Gustav Eichhorn - LinkFang.de





Gustav Eichhorn


Dieser Artikel behandelt den Mediziner Gustav Eichhorn. Für den gleichnamigen Physiker siehe Gustav Eichhorn (Physiker).

Gustav Eichhorn (* 21. Mai 1862 in Eisfeld; † 15. Oktober 1929 in Jena) war ein deutscher Mediziner und Prähistoriker, Professor an der Universität Jena, langjähriger Leiter des Germanischen Museums der Universität Jena und einer der Begründer der staatlichen Bodendenkmalpflege in Thüringen.

Leben

Gustav Friedrich Otto Eichhorn wurde am 21. Mai 1862 als Sohn eines Pfarrers in Eisfeld geboren. Nach dem Besuch der preußischen Landesschule in Pforta (heute Schulpforta) bei Kösen (ab 1876) besuchte er ab 1879 das Gymnasium in Jena. Danach studierte er von 1882 bis 1887 Medizin in Jena, legte 1887 die ärztliche Staatsprüfung ab und wurde zum Dr. med. promoviert. Nach mehreren Anstellungen als Assistenzarzt war er ab 1889 als praktischer Arzt in Jena tätig.

Seinem Interesse für die heimische Archäologie folgend hatte Eichhorn während seines Studiums auch Lehrveranstaltungen zur Ur- und Frühgeschichte bei Friedrich Klopfleisch besucht. Nach dessen Tod 1898 betreute Eichhorn ab 1900 zunächst ohne Vergütung und ab 1902 als Konservator die ur- und frühgeschichtliche Sammlung der Universität Jena. Nachdem er sie schon 1901 neu aufgestellt hatte, konnte das Museum 1904 aus den zu eng gewordenen Räumen im Schlossturm in das alte Collegium Jenense umziehen. Eichhorn verlieh der Sammlung einen rein prähistorischen Charakter, indem er die historischen Inventarstücke gegen die prähistorischen Funde aus dem Stadtmuseum tauschte.

Bald nach dem Beginn seiner Tätigkeiten für das Museum ging er an die Einrichtung des „Archivs für vor- und frühgeschichtliche Fundnachrichten“. Dies sind die Anfänge einer zentralen Bodendenkmalpflege in dem politisch stark zersplitterten Thüringen. Hervorzuheben sind die Ausgrabungen des Gräberfelds von Großromstedt, die zusammen mit Philipp Kropp zwischen 1907 und 1913 sowie 1926 und 1928 erfolgten, und dessen Material von Eichhorn bereits 1927 monographisch vorgelegt wurde. Des Weiteren führte er mehrere Rettungsgrabungen im Bereich um Jena durch und widmete sich der Aufarbeitung und Vorlage der Grabungen Klopfleischs.

1918 übernahm Eichhorn als Vorstand die selbständige Verwaltung des Germanischen Museums. Gleichzeitig erhielt er die Erlaubnis zur Abhaltung von Vorlesungen über Vor- und Frühgeschichte. 1922 wurde seine Lehrerlaubnis in einen Lehrauftrag für das Fach der Prähistorie umgewandelt und damit erhielt er erstmals auch eine Vergütung für seine Lehrtätigkeit. Ab 1925 war Eichhorn mit anderen Archäologen, darunter Alfred Auerbach, Alfred Götze und Georg Florschütz, maßgeblich an der Erarbeitung des Entwurfs zu einem Thüringischen Heimatschutzgesetz, Abschnitt Grabungen und Funde, beteiligt. Am 31. März 1927 wurde ihm für seinen Einsatz der Titel eines ordentlichen Honorarprofessors verliehen. Bereits 1926 war von der Philosophischen Fakultät das Promotionsrecht im Haupt- und Nebenfach Ur- und Frühgeschichte geschaffen worden.

In der kurzen Zeit seiner Lehrtätigkeit hatte Eichhorn zahlreiche Schülern und Schülerinnen, zu nennen sind hier Herbert Jankuhn und Gotthard Neumann als sein Nachfolger als Professor und Museumsleiter. Eichhorn konnte jedoch nur eine von ihnen, Hildegard Knack, 1928 mit einer Arbeit über „Die Latènekultur in Thüringen“ promovieren. Knack, die ab Ostern 1924 Prähistorie im Hauptfach studierte, gehörte zu den ersten Frauen, die den Doktortitel im Fach Ur- und Frühgeschichte erlangten.

