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Großrückerswalde


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: ErzgebirgskreisVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 536 m ü. NHN
Fläche: 26,69 km²
Einwohner: 3466 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 130 Einwohner je km²
Postleitzahl: 09518
Vorwahl: 03735
Kfz-Kennzeichen: ERZ, ANA, ASZ, AU, MAB, MEK, STL, SZB, ZP
Gemeindeschlüssel: 14 5 21 250
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marienberger Str. 108
09518 Großrückerswalde
Webpräsenz: www.grossrueckerswalde.de
Bürgermeister: Jörg Stephan (CDU)
}

Großrückerswalde ist eine Gemeinde im Erzgebirgskreis des Freistaats Sachsen, die zwischen 1930 und 1999 schrittweise aus mehreren Orten gebildet wurde. Der Namensgeber ist das Dorf Rückerswalde, das im 14. Jahrhundert erstmals dokumentiert ist.

Geografie

Lage

Die Gemeinde Großrückerswalde liegt im und am Tal der Preßnitz (Fluss). Der höchste Punkt des Ortes ist das Alte Gericht mit 742 m, der niedrigste Punkt ist an der Mündung der Preßnitz in die Zschopau mit 395 m. Das drei Kilometer lange Waldhufendorf Großrückerswalde liegt in einer Ost-West-Richtung in einem rechten Nebental der Preßnitz. Der Ortsteil Streckewalde, das einen Kilometer lange Waldhufendorf, liegt am Westhang des Preßnitztales. Mauersberg, ebenfalls ein Waldhufendorf, liegt auf einer Hochfläche westlich der Preßnitz. Niederschmiedeberg liegt im Preßnitztal als ehemalige Ansiedlung um ein Hammerwerk. Schindelbach ist eine kleinere Ansiedlung in einem östlichen Nebental der Preßnitz.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinde im Osten ist Marienberg, im Süden Mildenau und im Westen Thermalbad Wiesenbad. Im Nordwesten ist Wolkenstein Nachbargemeinde.

Gliederung

Geschichte

Großrückerswalde mit Boden und Schindelbach

Die erste urkundliche Erwähnung als Rotgerswalde datiert auf den 8. April 1386. Markgraf Wilhelm I. von Meißen wies der Witwe Anargs von Waldenburg die Herrschaft Scharfenstein mit dazugehörigen Dörfern, darunter Großrückerswalde, als Witwensitz zu.[2] Das Dorf wurde im Zuge der deutschen Ostsiedlung in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gegründet und erhielt zu dieser Zeit eine erste Pfarrkirche. Über deren Aussehen ist nichts bekannt. 1457/60 (dendro) erhielt die Kirche ein hölzernes Wehrgeschoss und wurde damit zur Wehrkirche. Das Dorf Boden wurde 1525 erstmals als Fotzenbodem erwähnt. Andreas von Berbisdorf erwarb 1541 das Vorwerk (Rittergut) Rückerswalde hinzu.

Der Rat der Stadt Marienberg kaufte 1543/1544 das „halbe Dorf“ Boden, die Bodenmühle, Mauersberg und den Schindelbacher Wald. Der erste erwähnte Lehrer starb nach etwa 50-jähriger Dienstzeit im Jahr 1568. Die Pest forderte im Jahr 1583 72 Tote. In Erinnerung an dieses Ereignis wurde das Pestbild in der Kirche geschaffen. Es ist eine der ältesten bildlichen Darstellungen eines Dorfes in Sachsen und enthält die Namen der Gestorbenen. Zwischen 1590 und 1611 wurden die Mühlen in Judenstein, Hirschleithe und am Fichtebach errichtet.

Im Jahr 1705 erhielt Rückerswalde sein erstes Schulgebäude, 1707 wurde der Ort Fernrückerswalde genannt. Friedrich Ludwig Graf zu Solms-Wildenfels und Tecklenburg kaufte 1744 das Rittergut. 1752 wurde Schindelbach erstmals urkundlich erwähnt. Die Ortsbewohner erwarben 1801 eine Feuerspritze und statteten damit das hölzerne Spritzenhaus aus. Im Jahr 1810 brannten das Rittergut sowie das Schloss ab. 1820 erhielt der Ort die Bezeichnung Großrückerswalde. 1821 errichteten die Bewohner von Boden eine steinerne Brücke über die Preßnitz. Um 1850 wurde der Rittergutsbezirk mit den Ortsteilen Fichtenbach, Neue Häuser, Scheidebach und Haus am Wasser die eigene Gemeinde Rückerswalde. 1864 wurde das erste Schulgebäude durch einen Neubau ersetzt, 1880 eröffnete eine Postagentur. Die Freiwillige Feuerwehr (FF) Großrückerswalde gründete sich am 13. Februar 1881, zehn Jahre später folgte die gegründet, die FF Rückerswalde. 1887 erhielt Rückerswalde einen Fernsprechanschluss nach Marienberg. Am 31. Mai 1892 wurde die Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt eingeweiht. Schindelbach nahm 1894 ein eigenes Schulgebäude in Betrieb; 1911 eröffnete das Gemeindeamt. 1913 schloss sich Rückerswalde an die Elektrizitätsversorgung an, 1927 folgte Schindelbach. Während des Ausbruchs der Spanischen Grippe in Europa kam es 1918 zu einer Influenza-Epidemie in der Gemeinde. 1924 wurden die Freiwilligen Feuerwehren in Boden und Schindelbach gebildet.

