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Hördt


Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Ortsgemeinde Hördt in Rheinland-Pfalz. Zu weiteren Bedeutungen siehe Hördt (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: GermersheimVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verbandsgemeinde: Rülzheim
Höhe: 99 m ü. NHN
Fläche: 18,46 km²
Einwohner: 2478 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76771
Vorwahl: 07272
Kfz-Kennzeichen: GER
Gemeindeschlüssel: 07 3 34 011
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Deutschordensplatz 1
76761 Rülzheim
Webpräsenz: www.hoerdt-pfalz.de
Ortsbürgermeister: Max Frey (CDU)
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Hördt ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rülzheim an.

Geographie

Lage

Hördt liegt auf und am Hochufer des Rheins zwischen den Städten Germersheim und Wörth. Die Gemeinde liegt 100 bis 121 m über dem Meeresspiegel.

Die Gemarkung von Hördt ist 18,46 km² groß, davon sind 670 ha Staatswald, 197 ha Gemeindewald, 919 ha landwirtschaftliche Fläche einschließlich Wegen und Gewässer sowie etwa 60 ha bebaute Fläche. Mehr als zwei Drittel der Gemarkung sind Natur- und Landschaftsschutzgebiet. Regional bekannt ist die Hördter Rheinaue, das zweitgrößte Naturschutzgebiet der Pfalz (835 ha) mit seltener und geschützter Flora und Fauna.

Ab 1825 wurde der Rhein bei Wörth unter der Führung Tullas begradigt. Heute gilt die Hördter Rheinniederung als potentieller Retentionsraum.

Nachbargemeinden

Hördt hat im Uhrzeigersinn (beginnend bei 12 Uhr) mit folgenden Kommunen eine gemeinsame Grenze: Germersheim (oder genauer: Sondernheim, einem Stadtteil von Germersheim), Dettenheim, Linkenheim-Hochstetten, Leimersheim, Kuhardt, Rülzheim und Bellheim.

Geschichte

Ortsgeschichte

Archäologische Funde auf den Ortsfluren wie Steinbeile und Gefäße zeugen von der Anwesenheit von Menschen etwa 5000 v. Chr. in der jüngeren Steinzeit. 1937 wurde in Hördt ein spätbronzezeitliches Urnengräberfeld von etwa 1000 v. Chr. entdeckt.

Zur Römerzeit befand sich auf einer Anhöhe nach Bellheim hin ein römischer Wartturm (specula), an dem sich zwei römische Verkehrswege kreuzten (heutige Gewanne „Alter Turm“). Weitere Funde z. B. Göttersteine und ein Brückenstein aus dem 2. Jahrhundert lassen eine römische Siedlung mit weiteren Gebäuden vermuten.

Hördt wird erstmals in einer Urkunde des Klosters Fulda erwähnt. Diese Urkunde im Kopialbuch des Rabanus Maurus bestätigt eine Schenkung eines Acbuto (Agboto vom Elsass) an das Kloster Fulda, die eine Kirche, mehrere Höfe mit 63 Leibeigenen umfasste, davon zwölf zwischen Hördt und Ottersheim (… inter Herdi et Hudamaresheim …). Die Schenkung erfolgte, als Baugolfus Abt des Fuldaer Klosters war (780–802).

Die Ortsentstehung wird von Ernst Christmann zwischen den Jahren 600 und 800 datiert. Später könnte Hördt zur zwischen Hördt und Bellheim gelegenen Burg Spiegelberg gehört haben, die aber 1200 erstmals genannt wird.

Ab dem 12. Jahrhundert ist die Entwicklung des Dorfes stark vom Kloster und dessen Propstei geprägt (siehe unten). Im Jahre 1540 entstand die Gerichtsordnung des Dorfes sowie die Hördter Dorfordnung.

