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Gujarat


Gujarat (Gujarati ગુજરાત Gujarāt ; [guʤəˈrɑːt]) ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 196.024 km² und 60,4 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011). Hauptstadt des Staates ist Gandhinagar, die wirtschaftlich bedeutendste Stadt ist Ahmedabad.

Geografie

Gujarat grenzt an die Bundesstaaten Rajasthan (Norden), Madhya Pradesh (Osten) und Maharashtra sowie an die pakistanische Provinz Sindh und das Arabische Meer. Das indische Unionsterritorium Daman und Diu wird von Gujarat vollständig umschlossen. Das Unionsterritorium Dadra und Nagar Haveli liegt zwischen Gujarat und Maharashtra. Das Gebiet Dadra liegt als Enklave in Gujarat.

Gujarat besitzt eine Küstenlänge von ungefähr 1.600 km, mehr als alle anderen indischen Bundesstaaten. Die Küste umfasst unter anderem den Golf von Kachchh und den Golf von Khambhat, welche die Halbinsel Kathiawar begrenzen.

Eine bemerkenswerte Salzmarschlandschaft bildet die Rann von Kachchh an der pakistanischen Grenze.

Größte Städte

(Stand: Volkszählung 2011)[1]

Stadt Einwohner Stadt Einwohner
1 Ahmedabad 5.570.585 8 Gandhidham 248.705
2 Surat 4.462.002 9 Nadiad 218.150
3 Vadodara 1.666.703 10 Gandhinagar 208.299
4 Rajkot 1.286.995 11 Anand 197.351
5 Bhavnagar 593.768 12 Morbi 188.278
6 Jamnagar 529.308 13 Mehsana 184.133
7 Junagadh 320.250 14 Surendranagar Dudhrej 177.827

Bevölkerung

Demografie

Laut der indischen Volkszählung 2011 hat Gujarat 60.383.628 Einwohner. Damit ist Gujarat gemessen an der Einwohnerzahl der neuntgrößte Bundesstaat Indiens. Die Bevölkerungsdichte beträgt 308 Einwohner pro Quadratkilometer und ist damit niedriger als der Durchschnitt Indiens (382 Einwohner pro Quadratkilometer). Die Einwohnerzahl Gujarats ist stark ansteigend: Zwischen 2001 und 2011 nahm sie um 19,2 Prozent zu. Damit liegt die Wachstumsrate über dem Landesdurchschnitt von 17,6 Prozent im Vergleichszeitraum.[2] 42,6 Prozent der Einwohner Gujarats leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit deutlich höher als der Landesdurchschnitt von 31,2 Prozent.[3]

79,3 Prozent der Einwohner Gujarats können lesen und schreiben (Männer 87,2 Prozent, Frauen 70,7 Prozent). Die Alphabetisierungsrate liegt damit über dem Landesdurchschnitt von 74,0 Prozent (Stand jeweils Volkszählung 2011).[2]

Die Einwohner Gujarats bezeichnen sich als Gujarati. Eine Minderheit unter den Bevölkerung des Bundesstaates stellen die Adivasi (Angehörige der indigenen Stammesbevölkerung). Die indische Volkszählung 2001 klassifiziert 14,8 Prozent der Einwohner Gujarats als Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes). Die größte Gruppe stellen dabei die Bhil, die fast die Hälfte der Adviasi-Bevölkerung Gujarats ausmachen. Der Rest verteilt sich auf eine Reihe kleinerer Stämme.[4] Die Adivasi konzentrieren sich vor allem auf die Berggegenden im Osten Gujarats. In den Distrikten Dang, Narmada, Dahod und Valsad stellen sie die Bevölkerungsmehrheit.

Sprachen

Sprachen in Gujarat
Sprache Prozent
Gujarati
  
84,5 %
Bhili
  
4,8 %
Hindi
  
4,7 %
Sindhi
  
1,9 %
Marathi
  
1,5 %
Urdu
  
1,2 %
Andere
  
1,4 %
Verteilung der Sprachen (Volkszählung 2001)[5]

