten die Mitarbeiter in unterschiedlichen Städten, wodurch die Abrechnung erschwert wurde.

Die Halbgesellschaft
Die Halbgesellschaft ist die erste richtige Handelsgesellschaft, in der der Kaufmann das Kapital einbringt und ein bzw. mehrere Mitglieder den Handel betreiben. Die Handeltreibenden erhalten einen Gewinnanteil und müssen demnach auch für Verluste aufkommen.
Das unbekannte Kommissionsgeschäft
Das unbekannte Geschäft, welches auch als „Kommissionsgeschäft“ bezeichnet wird, kann auch als Halbgesellschaft dargestellt werden, kam jedoch nur selten vor. Es zeichnet sich dadurch aus, dass einer das Kapital zur Verfügung stellt, aber ein anderer dieses verwaltet. Der Gewinn wird dabei meistens halbiert, im Gegensatz zur Verlustregelung, welche sich als schwieriger erweist. Oft wurde der Verlust jedoch auch halbiert. Da nur eine Person das Kapital gab, handelt es sich nicht um eine Gesellschaft.
Das Sevende-Geschäft
Eine Form der Handelsgesellschaften war die „sevende“ (Sendegut), auch Eigengeschäft genannt. Das heißt ein Kaufmann sendet Ware durch einen sogenannten Diener. Dieser Diener bekommt weder einen Gewinnanteil noch einen Dienstvertrag sonder einen festen Lohn. Der Kaufmann übernimmt somit die volle Haftung für seine Ware und seinen Gewinn bzw. Verlust. Das Sendegutgeschäft wird auch als Kommissionsgeschäft bezeichnet, da der Kaufmann die komplette Bezahlung übernimmt.
Die Wederlegginge-Gesellschaft
In dieser Form von Handelsgesellschaft gibt es zweiseitige Kapitalanlagen und somit auch zwei Geschäftspartner. Das Geschäft übernimmt einer der beiden Partner, der andere Partner widerlegt („wederlegginge“) sein Kapital dem sogenannten „Kapitalführer“. Dadurch entsteht ein Gesellschaftskapital. Der Begriff „Widerlegung“ bezeichnet also eigentlich nur den Gründungsprozess, ist in der Literatur jedoch etabliert, sodass er die Gesellschaft an sich bezeichnet. Zudem ist unklar, ob es eine Hierarchie zwischen den Gesellschaftlern gab. Die Häufigkeit dieser Gesellschaft lässt vermuten, dass dies die zentrale Gesellschaftsform zu dieser Zeit war. Der Gewinn wurde meist halbiert und der Verlust nach Kapitaleinsatz geteilt. Oft erhöhte der Kapitalgeber seinen Gewinn durch Zusatzinvestitionen oder ermöglichte damit, dass die Gesellschaft zustande kommen konnte.
Die offene Handelsgesellschaft
Die offene Handelsgesellschaft ist eine gemeinsame Firma, in der alle Geschäftsmitglieder gleich haften und die Geschäftsführung gemeinsam ausführen. Heute gibt es die oHG immer noch unter ähnlichen Bedingungen, z. B. dass einer der Gesellschafter ohne Mitwirkung der anderen Gesellschafter Handlungen vornehmen kann.

Forschung und Quellen zur Handelsgesellschaft im Mittelalter

Gesellschaftshandel trat in unterschiedlichen Formen auf, deshalb ist in der Geschichtswissenschaft die Erforschung der Dimension von Handelsgesellschaften ein wichtiges Feld. Die Forschung unterscheidet dabei zwei voneinander zu trennende Entwicklungslinien: eine mediterrane und eine nordeuropäische.[9] Leider gibt es nur wenige Quellen, die vertiefte Einblicke in (spät-)mittelalterliche Handelsgesellschaften gewähren. Zu den bedeutendsten Quellen im norddeutschen Raum zählen die Hanseregesten[10], die Rechnungsbücher der Kaufleute Veckinchusen[11] sowie das Lübecker Niederstadtbuch von 1311–1361.[12]

Sonstiges

Handelsgesellschaft oder Handelskompanie hießen auch die Unternehmen, die den überseeischen Handel mit überseeischen Besitzungen oder Kolonien betrieben. Sie waren teilweise privilegiert. Siehe zum Beispiel:

Einzelnachweise

  1. H. Kellenbenz: Handelsgesellschaft, in: LexMA IV, Sp. 1901.
  2. Vgl. H. Kellenbenz:Die Struktur der Unternehmungen, in: Troisième Conférence International d`Histoire Économique, München 1965, S. 1-32.
  3. H. Kellenbenz: Handelsgesellschaft, in: LexMA IV, Sp. 1901.
  4. H. Kellenbenz: Handelsgesellschaft, in: LexMA IV, Sp. 1901.
  5. F. Melis:Le società commerciali a Firenze dalla seconda metà del XIV al XVIs., in: Troisième Conférence International d`Histoire Économique, München 1965, S. 47-62.
  6. H. Kellenbenz: Handelsgesellschaft, in: LexMA IV, Sp. 1901.
  7. Ph. Dollinger: Die Hanse, Stuttgart 4. Aufl. 1989, S. 215. Vgl. hier das gesamte Kapitel: Der Beruf des Kaufmanns: Eigenhandel und Handelsgesellschaft.
  8. Ph. Dollinger: Die Hanse, Stuttgart 4. Aufl. 1989, S. 215. Siehe auch H. Kellenbenz: Handelsgesellschaft, in: LexMA IV, Sp. 1901.
  9. H. Kellenbenz: Handelsgesellschaft, in: LexMA IV, Sp. 1901.
  10. H. Kellenbenz: Handelsgesellschaft, in LexMA IV, Sp. 1901.
  11. M. Lesnikow: Die Rechnungsbücher des hansichen Kaufmanns Veckinchusen, in: Forschungen zur mittelalterlichen Geschichte 19 (1973).
  12. Vgl. zum Lübecker Niederstadtbuch F. Rörig: Das Lübecker Niederstadtbuch des 14. Jahrhunderts. Seine rechtliche Funktion, sich wandelnde Zielsetzung und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung, in: Ehrengabe dem deutschen Juristentage überreicht vom VLGA, Lübeck 1931, S. 35-54; siehe auch J. Reetz: Über das Niederstadtbuch, in: ZVLGA, 35, 1955, S. 34-56.
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