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Hainhausen


Hainhausen
Stadt Rodgau
Höhe: 122 m ü. NHN
Fläche: 4,77 km²[1]
Einwohner: 3781 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 793 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 63110
Vorwahl: 06106

Hainhausen ist heute der kleinste Ortsteil der Stadt Rodgau im Landkreis Offenbach in Hessen.

Lage

Hainhausen liegt an der Rodau in der Rhein-Main-Ebene auf 122 m über NN, ca. 7 km westlich von Seligenstadt.

Geschichte

Mittelalter

1108 wird ein Haginhusen als Standort einer Wasserburg der Herren von Hagenhausen erstmals urkundlich erwähnt.[3] Die Zuordnung dieser Nennung zu Hainhausen ist allerdings fraglich.[4] Die nächste Erwähnung erfolgte 1122. Die Reste der Wasserburg Hainhausen sind als Bodendenkmal in einer Wiese nahe der Rodau an der heutigen Burgstraße erhalten. Das Geschlecht der Hagenhausener siedelte in den Taunus um und nannte sich seit dem nach ihrer dortigen Burg von Eppstein.

Hainhausen war unter eppsteinischer Herrschaft Teil des Amtes Steinheim. 1371 verpfändete Eberhard von Eppstein Hainhausen je zur Hälfte den Grafen von Katzenelnbogen und den Herren von Hanau. 1393 gelangte das Pfand insgesamt an die Herren von Kronberg. Kirchlich gehörte das Dorf als Filiale zu Weiskirchen.

Frühe Neuzeit

1425 verkaufte Gottfried von Eppstein das Dorf an das Kurfürstentum Mainz.

Seinen Tiefpunkt erlebte der Ort – ebenso wie seine Nachbargemeinden – im Dreißigjährigen Krieg, als auch die Pest unter der Bevölkerung wütete. Die letzten Überlebenden flehten den Pest-Patron St. Rochus um Hilfe an. Das Ende der tödlichen Epidemie wird noch heute alljährlich (am 16. August) mit einer Prozession gefeiert, deren Ziel ursprünglich die bereits 1692 geweihte Rochus-Kapelle war. Seit Ende des 19. Jahrhunderts dient die an anderer Stelle im Ortskern neu errichtete Rochus-Kirche als deren Endpunkt.

In den Jahren 1631–1634, während des Dreißigjährigen Kriegs, beschlagnahmte König Gustav II. Adolf das Amt als Kriegsbeute und stattete die nachgeborenen Hanauer Grafen Heinrich Ludwig von Hanau-Münzenberg und Jakob Johann von Hanau-Münzenberg, die mit ihm verbündet waren, damit aus.[5] Da beide Grafen schon bald starben und der Westfälische Friede auf das Normaljahr 1624 abstellte, kam Hainhausen wieder an Kurmainz, wo es bis 1803 verblieb, als es im Zuge der Säkularisation an das Großherzogtum Hessen fiel.

Neuzeit

Im Großherzogtum Hessen gehörte es zu folgenden Verwaltungseinheiten:[1]

Am 1. Januar 1977 wurde Hainhausen im Rahmen der Gebietsreform in Hessen durch den Zusammenschluss von fünf bis dahin selbstständigen Gemeinden Teil der Großgemeinde Rodgau, seit 1979 Stadt Rodgau.[6]

Historische Namensformen

In erhaltenen Urkunden wurde Hainhausen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Haginhusen (1108) (?)
  • Hainhausen (um 1122)
  • Hagenhuse (1131)
  • Hagenhusun (1145)
  • Hagenhusen
  • Hahenhusen (1189–1220)
  • Hanhusen (1278)
  • Henhusin (1371)
  • Hyenhusen (1451)
  • Heynhusen (1465)
  • Haynhusen (1473)

Mühle

In dem Dorf lag im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit eine Mühle an der Rodau, am Ostausgang. 1189–1220 hatte ein Gottfried von Hainhausen die Hälfte der Einnahmen der Mühle von den Herren von Eppstein zu Lehen. 1681 bezog die Kellerei des Amtes Steinheim Einkünfte aus der Mühle zu Hainhausen. Die Mühle stellte 1866 den Mühlbetrieb ein.

