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H. C. Artmann


Hans Carl Artmann (* 12. Juni 1921 in Wien-Breitensee; † 4. Dezember 2000 in Wien) war ein österreichischer Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer.

Leben

H. C. Artmann war der Sohn des Schuhmachers Johann Artmann und seiner Frau Marie, geborene Schneider. Er wuchs in Wien auf, besuchte die Volks- und Hauptschule und arbeitete drei Jahre als Büropraktikant. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, kämpfte im Zweiten Weltkrieg und wurde an der Ostfront mehrfach verwundet.[1] Er desertierte zwei Mal. Nach dem ersten Versuch 1942 wurde er zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt und in ein Strafbataillon der Wehrmacht überstellt. Bei Kämpfen im Elsass 1944 konnte er ein weiteres Mal fliehen und hielt sich bis Kriegsende in Wien versteckt.[2] 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft.[1]

Der Dichter war seit 1972 mit der Schriftstellerin Rosa Pock in Salzburg verheiratet, wo er bis 1995 lebte, bevor er nach Wien zog. Dort starb er am 4. Dezember 2000 an Herzversagen. Sein Ehrengrab[3] befindet sich im Urnenhain der Feuerhalle Simmering. Die Stadt Wien kaufte Artmanns literarischen Nachlass und stiftete 2004 ihm zu Ehren den H. C. Artmann-Preis. Seit 2008 vergibt die Stadt Salzburg gemeinsam mit dem Literaturhaus Salzburg – gelegen am H.C.-Artmann-Platz und ausgestattet mit dem h.c.café – das H.C. Artmann-Stipendium. Am 10. Juni 2016 wurde am Haus der Kienmayergasse 43 in 1140 Wien eine Gedenktafel zu Ehren von H. C. Artmann enthüllt.

Werk

Artmann veröffentlichte ab 1947 literarische Texte im Hörfunk und in der Zeitschrift Neue Wege. Seit 1952 arbeitete er mit Gerhard Rühm, Konrad Bayer, Friedrich Achleitner und Oswald Wiener zusammen in der Wiener Gruppe, von der er sich aber 1958 distanzierte. In dieses Jahr, 1958, fällt auch sein größter Publikumserfolg – der Gedichtband med ana schwoazzn dintn, mit dem er dem Genre des Dialektgedichts zum Durchbruch verhalf, das er allerdings als ein Experiment unter vielen ansah. Tatsächlich ist die Verwendung des Wienerischen nicht typisch für sein gesamtes Werk. Artmanns Romane, seine Lyrik und seine Erzählungen sind geprägt von einem spielerischen Surrealismus und einem vom Dadaismus beeinflussten Spiel mit der Sprache.

Als Theoretiker trat Artmann 1953 mit seiner „Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes“ hervor, die proklamierte, „dass man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben“.

Ab 1954 unternahm Artmann ausgedehnte Reisen durch Europa, lebte 1961–1965 in Schweden, danach bis 1969 in Berlin und ab 1972 in Salzburg. Er war Präsident und Gründungsmitglied der Grazer Autorenversammlung, aus der er 1978 austrat. Er erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen, unter anderem den Großen Österreichischen Staatspreis (1974), die Ehrendoktorwürde der Universität Salzburg (1991) und den Georg-Büchner-Preis (1997).

Artmann arbeitete auch als Übersetzer, unter anderem aus dem Englischen für so unterschiedliche Schriftsteller wie H. P. Lovecraft oder Cyril Tourneur. Er legte eine sehr freie Übertragung der Gedichte François Villons ins Wienerische vor, die von Helmut Qualtinger auf Schallplatte aufgenommen wurde. 1999 erschien Asterix oes Legionäa, ein Asterix-Band auf Wienerisch.

Kollegen über Artmann

„Ist die Sonne der Poesie untergegangen, dann gehen ihre Monde auf: Gestirne, deren Widerschein sich einer unsichtbaren Lichtquelle verdankt; H.C.Artmanns Poesie ist eine solche indirekte Poesie geborgten Lichts, eine Poesie nach ihrem Untergang. [...] Artmanns Poesie ist keineswegs spät oder gar zu spät gekommen; im Gegenteil ist sie eines der zahlreichen zeitgemässen Zeugnisse einer in der Moderne stark wirksamen, ja seit ihren Anfängen epochemachenden Erfahrung: Was einst als poetisch gelten konnte, ob nun unter dem Gesichtspunkt vorbestimmter Vokabularien, poetischer Techniken oder Verfahren, poesiegeeigneter Motive oder Gegenstände, besass für die Dichtung des zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr ohne weiteres Gültigkeit.“

Franz Josef Czernin[4]

„das werk h.c.s ist die gesammelte rettung der poesie, die weite der sprache reicht hin in alle moeglichen welten der phantasie. sie schafft sich diese welten und erzaehlt ihre vielfalt - die sogenannte wirklichkeit auf ihre aufblitzenden moeglichkeiten hin uebersteigend. was freiheit des schreibens, des erfindens, des verzauberns ist, fand ich in seinem werk - dem freundlichsten anarchismus, den man sich vorstellen kann.“