Im Österreichischen Erbfolgekrieg der 1740er Jahre ordneten französische Truppen den Bau der Queichlinien zwischen Landau und dem Rhein bei Hördt als Befestigungslinie an. Noch heute findet man im Wald beim Spiegelbach eine erhaltene Schanze. 1759 kam es zur geodätischen Vermessung und detaillierter Kartierung der Liniendörfer durch französische Ingenieurkorps.[2]

Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts überstand der Ort weitgehend unbeschadet, jedoch waren insgesamt 193 Opfer an der Front und durch Kriegseinwirkung in der Heimat zu beklagen.

Einwohnerentwicklung

Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.[3]

Jahr Einwohner
1802[4] 740
1815 1.284
1835 1.440
1849[4] 1.671
1861[4] 1.512
1871[5] 1.533
1905 1.605
Jahr Einwohner
1939 2.060
1950 2.117
1965 2.200
1970 2.234
1975 2.155
1980 2.132
1985 2.075
Jahr Einwohner
1990 2.121
1995 2.256
2000 2.329
2005 2.449
2010 2.424
2013 2.482

Kloster Hördt

Im Februar 1103 errichtete der Edelmann Herimannus auf seinem Gut in Herthi ein reich begütertes Kloster, welches der Gottesmutter Maria geweiht wurde. Als Zeugen werden Kaiser Heinrich IV. sowie Johannes I. Bischof von Speyer und andere Adlige in Speyer genannt. Bereits davor bestand die Dorfkirche St. Georg.

Das Kloster Hördt der Augustiner-Chorherren war mehr als ein halbes Jahrtausend der religiöse Mittelpunkt dieser Gegend und gilt als reichstes Ritterkloster der damaligen Kurpfalz. Es gehörte zum Reformverbund des Stift Marbach (Oberelsaß). Für 1171 sind Besuche der Hildegard von Bingen nachgewiesen.

Um 1140 ließ Burchard, Kanoniker am Stift St. Guido zu Speyer auf seinem und seiner Mutter Eigentum, in der Speyerer Vorstadt, eine dem Hl. Ägidius geweihte Kirche mit Hospital erbauen. Diese Stiftung übertrug er 1148, nach dem Tod seiner Mutter, dem Chorherrenstift Hördt. Zeuge der Schenkung war der Speyerer Bischof Günther von Henneberg. Schon bald wurde daraus eine der Speyerer Pfarrkirchen; das Kloster Hördt besetzte sie mit eigenen Geistlichen oder stellte welche dort an. Die Speyerer Ägidienkirche blieb bis zur Aufhebung des Stifts in dessen Besitz.[6]

Am 25. August 1278 genehmigte Bischof Friedrich von Bolanden im Bistum Speyer eine Geldsammlung zugunsten der abgebrannten Kirche Unserer lieben Frau in Herde und gewährte, unter der Bedingung einer zusätzlichen Beichte, für alle Spender einen Ablass.[7]

Aufgrund der häufigen und schweren Frondienste im Kloster, extremer Besitzunterschiede sowie sehr hoher Steuern und Umlagen, kam es im Pfälzischen Bauernkrieg 1525 auch zum Aufruhr gegen das Hördter Kloster. Dabei wurden die Gebäude von den unzufriedenen Bauern und Handwerkern gebrandschatzt und die Mönche misshandelt. Propst Florenz Schliederer von Lachen starb. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, wobei sich die sozialen Verhältnisse kaum besserten. Auch die Blütezeit des Klosters war vorbei.

Petrus Krane war ab 1637 der letzte Propst des Hördter Augustinerklosters. Er wurde in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges mit Gewalt auf Anweisung des Fürstbischofs und französischer Soldaten vertrieben. Das Kloster wurde säkularisiert und ging mit seinen Pfründen in das Eigentum der Kurpfalz über.

Von 1556 bis 1660 wechselten die Angehörigen und Untertanen des Klosters neunmal (!) zwischen katholischer, lutherischer und calvinistischer Konfession.[2]

In Zeiten der Mainzer Republik wurde die Klosterstiftung aufgelöst und die großen Besitzungen des Klosters wurden durch die französische Nation versteigert. Nachdem die Rheinpfalz 1816 bayerisch wurde, wurde der große Klosterwald Staatswald. Der Großteil der Klostergüter wurde von Ortsfremden übernommen.