Infolge des Kirchenkampfes zwischen den Deutschen Christen und den Bekennenden Christen spaltete sich die Kirchgemeinde zeitweilig. Auf dem Hänelberg entstand in den Jahren 1935/1936 eine Segelflugschule. Mit der Entstehung der größeren Gemeinde erhielt der Ort einen Bahnhof an der Preßnitztalbahn, welcher ein Jahr später in Großrückerswalde umbenannt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1990

1949 wurde der SV Großrückerswalde 49 gegründet, der auch im 21. Jahrhundert noch existiert.

Die Gesellschaft für Sport und Technik übernahm 1950 den Segelflugplatz und unterhielt im Ort eine Gruppe interessierter Segelflieger. 1956 wurde in Schindelbach eine Wasserleitung gebaut, das Schulgebäude musste 1961–1963 einem Neubau weichen, das 1978 zusätzlich ein Lehrschwimmbecken erhielt. Am Hänelberg wurden 1968 Jugend-Sprungschanzen (K-Punkte 13 m und 27 m) errichtet. In den Jahren 1969 bis 1979 gab es in Großrückerswalde eine neue Ortswasserleitung. Trotz heftiger Proteste der Bevölkerung legte die Deutsche Reichsbahn 1986 die Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt still und demontierte diese in den folgenden Jahren.

Nach der Wende

Zusammen mit den Verwaltungsreformen in den wieder gegründeten Bundesländern werden die Gemeindestrukturen neu geordnet. Der Flugplatz erhielt im gleichen Jahr den Status als Verkehrslandeplatz. Am 1. Januar 1994 wurden Mauersberg und Niederschmiedeberg eingemeindet. 1996 gründete sich die Evangelische Mittelschule Erhard und Rudolf Mauersberger, benannt nach den Kantoren Erhard Mauersberger und Rudolf Mauersberger. (→siehe Söhne der Gemeinde)

Das Hochwasser am 5. Juli 1999 forderte in Schindelbach ein Todesopfer. Jeden Samstag vor dem 1. Advent findet seit den 1990er Jahren in Großrückerswalde das Pyramidenanschieben statt.

Eingemeindungen

Der Rittergutsbezirk Rückerswalde mit Fichtenbach, Neue Häuser, Scheidebach und Haus am Wasser wurde 1930 nach Großrückerswalde eingemeindet, 1936 kamen Boden und sein Ortsteil Schindelbach hinzu.

Mit den Gemeinden Mauersberg und Niederschmiedeberg entstand zum 1. Januar 1994 eine Verwaltungsgemeinschaft.[3] Am 1. Januar 1999 wurde Streckewalde eingemeindet.[4] Für 2013 wurde ein Zusammenschluss mit der benachbarten Gemeinde Mildenau angestrebt, wobei der Verwaltungssitz der neu entstehenden Gemeinde Preßnitztal mit etwa 7500 Einwohnern in Großrückerswalde werden sollte.[5][6][7] Bisher (Stand Februar 2015) ist es aber zu keinen Änderungen gekommen.

Einwohnerentwicklung

Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres mit Gebietsstand Januar 2007:

1982 bis 1988

  • 1982 – 4.070
  • 1983 – 4.065
  • 1984 – 4.055
  • 1985 – 4.070
  • 1986 – 4.050
  • 1987 – 4.022
  • 1988 – 4.009

1989 bis 1995

  • 1989 – 4.000
  • 1990 – 4.065
  • 1991 – 4.033
  • 1992 – 4.000
  • 1993 – 3.999
  • 1994 – 4.055
  • 1995 – 4.077

1996 bis 2002

  • 1996 – 4.096
  • 1997 – 4.108
  • 1998 – 4.130
  • 1999 – 4.104
  • 2000 – 4.049
  • 2001 – 4.018
  • 2002 – 4.002