Politik

Wappen

Das Wappen wurde am 31. August 1954 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In silbernem Schild eine rote Turmburg, belegt mit dem Eppstein`schen Schildchen (drei rote Sparren in Silber).“[7]

Es stellt in heraldischer Stilisierung die ehemalige Wasserburg des Ortes da, des Stammsitzes der Herren von Eppstein. Deren Sparrenwappen wurde deshalb ebenfalls in das Wappen von Hainhausen aufgenommen.

Einwohnerentwicklung

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1556: 18 Familien,
  • 1681: 18 Haushalte, 101 Einwohner
  • 1829: 308 Einwohner,
  • 1834: 341 Einwohner
  • 1939: 835 Einwohner

Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen in erheblichem Umfang Flüchtlinge zu.

  • 1961: 1.568 Einwohner
  • 1970: 2.051 Einwohner
  • 2011: 3.824 Einwohner.[8][9]
Hainhausen: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
341
1840
  
360
1846
  
376
1852
  
405
1858
  
389
1864
  
328
1871
  
344
1875
  
370
1885
  
370
1895
  
499
1905
  
608
1910
  
671
1925
  
676
1939
  
835
1946
  
1.071
1950
  
1.078
1956
  
1.150
1961
  
1.568
1967
  
1.989
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Verkehr

1896 erhielt Hainhausen mit der Rodgaubahn Anschluss an die Eisenbahn und einen Bahnhof. Seit Ende 2003 ist Hainhausen mit der S-Bahn-Linie S1 (Wiesbaden HauptbahnhofOber-Roden) an das Netz der S-Bahn Rhein-Main angeschlossen.

Sehenswürdigkeiten

Die Kirche St. Rochus wurde in den Jahren 1891–1893 erbaut. Sie beherbergt als kunsthistorisches Kleinod ein Vesperbild aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, das Maria und den vom Kreuz abgenommenen Jesus als Skulptur darstellt.

Literatur

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29, S. 138f, 158.
  • Geschichts- und Kulturverein Hainhausen: 900 Jahre Hainhausen. Hainhausen 2008
  • Michael Hofmann: Die Eisenbahn in Offenbach und im Rodgau. DGEG Medien, Hövelhof 2004, ISBN 3-937189-08-4
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 1995, S. 409.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 290f.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 106.
  • Georg Schäfer u. a.: Kreis Offenbach = Teilband von: Rudolf Adamy: Die Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen. 1885, S. 66f.
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 68. 2000, S. 18ff, 373ff.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen, Kreis Offenbach. Braunschweig/Wiesbaden 1987, S. 254ff.
  • Werner Stolzenburg u. a.: 100 Jahre Rodgau-Bahn 1896–1996. Rodgau 1996.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 „Hainhausen, Landkreis Offenbach“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 11. Juli 2014)
  2. Stadt Rodgau: Wohnbevölkerung Haupt- und Nebenwohnung , abgerufen im Juni 2016.
  3. Geschichts- und Kulturverein Hainhausen e.V Hainhausen: Rodgaus kleinster Stadtteil feiert ein großes Jubiläum .
  4. „Hainhausen, Gemeinde Rodgau“, in: Historisches Ortslexikon <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14118 > (Stand: 17. Dezember 2010).
  5. Richard Wille: Hanau im Dreißigjährigen Krieg. Hanau 1886, S. 91, 593f.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 375.
  7. Staatsanzeiger für das Land Hessen 1954 Amtsblatt Nr. 38 Seite 895
  8. Einwohnermeldeamt Stadt Rodgau
  9. www.rodgau.de Bevölkerungsstatistik

Kategorien: Ort im Landkreis Offenbach | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Offenbach) | Rodgau

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Hainhausen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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