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Grotte


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Grotte (Begriffsklärung) aufgeführt.

Eine Grotte (italienisch grotta ‚Höhle‘, später ‚Gewölbe‘) ist ein Hohlraum mit künstlich geschaffenen Felsenwänden, manchmal auch ein ursprünglich natürlicher Hohlraum von geringer Größe, der stark durch den Menschen überarbeitet wurde. Grotten sind Gestaltungselemente der Gartenkunst.

Hohlräume in Gestein und Erdreich

  • Ein natürlicher Hohlraum ist eine Höhle.
  • Ein Gebäude, das eine Felsenhöhle vortäuscht, ist eine Grotte.
  • Ein waagerecht oder (begehbar) schräg in natürlich anstehendes Material künstlich vom Menschen gegrabener Hohlraum ist ein Stollen. Auch die meisten Tunnel sind Stollen.
  • Ein senkrechter Hohlraum ist ein Schacht, sowohl in natürlich anstehendem Material als auch in einem Gebäude. Ein (Höhlen-) Schacht ist natürlich entstanden.

Begriffsgeschichte

Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus wurde der Begriff Grotte annähernd synonym mit dem Begriff Höhle verwendet. Beide galten sowohl für natürliche als auch künstliche Hohlräume. Erhalten hat sich die Verwendung von Grotte für natürliche Hohlräume in dem zoologischen Artnamen Grottenolm und in Namen mehrerer bekannter Höhlen, wie Adelsberger Grotten. Einige vom Mittelmeer aus zugängliche Höhlen an Steilküsten tragen auch heute noch unangefochten den populären Namen Blaue Grotte.

In der Umkehrung wurden künstliche Hohlräume häufig als Höhlen bezeichnet, zum Beispiel im Begriff Wohnhöhle und Namen wie Homburger Schloßberghöhlen oder Märchen- und Sandsteinhöhle (in Walldorf an der Werra).

Die genaue Unterscheidung der Begriffe füllte über Jahrzehnte und auch heute noch geologische, speläologische und germanistische Arbeiten. Insgesamt war jedoch zu beobachten, dass „Grotte“ sich mehr auf einzelne meist kleine Räume mit überaus reichhaltigem Inhalt (Tropfsteine, Muscheln, Versteinerungen …) bezog, wogegen „Höhle“ meist Hallen und Gänge von größerer Ausdehnung bezeichneten. Grotte wurde für natürliche Höhlen häufig in der Mehrzahl verwendet, wobei eine einzelne Grotte eine Halle bezeichnete, von denen mehrere durch Gänge verbunden waren.

Bereits Kyrle hatte 1923 eine andere Definition, die von Hubert Trimmel in seinem Buch Höhlenkunde (1965) aufgegriffen wurde. Er definierte die Begriffe für den deutschen Sprachraum: eine Höhle ist ein zusammenhängender natürlicher Hohlraum, eine Grotte ein künstlicher Hohlraum. Für beide Begriffe wird zudem der Singular verwendet. Diese Verwendung hat sich in den letzten 50 Jahren weitgehend durchgesetzt, derartig, dass der Begriff Höhle alle natürlichen Hohlräume umfasst, wogegen Grotte bestimmte künstliche Hohlräume bezeichnet. Demzufolge gelten heute Bergwerke, Höhlenwohnungen und vieles andere nicht als Grotten, andererseits bezeichnet man in der Schweiz Höhlenburgen auch heute gerne noch als Grottenburgen.

Viele abgeleitete Begriffe stammen aus der noch nicht lange zurückliegenden Zeit vor der strikten Trennung der Begriffe Höhle und Grotte. So wird der Begriff „Naturhöhle“ benutzt, um die natürliche Entstehung hervorzuheben, die Bezeichnung „Tropfsteingrotte“ als Übersteigerung von „Grotte“, beides sind nach obiger Definition Tautologien. Besonders absurd die auch heute noch gerne verwendete Phrase „Höhlen und Grotten“ wenn sie nur natürliche Hohlräume bezeichnet. „Naturgrotte“ ist dagegen ein Oxymoron.

Kulturgeschichte der Grotte

Natürliche Höhlen und Felsquellen galten in der Antike als Aufenthaltsort von Nymphen und anderen chthonischen Wesen. Im Hellenismus und in römischer Zeit wurden solche Heiligtümer in Form von Nymphäen architektonisch gefasst, mit Nischen und Skulpturen ausgestattet. Schon in der Spätantike wurden aber auch Anlagen geschaffen, die solche mythologischen Traditionen nur noch "zitierten" und überwiegend profanen Kunstcharakter hatten.