2003 bis 2012

  • 2003 – 4.004
  • 2004 – 3.982
  • 2005 – 3.944
  • 2006 – 3.882
  • 2007 – 3.868
  • 2009 – 3.754
  • 2012 – 3.549

ab 2013

  • 2013 – 3.508
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Politik

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2014[8]
Wahlbeteiligung: 65,1 % (2009: 59,4 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
65,1 %
14,4 %
n. k.
6,4 %
8,0 %
5,9 %
ProG
ULWV
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+2,3 %p
-9,8 %p
-13 %p
+6,4 %p
+8,0 %p
+5,9 %p
ProG
ULWV
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Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 11 Sitze
  • FDP: 2 Sitze
  • LINKE: 1 Sitz
  • Pro Großrückerswalde (ProG): 1 Sitz
  • Unabhängige Loyale WV (ULWV): 1 Sitz

Bürgermeister

Wirtschaft und Infrastruktur

Großrückerswalde ist Bestandteil der Euroregion und Mitglied im Verein zur Entwicklung der Region Annaberger Land e. V..

Ortsansässige Unternehmen

Gemäß Gemeindehomepage waren per Ende 2014 mehr als 140 Unternehmen in Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung registriert.[9] Ausgewählte Beispiele sind: Home Fashion in Großrückerswalde, Carl Dietrich GmbH in Streckewalde (Servietten, Mitteldecken, Tischläufer, Tischtuchrollen, Tischdecken, Tischsets) und Nevelty (Exclusive clothes).

Verkehr

Mehrere Omnibuslinien verbinden die einzelnen Ortsteile miteinander und führen auch bis Annaberg-Buchholz und Marienberg.[10] Der Regionalverkehr Erzgebirge betreibt ein Schulbussystem für Wolkenstein-Großrückerswalde.

Bildung und Vereine

Die Evangelische Oberschule Erhard und Rudolf Mauersberger sowie die Grundschule Großrückerswalde kümmern sich um die Ausbildung der Kinder der Gemeinde. Fünf Kulturvereine bereichern das Leben der Einwohner.[11]

Sport

In der Gemeinde gibt es per Ende 2014 sechs Sportvereine zu den Sportarten Segelflug, Fallschirmspringen, Fußball, Volleyball, Faustball, Sportschießen, Tischtennis, Kegeln, Radball und Hockey. sie entstanden zwischen 1949 und 1999.[12]

Bauwerke

  • Wehrgangkirche Großrückerswalde
  • In der Marienberger Straße 108 befindet sich das Rathaus der Gemeinde.[13]
  • Im Ortsteil Mauersberg gibt es im Museumsgebäude ein Fremdenverkehrsamt.[13]
  • Weit über die Gemeinde hinaus bekannt ist das Mauersberger-Musikermuseum im Ortsteil Mauersberg, Hauptstraße 22.[14]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Otto Bräutigam: Segelflieger, 1939 Weltrekordflug über 364 km im Doppelsitzer Kranich nach Wien

Gemeindepartnerschaft

Literatur

  • Karl-Heinz Melzer, Bernd Stephan (Hg.): Festschrift zum 625-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung: Großrückerswalde 1386–2011. Wolkenstein, 2011.
  • Die Parochie Grossrückerswalde. in: Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Marienberg. Strauch Verlag, Leipzig, S. 348–366.(Digitalisat )
  • Richard Steche: Grossrückerwalde. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 5. Heft: Amtshauptmannschaft Marienberg. C. C. Meinhold, Dresden 1885, S. 7.

Weblinks

 Commons: Großrückerswalde  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gerhard Reuter, Hermann Pährisch: Eine Urkunde aus dem Jahre 1386. In: Erzgebirgische Heimatblätter 2012/1, S. 16–18.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01. 01. 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  5. Bernd Schreiter (Arnsfeld): Gedanken und Vorschläge zur Gemeindegebietsreform 2010 ; abgerufen am 19. Februar 2015.
  6. Freie Presse Online: Schon vor der Eheschließung kriselt es im Preßnitztal
  7. Weitere Gemeinden steuern Hafen der Ehe an.
  8. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  9. Gewerbe auf grossrueckerswalde.info ; abgerufen am 19. Februar 2015.
  10. Verkehrsmittelvergleich für Großrückerswalde
  11. Kulturvereine auf grossrueckerswalde.info , abgerufen am 19. Februar 2015.
  12. Übersicht der Sportvereine in Großrückerswalde , abgerufen am 9. Februar 2015.
  13. 13,0 13,1 Sehenswertes in der Gemeinde Großrückerswalde
  14. Museum Mauersberger in Großrückerswalde

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