Die Hauptsprache Gujarats ist das Gujarati, nach dessen Sprachgrenzen der Bundesstaat 1960 gebildet wurde. Es gehört zur Gruppe der indoarischen Sprachen und wird in einer eigenen Schrift, der Gujarati-Schrift, geschrieben. Nach der Volkszählung 2001 wird Gujarati von 84,5 Prozent der Einwohner Gujarats als Muttersprache gesprochen. 4,8 Prozent der Bevölkerung sprechen Bhili, die Sprache des Adivasi-Volks der Bhil. Vor allem unter Einwanderern aus anderen Landesteilen ist Hindi, die meistgesprochene Sprache Indiens, verbreitet; Seine Sprecher machen 4,7 Prozent der Bevölkerung aus. 1,9 Prozent der Einwohner Gujarats werden als Sindhi-Muttersprachler verzeichnet; Hierunter fallen auch die Sprecher des in der Kachchh-Region verbreiteten Kachchhi-Dialekts. Marathi, die Sprache des Nachbarbundesstaates Maharashtra, wird von 1,5 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Unter den Muslimen Gujarats ist teilweise Urdu verbreitet, dessen Sprecher 1,2 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Alleinige Amtssprache Gujarats ist das Gujarati. Englisch ist wie in ganz Indien als Verkehrs- und Bildungssprache präsent.

Religionen

Religionen in Gujarat
Religion Prozent
Hinduismus
  
88,6 %
Islam
  
9,7 %
Jainismus
  
1,0 %
Andere
  
0,6 %
Verteilung der Religionen (Volkszählung 2011)[6]

Die große Mehrheit der Einwohner Gujarats sind Hindus. Nach der Volkszählung 2001 stellen sie 89 Prozent der Bevölkerung. Die größte Minderheit sind die Muslime mit knapp 10 Prozent der Bevölkerung. Kleinere Minderheiten stellen Jainas mit 1,0 Prozent und Christen mit 0,5 Prozent. Eine numerisch sehr kleine, aber historisch bedeutende Minderheit stellen die Parsen dar.

Umwelt

Zählungen im Jahre 2005 ergaben, dass die kleine Population an Löwen, die in Gujarat im Gir-Nationalpark beheimatet sind, wieder gewachsen ist, eine Auswirkung der Bemühungen der Regierung für einen Schutz gegen Wilderer. Gujarat ist der letzte natürliche Lebensraum für Löwen außerhalb Afrikas.

Geschichte

Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert wurde das Land nacheinander von drei miteinander verwandten hinduistischen Dynastien regiert: Chavda, Solanki, Vaghela. Um 1300 wurde es von den Moslems erobert, und im 15. und 16. Jh. existierte dort das Sultanat Gujarat. 1576 wurde das Sultanat von Akbar erobert und in das Mogulreich eingegliedert.

Nachdem sich der Bundesstaat Bombay 1956 um das gesamte Gebiet des heutigen Maharashtras vergrößerte, wurde Bombay entlang der Sprachgrenze am 1. Mai 1960 in die Bundesstaaten Gujarat und Maharashtra geteilt.

Am 26. Januar 2001 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,7 die Region. Etwa 20.000 Menschen starben und 200.000 wurden verletzt. Die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes wurde um ein Jahrzehnt zurückgeworfen.

Am 27. Februar 2002 wurden bei einem Anschlag auf einen Zug mit hinduistischen Pilgern mindestens 57 Menschen getötet, darunter 25 Frauen und 15 Kinder.[7] In der Folge kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Hindus und Moslems, bei denen nach offiziellen Schätzungen 254 Hindus und 790 Muslime getötet wurden. Die Ausschreitungen zählen zu den schlimmsten und brutalsten seit der indischen Unabhängigkeit, insbesondere Frauen wurden Opfer von Verstümmelungen, Folter und Massenvergewaltigungen.[8][9][10][11]

Verwaltungsgeschichte

Distrikte

Während des Bestehens von Gujarat vergrößerte sich die Anzahl der Distrikte von 17 auf 33.

  • Bildung des Distrikts Valsad aus Teilen des Distrikts Surat (1966)
  • Bildung des Distrikts Anand aus Teilen des Distrikts Kheda (2. Oktober 1997)
  • Bildung des Distrikts Dahod aus Teilen des Distrikts Panchmahal (2. Oktober 1997)
  • Bildung des Distrikts Narmada aus Teilen der Distrikte Bharuch und Vadodara (2. Oktober 1997)
  • Bildung des Distrikts Navsari aus Teilen des Distrikts Valsad (2. Oktober 1997)
  • Bildung des Distrikts Porbandar aus Teilen des Distrikts Junagadh (2. Oktober 1997)
  • Bildung des Distrikts Tapi aus Teilen des Distrikts Surat (2. Oktober 2007)

Politik

Politisches System

Die Legislative Gujarats besteht aus einem Einkammernparlament, der Gujarat Legislative Assembly oder Gujarat Vidhan Sabha. Die 182 Abgeordneten des Parlaments werden alle fünf Jahre durch Direktwahl bestimmt. Das Parlament hat seit 1970 seinen Sitz in der Hauptstadt Gandhinagar, die nach der Gründung des Bundesstaates Gujarat als Planstadt angelegt wurde. Zuvor war Ahmedabad von 1960 bis 1970 Interimshauptstadt gewesen.