Alfred Kolleritsch[5]

„er hat wasserblaue augen immer noch, kann schoen fabulieren, sitzt vor seiner lesung in der hotelhalle, schluerft kamillentee, wird von ehrfuerchtigen juengern umringt, faehrt moped (meist ueberland), will den knochenschmerz nicht wahrnehmen. ist der juengste von uns allen geblieben, die wir damals in den fernen fuenfzigerjahren begonnen hatten, die neue poesie fuer uns und die welt wiederzuentdecken. ohne ende seine stolze feuerkunst moege verzaubern.“

Friederike Mayröcker[5]

„Er war mir Anschauung, Beweis, dass die Existenz des Dichters möglich ist.“

Konrad Bayer[6]

Auszeichnungen und Ehrungen

Werke (Auswahl)

  • 1954: Der Knabe mit dem Brokat. Kammeroper. Musik: Gerhard Lampersberg
  • 1958: med ana schwoazzn dintn. gedichta r aus bradnsee
  • 1959: hosn rosn baa (mit Friedrich Achleitner und Gerhard Rühm)
  • 1959: Von denen Husaren und anderen Seil-Tänzern
  • 1961: die liebe fee pocahontas oder kasper als schildwache
  • 1964: das suchen nach dem gestrigen tag oder schnee auf einem heißen brotwecken
  • 1966: verbarium
  • 1967: Grünverschlossene Botschaft
  • 1968: Frankenstein in Sussex, Fleiß und Industrie
  • 1968: Baladn (nach François Villon), Insel-Bücherei 883
  • 1969: Mein Erbteil von Vater und Mutter
  • 1969: Die Anfangsbuchstaben der Flagge
  • 1969: ein lilienweißer brief aus lincolnshire. gedichte aus 21 jahren
  • 1970: The Best of H.C. Artmann
  • 1970: Grammatik der Rosen. Gesammelte Prosa
  • 1971: How much, Schatzi?
  • 1972: Der aeronautische Sindtbart oder Seltsame Luftreise von Niedercalifornien nach Crain
  • 1972: Das im Walde verlorene Totem
  • 1974: Unter der Bedeckung eines Hutes
  • 1975: Aus meiner Botanisiertrommel
  • 1978: Nachrichten aus Nord und Süd
  • 1979: Die Wanderer
  • 1982: Die Sonne war ein grünes Ei
  • 1984: Nachtwindsucher - Einundsechzig österreichische Haiku
  • 1991: Hans-Christoph Stenzel's POEtarium
  • 1993: Der Schlüssel zum Paradies: Religiöse Dichtung der Kelten
  • 1993: Das poetische Werk
  • 2001: Ich bin Abenteurer und nicht Dichter: Aus Gesprächen mit Kurt Hofmann
  • 2003: Sämtliche Gedichte
  • 2005: Derr Herr Norrrdwind. Kinderoper. Musik: HK Gruber. UA 2005

Audioproduktionen

Literatur

  • Marcel Atze, Hermann Böhm (Hgg.): „Wann ordnest Du Deine Bücher?“ Die Bibliothek von H. C. Artmann. Wien: Wienbibliothek und Sonderzahl-Verlag 2006, ISBN 9783854492610
  • Heide Kunzelmann: Ich bin ja der Proteus. H.C. Artmanns Poetik der Wandelbarkeit. 2013, ISBN 978 3 85449 402 7
  • Marc-Oliver Schuster: Aufbau wozu. Neues zu H. C. Artmann. 2010, ISBN 9783826042980
  • Marc-Oliver Schuster: H. C. Artmann's Structuralist Imagination. 2010, ISBN 9783826044731
  • Marc-Oliver Schuster: „der zauberkasten / des famosen dr. mabuse / enthält mich, mädels!“ H. C. Artmanns Fantastik und Raum[Welt]-Modell. In: Pascal Klenke u.a.: Writing Worlds. Welten- und Raummodelle der Fantastik. Heidelberg, Winter 2014, ISBN 978-3-8253-6379-6, S. 141–151

Weblinks

 Commons: H. C. Artmann  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 H.C. Artmann starb in Wien, Spiegel Online, 5. Dezember 2000
  2. Thomas Geldmacher: Österreichische Wehrmachtsdeserteure und die Zweite Republik, in: Christine Schindler (Red.), Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Schwerpunkt: Bewaffneter Widerstand – Widerstand im Militär. Lit Verlag, Wien u.a. 2009 (= Jahrbuch 2009 des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes), ISBN 978-3-643-50010-6, S. 51
  3. Gewidmete Gräber der Stadt Wien (Abteilung 1, Ring 1, Gruppe 2, Nummer 3)
  4. http://ejournal.thing.at/Kritik/artmann.html
  5. 5,0 5,1 ueber h.c. artmann
  6. Festschrift für den Husaren am Münster Hieronymus Caspar Laertes Artmann. Herausgegeben von seinen Freunden Gerald Biesinger und Peter O.Chotjewitz. Verlag Ulrich Ramsegger. Hamburg 1966
  7. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/H. C. Artmann (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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