Die Kloster-, Garten-, Propstei-, Augustiner- und Spiegelbergstraße sowie Propst-Krane-Platz und Herimannusweg erinnern heute mit ihren Namen an das Klosterdorf. Ferner existiert in Hördt ein Standbild des hl. Johannes Nepomuk. Von der Klostermauer ist ein 15 m langes und 2,50 m hohes Stück erhalten geblieben.

Religion

2013 waren 66,0 Prozent der Einwohner katholisch und 14,6 Prozent evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[8] Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1533 Einwohnern 1497 katholisch (98 Prozent) und 36 evangelisch (2 Prozent).[5]

Die St. Georgskirche befindet sich auf dem Jergenberg (= Georgenberg), wo einst ein Nonnenkloster stand. In Hördt wird besonders das Hochfest Kreuzerhöhung begangen, seitdem der Kirchgemeinde im Jahre 1768 eine Kreuzreliquie dediziert wurde. Im 20. Jahrhundert wurde die Georgskirche zweimal umgebaut, 2001 wurde das Geläut um drei auf sieben Glocken erweitert. Im Frühjahr 2005 wurde die Kirche von innen saniert.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Hördt besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[9]

Wahl SPD CDU FW-AB Gesamt
2014 4 7 5 16 Sitze
2009 6 6 4 16 Sitze
2004 6 6 4 16 Sitze
  • FW-AB = Freie Wähler-Aktive Bürger Hördt e. V.

Wappen

Auf dem Wappen ist die in Rot auf goldenem Thron sitzende Gottesmutter in blau-goldenem Gewand zu sehen, welche in der Rechten eine weiße Klosterkirche trägt. Auf ihrem Schoss sitzt das Jesuskind und hält ein rotes Buch. Zu beider Füßen ist das alte Hördter Gerichtssiegel auf dem Wappenbild in Gold, das eine rote Hausmarke in Gestalt eines gestürzten V zeigt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Denkmäler

Regelmäßige Veranstaltungen

Im Jahr 1980 feierte man 1200-Jahr-Feier mit einer Festwoche und seitdem alle fünf Jahre das „Klosterfest“. Die Turn- und Festhalle steht nach dem Bühnenneubau für alle kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung.

Wirtschaft und Infrastruktur

Seit etwa 1935 kam es zur Abnahme landwirtschaftlicher Erwerbsquellen. Typisch für die Südpfalz war und ist der Tabakanbau und die lokalen „Zigarrmacher“. Die erste Zigarrenfabrik eröffnete 1863 ihren Betrieb. Die verbliebenen Haupterwerbsbauern erzeugen vorwiegend Tabak, Spargel und Zuckerrüben sowie Getreide. Handel sowie mehrere leistungsfähige Handwerksbetriebe ergänzen die Wirtschaftskraft des Dorfes.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Andreas Helmling (* 1959), Bildhauer, schuf 2005 die „Stifterskulptur“ auf der Verkehrsinsel.
  • Veronika Olma (* 1962), Malerin und Designerin, lebte von 2000–2005 in Hördt.

Bildergalerie

Weblinks

 Commons: Hördt  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. 2,0 2,1 Max Frey sen. / Thorsten Verlohner: Geschichte Hördts (Memento vom 19. November 2005 im Internet Archive)
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Hördt
  4. 4,0 4,1 4,2 Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XVIII des Anhangs.
  5. 5,0 5,1 Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 64.
  6. Jakob Baumann: Geschichte der St. Ägidienkirche und des Kapuzinerkonventes in der freien Reichsstadt Speier, Speyer, Jägerscher Verlag, 1918, S. 1–5
  7. Franz Xaver Glasschröder: Neue Urkunden zur Pfälzischen Kirchengeschichte im Mittelalter (= Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Speyer. Bd. 14, ISSN 0480-2357 ). Verlag der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Speyer 1930, S. 4, Urkundenregest Nr. 7 .
  8. KommWis, Stand: 31. Dezember 2013
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen

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