Der Chief Minister (Regierungschef) Gujarats, wird vom Parlament gewählt. An der Spitze des Bundesstaats steht jedoch der vom indischen Präsidenten ernannte Gouverneur (Governor). Seine Hauptaufgaben sind die Ernennung des Chief Ministers und dessen Beauftragung mit der Regierungsbildung. Seit 16. Juli 2014 bekleidet Om Prakash Kohli dieses Amt. Höchster Gerichtshof Gujarats ist der Gujarat High Court mit Sitz in Ahmedabad.

Gujarat stellt 26 Abgeordnete in der Lok Sabha, dem Unterhaus des indischen Parlaments, und elf in der Rajya Sabha, dem indischen Oberhaus.

Parteien

Gujarat wird bereits seit 1997 durchgängig von der hindu-nationalistischen Partei Bharatiya Janata Party (BJP) regiert. Von 2001 bis 2014 bekleidete der BJP-Politiker Narendra Modi das Amt des Chief Ministers. Modi ist wegen seiner Rolle während der schweren Unruhen zwischen Hindus und Muslimen in Gujarat, die während seiner Regierungszeit im Jahr 2002 mehr als 1000 Menschenleben forderten, umstritten, brachte es aber wegen des wirtschaftlichen Erfolgs Gujarats unter seiner Regierung zu großer Popularität. Er konnte seine Partei zu drei aufeinanderfolgenden Wahlsiegen im Bundesstaat führen und wurde nach dem Wahlsieg der BJP 2014 zum gesamtindischen Premierminister gewählt. Nach dem Aufstieg Modis zum Premierminister übernahm seine Parteikollegin Anandiben Patel das Amt des Chief Ministers von Gujarat.

Bei der letzten Parlamentswahl in Gujarat im Dezember 2012 gewann die BJP 115 von 182 Wahlkreisen. Als wichtigste Oppositionskraft folgt der Indische Nationalkongress mit 61 Mandaten. Die Regionalpartei Gujarat Parivartan Party (GPP), die der frühere BJP-Politiker und Chief Minister Keshubhai Patel kurz vor den Wahlen gegründet hatte, kam auf zwei Sitze. Weiterhin sind im Parlament die beiden überregionalen Parteien Nationalist Congress Party (NCP) und Janata Dal (United) (JD(U)) mit zwei bzw. einem Abgeordneten sowie ein unabhängiger Kandidat vertreten.

Partei Sitze
Bharatiya Janata Party (BJP) 115
Indischer Nationalkongress (INC) 61
Gujarat Partivartan Party (GPP) 2
Nationalist Congress Party (NCP) 2
Janata Dal (United) (JD(U)) 1
Unabhängige 1
Total 182

Bei der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 konnte die BJP an ihre vorigen Erfolge in Gujarat anschließen: Sie gewann in dem Bundesstaat alle 26 Wahlkreise.

Verwaltungsgliederung

Der Bundesstaat Gujarat ist in folgende 33 Distrikte untergliedert (Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte nach der Volkszählung 2011):[12]