Alle diese Tätigkeiten in Forschung, Lehre und in der bei der Leitung und dem Ausbau des Museum führte Eichhorn nebenamtlich zu seiner Arbeit als praktischer Arzt und ab 1913 Sanitätsrat aus. Darüber hinaus verwendete er erhebliche eigene Mittel auf die Entwicklung des Museums und der Anstalt für Vor- und Frühgeschichte. Bereits seit 1928 schwer erkrankt starb Gustav Eichhorn am 15. Oktober 1929 in Jena.

Schriften

  • Das Germanische Museum zu Jena. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. Band 21, 1903, S. 403–404
  • Aus der Jenaer Gesellschaft für Urgeschichte. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. Band 21, 1903, S. 404–408.
  • Die vor- und frühgeschichtlichen Funde der Grafschaft Camburg. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde. Band 22, 1904, S. 97–144, 269–330.
  • Die Ausgrabung des Nienstedter Grabhügels durch Professor Klopfleisch aus Jena. In: Jahresschrift für die Vorgeschichte der Sächsisch-Thüringischen Länder. Band 7, 1908, S. 85–94 Tafeln 11–14.
  • Depotfund im Münchenrodaer Grund bei Jena. In: Zeitschrift für Ethnologie. Band 40, 1908, S. 194–200.
  • Der Grabfund zu Dienstedt bei Remda (Grossh. Sachsen-Weimar). In: Zeitschrift für Ethnologie. Band 40, 1908, S. 902–914.
  • Die paläolithischen Funde von Taubach in den Museen zu Jena und Weimar. Festschrift zum 350-jährigen Jubiläum der Universität Jena. Jena 1909.
  • Tafeln zur Vor- und Frühgeschichte Thüringens mit 224 photographischen Aufnahmen vor- und frühgeschichtlicher Altertümer nach Epochen geordnet und erläutert. Jena 1910.
  • Die Funde vom Hausberg im Germanischen und städtischen Museum zu Jena. In: Der Hausberg und die Fuchsturmgesellschaft. Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Gesellschaft im Sommer 1911. Jena 1911, S. 69–80, Tafeln 5–6.
  • Der Urnenfriedhof auf der Schanze bei Großromstedt (=Mannusbibliothek, Band 41). Leipzig 1927.
  • Ein Merowingergrab aus der Burgauer Kiesgrube bei Jena. (= Mannus 4. Ergänzungsband) 1928 [Festschrift Gustav Kossinna], S. 151–159.
  • Führer durch die Sammlungen des Germanischen Museums der Universität Jena. Jena 1929.
  • Die Entdeckung der Wallburg auf dem Jenzig bei Jena durch Klopfleisch, seine Ausgrabungen auf dem Bergplateau und am Fuße des Jenzig. In: Beiträge zur thüringischen und sächsischen Geschichte. Festschrift Otto Dobenecker. Jena 1929, S. 1–16.

Literatur

Nachrufe und Würdigungen:

  • Gustaf Kossinna: Gustav Eichhorn †. Mannus 21, 1929, S. 339 f.
  • Hans Hahne: Professor Dr. Gustav Eichhorn in Jena †. In: Thüringen. Eine Monatsschrift für alte und neue Kultur. Band 5, 1929/30; S. 38 f.
  • Friedrich Thieme: Ein Jenaer Arzt und Forscher. In: Altes und Neues aus der Heimat. Beilage zum Jenaer Volksblatt. Band 5, 1931–33 (1934), S. 82.
  • Hans Gummel: Forschungsgeschichte in Deutschland. Die Urgeschichtsforschung und ihre historische Entwicklung in den Kulturstaaten der Erde 1. Berlin 1938, S. 413.

Weblinks


Kategorien: Prähistoriker | Gestorben 1929 | Geboren 1862 | Hochschullehrer (Friedrich-Schiller-Universität Jena) | Deutscher | Mann | Mediziner (19. Jahrhundert)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav Eichhorn (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.