In der Renaissance wurden mit der Götterwelt auch die gartenkünstlerischen Elemente der Antike aufgegriffen. Schon Leon Battista Alberti [1] (1452) empfahl, in Gärten kühle, feuchte Grotten anzulegen und im 16. bis 17. Jahrhundert gehörten Nischen an Futtermauern, Wasserkünste und mit unbehauenem Naturstein (z.B. Tuff) und Muscheln ausgekleidete Architekturen zum festen Programm größerer Gärten.

In Frankreich wurden die italienischen Vorbilder bald nachgeahmt und weiterentwickelt (Schloss Fontainebleau, Schloss Versailles). Auch im Norden gehörten die Grotten bald zum festen Repertoire des Schlossgartens (Hortus palatinus, Münchner Residenz, Hellbrunn bei Salzburg).

Stets ist die Idee der Grotte mit dem Element Wasser verbunden; dieser Naturbezug kann durch romantisch-religiöse Konnotationen erweitert werden, durch Spiegel (Giardino Giusti, Verona) und geheimnisvolles Dämmerlicht magisch-unwirkliche Vorstellungen erzeugen, zu mineralogischen Raritätenkabinetten ausgestaltet sein oder durch tückische Wasserscherze (Beispiel: Hellbrunn) zur platten Belustigung der Hofgesellschaft dienen. Ebenso variantenreich wie die Typenvielfalt ist die Platzierung der Grotten. Als wilde, zerklüftete Naturimitation kann sie, an die Gartengrenze gesetzt, zur gewachsenen Landschaft überleiten, andererseits werden Grottenelemente gern in die Untergeschosse von Schlossbauten selbst integriert und bestimmen den Charakter der Gartensäle (Beispiele: Pommersfelden, Schloss Wilhelmsthal, Neues Palais in Potsdam). So ist eine Grotte entweder ein unterirdisch gebautes oder zumindest unterirdisch erscheinendes Bauwerk, oder auch ein entsprechend ausgeschmückter Pavillon als Teil der Gartenarchitektur. Während die Gartentheoretiker in den frühen Jahren des 18. Jahrhunderts das Interesse an der Grottenarchitektur verloren, fanden in der Gartenpraxis die als Grottierer bezeichneten Spezialhandwerker noch bis zum Ende des Rokoko Arbeit. Für ihre Akzeptanz ist bezeichnend, dass sich seit 1730 aus den Grottenmotiven die Rocaille, das asymmetrische, muschelartige Ornament der Rokokozeit entwickelt und sich in alle Dekorationsanwendungen verbreitet.

Eine weitere wichtige Gruppe von Grotten sind die Mariengrotten. Meist gehen sie auf die Grotte von Lourdes zurück, eine ursprünglich natürliche Höhle von geringer Ausdehnung, kaum mehr als ein überhängender Fels. Mariengrotten wurden infolge der Popularität der Grotte von Lourdes weltweit künstlich angelegt.

Nachweise

  1. Alberti, De re aedificatoria, Buch IX,4

Literatur

  • Kilian Jost: Felsenlandschaften - Eine Bauaufgabe des 19. Jahrhunderts: Grotten, Wasserfälle und Felsen in landschaftlichen Gartenanlagen (Dissertation), Zürich 2015.
  • Uta Hassler, Julia Berger, Kilian Jost: Konstruierte Bergerlebnisse - Wasserfälle, Alpenszenerien, illuminierte Natur, München 2015.
  • Uta Hassler (Hg.): Felsengärten, Gartengrotten, Kunstberge: Motive der Natur in Architektur und Garten, München 2014.
  • Brigitta Mader: Observations on historical terminology: Grotte and Höhle in German texts. ACTA CARSOLOGICA, XXXII/II Seite 83-90, Ljubljana 2003.
  • Dieter Hennebo und Alfred Hoffmann, Geschichte der deutschen Gartenkunst, Bd.2, Hamburg 1965, S.71-74

Weblinks

 Wiktionary: Grotte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Grotten  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Gartenkunst | Unterirdische Bauform | Höhlenbauwerk | Speläologie

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