Distrikt Verwaltungssitz Fläche Einwohner
(2011)
Bev.-
dichte
Ahmedabad Ahmedabad 8.099 km² 7.208.200 890 Ew./km²
Amreli Amreli 7.383 km² 1.513.614 205 Ew./km²
Anand Anand 2.940 km² 2.090.276 711 Ew./km²
Aravalli* Modasa km² Ew./km²
Banaskantha Palanpur 10.745 km² 3.116.045 290 Ew./km²
Bharuch Bharuch 6.516 km² 1.550.822 238 Ew./km²
Bhavnagar Bhavnagar 9.993 km² 2.877.961 288 Ew./km²
Botad* Botad km² Ew./km²
Chhota Udaipur* Chhota Udaipur km² Ew./km²
Dahod Dahod 3.654 km² 2.126.558 582 Ew./km²
Dang Ahwa 1.758 km² 226.769 129 Ew./km²
Devbhumi Dwarka* Khambhalia km² Ew./km²
Gandhinagar Gandhinagar 2.102 km² 1.387.478 660 Ew./km²
Gir Somnath* Veraval km² Ew./km²
Jamnagar Jamnagar 14.112 km² 2.159.130 153 Ew./km²
Junagadh Junagadh 8.846 km² 2.742.291 310 Ew./km²
Kachchh Bhuj 45.442 km² 2.090.313 46 Ew./km²
Kheda Kheda 4.249 km² 2.298.934 541 Ew./km²
Mahisagar* Lunawada km² Ew./km²
Mehsana Mehsana 4.389 km² 2.027.727 462 Ew./km²
Morbi* Morbi km² Ew./km²
Narmada Rajpipla 2.759 km² 590.379 214 Ew./km²
Navsari Navsari 2.210 km² 1.330.711 602 Ew./km²
Panchmahal Godhra 5.215 km² 2.388.267 458 Ew./km²
Patan Patan 5.738 km² 1.342.746 234 Ew./km²
Porbandar Porbandar 2.298 km² 586.062 255 Ew./km²
Rajkot Rajkot 11.209 km² 3.799.770 339 Ew./km²
Sabarkantha Himmatnagar 7.400 km² 2.427.346 328 Ew./km²
Surat Surat 4.418 km² 6.079.231 1.376 Ew./km²
Surendranagar Surendranagar Dudhrej 10.514 km² 1.755.873 167 Ew./km²
Tapi Vyara 3.239 km² 806.489 249 Ew./km²
Vadodara Vadodara 7.546 km² 4.157.568 551 Ew./km²
Valsad Valsad 3.036 km² 1.703.068 561 Ew./km²

*: nach 2011 gegründete Distrikte

Erneuerbare Energien

In Gujarat gibt es ca. 458 km offene Hauptkanäle. Inklusive aller Seitenarme beläuft sich die Kanallänge aktuell auf 19.000 km. Nach Fertigstellung des SSNNL Kanalnetzes wird dieses ca. 85.000 km umfassen. Einige offene Kanäle für die Trinkwasserversorgung wurden in einem Pilotprojekt mit Solarmodulen überdeckt.[13]

Der indische Bundesminister für erneuerbare Energien, Farooq Abdullah unterstützte das innovative Projekt in der Presse.[14]

Weblinks

 Commons: Gujarat  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Quelle: Census of India 2011. (PDF; 154 kB)
  2. 2,0 2,1 Census of India 2011: Provisional Population Tables and Annexures.
  3. Census of India 2011: Provisional Population Totals - India - Rural-Urban Distribution. (PDF; 8,1 MB)
  4. Census of India 2001: Gujarat Data Highlights: The Scheduled Tribes. (PDF; 39 kB)
  5. Census of India 2001: Distribution of 10,000 Persons by Language - India, States and Union Territories.
  6. Census of India 2011: Population by religious community.
  7. Mindestens 57 Menschen bei Überfall auf Zug verbrannt. FAZ vom 27. Feb. 2002
  8. Akeel Bilgrami: Democratic Culture: Historical and Philosophical Essays. . Routledge, 1 February 2013, ISBN 978-1-136-19777-2, S. 143–.
  9. Ward Berenschot: Rioting as Maintaining Relations: Hindu-Muslim Violence and Political Mediation in Gujarat, India. In: A Micro-Sociology of Violence: Deciphering Patterns and Dynamics of Collective Violence. . Routledge, 11 June 2014, ISBN 978-1-317-97796-4, S. 18–37.
  10. Indian Social Institute: The Gujarat pogrom: compilation of various reports. 2002 (Zugriff am 6. Dezember 2014).
  11. Parvis Ghassem-Fachandi: Pogrom in Gujarat: Hindu Nationalism and Anti-Muslim Violence in India, Portland Press, 2012.
  12. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 of 2011: Gujarat. (PDF; 16,7 MB)
  13. State pulls off rare feat in reaping Sun, saving water . ExpressIndia. Abgerufen am 24. April 2012.
  14. Damodar Valley to replicate Gujarat's canal-top solar plant . Business Standard. Abgerufen am 22. Mai 2012.

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Kategorien: Indischer Bundesstaat

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